Zum Inhalt springen

Berührungsängste...

6 Antworten1'603 AufrufeGestartet von hope_05 ·

hope_05Themenstart
#1
Mich treibt folgende Frage um und vielleicht kann mir ja einer hier von Euch eine Antwort oder einen Gedankenanstoß geben:

Bin seit zwei Jahren mit einem Mann befreundet. Die Beziehung ging von einer rein geschäftlichen in eine persönliche über. Das Merkwürdige an der ganzen Sache: Je persönlicher es wurde, desto größer wurde der körperliche Abstand voneinander. Haben wir uns zu Anfang noch mit Handschlag begrüßt, oder gab es mal ein freundschaftliches ‚auf die Schulter klopfen’ so können wir jetzt im engsten Cafe sitzen, ohne dass wir uns auch nur zufällig berühren.

Die Gespräche, die wir führen, sind tief, ich habe noch nie mit einem Mann so gesprochen, wie mit ihm. Der Augenkontakt ist so intensiv, dass ich es manchmal nicht mehr aushalten kann, weil ich das Gefühl habe, er schaut mir in die Seele…Die letzten Treffen gingen mir so nahe, dass ich nach 2 Stunden einfach nicht mehr konnte – mir war schlecht und schwindelig und nachdem wir uns endlich verabschiedet hatten kam mir das ganze Essen wieder hoch. Konnte den ganzen Tag und den Folgetag nichts essen, es ging mir aber überhaupt nicht schlecht, ich hatte in mir ein wohlig-warmes Gefühl, musste immer an ihn denken. Ich kenne mich selbst nicht mehr, eigentlich bin ich ein eher impulsiver Mensch, d.h. ich habe keine ‚Berührungsängste’ nur bei ihm – wenn ich es mir vornehme, dass ich beim nächsten Treffen einfach mal seine Hand nehme oder ihm über die Schulter streiche, kann ich mir sicher sein, dass ich es nicht tun werde. Ich versteh das alles nicht mehr…kennt einer von Euch eine solche Situation bzw. hat irgendjemand von Euch eine Idee, wie ich damit umgehen kann? Was noch erschwerend hinzukommt, ist dass wir beide in jahrelangen und festen Beziehungen leben, jeder das von dem anderen weiß und jeder von uns auch den Partner des anderen kennt…

#2
Hat er denn auch solche Berührungsängste wie du? Wie verhaltet ihr euch, wenn ihr euch seht und eure Partner auch dabei sind? Wie reagiert er denn, wenn du ihn zur Zeit versehentlich berührst? Schreckt er zurück oder lässt er die Berührung einfach zu?

Bist du denn in deiner und er in seiner Beziehung noch glücklich?

Ist denn eure Beziehung weiterhin nur geschäftlich, ich meine in welcher Situation seht ihr euch denn? Seht ihr euch auch rein privat?

Hast du denn versucht, ihn auf deine Ängste anzusprechen?

Ich weiß, das sind sehr viele Fragen, aber vielleicht kannst du durch die Beantwortung dieser Fragen für dich klarer sehen.

Das wünsche ich dir.

Wenn man befreundet ist, sollte man sich auch berühren können.

#3
Freundschaft ist nicht gleich Freundschaft

Da entstehen Fragen:

Wie sind denn diese "Ängste" jetzt im Detail? Oder anders gefragt: Ist es auch so in deiner Phantasie, dass du ihn nicht berühren kannst? Oder wie oft hast du ihn schon - in Gedanken - berührt?

Falls ich mich täuschen sollte, klär es bitte auf, denn ich hätte den Eindruck, er ist viel mehr als ein guter Freund für dich. Doch da du in einer Beziehung lebst, willst du solche Gedanken nicht zulassen, weil es nicht sein kann, darf, wie auch immer.

Wenn die Freundschaft ganz entspannt wäre, wären "harmlose" Berührungen kein Thema. Wenn es aber eine sexuelle Anziehungskraft geben sollte, wird selbst die kleinste Berührung vermieden, weil man in alles so vieles hineininterpretieren könnte, und das doch gar nicht will.

Sollte ich mich also nicht täuschen, dass lass dir sagen, hope:

das gibt es und es ist verwirrend, weil man es nicht steuern kann. Es sagt aber aus, dass du ein liebender und aufmerksamer Mensch bist. Und so jemand kann sich verlieben, auch wenn er in einer Beziehung lebt. Auch wenn diese Beziehung glücklich ist.

Das Entscheidende ist doch immer, ob und was man daraus macht. Nur in Gedanken sich jemanden verbunden fühlen - selbst wenn der Wunsch nach mehr da sein sollte - ist nicht das Gleiche wie Fremdgehen, wenn es bei dem Gedanken bleibt.

