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Die eigene Leistung realistisch einschätzen können

13 Antworten2'966 AufrufeGestartet von Rupert ·

RupertThemenstart
bearbeitet #1
Zunächst einmal ein Hallo an Alle!

Eigentlich habe ich gerade kein akutes Problem, eher so eine latente Unsicherheit, die ich seit meiner Kindheit mit mir rumschleppe.

Und zwar kann ich meine eigene Leistung bzw. Leistungsfähigkeit anscheined nicht richtig einschätzen. Bevor nun einige denken, dass ich angeben will, oder arrogant bin: Wenn das so rüber kommt, tut es mir leid, aber ich weiß nicht, wie ich besser beschreiben kann, was das Problem ist.

In der Schule war es schon so, dass ich vor Klassenarbeiten immer Angst hatte, die meist dazu führte, dass ich keine Lust hatte zu lernen, weil es ja eh aussichtslos wäre.

Nach Klassenarbeiten bin ich dann immer rausgegangen, ein schlechtes Gefühl im Magen, und der Gedanke: Das war wohl nichts. Das einzige Fach, in dem ich es nie so hatte, war Latein, die Übersetzungen gingen auf, machten Sinn, mussten also zumindest grob richtig sein.

Im Studium ging es eigentlich so weiter besonders im Hauptstudium hat mich der Mut verlassen, mich noch für gute Leistungen einzusetzen, weil ich dachte, dass ich Sie eh nie erreichen könnte. Und das, obwohl alle Noten im guten bis sehr guten Bereich waren.

Das Merkwürdigste ist aber: Je unzufriedener ich mit einer Arbeit war, desto besser wurde sie von den Dozenten bewertet. Einmal habe ich meine Zweifel dahingehend sinngemäß so formuliert:

"Ich schreibe hier innerhalb von ein paar Tagen etwas zusammen, und das wird dann als sehr gut bewertet. Da muss doch etwas mit den Professoren nicht stimmen." Ich weiß, dass es unheimlich arrogant klingt, wenn ich die Kompetenz der Profesoren anzweifle. Aber anscheinend tue ich das lieber, als zu glauben, dass das, was ich gemacht habe, wirklich gut ist.

Jetzt ist meine Abschlussarbeit mit sehr gut bewertet worden wobei ich, während ich sie geschrieben habe, schon beinahe depressiv wurde, weil ich dachte, ich würde es nie schaffen.

Warum bin ich nie zufrieden mit meinen Leistungen und warum sehe ich das, was ich erreicht habe, denn nie als Bestätigung an, sondern rede es klein?

Was kann ich tun, dass ich auch vor den Aufgaben nicht so eine große Angst habe? Mir graut jetzt schon vor den mdl. Abschlussprüfungen und dabei sind die noch 4 Monate hin. Trotzdem frage ich mich, wie ich sie jemals bestehen soll. Trotzdem kann ich mich nicht wirklich zum Lernen aufraffen, weil es eh keinen Sinn hätte. So, oder so ähnlich denke ich manchmal.

Hat jemand Erfahrung damit?

Liebe Grüsse

Rupert

#2
Hi.

Du beschreibst hier EXAKT die Symptome und Geschichte einer meiner Ex-Kommilitoninnen. Bei ihr hat man dann, nachdem sie sich endlich mal dazu aufraffen konnte, einem Therapeuten zu suchen, ADHS diagnostiziert. Das erklärte bei ihr, warum sie nie mir ihren Hausarbeiten zufrieden war, weil sie noch einen Gedankengang und noch einen Gedankengang und noch einen reinquetschte, bis die Arbeit superkomplex war, sie aber an den Rand des Wahnsinns trieb, weil immer noch etwas reinkonnte und noch was und noch was.

Kann es sein, dass du gerne viel quatschst, redest wie ein Wasserfall? Zu gesprächig? Nervst du mit deinem vielen Gerede manchmal deine Freunde?

Ich tippe auf ADHS.

