Zum Inhalt springen

Über 40 und weiss nicht weiter

2 Antworten1'158 AufrufeGestartet von lyset ·

lysetThemenstart
#1
Hei!

Es begann vor ca. sechs Jahren.

Der große Chef gab zum Ausstand seines überraschenden Betriebs-Endes einen aus. Die ca. 300 Mitarbeiter starke Mannschaft vergnügte sich etwas im Innenhof. Es war Sommer und ich war neu dort.

Ich sah sie und meine Augen betrachteten sie, wie von allein. Feines Mädel, sieht niedlich aus, aber weshalb macht sie nicht mehr aus ihrem Outfit? Und gut wars.

Ich sah sie lange nicht, in unserem großen Haus. Alles war noch zu neu und unvertraut.

Wir begegneten uns nur selten im Haus, arbeiten in verschiedenen Bereichen. Aber der Zufall bringt dann doch die eine oder andere Begebenheit mit sich. Und so sprach ich sie dann nach Wochen auf dem Flur an. Wir unterhielten uns recht lang, Kollegen eilten vorbei. Ich war sehr fixiert auf sie, stellte viele Übereinstimmungen fest. Jedes ihrer Worte saugte ich in mir auf.

Auch später. Sie ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Wie von allein meldete sie sich in meinem Kopf zu Wort: Auf dem Weg zur Arbeit, tagsüber dort, zurück, zu Hause, nachts in den Träumen. Ich konnte oft nicht mehr schlafen, wachte nach ein paar Stunden auf und unzählige Gedanken jagten und marterten mich.

Sie hat eine so wunderbare Stimme.

Es quält mich so und ich weis natürlich, dass nur ich selbst das bin. Ich kam aber nicht dagegen an.

Dabei habe ich keine Gründe, die daheim liegen. Meine gute Frau, die seit 20 Jahren Ehe wirklich eine über alles Gute ist – ich kann ihr nichts antun. Die großen Kinder... Also alles in bester Ordnung, selbst im Alltag.

Und doch setzt sich einfach das Gefühl darüber hinweg.

Immer wieder muss ich an sie denken und bin sehr erleichtert, wenn ich mal ein paar Stunden Ablenkung habe. Die Erleichterung spüre ich dann körperlich.

Und das zog sich über Monate und Jahre hin. Auf und ab gehen die Wogen in mir. Nur wenig fand ich zu mir selbst zurück.

Auf Dauer war das nicht zu verbergen und ich musste mich meiner über meinen Zustand besorgten Frau anvertrauen. Der Schock war da, Panik auch, ganz klar. Und ich wollte das nicht. Gemeinsam fanden wir eine Strategie. Meinten wir, aber es half wohl nicht wirklich.

Vor vier Jahren, irgendwann, ging ich zu ihr ins Büro. Stellte mich vor. Ihr Namen stand am Türschild, das ich jedes Mal anschaute, wenn ich den zum Ausgang führenden Weg extra über ihren Flur wählte. Oft waren wir uns dort zufällig begegnet.

Ihre Wangen erröteten leicht, als ich ihr Zimmer betrat. Sie erwähnte es auch und fand aber schnell die Fassung zurück. Zu schnell. Und beendete das Gespräch, bevor eine Situation entstand, in der ich mich hätte offenbaren können...

Die Ablehnung tat mir gut. Was hatte ich anderes erwartet? Nichts. Sie ist ebenfalls verheiratet, hat zwei große Kinder im gleichen Alter wie unsere.

Später versuchte ich zwei Anrufe, Dienstliches vorschiebend. Kurze Antwort. Distanziert, aber freundlich. Richtig so, genau das, was ich brauche. Im Ernst!

Eine Weile lang ging es mir danach gut. Ich versuchte, allen Wahrscheinlichkeiten, ihr zufällig zu begegnen, aus dem Weg zu gehen. Und es half. Bis ich sie wieder sah.

Und alles war neu entfacht.

Und jetzt geht das Ganze bereits ca. sechs Jahre. Ich verzehre mich, weiß nicht weiter und bin mit mir selbst echt am Ende. Auch körperlich.

So ziemlich das vergangene Jahr spielte sie keine übergeordnete Rolle mehr in meiner Gedankenwelt. Aber jetzt ist alles wieder schlimm. Es gibt keinen großen Anlass dafür. Nur ein Blick, der mir mal folgte, ein Lächeln, vielleicht ein besonders gut gemeinter Gruß.

Alles wieder ein Irrtum?

Ich weiß nicht, ich kann nicht mehr. Ich komme einfach nicht von ihr los. Mein ganzes innere Leben ist vollkommen durcheinander, ich bin nicht mehr ich und entwickele Strategien, es zu verbergen.

Ich wollte mich doch nicht verlieben.

Ich brauche eine neue Software für mich, aber ich finde keine.

Oh du bleicher Gesell, wer bist du, der da - im Schutz der Dunkelheit - einen Strahl ihres Lichtes zu erhaschen?

Was soll ich tun, ihr lieben Leidensgefährten?

Nord

#2
guten morgen!

schwierig ... echt ...

ne lange zeit ... 6 jahre ...

aber was genau ist es ... verliebt sein ins verliebt sein? etwas zu begehren was unerreichbar ist? auszubrechen aus deinem alltag, deiner inzwischen fast langweiligen harmonie? das gefühl etwas bewegen zu wollen, zu müssen?

letztendlich kennst und weisst du nichts von ihr, was ein gefühl der liebe wirklich bestätigt ... du steigerst dich in etwas hinein was auf sehr unsicheren beinen steht ...

du willst ja nicht loskommen ... weil dir du das gefühl magst ... aber horch mal in dich hinein was er wirklich ist ... suche nach anerkennung oder einer der oben genannten gründe?

du musst etwas tun und zwar schnell ... und in erster linie für dich ... diese frau oder dieses gefühlswirrwarr ist nur ein zeichen, aber nicht der grund!

alles liebe

venice

#3
Liebe Venice!

Danke für deine Zeilen.

Gefühle lassen sich leider nicht mit Rationalität erklären und nur schwer beeinflussen. Selbst die Zeit heilt manchmal eben nicht die Wunden. Vielleicht aber Entfernung, aber ich kann keinen anderen Dienstort wählen.

Ich fürchte, ich muss mich mit mir (na klar, mit wem sonst??) noch lange herumplagen.

Würde zu gern alles entzaubern...um wieder zu mir selbst zu finden.

lyset

Seite 1 von 1 · 3 Beiträge in diesem Thema