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Ein Sonntag ohne Dich

5 Antworten2'163 AufrufeGestartet von AndiNeu ·

AndiNeuThemenstart
#1
Ein Sonntag ohne Dich

Es ist Sonntag 8 Uhr in der früh. Der Geist erwacht aus einer dunklen Nacht. Seine vertraute Hand arbeitet sich, wie jeden Tag, selbstständig durch die Decke und fasst ins Leere und greift auf die kalte Matratze. Es war also kein Alptraum, sondern der tägliche Schmerz.

Er öffnet die Augen und die Zimmerdecke scheint einzustürzen. Ein Nebel aus Panik, Einsamkeit und Hilflosigkeit breitet sich auf seiner Seele aus. Ein Gefühl des Versagens bringt ihn endgültig zum erwachen.

Wie ein Zombie, welcher ohne Herz und Wärme lebt, wandert er in die Küche und lehnt sich, mit seinen Armen abgestützt, auf die Arbeitsplatte. Ein Blick aus dem Fenster sagt ihm, dass es wieder nicht geschneit hat. Der Himmel weint und zeigt das vertraute Bild eines verregneten Tages. Seine Augen fallen auf die Cornflakesschachtel und die erneute Gewissheit, dass er heute sicher keine Semmeln holen wird. Keinen Satz ins Auto, um für sich und seiner Liebe Semmeln zu holen, um den Tag schön und gemütlich einzuläuten. Niemand würde ihn anlachen, ihm einen Kuss aufdrücken und zu ihm sagen, „Ich liebe dich mein Schatz!“.

Er nimmt die Cornflakes, die Milch, eine Schlüssel und einen Löffel und schlürft in das Wohnzimmer. Ein Blick in die Auffahrt, kein zweites Auto, das ihm sagt, dass sein Schatz da ist. Die erste Träne bahnt sich ihren Weg über die Backe seines Gesichts, ja er vermisst sie! Er spürt die heiße Luft, welche immer in solchen Momenten seine Nase verlässt.

Der Vormittag hat begonnen, die Sonne gewinnt an Kraft, wie sein Körper und sein Geist. Doch seine Freunde schlafen noch, keiner würde ihn hören. Er nimmt ein Buch zur Hand und liest um zu vergessen, um sich zu verlieren, seine Seele gesund zu pflegen.

Nach einigen Stunden, in denen er sich den Zeilen eines Fremden hingegeben hatte, greift er nach seinem Handy und schreibt eine Zeile, die er an einen Freund schickt. „Meld dich bitte wenn du wach bist.“ Danach gibt er sich wieder seinen Gedanken hin.

Schläft sie noch?

Der Mittag ist vorbei und die Frage der Verpflegung ist nicht notwendig. Der Körper ist zufrieden, der Geist kämpft und arbeitet seit Wochen auf Hochtouren, doch dem Fleisch geht es gut.

Warum bist du nicht bei mir?

Das Telefon läutet und durchschneidet die Stille des schwerelosen Raumes. Er geht mit einem leichten Stöhnen dran und vernimmt eine vertraute Stimme.

„Moin! Wie geht’s? Schon auf?“

„Ja klar! Schon eine Ewigkeit! Paßt schon. Und dir?“, antwortet er neutral.

„Ja passt alles, bin noch ein bisschen müde. Was machen wir denn heute?“

„Was hältst du vom Christkindlmarkt in der Stadt?“

„Klar können wir machen, ich frag die anderen und dann kommst einfach vorbei“

„Ok, bis dann“

Der Nachmittag verläuft wie geplant. Ein paar Glühwein, Witze und Späßchen. Doch der Klos im Bauch und in der Brust verschwindet nicht. Dieser begleitet ihn nun schon seit geraumer Zeit und scheint nicht gehen zu wollen. Denn er liebt sie noch immer! Mit ihr wäre er sicher nicht in die kleine Stadt gefahren. Vielleicht nach München, Salzburg oder Innsbruck. Er hat sich im Herbst schon auf die Weihnachtszeit mit ihr gefreut. Mit ihr über den Markt ziehen. Sich zu knuddeln, in den Arm zu nehmen, sich zu küssen und mir ihr lachen. Auf das hat er sich doch so gefreut!

Es wird langsam dunkel und die Sonne wandert unaufhaltsam gen Westen. Ein weiterer Tag neigt sich dem Ende.

Zurück in seiner Wohnung, denkt er sich, dass der Tag bis jetzt ok war. Ein Blick auf das Telefon und Handy zeigt ihm, dass keine Nachricht von ihr zu finden ist. Er will ihr sagen oder schreiben, dass er sie vermisst. Doch eine innere Stimme schimpft wehemend ...“REISS DICH ZUSAMMEN!!!“ Er würde sie nur nerven. Sie liebt und vermisst ihn nicht mehr! Sie ist ohne ihn glücklicher!

Zwei Stunde später kommt der Griff zum Telefon, wählt und wartet bis sich am anderen Ende jemand meldet.

„Jo?!“

„Servas! Machen wir heut noch was? Brauch etwas Abwechslung, krieg daheim die Krise!“ meint er in einem nüchternen Tonfall.

„Ja, komm einfach vorbei, dann schaun wir einfach mal was wir noch machen können.“

„Okidoki, bis gleich.“

Was macht sie gerade?