Bei ihr kam damals noch Prokrastination dazu, aber bei dir ist noch eine andere Komponente in deinem Verhaltensmuster enthalten. Mangelndes Selbstvertrauen? Irgendwas ist da noch drin bei dir. Ich würde das Gespräch mit einem Therapeuten suchen, wenn das dich so sehr bohrt.

Wenn er nichts findet, ist auch gut. Lieber ein Gespräch mit einem Therapeuten zu viel als zu wenig.

#3
Hey

danke für die Antwort. Jetzt bin ich erstmal platt. Ja, ich war ein extrem mitteilungsbedürftiges Kind, und ich quatsche auch heute noch extrem gerne.

Meine Mutter und meine Geschwister sind aber genau so, von daher hab ich das nie "annormal" empfunden, sondern als vererbt.

Ich kann auch stundenlang alleine sein, als Jugendlich habe ich oft tagelang nur gelesen. Und wenn ich in meine Gedanken versunken bin, kann man mit mir auch nicht vernünftig reden.

Übrigens habe ich wegen anderer Geschichten schon mal ne Therapie gemacht. Hätte meinem Therapeuten nicht auffallen müssen, dass ich irgenwie "anders" bin.

Übrigens: Ich habe immer das Gefühl, sehr viel machen zu müssen, aber empfinde mich als sehr faul.

Liebe Grüsse und danke für den Hinweis.

#4
Hi.

Nein, deinem Therapeuten muss nicht unbedingt aufgefallen sein, vermutlich hat er sich auf deine Antriebslosigkeit konzentriert. Wahrscheinlich eher Depressionen als mangelndes Selbstvertrauen, hm? Exakt wie bei meiner Bekannten.

Dein Therapeut sah deine Depressionen nicht als Symptom, sondern als die Ursache an. Ich vermute sehr stark, dass die Ursache bei dir ADHS ist.

Meine Bekannte hatte sich in ihren depressiven Phasen bis zu vier Monate komplett von der Außenwelt abgeschottet, verkrochen, Kontakt gemieden. Wollte mit sich selbst allein sein und flüchtete sich in Bücher oder ihre nie enden wollenden Hausarbeiten.

ADHS kann sich in vielen verschiedenen Formen äußern. Manche zappeln eben rum, können nicht still sitzen, sind körperlich hyperaktiv. Bei anderen wiederum sind nicht die Muskeln, sondern das Gehirn durch diese Störung betroffen und das äußert sich in reger Geschwätzigkeit und vertrackten, weit ausholenden Gedankengängen, denen schwer zu folgen ist.

#5
Hey

ich hab eben schon einmal gegoogled und mir ADHS angesehen:

Einige meiner typischen Verhaltensweisen machen schon den Anschein:

Schon in der 1. Klasse stand im Zeugnis:

Erledigt Aufgaben schneller als in der dafür vorgesehenen Zeit, dafür nicht immer sorgfältig genug.

Ich kann mich kaum 30 Minuten auf nen Text konzentrieren, manchmal mache ich bis zu 10 Sachen auf einmal und bringe nichts zuende

Oft fange ich Dinge an und dann habe ich am Ende keine Lust, den Rest zu machen: Beispiel: Großputz, aber die Eimer bleiben stehen....

Selbstorganisation ist mir ein Fremdwort, HAusarbeiten gliedere ich zwar pro forma, aber eigentlich ergibt sich die Gliederung beim Schreiben.

Mich länger geistig anzustrengen ist mir lästig. Entweder ich verstehe was sofort, oder ich verweigere mich

Ich rede zuviel

Ich verliere ständig alles und vergesse auch viel. Ist nicht günstig, da ich ja auch keinen Kalender führe. Selbstorganisation und so.

Ich bin emotional ziemlich impulsiv...

Ja, ich war depressiv, aber habe das auf eine vertrakte Familiengeschichte geschoben.

