Zum Inhalt springen

Ein Geständnis welches einen immer Verfolgen wird

3 Antworten1'134 AufrufeGestartet von Texta ·

TextaThemenstart
#1
In mir staut sich seit Jahren schon alles an. Mit jemandem darüber zureden fällt mir schwer, aus welchen Gründen auch immer. Es fällt mir einfach schwer jemandem zu vertrauen. Aus welchen Gründen auch immer. Im Hinterkopf habe ich einfach immer das diese Person vielleicht alles herum posaunt etc.

Ich hoffe es stört niemanden das ich hier mein bisheriges Leben mal revue passieren lasse.

Ich hatte eigentlich eine sehr schöne Kindheit. Mein Vater war für mich das grösste und er erfüllte mir fast jeden Traum. Als ich 6 Jahre alt wurde, liessen sich meine Eltern scheiden. Den Grund dafür erfuhr ich erst Jahre später. Für mich brach eine Welt zusammen als ich meinen Vater nur noch am Wochenende sah. Doch dies hat uns damals glaub ich noch fester zusammen geschweisst. Meine Mutter fand nach ca. 2 Jahren nach der Scheidung einen neuen Partner, mit welchem sie heute noch glücklich verheiratet ist. Als ich 10 Jahre alt war verschwand mein Vater plötzlich. Sein Geschäft ging Konkurs und mit dem Geschäft verschwand auch er. Wie sich herausstellte hatte er sich ein Jahr nach Brasilien abgesetzt. Meine Mutter fand als ich 13 Jahre alt war, das es an der Zeit ist mir zu erzählen wieso sie sich damals von meinem Vater getrennt hat. Sie zeigte mir ein gutachten in dem stand, das mein Vater früher meine Schwester Sexuell missbraucht und meine Mutter vergewaltigt hat. Für mich brach in diesem moment eine Welt zusammen. Zu erfahren das sein grösster Held ein verbrecher ist. Zu erfahren das dieser Mann mein Vater ist. Ich schwörte damals rache wenn ich meinen Vater finden würde. Mehrmals habe ich meine Mutter gefragt wieso sie ihn nicht angezeigt hat. Als Grund gab sie mir immer an, das sie dies mir nicht hätte antun können. Da mein Vater doch das grösste für mich war. Ich fühlte mich damals durchdies schuldig gegenüber meiner Mutter und meiner Schwester, das dieser Mann nicht hinter Gittern sass. Mir ging es recht lange Zeit sehr schlecht nach der beichte meiner Mutter. Ich habe nie mit jemandem darüber gesprochen, was heute vielleicht ein Fehler war. Auf jedenfall hat dies irgendwie damals mein ganzes Leben verändert. Ich fühlte mich für vieles verwantwortlich und wenn es in der Schule streitigkeiten gab, lies ich die prügel über mich herein brechen auch wenn ich mich hätte wehren können. Ich liess es zu das mich Leute die mich nicht mochten hänselten. Gewehrt habe ich mich nie dagegen, ich hatte für solche dinge nur ein müdes lächeln übrig. Es vergingen 4 Jahre und ich war schon in der Ausbildung zu meinem Beruf als ich erfuhr wo mein Vater jetzt lebte. Ich wollte sofort zu ihm und ihn kaputtschlagen, doch ich konnte nicht. Dachte mir immer was es bringen würde. Vor einem Jahr dann, ich fand heraus das meine Schwester brieflichen Kontakt zu meinem Vater aufgebaut hat. Ich konnte das im ersten Moment nicht verstehen, irgendwann kapierte ich dann aber das dies vielleicht ihre Methode war das ganze zu verarbeiten. An meinem zwanzigsten Geburtstag vor einem Jahr, bin ich betrunken nachhause gekommen und fand in meinem Zimmer einen Brief. Absender mein Vater. Für mich wars ein Schock. Jetzt nach knapp 10 Jahren meldet er sich, nach alle dem was passiert ist. In meiner Wut verriss ich den Brief ohne ihn zu lesen und verbrannte ihn danach. Die Worte welche im Brief standen blieben ein Geheimniss. Bis heute habe ich keinen Brief mehr von meinem Vater erhalten. Ich dachte ein paar mal ich könnte ihm vergeben, doch im innern weiss ich das er ein monster ist und ich dieser person nie im leben vergeben werden kann obwohl ich ihn vermisse.

