Zum Inhalt springen

Das Loslassen

10 Antworten1'380 AufrufeGestartet von Reginn ·

ReginnThemenstart
#1
Jeden morgen aufstehen, beim Blick auf den Kalender überlege ich als erstes, wie lange wir nicht mehr in Kontakt sind, unbewusst, nur manchmal erwische ich mich dabei. Erst war es 1 Tag, dann 1 Woche, jetzt 1 Monat. Ich such mir die Kleider für den Tag aus, was könnte ihm gefallen? Ein Problem taucht auf, was würde er mir raten? Die lange Busfahrt, was würde er erzählen? Jemand ist unfreundlich zu mir, wie würde er mich zum lachen bringen?

Es scheint, als würde er mein Leben bestimmen, unbewusst scheine ich alles nach ihm zu richten, was würde er tun, was würde er raten. Und immer häufiger erwische ich mich dabei.

Dann denke ich, dass ich endlich loslassen und wieder eigenständig mein Leben leben möchte, aber Moment, schon ist er wieder da, seine Worte hallen in meinem Kopf: "Du bist du, versuche dien eigenes Leben zu leben". Er scheint ständig da zu sein, in allem was ich mache oder denke.

Und dann gibt es die Momente wo ich nicht loslassen möchte, weil ich Angst habe, das Gefühl zu verlieren und nicht mehr wieder zu finden, selbst dann wenn es schmerzt. Wenn ich traurig bin ist es noch immer der Gedanke an ihn, der mich aufheitert, wenn ich anfange zu träumen, dass er mich eben doch liebt und wie wir zusammen wären. Dadurch klammere ich mich an die kleineste Hoffnung, male mir die ganzen unwahrscheinlichen Möglichkeiten aus, die so Enden würden. Wohlwissend, dass die Wahrscheinlichkeit dafür nicht 1% ist. Aber auch wenn ich möchte, kann ich nicht loslassen. Ich fange an die Realität zu verdrängen, das was er mir angetan hat, das er weg ist, Verdränge den Schmerz, erträume mir eine heile Welt.

Aber man kann nicht ewig träumen und je länger ich träume, desto grösser wird die Angst vor der Realität.

Alles sagen irgendwann, werde schon jemand kommen, den ich wieder genauso liebe und der diese Liebe auch erwidern wird, jemand der mir gut tut und es Wert ist. Ich verstehe die Worte, aber glauben kann ich sie nicht. Wenn ich gefragt werde, wie er denn sein sollte, der Richtige für mich, welche Eigenschaften er haben müsste, dann beschreibe ich Ihn, ohne es zu merken. Aber Ihn gibt es nur einmal.

Wie lässt man los? Wie widersteht man der Versuchung des erträumen? 

#2
leider hab ich ausnahmsweise mal keine konkrete Antwort sondern ausser Theorie hab ich gerade nichts zu bieten.

Klar ist, dass Du die trennung nicht akzeptierst sondern die Beziehung fortführst. Mit der Zeit festigt sich das. So nimmt das entsprechende Verhalten eher zu als ab. Denn je mehr die Realität durchschimmert um so stabiler muss die Traumwelt werden. Ursache ist hier meisst die Angst davor den Schmerz der Trennung nicht verarbeiten zu können.

Den Spruch "Du findest schon einen Anderen" der ist vollkommen nutzlos, denn im Grunde bist Du noch in Deiner beziehung und ein Anderer kommt da sowieso nicht in Frage. Das kann also gar nicht funktionieren.

In einer gewissen Art und Weise stimmt alles mit Dir. Jeder erlebt diese Schockstarre bei einer Trennung in der diese einfach ausgeblendet wird und nicht als real wahrgenommen wird. Wenn Du Glück hast, passiert irgendwas unerwartetes wodurch Dir klar wird, dass die Beziehung tatsächlich vorbei ist und die Trennung real. Dann können Deine wahren gefühle, Trauer und Schmerz durchbrechen und Du kannst so nach und nach loslassen. Verfestigt sch aber Deine Traumwelt zusehends und Du leidest darunter mehr und mehr, suche Dir reale Gesprächspartner. Therpeuten, Selbsthilfegruppe, evntl. Freunde denen Du wirklich vertrauen kannst und so ehrlich reden wie Du hier schreibst.