Selbstvertrauen: Das kommt und geht schubweise. Dass es nicht da ist, schiebe ich ganz klar auf die Erziehung.

Jetzt, wo du es mir sagst, fällt mir ein, dass ich früher schon mal scherzhaft gemeint habe, ich hätte bestimmt adhs.

Aber wirklich ausgeprägt scheint es mir nicht zu sein.Zumindest bin ich damit noch nicht extrem angeeckt. Was mich allerdings stört, sind meine Konzentrationsschwierigkeiten und die Flüchtigkeitsfehler.

#6
Lass mich irgendwann mal wissen, ob ADHS bestätigt worden ist oder nicht.

#7
Hey

Wenn ich mal wirklich Zeit habe, werd ichs mal checken lassen. Ist mir selber schon fast unheimlich.

Könnte am We mal ganz unauffällig, wohl eher auffällig, die Schwester meines Freundes fragen. Die ist Psychologin, hat sich eig. auf Kinder spezialisieren wollen, macht ihren Dr. aber jetzt doch in nem anderen Bereich. Vielleicht hat die ja ne Meinung.

Liebe Grüße und vielen Dank für den Tipp

Rupert

#8
Hi Rupert,

ohne das Thema ADHS jetzt aus den Augen verlieren zu wollen, noch ein anderer Gedanke dazu.

Ich denke, es ist auch eine Frage der eigenen Ansprüche an sich selbst und der selbstkritischen Haltung. Mir ging es früher teilweise ähnlich (ich habe definitiv kein ADHS), ich kam aus der Klausur und dachte - ach Du Schei*e.... hab ich einen Mist geschrieben. Und plötzlich war es doch eine gute Note. Was ich jetzt schreibe, klingt auch arrogant, dafür schon mal sorry - ich hoffe, Ihr versteht es so, wie ich es meine. Heute nämlich habe ich ca. 6 Jahre Lehrstuhl-Arbeit inkl. Korrekturen von Klausuren und Abschlussarbeiten hinter mir und ich sag Dir - alles ist relativ. ;) Für eine 1,0 z.B. braucht man nicht 100%, sondern nur etwa 87%. Für eine 2,0 liegt es noch mal deutlich drunter. Keine Studenten-Lösung kommt an die 100%-Musterlösungen ran (geht auch gar nicht). Was im Durchschnitt abgeliefert wird, ist echt nicht besonders... und die Weise, auf die viele Abschlussarbeiten verfasst werden, zum Weinen (20 Quellen im Lit-Verzeichnis sind definitiv NICHT ausreichend... Nein, es ist nicht gut, wenn man seitenweise primär zitiert... Nein, man muss sich schon was selbst überlegen, auch wenn das jemand anders schon so schön ausgedrückt hat... ja, es macht Sinn, nicht erst eine Woche vorher anzufangen *seufz*). Wenn Du eine Weile reininvestierst und offenbar recht perfektionistisch veranlagt bist (also die 100%-Variante angestrebt hast), dann wirst Du schon mal im Vergleich zu den anderen ganz gut sein, von denen viele mit der Einstellung "4 gewinnt" drangehen. Man macht sich da keine Vorstellung von - eine Weile an der Uni zu arbeiten ist sehr desillusionierend ;) bzw. ich verstehe jetzt besser, wie ich an meine guten Noten kam... Sorry. Hoffe, es klingt jetzt nicht zu arrogant, und wenn doch, dann tuts mir leid. Ist so nicht gemeint - ich wollte Dir nur sagen, dass möglicherweise auch ein Hang zum Perfektionismus und zu starker Selbstkritik dazu führen können, die anderen zu über- und die anderen zu unterschätzen. Die Bewertung solcher Leistungen erfolgt nun mal mit Blick auf alle Studierenden.

Alles Gute

Nimriel

#9
Hallo,

ich habe das an der Uni auch bei Komillitonen erlebt. Ich denke, dass du sehr hochbegabt bist. Für dich ist das, was du schreibst und produzierst vermutlich nicht sehr gut, denn du könntest noch viel besser sein. Doch für die universitären Ansprüche und im Vergleich mit den anderen Studenten sind deine Arbeiten sehr gut.

