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Depressionen und Hypomanie. Einbildung?

6 Antworten4'021 AufrufeGestartet von falsche_richtung ·

falsche_richtungThemenstart
bearbeitet #1
Guten Morgen liebe Forengemeinde,

ich lese schon länger als Gastleser mit und je nach Stimmung verbringe ich manchmal sogar Nächte damit mich von einem Thema zum nächsten zu lesen. Mittlerweile bin ich aber an einem Punkt angelangt an dem ich eine objektive Meinung brauche von einer Community, die mich nicht kennt. Ich werde versuchen mein Problem so verständlich wie möglich zu schildern und hoffe darauf, dass sich andere Nutzer finden werden, die mir weiterhelfen können.

Mein Problem besteht zunächst darin, dass ich mir über eine Sache Gewissheit verschaffen möchte, aber nicht weiß, wie und wo ich das am besten anstelle. Um das ganze Dilemma besser verstehen zu könne, führe ich am besten erstmal ein paar Hintergründe aus.

Seit ca. acht Jahren leide ich an Depressionen, die sich mit den Jahren von einer anfangs depressiven Grundstimmung zu regelrechten, wahnhaften Schüben entwickelten. Die Schübe gestalten sich dabei meist so, dass sich in meinem Körper gefühlter Druck aufbaut und sich in meinem Kopf eine Abwärtsspirale von Selbsttötungsgedanken, Schuldgefühlen und Wertlosigkeit abspielt. Der Druck an sich verursacht Kopfschmerzen und es erscheint dann als einziges Heilmittel so lange zu schreien, bis es herausgeschrien ist und man "leer" umfällt. Durch solche Schübe habe ich mit der Zeit auch verstehen können, wieso sich ein Teil der SVV-Menschen selbst verletzt.

Mittlerweile ist es so schlimm, dass ich ohne bestimmte Gründe von einen Moment auf den anderen einen depressiven Schub bekommen kann. Der Schub selbst kann 30-120 Minuten dauern und wandelt sich dann meistens entweder in einen Normalzustand oder in eine depressive Grundstimmung, die bis zum Einschlafen anhalten kann.

Manchmal erlebe ich aber auch noch am selben Tag genau das Umgekehrte. Ohne ersichtlichen Grund fühle ich mich plötzlich fröhlich gestimmt, wenn nicht gar überdreht. Manchmal bin ich auch einfach nur redefreudig. Ich erzähle dann alles was mir gerade einfällt oder werde in Gesprächen besonders mutig, wo ich sonst zurückhaltend bin.

Einige haben bestimmt bemerkt worauf ich hinaus möchte. Der Artikel beschreibt meine Leiden derart passend, wie keine andere psychische Störung es tut. Allerdings gibt es auch hier einen Haken: Alle Symptome sind nicht so ausufernd, dass es mein Leben in einer solchen Drastigkeit zerstören könnte. Auch eine bipolare Störung schien trotz ihres ähnlichen Krankheitsverlaufes also nicht wirklich in Frage zu kommen.

Vor einigen Tagen stieß ich dann auf den Begriff "Zyklothymia", der in seiner neuen Gebrauchsform für eine Unterart der bipolaren Störung gebraucht wird. Der Krankheitsverlauf zeichnet laut Definition ein ähnliches Bild, nur sind die Folgen der einzelnen Schübe nicht so gravierend, dass sie das Leben in der Form behindern, wie es die der manischen Depression tun.

Ich möchte keine Standpauken oder Hinweise, dass Selbstdiagnosen nichts bringen. Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Nur weiß ich nicht an wen ich mich wenden soll, der mir meine Vermutung fachlich bestätigen würde.

Es wäre komisch sich an den Hausarzt zu wenden, aber das Vertrauen in die Psychologen dieserorts ist mir ebenfalls abhanden gekommen.

Es bleiben bei der ganzen Sache aber ein grundlegender Zweifel:

Ich glaube manchmal, dass ich mir das Ganze nur einbilde. In Momenten wie diesen erscheint mir alles oben geschilderte als Trug meines Gedächtnisses, als spinnte ich nur herum. Vor allem die beschriebene Intensität erscheint mir in diesem Moment als übertrieben, obwohl ich genau weiß, dass ich das während der Schübe anders sehe.

Es fehlt vieles in diesem Beitrag, denn würde ich mein Problem ausführlich und mit seinen Ursachen beschreiben wollen, würde es ein ellenlanger Text.