Aber es könnte auch ein Hinweis dafür sein, dass du in deiner Beziehung etwas vermisst. Ich vermute einmal, es sind könnten diese tiefgreifenden Gespräche sein, die du mit noch niemanden bisher führen konntest - leider auch nicht mit deinem Partner?

#4
Dankeschön für's Lesen, Gedanken machen und vor allem: Fragen stellen :-) Ich versuche es mal, der Reihe nach abzuarbeiten.

@tychoxeus:

Also, die Berührungsängste gingen von ihm aus. Als wir ausschließlich geschäftlichen Kontakt hatten, ließ sich ja z.B. das Händeschütteln nicht vermeiden. Als es dann in die private Richtung ging, hat er mir gesagt, dass er das überhaupt nicht mag. Hab es so akzeptiert, ohne aber darüber nachzudenken, ob es eine Alternative gäbe.Wie gesagt, von seinem Charakter her ist er eher introvertiert und deswegen hab ich es halt in die Richtung interpretiert, dass er generell kein Freund von irgendwelchen Begrüßungsritualen ist.

Wir treffen uns fast ausschließlich privat und wir sind immer nur zu zweit. Unsere Partner sind nie dabei, sie wissen aber beide, dass wir eine freundschaftliche Beziehung miteinander haben (und fragen sich unabhängig voneinander, was uns beide verbindet - er ist fast 10 Jahre jünger als ich...)

Wie gesagt, normalerweise habe ich überhaupt kein Problem mit Berührungen, auch nicht bei anderen Männern, ich hab z.B. einen Kollegen, mit dem ich ein ausgesprochen herzliches Verhältnis habe, wir nehmen uns auch mal gegenseitig in den arm - ohne jedoch irgendwie mehr zu wollen bzw. zu empfinden. Nur bei ihm kann ich es nicht, es ist, als ob eine Mauer da wäre und da ist die Überleitung zu

@ Lisabel

ja, ich denke, Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. In Gedanken nehme ich ihn fast täglich in den Arm und ich wünsche mir auch, dass es 'Mehr' wird. Auf der anderen Seite habe ich Angst davor, denn wenn ich Dich richtig verstehe, kann ich Deine Aussage, das eine Berührung missverstanden werden kann, für beide Seiten interpretieren...das würde bedeuten, dass der Wunsch auf beiden Seiten für ein 'Mehr' vorhanden ist, aber wir beide Angst davor haben bzw. darauf warten, dass der andere den ersten Schritt geht.

Meine Angst liegt ganz einfach darin:

1. es mir wirklich einzugestehen, dass ich trotz einer Beziehung einen anderen Mann begehre

2. Angst vor Abweisung (aus welchen Gründen dann auch immer) habe

3. Angst, einen guten Freund zu verlieren, dessen Gegenwart ich sehr genieße

4. Angst davor, es anzusprechen bzw. zu zeigen und mir einen Korb zu holen

Die Gedanken quälen mich in der Nacht, dass ich sowohl eine mentale als auch eine körperliche Nähe zu ihm haben könnte, wenn ich es wagen würde, diese Mauer zu durchbrechen und jedes Mal überlege ich es mir, wie ich es anfangen könnte und setze es doch nicht um. Es ist irgendwie zermürbend, weil ich eigentlich klare Verhältnisse vorziehe und es in diesem Fall schon so lange rauszögere...

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und Dankeschön für die ganzen Fragen, es tut gut, Antworten zu finden in dem ganzen Chaos...

#5
Liebe Hope,

das hört sich für mich aber sehr nach sehr sehr unglücklicher Liebe an...ich bewundere Deine Ausdauer und nach Deinen Schilderungen kann ich Dir eigentlich nur folgenden Rat geben, damit Du klar siehst: Wenn es mit den körperlichen Berührungen nicht klappt, dann sprich ihn darauf an. Der 'Liebesentzug' von ihm hat bereits körperliche Auswirkungen bei Dir! Sei mutig! Und selbst wenn er Deine LIebe nicht erwidern sollte, so hast Du Klarheit und ich glaube nicht, dass eine Freundschaft daran zugrunde gehen kann, dass der eine mehr empfindet, als der andere. Ihr könnt daran gemeinsam wachsen.

Du wirst es erst wissen, wenn DU es versucht hast. Warte nicht auf ihn. Wenn er so schüchtern ist, wie Du sagst und auch noch jünger ist als Du, dann wartet er auf Dich. Manchmal ist es halt so, dass wir die Inititative ergreifen müssen, auch wenn wir es nicht wollen...