Du hast aufgrund deiner Intelligenz einen sehr hohen Anspruch und weißt, was du erreichen könntest. Dir fehlt aber vermutlich ein bisschen der Elan... Wie auch immer, sei doch froh, dass du mit so wenig Anstrengun gute bis sehr gute Noten erreichst. es gibt viele, die pauken und pauken und schaffen es trotzdem nicht.

#10
Hallo an Alle und danke für die Antworten

an "Hochbegabung" mag ich nicht so recht glauben, ich weiß genau, dass ich keine Lust habe, mich länger für etwas geistig anzustrengen. Deshalb hatte ich in Mathe Noten von 1+ bis 4- . Entweder ich habe das Thema kapiert, oder ich habe nicht versucht es zu verstehen.

Vielleicht ist es eher ein Hang zu Perfektionismus gepaart mit Faulheit aus Angst, den Ansprüchen nicht zu genügen? Mein Bruder leidet ebenfalls unter Versagensängsten, seine Diss wurde mit Summa cum Laude bewertet und dem Verweis, es hätte halt für 3 Dissertationen gereicht. Sein Motto ist: "Worrying about loosing keeps you winning." Aber er weiß wenigstens, dass er gut ist.

@Nimriel: Als Tutorin in meinem geisteswissenschaftlichen Hauptfach mussten wir die Klausuren der Veranstaltung beurteilen. Ich weiß also genau, wie bei uns Klausuren bewertet wurden.

Nicht nur in dem FAch war es so, dass nur 100% 1,0 bedeutete, fehlte nur 1 Punkt, war es schon ne 1,3. Bei uns gab es auch nicht die Note 0,7.

Ist bei meinem Bruder durchaus üblich gewesen, aber der ist eben Dr. der Naturwissenschaften.

Was wohl stimmt, ist, dass ich die Leistungen anderer ebenso wenig einschätzen kann. Ich kann nicht sagen, was andere so abgeben, gehe aber immer davon aus, dass es so gemacht wird, wie es verlangt wird.

Was mich immer wieder stutzig macht ist ein Ex-Kommilitone. Der ist dermaßen von sich überzeugt, kritisiert mich auch immer gerne bis zum geht nicht mehr - wenn auch unkonstruktiv. Nur sind seine Seminarprodukte immer schlechter gewesen. Bis heute weiß ich nicht, wie er abgeschlossen hat, aber er hatte angekündigt, wenn er keinen Job fände, würde er promovieren. Die Option hat er aber wohl nicht.

Wie kommt es, dass er sich überschätzt, ich mich unteschätze und warum nehme ich mir beispielsweise vernichtende Worte von ihm an?

Ich wünschte, ein Erfolg würde mir mal tatsächlich Selbstvertrauen in meine Leistungen geben. Aber das passiert nicht.

#11
Dann hilft vielleicht doch nur Therapie?

Eventuell ist es wie bei Magersüchtigen, wo dann z.B. Papierumrisse der Figur gemacht werden, damit sie ein Gefühl dafür bekommen, wie dünn sie tatsächlich sind. Damit das Selbstbild gerade gerückt wird. Ich könnte mir vorstellen, dass es da ähnliche Methode für "chronische Selbstunterschätzung" gibt.

Ich nehme deinem Kommilitonen die Selbstüberschätzung übrigens nicht ab bzw. ich denke, das ist ein übersteigerter Minderwertigkeitskomplex.

Klar, dass der dich mit seiner großspurigen Art kleinreden kann, wenn du nicht wirklich selber an dich glaubst.

Wie stark ist denn dein Leidensdruck?

Für mich als Außenstehende ist es ja eher "amüsant", dass du dich so falsch eingeschätzt hast, aber wenn du wirklich gebangt hast!?