Ich möchte in erster Linie Einschätzungen von Menschen mit Erfahrungen in diesem Bereich, die diese Zweifel am eigenen Verstand und Empfinden kennen. Außerdem möchte ich auch Ratschläge an wen ich mich mit meinem Problem wenden kann.

Vielen Dank für das Lesen meines Textes.

Ein Gruß aus der falschen Richtung.

#2
Hi.

Verflixt, ich hätte nach der Hälfte deines Schreibens auf bipolare Störung getippt. Aber da du sie ja ausschließt...

Du wirdersprichst dir manchmal selber. Einerseits schreibst du von Suizidgedanken, dann schreibst du, dass dieses Leiden nicht zerstörerisch in dein Leben eingreift. Das ist aber ein ordentlicher Widerspruch, finde ich.

Hast du Schizophrenie in Kombination mit deinen manischen Depressionen in Betracht gezogen? Ich habe zwei solcher Fäll in meiner ersten Staatsexamenarbeit behandelt, und deine Symptome weisen auch darauf hin (aber nicht alle). Bin deswegen aber natürlich kein Experte.

Na, aber ganug der Ferndiagnosen.

Dir wird leider nichts übrig bleiben, als dir einen Psychologen zu suchen. Und ich meine wirklich "zu suchen". Man muss einen finden, mit dem man kann, bei dem man sich wohl fühlt und der einem das Gefühl gibt, einem auch wirklich helfen zu können. Auch wenn das bedeutet, mehrere auszuprobieren, bis man den richtigen findet.

House

#3
hi auch.

imho spricht es nicht dagegen, dass du deine zustände im normalfall nicht unbedingt nachvollziehen kannst. du siehst dir eben dabei zu, das ist nichts schlechtes, eher im gegenteil, du reflektierst ja also, was passiert.

zyklothymia nach definition der icd-10 (f34.0 (dsm-iv hab ich leider grad nicht zur hand)) erscheint mir aber zu schwach, angesichts dessen, was du schilderst; ich würde eigentlich schon zu bipolar tendieren, insbesondere wegen des leidensdrucks bei den depressiven episoden.

ansonsten hab ich houses schlußsatz wenig hinzuzufügen - wir können dich hier nicht diagnostizieren, also wird es kaum ein weg um einen "live-psychologen" herumführen.

alles gute!

@house: meintest du schizoaffektiv/f25.x?

#4
Ein weiteres guten Morgen, dieses mal aber explizit an dich, House M.D.

Ich war sehr erstaunt, dass ich binnen der kurzen Zeit schon eine gehaltvolle Antwort auf dieses Thema erhielt. Vielen Dank dafür! :]

Es klingt vielleicht auch tatsächlich ein gewisser Widerspruch aus meinen Beitrag heraus. Mal schauen, ob ich ihn entwirren kann.

Wichtig um entscheiden zu können, ob eine Krankheit in ein Leben zerstörerisch eingreift oder nicht, sind, denke ich, die Maßstäbe, die man zur Bewertung ansetzt.

Für mich liegen die Maßstäbe sehr hoch. Ich sehe viele meiner Erlebnisse nicht als lebenszerstörend an, weil sie sich nicht derart gravierend äußern, dass ich mein Leben nicht mehr leben kann. Deswegen schließe ich auch die manische Depression als Krankheit aus, weil es noch nicht soweit ist, dass ich in einem Anfall der Hypomanie den Garten anzünden würde oder aus dem zweiten Stock springe, weil ich in der Situation aus tiefstem Herzen glaube, alles in dieser Welt zu können. Es fehlt die Extremität, weswegen ich mir eben höchstens die 'Light'-form zuschreibe.

Genauso verhält es sich mit den Suizidgedanken. Abgesehen von kleineren Attentaten auf mich während der depressiven Schübe, habe ich noch keine Versuche geplant oder unternommen die Selbsttötung wirklich durchzuführen. Die Gedanken daran sind mir einfach normal geworden.

Was mir dabei aber lediglich ein wenig Angst macht ist, dass mir der Gedanke eines Freitods manchmal unglaublich erstrebenswert und der Gedanke daran beinahe genüßlich erscheint. Die Barriere diesen Schritt letztendlich zu wagen ist aber nach wie vor da.

Inwiefern sich das im Laufe der nächsten Jahre noch ändern wird kann ich nicht sagen. Ich habe ja noch eine ganze Menge Zeit vor mir.

