Bin ich eine schlechte beste Freundin?

JenniX45

Benutzer
08. Okt. 2010
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Hallo!

Erstmal zur allgemeinen Situation: ich (w 25) habe eine gute Freundin (w 23) die ich damals in der Klinik kennengelernt habe. Wir haben oft über unsere psychischen Probleme/Erkrankungen gesprochen und ich war oft für sie da wenn es ihr schlecht ging. Auch während sie toxische Beziehungen hatte usw.

Nur irgendwann war nur noch ich für sie da, weil es sie selbst immer so runter gezogen hat wenn ich mal ein Problem hatte oder über meine Gefühle sprechen wollte. (Das hat sie mir so gesagt) Und wenn sie dann doch versucht hat für mich da zu sein hab ich mich danach meistens nur noch schlechter gefühlt. Ich habe ihr mehrfach versucht zu erklären dass ich nicht verlange dass Jemand meine Probleme lösen soll, sondern dass ich einfach nur manchmal Jemanden brauche der zu hört und mir das Gefühl gibt dass ich nicht alleine bin mit dem was ich manchmal fühle. (Ich habe Depressionen und kPTBS) Einmal habe ich versucht mich ihr an zu vertrauen und habe so etwas gesagt wie "Mir gehts grade so schlecht dass ich nicht mal irgendwas tun möchte. Ich möchte mich grad nicht mal mit mir selber beschäftigen, ich bin grad so erschöpft" und dann ist sie sauer geworden und meinte "Man muss auch etwas dafür tun damit es einem besser geht. Und ich kann da jetzt auch nichts dafür, ich strenge mich jeden Tag so sehr an damit es mir gut geht und du willst ja selber nicht mal dass es dir besser geht."
Ich kann mir nur erklären dass sie es vielleicht falsch verstanden hat, denn ich habe nie gesagt dass ich nicht will dass es mir besser geht. Oft hat sie mir auch vorgeworfen keine Hilfe zu wollen. (Ich bin in Therapie) Sie sagt auch oft Dinge an denen ich arbeiten soll. Letztens zum Beispiel hieß es dass ich angeblich total viele negative Glaubenssätze hätte und ich soll daran arbeiten. Als ich mit meiner Therapeutin dann darüber gesprochen habe ist mir aufgefallen dass das gar nicht so stimmt. Früher haben wir uns auch genau deswegen einmal gestritten weil ich meinte dass ich es Grenzüberschreitend finde, dass sie immer meine Probleme "bestimmt" und mir versuchen will irgendetwas ein zu reden an dem ich arbeiten soll, obwohl ich doch selber weiß wo meine Gefühle und Gedanken her kommen. Sie wirft mir auch oft vor, ich würde irgendwas auf sie projizieren wenn ich ihr dann sage, dass ich mich von ihr nicht verstanden fühle und dass nicht sie sondern ich grenzüberschreitend sei. (Bei anderen Leuten fühle ich mich aber verstanden, deswegen denke ich dass sie mich vllt wirklich nicht versteht und das keine Projektion von mir ist). Ich habe irgendwann aufgehört mich ihr mit solchen Dingen an zu vertrauen da sie meinte es zieht sie bloß runter. Aber wenn es ihr schlecht ging hat sie sich trotzdem immer weiter an mich gewandt und ich wollte auch nicht dass sie sich allein gelassen fühlt und habe (und da bin ich dann auch selbst Schuld) meine Grenzen überschreiten lassen da ich selbst nichts gesagt habe.
Jetzt hat sie seit ca einem Monat eine Fernbeziehung (waren schon länger befreundet und sind seit ca 1 Monat zusammen) die auch gut läuft und gesund zu sein scheint. Ich freue mich auch für sie und habe ihr schon oft alles Gute gewünscht und gesagt dass ich mich für sie freue. Nur hat sie dann angefangen nur noch von ihm zu reden und zu erzählen wie verliebt sie ist. Es kam dann so weit dass sie mir oft nicht mal mehr auf meine Nachrichten geantwortet hat, immer meinte sie, sie antwortet dann später aber oft kam dann gar nichts. Es gibt gefühlt nur noch ihn. Selbst wenn ich nur von meinem Tag erzählen wollte hat sie einfach weiter von ihm und sich geredet und ich habe mittlerweile das Gefühl dass es in unserer Freundschaft einfach keinen Platz mehr für mich gibt. Dann ungefähr Anfang der Woche hat sie mir erzählt dass sie gern aus unserer Stadt weg und zu ihm und seinen Freunden (die sie seit ca nem Monat kennt) in eine WG ziehen will. Sie meinte seine Freunde sind so toll und dass man mit denen ja so viel unternehmen und raus gehen kann und sie das ja jetzt total braucht. Das hat mich sehr verletzt denn sie hat mich fast nie mal gefragt ob wir zusammen irgendwas draussen unternehmen wollen. Das kam meistens von mir und meistens hatte sie dann keine Zeit weil sie schon mit anderen verabredet war (was ich auch nicht schlimm fand, aber man hätte ja vielleicht wenigstens an nem anderen Tag was machen können. Da kam dann auch nichts). Ich habe sie gefragt ob sie sich sicher ist dass sie weg ziehen möchte, da sie sich in der Vergangenheit oft sehr impulsiv in Beziehungen hinein geworfen hat und das im Nachhinein nicht gut fand und selbst zu mir meinte, dass ich ihr sagen soll wenn mir etwas komisch vorkommt. Ich hab mir einfach Sorgen gemacht. Habe ihr aber auch direkt gesagt dass es voll okay ist wenn sie das wirklich möchte und ich ihr da natürlich nicht im Weg stehen möchte. Das hat sie dann aber so sauer gemacht dass sie mir vorgeworfen hat ich würde mich gar nicht für sie freuen da ich ja angeblich gerade in meiner eigenen Beziehung unglücklich sei. (Bin ich nicht) Und hat sich dann gerechtfertigt dass ihre Beziehung total gesund wäre und sie nicht wegziehen will weil sie vor irgendwas flüchten möchte sondern weil sie dort glücklicher ist als hier. (Ich habe ihr all das nie vorgeworfen und nicht mal daran gedacht dass es deswegen sein könnte. Ich wollte einfach nur dass sie sich genug Gedanken vorher macht.)
Als ich ihr gesagt habe dass es mich verletzt dass sie anscheinend jetzt bessere Leute gefunden hat meinte sie "Unsere Freundschaft ist mir wichtig aber wir reden ja immer nur über Probleme und das zieht mich halt momentan eher runter und ich brauche Leute die mit mir raus gehen". Ja wir reden oft nur über Probleme. Aber halt über ihre Probleme und nicht mal über meine. Ich habe mich im Nachhinein sogar entschuldigt dafür, dass ich mich nicht direkt gefreut habe als sie das mit dem Wegziehen erzählt hat weil ich mich echt schlecht fühle und das Gefühl habe, dass ich vielleicht wirklich eine schlechte Freundin bin weil ich mich nicht gefreut habe. Weil wenn man jemanden mag dann will man ja nur das Beste, aber das will ich ja anscheinend dann nicht wenn ich ihr meine Bedenken äußere.. jedenfalls gibt sie mir das Gefühl, dass es so ist..

Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und wünsche euch einen schönen Tag.
LG Jenni.
 
Liebe Jenni

Du bist ganz sicher keine schlechte Freundin, und schon gar keine schlechte beste Freundin!
Im Gegenteil, du erscheinst mir sehr emphatisch und verständnisvoll, was deine Beziehung zu deiner Freundin angeht. Was man leider von ihr (aktuell) nicht behaupten kann. Mir wurde beim Lesen richtig schwer ums Herz.

Leider ist es so, dass sich Freundschaften weiterentwickeln und sich Lebenssituationen verändern, wie jetzt bei ihr mit dem Partner. Sie ist jetzt in der akuten Verliebtheitsphase und sieht alles durch die rosarote Brille. Da will sie keine Probleme wälzen und es besteht von ihrer Seite her auch kein Platz für noch so vorsichtig angebrachte Bedenken, egal wie berechtigt sie sein mögen. Das ist nicht schön für dich und mehr als ihr zu sagen, dass dich ihr Verhalten verletzt (was du ja schon getan hast), kannst du leider nicht tun.

Das Gute daran ist, dass diese Verliebtheits-Phase nicht ewig anhält. Und irgendwann rücken auch bei ihr die Alltagsprobleme wieder in den Vordergrund. Das ändert aber nichts daran dass ich ihr Verhalten dir gegenüber nicht ok finde. Spricht nicht gerade für sie und als Freundin..