Irgendwann wird's passieren und es knallt und es kommt bei Dir an, dass Du eine Traumbeziehung führst und er weg ist. Erst dann geht es weiter.

Wie lässt man los?


Gar nicht. Das ist kein aktiver durch den Verstand ausgelöster oder gesteuerter Prozess. Der Verstand kann das nicht, denn alles womit der verstand sich beschäftigt wird für diesen real. Loslassen ist ein zutiefst passiver Prozess. Ein aufgeben und einlassen auf das was wirklich ist. So schmerzhaft es auch sei. Im Grunde ein tief empfundes Ja zum gemachten Verlust.

#3
Wie lässt man los? Wie widersteht man der Versuchung des erträumen? 


Ich glaube man kann zumindest versuchen aktiv gegen das Tagträumen anzukämpfen.

Wenn du dich dabei ertappst, denk an was anderes. Lenk dich irgendwie ab!

Und wenn du nur Matheaufgaben im Kopf ausrechnest, irgendwas auswendig lernst, oder, oder, oder....

Das ist natürlich kein Allheilmittel -aber mir hilft das zumindest tatsächlich ein Stück weit!

#4
Im Moment übe ich mich auch im Loslassen. Wie Du habe ich Mühe damit.

Was mir hilft:

- Allem aus dem Weg gehen, dass mich an sie erinnert (Musik, Orte, Emails, Chats, Bilder, Dinge)

- Aktiv mit aller mentalen Kraft jeden Gedanken an sie (das sind sehr viele pro Tag) sofort auf die Seite schieben und an was für Dich sehr positives denken

- Vor dem Einschlafen gilt obiger Punkt ganz besonders!

- Oder wenn Du in der Nacht kurz erwachen solltest, sonst beginnt sich das Karussell zu drehen

Das alles funktioniert aber nur, wenn Du echt den inneren Schritt gemacht hast und bereit bist loszulassen.

Denk nicht, dass mir das sehr gut gelingt :(  Wenn ich mit Freunden / Kolleginnen zusammen bin, ist sie immer noch das Hauptthema. Die sagen mir dann auch, dass ich Mühe mit Loslassen hätte. Stimmt ja auch, wir haben soviele schöne Dinge erlebt zusammen. Aber für mich ist das im Moment ok: Wenn ich nicht alleine bin, dann spreche ich über sie, und bekomme Feedback, das hilft mir, es zu verarbeiten. Wenn ich alleine bin, setze ich alles daran, sie auf die Seite zu schieben.

Es sind diese Punkte, die mir definitiv helfen. Um den Rest zu bewältigen gibt es 2 Möglichkeiten: Zeit, oder eine neue Beziehung. Dann gäbe es noch ungesunde Hilfsmittel, dann hast Du dafür später andere Probleme, würde ich weder empfehlen noch selber machen!

#5
Hallo Reginn,

um dir einen wirklich guten Rat geben zu können, müsste man natürlich die Hintergründe genauer kennen. Magst du uns hierzu vielleicht etwas erzählen?

Ansonsten finde ich Träumereien und Sehnsüchte nicht schlimm, sie zeigen, dass du Gefühle hast. Wichtig ist, dass diese dich nicht belasten. In diesem Fall ist Ablenkung die beste Medizin. Triff dich mit Freunden, geniess das Frühlingswetter und sei offen für neue Bekanntschaften.