Das wirklich Zerstörerische sind die Begleiterscheinungen meines ganzen emotionalen Daseins. Denn das hat sich mit den Jahren immer weiter in eine gestörte Ausprägung entwickelt. So lebe ich mit verschiedensten, scheinbar zwanghaften Ängsten. Dazu zählt zum Beispiel die Angst zu versagen, also diversen Ansprüchen nicht genügen zu können. Es reichen hier kleinste Verfehlungen um diese Angst auszulösen. Selbst dieses umfassende 'Geständnis' werde ich später als Verfehlung betrachten und mich furchtbar dafür schämen. Wo man schon bei der nächsten 'Angst' ist: Ich schäme mich manchmal sogar dafür alltägliche Dinge zu kaufen. Es stellen sich sofort und jedes Mal Gedanken in meinem Kopf ein, was wohl die Umstehenden Menschen von mir denken, dass ich ausgerechnet dieses und jenes einkaufe. Wie merkwürdig oder "dreckig" sie meinen Aufzug empfinden, oder wie seltsam meine Art zu reden. Vielleicht hinterlässt ja auch das Wortkarge, Piepsige einen schlechten bzw. dümmlichen Eindruck von mir. Und so geht es mir bei jedem Menschen, den ich irgendwie wahrnehme.

Auf dem Weg über den Schulhof werde ich stocksteif und versuche mit aller Anstrengung bloß niemanden direkt anzuschauen. Ich fühle mich allseits beobachtet, obwohl ich genau weiß, dass es nicht so ist, und dass ich den fremden Leuten überall in der Gegend im Grunde scheißegal bin. Aber trotzdem fühle ich das jedes Mal und immer wieder.

Neben diesem Normalzustand gibt es aber auch schlimmere Tage: Jede negative Äußerung kann mich völlig herunterreissen, und es sei es nur, dass meine Freundin mir in ihrer eigentümlichen Art "Heul doch" antwortet, wenn ich ihr von scheinbar banalen Dingen erzähle, die mich beschäftigen. Auch das Hören eines Liedes kann mich in tiefste Depressionen versetzen. Ohne, dass das Lied eine emotionale Verbindung haben muss.

Ich fühle mich von der Welt ausgeschlossen und merke immer wieder, dass ich einfach nicht dazugehöre. Viele Themen, die meinen Altersbereich interessieren sind mir total egal. Auch mit anderen Frauen kann ich mich nur über Alltägliches oder spezielle Hobbies unterhalten. Der Rest interessiert mich einfach nicht. Häufig treten auch Kommunikationsschwierigkeiten auf. Also Situationen, in denen ich nicht weiß, wie man sich verhält. Es fühlt sich manchmal so an, als sei meine ganze Pubertät an mir vorbei gezogen. Als sei die ganze Welt gegen mich und überall lauere nur jemand, der mir etwas Böses will. Genauso fühlt es sich manchmal genau andersherum an. Dass die Welt mich mag, dass die Leute um mich herum mich relativ gut leiden können. Aber es kann manchmal nur wenige Minuten dauern, und ich fühle mich verarscht und gehasst von denselben Menschen. Als wenn sie ihre Sympathie nur heuchelten um nett zu sein. Weil es ihre Aufgabe ist.

Ich bin mir über die Absurdität und Paranoia dieses Empfindens vollkommen im Klaren, aber so fühlt es sich meistens trotzdem an. Egal wie rational ich darüber nachdenke. Diese gestörte emotionale Wahrnehmung ist es auch, die mich langsam 'zerstört'. Ich kann am Alltag teilhaben wenn ich möchte. Ich kann meistens so tun als sei nichts.

Aber an Tagen wie diesen, in diesem Moment, gäbe ich viel dafür, wenn mein Kopf endlich still wäre.

Ich hoffe, einige Dinge sind vielleicht klarer geworden und gewisse überdramatische Sätze haben den Lesefluss nicht allzu behindert. Mit der Schizophrenie werde ich mich an dieser Stelle auch noch einmal auseinandersetzen.

Ansonsten, eine gute Nacht, oder einen schönen Morgen, je nachdem. ;)

#5
Hallo Onlinerin,

auch dir ein liebes Danke für deine Antwort.

Du widmest dich in deinem Post eben genau dem Problem, das ich nicht zuordnen kann: Was ist los mit mir, und was verbirgt sich hinter all dem was ich erlebe?