Zieht sie weit weg? Und hast du noch andere Mädels mit denen du dich austauschen und Dinge besprechen kannst, die dir am Herzen liegen?

Wenn du kannst lass es mal etwas laufen und sieh was die Zeit bringt und was der Umzug mit eurer Freundschaft macht. Aber lass nicht zu, dass sie dich (weiter) verletzt. Ansonsten würde ich mich zurück ziehen.

Alles Liebe und fühl dich gedrückt!

PS. Ich wäre in deinem Alter froh gewesen, wenn ich so eine Freundin wie du es zu sein scheinst, gehabt hätte
 
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In vielen menschlichen Beziehungen herrscht ein solches Ungleichgewicht, manche sind bereit mehr zu geben, andere nehmen nur. Schön ist es nicht. Dass sie in der Verliebtheitsphase eure Freundschaft vernachlässigt und abgelenkt ist, ist dagegen ziemlich normal. Beides könnte man akzeptieren, wenn man möchte, aber da du damit offensichtlich nicht glücklich bist und sie sich nicht unbedingt ändern wird, glaube ich auch, dass du auf Abstand gehen solltest und schauen, ob du ihr überhaupt fehlen wirst.
War sie je völlig anders? Ich hatte eine lustige, intelligente Freundin, die ich wirklich mochte, eine interessante Persönlichkeit, aber sie dachte wirklich nur an sich selbst. Und auf die Dauer ist es enttäuschend, es fehlt etwas, man fühlt sich ignoriert, als wäre man gar nicht da oder nur ein Therapeut, Dienstleister. Auf die Dauer kann so eine Freundschaft ungesund sein.
 
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Ich glaube, mit Freundinnen ist es wie mit Beziehungen. Man kommt zusammen und man trennt sich. Eine enge, beste Freundin und Seelenverwandte begleitet dich ein Stück im Leben. Und wie in einer Partnerschaft merkt man plötzlich das diese Beziehung irgendwie auseinanderläuft. Die Interessen nicht mehr harmonieren, das Vertrauen nachlässt, Erwartungen nicht mehr erfüllt werden, Gespräche und Gemeinsamkeiten weniger werden...Plötzlich ist es anders. Einer oder beide haben sich verändert. Das ist traurig, aber passiert ganz oft. Bei manchen hilft einfach mal Abstand nehmen. Aber oft ist es nach dem Abstand nicht mehr wie es einmal war. Man bleibt irgendwie befreundet, aber mehr nicht. Oft bleiben auch Partner in dieser Konstellation trotzdem zusammen. Wie Freundschaften. Das ist Schade und Traurig. Denn egal ob beste Freundin oder Partner, wenn es so ist, ist es ganz einfach ein Verlust von einem Herzensmensch. Und das schmerzt. Aber, sich selbst Vorwürfe machen oder bei sich Fehler suchen, ist völlig überflüssig. Das lass mal gleich. Diese Energie verwende lieber auf dich. Versuche dich davon abzulenken. Stürze dich in irgendwelche Aktivitäten, Hobbys, Sport, Kurse, etc. Und versuche nicht ständig an sie zu denken. Und- viel Glück dabei🍀.
 
Danke für eure lieben Antworten!
Mir geht es direkt schon ein bisschen besser bei all den lieben Worten. :)

Sie zieht quasi ans andere Ende von Deutschland. Ich habe zum Glück noch meinen Partner und 2/3 andere Freundinnen denen ich mich anvertrauen kann und die dann auch da wären wenn ich sie brauche. Diese sehe ich leider wegen Arbeit usw nicht sooft aber wenn man sich mal sieht ist es immer angenehm.

Wir haben jetzt seit einigen Tagen nicht mehr geschrieben oder geredet und ich werde jetzt definitiv auch erstmal etwas auf Distanz gehen und schauen wie sich das ganze entwickelt. Ich habe aber in den paar Tagen ohne Kontakt zu ihr schon gemerkt dass es mir nach der anfänglichen Trauer schon irgendwie auch etwas besser ging. Die ganze Situation hat mich die letzten Monate und Wochen teilweise so vereinnahmt dass ich teilweise keine Zeit mehr hatte auch mal für mich selbst da zu sein. Fühlt sich befreiend an. Auch wenn es traurig ist. Ich denke auch nicht dass sie ihr Verhalten in absehbarer Zeit verändern wird.

Danke nochmal für eure Antworten! 🧡