Wie auch immer, sei doch froh, dass du mit so wenig Anstrengun gute bis sehr gute Noten erreichst. es gibt viele, die pauken und pauken und schaffen es trotzdem nicht.
Sorry, aber das ist viel zu simple gedacht. Das ist, wie wenn du einem Neurotiker sagst "Reg dich mal ab, deine Hände sind doch sauber und die Kaffeemaschine abgestellt." Das hilft nichts, denn darum geht es nicht.

Der Schalter muss woanders umgelegt werden.

bearbeitet #12
Hey Roya

der Leidensdruck variiert. Vorm Abi war ich panisch, da bin ich heulend mit Begleitung meines damaligen Freundes hingegangen.

Die ersten Klausueren an der Uni waren ähnlich. Eigentlich hat mich die Abschlussarbeit erstaunt, weil ich für meine Verhältnisse relativ wenig Panikanfälle hatte. Naja, einmal saß ich doch in einem Anflug von Panika beim Prof. und hab ihm gesagt, ich sei am Überlegen mein Thema zurückzugeben, da ich offensichtlich keine Thesen hätte.

Er guckte auf mein Blatt, zeigte sie mir (ich hatte sie schön mit eins zwei drei nummeriert) und mir war wieder alles klar. Naja, aber davor hatte auch mein Freund Schluss gemacht, wird daran gelegen haben.

Sonst hatte ich bei dieser Arbeit eher eine "Ist eh alles egal"-Haltung und hab mich ziemlich lange überhaupt nicht angestrengt.

Selbst bei der Abgabe hatte ich keine Panike, es war eher ein resigniertes "Es muss nur ne 4 werden".

Insgesamt würde ich sagen, dass es besser geworden ist.

Was mir aber immer Sorgen macht ist, dass ich denke, dass irgend jemand meine Arbeit lesen könnte und sagt: "Quatsch", faktisch falsch.

Vielleicht liegt es am Fach und daran, dass ich weiß, dass ich oft unkonzentriert bin, dass ich meine, bestimmt etwas übersehen zu haben, nicht sauber recherchiert zu haben.

In den geisteswissenschaften gibt es ja 1000 Argumentationsmöglichkeiten, und man weiß nie, ob man nun alle Argumente kennt etc. Manchmal wünschte ich, ich hätte ne exakte Wissenschaft studiert.

Übrigens: Großes Kompliment an das Forum, dass man hier solche Themen diskutieren kann, ohne als Großkotz dazustehen. Denn so ist es wirklich nicht gemeint.

#13
Hi Rupert,

ich muss mich etwas korrigieren bzw. etwas deutlicher ausdrücken:

Was ich nicht meinte ist, dass man "keine 100%" braucht für eine 1,0. Sicher braucht man die, auch bei uns. Die Frage ist: Was SIND 100%? Bei den NatWi mag das etwas einfacher zu sein, da es messbar ist. Bei uns ist es so, dass wir viele eher weiche Aufgaben haben (interdisziplinär BWL/Psychologie) und natürlich gibt es schon auch einen absoluten Anspruch - einiges muss einfach da sein - aber es wird schon auch relativ bewertet, also geschaut, wie das Gesamtniveau ist. Und daran misst man den Einzelnen (auch).

Und genau das scheint mir bei Dir der Knackpunkt zu sein: Woran misst Du Deine Leistungen? Mir scheint, am Optimum. Das ist m.E.n. eher kontraproduktiv, denn so kannst Du Dich natürlich nicht ins Verhältnis zu den anderen Leistungen einsortieren - Du siehst nur, dass Du das Optimum nicht erreicht hast und glaubst, Du wärest "schlecht" gewesen. Der Maßstab, mit dem Du Dich für einen Vergleich zu anderen - und nix anderes sind ja Klausuren - einsortieren solltest, ist der Durchschnitt, denn nur so kannst Du Dich realistisch einschätzen. Ich meine jetzt nicht, dass Du nicht das Optimum anstreben solltest - das ist was anderes - sondern nur den Maßstab für Dein "Einsortieren" im Verhältnis zu anderen.