Krankheitsdefinitionen sind so steril und in gewisser Weise empfindet man aus Respekt zu den wirklich Erkrankten die Rückhaltung, sehr vorsichtig mit einer Eigendiagnose zu sein. Und wenn man erst die Parameter sieht, die man erfüllen muss um eine spezielle Krankheit zu haben, fragt man sich dreimal, ob es denn wirklich so schwerwiegend bei einem ist.

Meine wichtigste Frage habt ihr mir beantwortet: Nämlich, an wen ich mich wenden muss. Davor hab ich auch eine gewisse Angst. Nachher wird mir attestiert, ein 1a Hypochonder zu sein. :P

Verfügst du vielleicht über Erfahrungen diesbezüglich? Wie geht man da am besten ran sein Problem zu erklären?

#6
Hi.

Nur ganz kurz an Onlinerin, ich muss gleichzur Arbeit:

Meine Arbeit darüber ist etwas länger her, aber eine schizoaffektive Störung / f25.x passt nicht ganz auf die Symptome. Eine bipolare Störung mit manischen Episoden / f30.x würde eher passen, aber wie gesagt, ich habe mich nicht so sehr mit der Materie beschäftigt als dass ich hier Ferndiagnosen stelle.

@falsche Richtung

Und selbst wenn die Diagnose Hypochonder lautet, was soll's? Die Hauptsache ist doch, dass dir geholfen wird. Wenn du ein Hypochonder wärst, wärst du auch einen Schritt weiter. :D

Um einen Psychologen wirst du nicht herumkommen, wenn du dir selbst helfen willst.

#7
morgen!

ich kann mich ja schon wieder nur house anschließen *g* - selbst mit der diagnose hypochonder weißt du hinterher mehr als vorher.

ein psychologisches/therapeutisches erstgespräch ist für beide seiten eine spannende sache. der therapeut muss sich seinen reim machen, abschätzen, ob er der richtige therapeut ist und eine diagnose finden, und der klient den mut haben, darzulegen, was der kleine mann auf der straße für "verrückt" deklarieren würde.

insofern, wenn du ein erstgespräch hast, die entscheidende frage ist ja, was führt dich zum therapeuten! ich würde das persönlich immer als eingangsfrage benutzen - mir fällt antworten leichter und die brücke würde ich auch meinen klienten bauen wollen.

so oder so, du schriebst ja schon, dass du seit ca. 8 jahren depressionen hast, und damit kannst du ja auch direkt anfangen. es sollte schon auch gleich im erstgespräch die ganze problematik angesprochen werden, aber ich denke, das meiste ergibt sich dann aus dem gespräch. oder aber du stellst fest, dass der aktuelle psychologe nicht dein gesprächspartner ist, aber auch das ist normal und wird dir keiner übel nehmen, wenn du dann beschließt, es nochmal woanders zu versuchen. auch das ist ja aufgabe des erstgesprächs, rauszufinden, ob man miteinander kommunizieren und arbeiten kann.

persönlich schätze ich übrigens sehr die klientenzentrierte gesprächsführung nach rogers, falls dir da also jemand unterkommt, der das als zusatzqualifikation angibt (die therapie nach rogers ist nicht kassenanerkannt), würde ich dir wärmstens dazu raten.

immer im kopf behalten: das ist der job des psychologen, menschen zuzuhören, die ein psychisches problem haben und die klinische ausbildung beinhaltet weit "verrückteres" als man sich selbst vorkommt, wenn man sich bei einem komischen affekt erwischt - du kannst dich nicht lächerlich machen, er wird dich nicht einweisen oder für hysterisch erklären.

ALSO NUR KEINE SCHEU!!!

bzgl. der schizophrenie/schizoaffektiven störung bin ich bei aller gebotenen vorsicht auf die distanz skeptisch - gewisse wahnhafte symptome sind auch bestandteil der depression (je nach ausprägung), und das wahnhafte, von dem du schriebst, passt imho eher zu depressivem wahn als zu schizophrenem wahn -

allerdings eignet sich das forum wie schon mehrfach erwähnt nicht zur ferndiagnose, zudem bin ich weder experte und auch nicht 100% im thema!!!

@house: ich war nur auf f25 gekommen weil du zuerst geschrieben hattest "Schizophrenie in Kombination mit deinen manischen Depressionen"

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