#6
Liebe Hope,

so wie alle anderen kann auch ich nur von mir ausgehen und deine Geschichte mit meinen Erfahrungen beantworten. Das ist das Besondere an so einem Forum - dem Internet sei Dank - dass die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu treffen, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat, ungleich größer ist als im realen Leben.

Mir ging es so, dass ich jemanden kennenlernte, der so wunderbar und so ganz anders war, als alle Menschen, die ich jemals zuvor gekannt hatte. Es war eine versteckte Liebe, ein Anhimmeln, ein Träumen. Ich hätte es niemals gewagt, den ersten Schritt zu tun, viel zu groß schien mir das Risiko! Daher verstehe ich dich gut, wenn es dir auch so geht.

Der Wunsch, diese Freundschaft zu vertiefen und ihm endlich auch körperlich näher sein zu dürfen, war täglich da und ich litt unter dieser Unmöglichkeit, endlich den ersten Schritt zu tun. Doch was wäre passiert, wenn nur ich so empfand und er nur ein Freund sein wollte? Bestimmt hätte ich mit meinem Geständnis das wertvollste und schönste Erlebnis aus meinem Leben vertrieben: in diesen Gesprächen, in diesen Momenten war ein Zauber zu spüren, den ich mit einem "falschen" Verhalten vernichtet hätte.

Mein Gefühl sagte mir, dass er nicht das Gleiche empfindet wie ich - doch kann man neutral denken in so einem Zustand? Was ich schließlich unternommen habe?

Ich habe versucht, mich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren: wie es sein konnte, dass ich so empfand, versuchte zu analysieren, was denn in meiner Beziehung los wäre.

Mir hat dieses Erlebnis sehr geholfen herauszufinden, ob ich denn glücklich wäre und was ich gern in meinem Leben ändern möchte. Viel zu oft beugen wir uns doch Traditionen, Konventionen ohne sie zu hinterfragen, wenn man fest im Alltagstrott marschiert.

Diese Freundschaft habe ich aufrecht erhalten, den Kontakt abzubrechen brachte ich selbstverständlich genauso wenig über's Herz, wie ihm die Wahrheit einzugestehen. Damals dachte ich, es bleibt nichts anderes übrig, als es dem Schicksal zu überlassen, ob etwas daraus wird oder nicht - das war meine einzig denkbare Alternative zur Initiative, die ich nicht aufbringen konnte.

Ich weiß nicht, ob dir mein Beispiel eine Hilfe ist. Aber einen Rat kann ich dir geben, der ev. auch auf dich passt: verlass dich auf dein Gefühl und hab Vertrauen, dass die Dinge oft so kommen, wie sie kommen sollen und sehr oft sind sie so ganz anders, als man denkt!

Alles Gute für dich! :trost:

#7
Hallo Ihr Lieben,

@ hannah: das was Du sagst, klingt nach einer starken Frau, die ich nicht bin, aber ich glaube, sie tut dem Forum gut? Wie bist Du denn eigentlich hier gelandet ;-)

@Lisabel: Dankeschön für Deine Geschichte. Ich hab richtig Gänsehaut bekommen, als ich sie gelesen habe. Wie geht es Dir denn heute, stimmt es, dass die Zeit alle Wunden heilt. Ich bin so schrecklich hin- und hergerissen. Wenn ich weiß, dass wir uns eine zeitlang nicht sehen, dann bekomme ich unendliche Sehnsucht und immer wenn ich an ihn denke, dann nehme ich ihn in den Arm. Wenn wir uns dann treffen, ist es mit dem Mut wieder vorbei. Ich glaube allerdings, dass auch von seiner Seite her positive Gefühle da sein müssen, warum sonst sollten wir uns denn privat treffen?

Für unser nächstes Treffen habe ich mir ganz fest vorgenommen, mutig zu sein und die Mauer (wie auch immer) zu durchbrechen, anhand seiner Reaktion werde ich dann ja schon mitbekommen, wie er es auffasst und ich hab die Chance zu Rückzug bzw. die Chance, es nicht sagen zu müssen und es auf eine Zufälligkeit zu schieben und somit die Freundschaft erhalten zu können...

Es ist alles so verwirrend, ein einzigartiges Chaos und ich kann mit chaotischen Verhältnissen nicht umgehen...Ich halte Euch auf dem Laufenden, wir sehen uns am Donnerstag.

Vielen lieben Dank für all Eure Anteilnahme :-)

Seite 1 von 1 · 7 Beiträge in diesem Thema