Und wieder der Blick in die Auffahrt, sie ist nicht da. Wie oft hat er schon gedacht, ihre Autotür zuschlagen gehört zu haben und doch ist niemand gekommen. Die Leere überzieht seine Seele, sein Herz und seinen Geist. Wieso gab sie ihnen nicht noch eine Chance? Ein Erwachen!? Sie hat ihn doch geliebt? War ihre gemeinsame Liebe diese Chance nicht Wert?

Nach einigen Stunden zocken und in einer Bar ratschen, kommt er schließlich wieder daheim an. Es ist nun sehr dunkel und kalt. Der Atem zeigt sich in der Luft als lebendige Gestalt, welche von ihm weicht.

Er schließt die Haustür hinter sich und bereitet sich auf das Bettgehen vor. Den zweitschwersten Teil des Tages nach dem Aufstehen. Er streift die verbrauchten Klamotten vom Körper und zeiht seinen Schlafanzug an. Der Gang ins Bad wurde anders. Niemand da, der mit ihm die Zähne putzt. Niemand da zum necken und spaßigen ärgern. Niemand zum umarmen und küssen. Niemand da mit dem man seine Gedanken für den nächsten Tag teilen kann.

Nachdem er alle Lichter ausgemacht hat, kommt ein letzter Blick in die leere Auffahrt und die erneute Gewissheit, dass keiner außer ihm im Haus sein wird.

Denk sie überhaupt noch an ihn?

Er schließt die Schlafzimmertür hinter sich, legt beide Telefone auf die Kommode, da er seit Wochen immer erreichbar und bereit sein will, sollte seiner großen Liebe etwas zustoßen und seine Hilfe brauchen. Er würde sie nie wieder enttäuschen!

Nun deckt er sich zu, dreht sich zur Seite und wischt sich den letzten salzigen Tropfen vom Gesicht und versucht zu schlafen. Keiner den er in den Arm nehmen kann, kein zweiter leiser Atem in der Stille des Raumes, keiner der seine Liebe erwidert. Die Gewissheit, über das was er falsch gemacht hat und, dass er es besser machen kann, nagen noch einige Zeit an ihm. Doch das Leben geht nun mal weiter. Egal wie er sich auch dagegen wehrt.

Er schläft ein und hofft, dass die Zeit schnell vergeht und er endlich vergessen kann.

Ende

Quelle: Ich

Hab einfach mal drauf los geschrieben und mir dabei nichts gedacht. Will das meiner Exfreundin geben, die mich vor ein paar Wochen verlassen hat... Wir waren 5 Jahre zusammen...

soll ich ihr das geben? Oder ist das eher schlecht? Bzw der text zu schlecht?

Grüße

Andi!

#2
Hallo Andi...

Ich bin echt beeindruckt, denn ich finde Deine Art zu formulieren sowie Deinen Text wirklich sehr gefühlsvoll und absolut nachvollziehbar. Du triffst den Nagel auf den Kopf, denn jeder (zähle mich auch dazu) der sich in der gleichen Situation befindet kann JEDEN Deiner Gleichnisse und Erfahrungen bestens verstehen. Ich persönlich würde Ihr den Brief dennoch nicht geben, weil ich denke, dass Du ihn in erster Linie für Dich und als ersten Verarbeitungschritt geschrieben hast. (Hat sicherlich auch gut getan, oder?)

Es gibt schlussendlich leider kein "richtig" oder "falsch", deshalb musst Du tun, was Dein Herz Dir sagt, auch wenn der Verstand etwas anderes vorschreibt. Rechne jedoch mit der Möglichkeit, dass sie auf den Brief nicht reagieren wird... Möchte Dich nicht verletzen, doch habe ich diese Erfahrung leider gemacht...

Wünsche Dir und allen in der gleichen Situation viel Kraft :yeah:

#3
Hi!

Danke für deine Antwort! :)

Ja, ich hab ihr den Brief nicht gegeben. Habn ganz schön abgeschrieben und schon in den Umschlag gesteckt... hab ich immer im auto dabei. Aber ich weiß, dass sie nicht so auf solche Sachen steht. Sie liest es und legt es einfach zur seite. Aber die gewissheit diesen brief immer dabei zu haben beruhigt mich. Ich weiß, dass sie nicht darauf reagieren würde. Ich wollte diesen brief schreiben, damit sie sieht wie es ist, ohne sie zu leben, verlassen worden zu sein. Denn sie wurde noch nie so verletzt oder verlassen. Sie hat keine ahnung wie weh so etwas tun kann.

Nochmal danke fürs lesen und antworten.

Grüße Andi

#4
Hi Andi!

Das hat du wirklich sehr schön geschrieben! :super:

Mir kullerte auch eine Träne runter... ;( Mich würden diese Zeilen zutiefst bewegen, wenn sie mich ansprechen würden...

Alles Liebe und Gute!

#5
Hi du!

Danke! Schön, dass es dir gefällt. Auch wenn meine schriftlichen Deutschkenntnisse eher schlecht sind ;) .

Das wollt ich ned, dass du weinen mußt.

Bin nun drauf und dran ihr das Ding zu geben. Doch werd vorher noch eine Freundin von uns zu rate ziehen. :) Und mal schaun was die dazu sagt.

Ganz liebe Grüße!

#6
gute Idee, halt und auf dem Laufenden..! Ich wünsch' die jedenfalls viel Erfolg...

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