Hoffe, ich konnte es etwas besser erklären, was ich meinte. Eine Freundin von mir hat mir (ich hatte v.a. am Anfang der Promo das gleiche Problem - ich schaff das nie, lautete die Devise :rolleyes: ) mal genau diesen Super-Tipp gegeben: Such Dir als Maßstab nicht die besten, sondern den Durchschnitt, und dann sortier Dich ein. Und schon weißt Du, wo Du stehst.

Alles Gute

Nimriel

EDIT: Noch ein Tipp. Wir haben auch ab und zu mal mit Studenten zu tun, die Panikanfälle während der Dipl-Arbeit bekommen oder in der Prüfungsvorbereitung. Es gibt an jeder Uni eine Beratungsstelle für genau solche Probleme. Ich habe damit nur gute Erfahrungen gemacht; bei mindestens zwei Studis bin ich sicher, sie hätten ohne die Beratung nicht abgegeben, weil die Arbeiten den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden konnten, was ständig zu Panikanfällen führte. Das ist kein allzu seltenes Problem! Die Ansprüche an sich selbst sind häufig so hoch, dass der Druck unerträglich wird.

EDIT2 : @Roya und @HouseMD, Ihr irritiert mich mit den Avataren ;)

EDIT3: Sorry, bin unkonzentriert. Also, Thema Kommilitone: Das nimmst Du doch wohl hoffentlich nicht für bare Münze... allein der Spruch "wenn ich keinen Job finde, promoviere ich" ist schon super. Minderwertigkeitskomplex, ick hör Dir trapsen... Solche großmäuligen Leute begegnen einem immer wieder... Taten zählen, nicht Worte :P

#14
Hi Nimriel

Danke nochmal für die Antwort, sie hat mir tatsächlich weitergeholfen. Vor allem, weil ich mich gerade wirklich frage, wie es mit mir weitergeht.

Sprich: Dissertation ja oder nein.

Meine Noten müssten reichen, wenn ich nicht in beiden Fächern in der mdl. ne 4 reinhaue, bin ich dank der Magisterarbeit immer noch bei 1,Keks.

Und ich frage mich wirklich, ob ich es kann: Einerseits denke ich: "Anscheinend kann ich es doch". Andererseits kenne ich eben meine Versagensängste auch zu gut.

Ich war übrigens nicht fast depressiv, ich war depressiv, allerdings nur, weil ich zu Beginn der Magisterarbeit meinen Vater kennengelernt habe, und damit nicht ganz klar kam und dann hat auch noch mein Freund Schluss gemacht. Ich weiß also nicht genau, wieviel der Depression ich wirklich der Magisterarbeit zuschreiben soll.

Gerade mache ich mir wirklich Gedanken, was ich machen soll und die Kommentare meines Umfelds a la: "War doch klar, dass du wieder so gut abschneidest", machen es nicht besser. Es ist eher, als ob ich mir damit noch viel mehr Druck aufbaue.

Aber es ist wirklich klasse, mit jemandem zu reden, der das Ganze irgendwie nachvollziehen kann.

Edit: Ich hatte zu dem Typen den Kontakt schonmal abgebrochen, weil er mir ins Gesicht sagte, ich sei nicht als Tutorin geeignet. Aber irgendwie reden wir doch wieder miteinander seit ein paar Jahren. Naja, damals, als er mich beleidigte, war er anscheinend auch scharf auf mich, hats aber erst später gestanden. Was mich fasziniert ist, dass der mit seinem Auftreten vom Fleck weg nen Job gefunden hat, was kaum einem gelingt. Naja. Der verkauft sich halt.

Edit: Mich irritieren die Avatare nicht. Ich freu mich, wenns Spaß macht. :) Ich will auch nen Avatar und mach mich auf die Suche.

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