Liebe Grüße

Kerstin

#6
Ich kann dich so gut verstehen! Wirklich. Ich schlage mich mit einem ähnlich Zustand rum. Ich denke aber das du gar nicht erst versuche sollst dich aktiv von deiner "Traumwelt" zu distanzieren. Mehr noch, ich denke deine Gedankenwelt und die damit verbundene Hoffnung schützt dich davor das du in ein Loch fällst. Ich denke Hoffnung, auch wenn sie eigentlich unrealistisch ist, schützt einem in dem Moment wo man sonst vielleicht den Verstand verliert. Das mag alles total paradox klingen, und das tut es eigentlich wirklich auch. Aber ich denke das unsere Gefühlswelt auch Automatismen entwickelt, die wir nicht verstehen können aber ihren Zweck erfüllen. 

Loslassen funktioniert erst dann wenn man bereit ist dazu. Ich bin überzeugt das man das nicht erzwingen kann.  Es wird passieren. Mit jedem Tag ein bisschen mehr.

Meint Ratschlag:

- Geh raus, triff Freunde, lenk dich ab.

- Kleine Veränderung, wie ein neuer Haarschnitt, neues Hobby etc.,  fange an einen neuen Lebensabschnitt zu gestalten wo er nicht mehr dabei ist.

- Auch ganz wichtig, räume alle Erinnerung an ihn weg. Fotos, Geschenke etc. Lösche SMS und Mails, so dass du nicht mehr in Versuchung kommst diese zu lesen.

- Rede. Und auch wenn du die Geschichte immer wieder erzählst. Gute Freunde stehen das mit dir durch.

Dieser Prozess kann man nicht  beschleunigen, nicht forcieren...... er  wird sich die Zeit nehmen die er braucht und das es gut so. Auch wenn es leidvoll ist und einem manchmal in den Wahnsinn treibt.

Ich versteh deine Situation nur zu gut. Ich flüchte auch immer in meine Traumwelt, wo ich mir ihre gedankliche Anwesenheit halt einfach gut tut für den Moment.

Alles Gute für dich. Stay strong. Es wird besser, versprochen.

#7
Hintergründe sind in einem anderen Beitrag hier im Forum von mir zu finden:



Ich habe dieses Thema aber absichtlich separat eröffnet. Es ist schwer zu erklären, die ganze Story ist ziemlich Paradox. Der Mann war mein Bester Freund, ich hab mich verliebt und er hat mich als Lückenbüsserin benutzt. Die Geschichte hat zwei Seiten für mich, die ich anscheinend Gedanklich trenne, wobei ich denke, dass das gut ist und es mir einfacher macht.

Die eine Seite entspricht auch der einen Seite des Mannes, dem Besten Freund, der immer für mich da war und den ich liebe, denn ich jetzt nicht loslassen kann.

Die andere Seite ist die der anderen Seite des Mannes, der mich ausgenutzt hat, wobei sich das vor allem in Selbstzweifel, Selbsthass etc. äussert, aber das ist eine andere Story. Ich bin deswegen jetzt auch vorübergehend in Psychiatrischer Behandlung.

Weil ich die beiden Seiten aber gedanklich trenne, trenne ich auch die Verarbeitung davon. Ich denke, diese Trennung ist wichtig für mich, wenn einerseits kann ich die beiden Seiten gar nicht verbinden, weil es für mich das ganze irgendwie keinen Sinn ergibt, andererseits würde meine Welt dadurch wohl vollends zusammenbrechen.

Danke für die Tipps zum loslassen und die netten Worte :)

Ein neues Hobby hab ich schon, dadurch auch neue Leute kennen gelernt, reden klappt auch.

Ich habe einfach das Gefühl, dass ich mich, wie simsim beschreibt, selber versuche zu schützen, durch die Tagträume mit ihm, vermutlich aus Angst vor der Leere, aus Angst in ein noch tieferes Loch zu stürzen. Es geht mir sonst schon nicht sonderlich gut zur Zeit und die Gedanken an ihn helfen mir andere Tiefs zu überbrücken.