Vielleicht ist diese Geschichte der Grund warum ich selten oder nie jemanden Vertraunen kann. Ich lasse verbale Streitikeiten einfach so über mich ergehen. Trotz meiner innerlichen Traurigkeit, lache ich aber doch sehr viel. Ich lache glaub ich aus schutz. Ich lächle weil es von mir erwartet bin, weil ich doch so eine fröhliche Person bin und alles mit Humor nehme. Traurigkeit kann ich irgendwie nicht ausdrücken. Sehr viel bin ich wütend über mich selber.

Durchdass ich kein wirkliches Vertrauen zu jemanden aufbauen kann, hatte ich bis jetzt auch fast ausschliesslich kurz Beziehungen mit Frauen. Mir fehlt irgendwie die nähe zu einer Person welche mich in allen Lebenlagen festhält. Ich meine viel ich hätte mich verliebt, doch eigentlich ist dies nicht so, vielmehr sehe ich in dieser Person einfach die nähe die ich brauche.

Im Grunde habe ich einfach angst, dass irgendwann der Tag kommt, an dem in mir alles raufkommt und dann irgendwas passiert was ich nicht kontrollieren kann. Frust welcher abgelassen werden muss, aber wie? Ich möchte diesen Frust nicht mehr haben, das Ventil einfach aufmachen. Es soll alles raus, nur wie?

Euer Texta

#2
Hallo Texta.

Das ist eine sehr traurige Geschichte, die du da zu erzählen hast. Du hast mein uneingeschränktes Mitgefühl.

Als Hilfestellung mag ich dir mit auf den Weg geben, was mir beim Lesen deiner Zeilen quasi unaufhörlich im Kopf herumgaloppierte: Such‘ dir einen Therapeuten, mit dem du deine Erfahrungen aufarbeiten und verarbeiten kannst. Den ersten Schritt, nämlich das Erkennen und Annehmen deiner Probleme, hast du mit diesem Forenbeitrag bereits hinter dich gebracht. Die professionelle Hilfe wäre der logische zweite Schritt. Und lass‘ dir gesagt sein: Schämen braucht man sich dafür nicht, im Gegenteil. Ich habe höchste Achtung vor den Menschen, die erkennen und sich eingestehen, dass sie mi fremder Hilfe ihre Dinge eleganter, einfacher und schneller in den Griff bekommen können.

Ich wünsche dir alles Gute!

Matthias

#3
hi lost&found

Danke für deinen Beitrag. Ich habe auch schon darüber nachgedacht zu einem psychologen zu gehen. Es würde mir sicherlich helfen, ich habe mir dann immer wieder gesagt, dass ich das auch selber durchstehen kann. Es wäre aber glaub ich an der Zeit sich zu überlegen diesen Schritt zuwählen.

Ich habe Neujahr aufgehört zurauchen, dies hat irgendwie den Frust noch mehr vergrössert und als ich nun vor 3 Wochen auch noch beschlossen habe dem Alkohol ganz den Rücken zu kehren wurde er noch grösser. Ich bin sicherlich auf dem richtigen weg, einem Weg mit einem Ziel.

Eine Frage am Rande, wie gehe ich an so eine sache ran mit pschologen etc. Ruf ich da einfach an oder wie?

#4
Richtig. Zunächst sondierst du, welches Angebot an Psychologen es in deinem näheren Umfeld gibt. Wichtig ist hierbei auch das jeweilige Fachgebiet. Hier gibt es verschiedene Differenzierungen wie Verhaltenstherapie oder Gesprächspsychotherapie (letzteres könnte in deinem Fall gut passen). Anschließend klemmst du dich hinter's Telefon, schilderst grob dein Anliegen und fragst einen ersten "Schnupper-" Termin an.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wahnsinnig wichtig ist, sich bei seinem Therapeuten wohl zu fühlen. Du öffnest dich hier einem zunächst wildfremden Menschen; wenn da von vornherein eine Antipathie vorherrscht, wirst du dich unwohl fühlen und zwangsläufig wenig Erfolg haben. Die Schnupper-Stunde wird i.d.R. auch von deinem Therapeuten genutzt werden, um dich einzuschätzen und abzuwegen, inwieweit er mit dir arbeiten möchte (zumindest sollte ein guter, aufrichtiger Vertreter dieser Gattung dies so handhaben).

Seite 1 von 1 · 4 Beiträge in diesem Thema