Irgendwie habe ich auch Angst dieses Gefühl zu verlieren, ihn zu vergessen. Ich habe irgendwie das Gefühl mich selber zu betrügen, wenn ich nur schon versuche jemand anderen attraktiv zu finden.

Aber irgendwie lüge ich mir doch mit dem ganzen nur eine schöne Welt zusammen oder? Je länger ich träume, desto mehr scheine ich mich an den Träumen fest zu klammern und desto mehr Angst hab ich damit aufzuhören. Das Problem ist, dass es immer wieder Momente gibt, wie ich in die Realität komme oder geholt werde und für einen Moment realisiere, wie es wirklich ist und ich denke ihr wisst, wie sich dass dann anfühlt und wie weh das tut. Irgendwann muss das doch aufhören oder?

Danke Peanuts für den Tipp mit dem beiseite schieben durch positive andere Gedanken. Das könnte helfen, das die Träume an ihn weniger werden und ich trotzdem nicht gleich Falle.

Das mit dem innerlich loslassen schaff ich einfach noch nicht. Ich hab fast alles weggeworfen, was mich an ihn erinnert und ich wegwerfen kann. Aber auch wenn ich auch die letzten beiden Dinge die ich von ihm habe, ein Foto und ein Chattverlauf löschen möchte, ich schaff es einfach nicht, es ist wie eine innere Barriere. Und in schwachen Momenten schau ich mir die Dinge doch immer wieder an. Das macht es wohl nicht besser.

#8
Das mit dem innerlich loslassen schaff ich einfach noch nicht. Ich hab fast alles weggeworfen, was mich an ihn erinnert und ich wegwerfen kann. Aber auch wenn ich auch die letzten beiden Dinge die ich von ihm habe, ein Foto und ein Chattverlauf löschen möchte, ich schaff es einfach nicht, es ist wie eine innere Barriere. Und in schwachen Momenten schau ich mir die Dinge doch immer wieder an. Das macht es wohl nicht besser.
willkommen im Club :)

Es macht es für den Moment nicht besser. Mir hat das insofern geholfen, dass ich merkte, dass ich nachher dafür noch mehr leide. Oft machst Du das wohl nicht.

Es braucht Zeit, die 'Rückfälle' werden weniger werden. Weiter kann ich Dir noch nichts raten, muss ich selber zuerst hinkriegen ;)  

Tut gut nicht alleine leiden zu müssen!

LG, Peanuts

#9
Liebe Reginn,

ich habe mir jetzt mal deine Geschichte durchgelesen, vielen Dank für den kleinen Hinweis. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass nun eine Art Leere in deinem Leben herrscht. Schau, dass du diese Lücke wieder mit anderen schönen Dingen füllst. Ein Partner kann das Leben komplettieren, sollte aber nicht Voraussetzung sein, um glücklich zu sein. Ich denke auch, dass dir ein strikter Kontaktabbruch letztlich wirklich guttun wird. Ansonsten klammert man sich schnell an immer neue Strohhalme und macht sich doch wieder neue Hoffnungen. Dein Liebeskummer wird vergehen, sei da zuversichtlich!

Liebe Grüße

Kerstin

#10
"Wie lässt man los?"

Wenn du bereit dafür bist, wirst du es wissen. Eine der schwersten, schönsten, schlimmsten und schönsten Dinge des menschlichen Daseins.

Lass dich drücken. Ich weiß, du schaffst es.

#11
Hallo Reginn !

Ich kenne dein Problem nur zugut ... Ich bin in der selben Situation und hätte gedacht es geht nur mir so aber ich bin froh zulegen das ich nicht alleine bin dem es so ergeht!

Ich weiß zwar selber nicht genau wie man loslässt dafür kann ich ein Lied davon singen immer und immer wieder an ihn zudenken ! Er bestimmt meinen Tagesablauf ...

Sent from my iPhone using Liebeskummer.ch mobile app

Seite 1 von 1 · 11 Beiträge in diesem Thema