Zum Inhalt springen

Er versteht es einfach nicht

5 Antworten1'393 AufrufeGestartet von Kitoko ·

KitokoThemenstart
#1
Hallo

Ich bin seit drei Jahren mit einem Afrikaner verheiratet und wir haben einen kleinen Yorkshire-Terrier, den wir über alles lieben. Leider haben wir keine Kinder. Mein Mann ist ein ganz lieber und wir verstehen uns auch gut, aber es gibt da einen Konflikt zwischen uns.

Schon seit Beginn unserer Beziehung hatten wir ein Streitthema. Er favorisiert seine Kollegen, die kommen an erster Stelle, obwohl er das bestreitet. Es ist 'faszinierend' zu sehen, wie schnell er draussen ist, wenn einer ihn anruft. Er arbeitet den ganzen Tag und nach Feierabend trifft er sich mit seinen Kollegen. Das ist nichts schlimmes und soll auch so sein, aber es ist jeden Abend so. Irgendwann zwischen 22 Uhr und 23 Uhr kommt er nach Hause als wenn nichts wäre. Dann trinkt er ein Bier und schläft auf der Couch ein. Und das war dann der Abend. Es war nicht immer so schlimm. Es gab Zeiten wo er früher zu Hause war und ich ihm noch etwas gekocht habe. Das habe ich sehr gerne getan. Ich wünsche mir einfach nur ein normales Familienleben. Am Wochenende ist es ebenso. Eigentlich hatten wir uns darauf geeinigt, dass Samstag und Sonntag Familientage sind. Es ist doch auch sein Hund und der kleine liebt ihn sehr. Aber auch hier verschwindet er plötzlich zu seinen Kollegen. Und kommt erst spät nach Hause.

Vor zwei Wochen sind wir umgezogen und ich habe mich so gefreut, dass der Umzug so schnell fertig war. Um halb 11 war alles da. Etwas später fiel meinem Mann ein, dass er am alten Wohnort noch etwas vergessen hatte, was er nicht mitnehmen konnte wegen Platzproblem. Ein Kollege von ihm war da und half uns beim Umzug. Mit ihm zusammen ging mein Mann und kam erst Abends wieder. Das Bett war noch nicht montiert und es herrschte totales Chaos. Ja, ich habe ihm Vorwürfe gemacht, dass ich mir jemanden anders hole, der alle Möbel zusammenbaut. Darauf hin stellte er auf Stur und meinte, dass er nichts mehr machen werde. Es klingelte an der Türe und er meinte, dass er auch nicht wisse wie die Türe zu öffnen ist. Und seitdem lebe ich in einem Kampf. Es wird jeden Abend 22 Uhr 30 wo er nach Hause kommt. Auf meine Frage was er so gemacht hat, gibt es dumme Antworten, die ich eigentlich von einem pupentierenden erwarten würde.

Ich habe ihm erklärt, dass ich es nicht schön finde wenn ich Abends alleine bin. Und das ich das Gefühl habe, dass er nicht bei mir sein möchte. Seine Reaktion ist, dass er sagt, er kündige seinen Job und dann können wir den ganzen Tag zusammensein. Er versteht es nicht, dass ich ihn nicht von seinen Kollegen wegziehen will, natürlich kann er die treffen, aber ich bin seine Frau und sollte an erster Stelle kommen. Er sagt dann, das er mich gut versteht und er mich sehr liebt, aber er ändert sein Verhalten nicht. Manchmal denke ich, dass er einen Nebenjob angenommen hat, er kommt immer um die selbe Zeit nach Hause. Eine andere Frau ist nicht das Problem, er hat keine Affäre. Wenn ich mich beschwere und ihm sage, dass er früher nach Hause kommen soll und ich auch gerne für ihn kochen möchte, nimmt er dies zwar an, aber es bleibt das selbe. Natürlich rufe ich ihn an, wenn er bis 21 Uhr nicht da ist. Er sagt dann, dass er bald nach Hause kommt. Auf meine Nachfrage sagt er das er in einer Stunde da ist, das werden dann zwei oder drei Stunden.

Gestern meinte er das er um halb neun zu Hause ist und es wurde wieder 22 Uhr. Ich fragte ihn was er denn so lange gemacht habe, da er mir sagte, dass er schon unterwegs ist. Er meinte, dass es schliesslich regnet und er herumgelaufen ist. Mein Mann holt seine Pupertät nach und ist der Meinung, dass ich halt seinen Lebensstil akzeptieren soll. Trennen will er sich nicht. Und ich ziehe nicht aus, mir gefällt es hier. Ich fragte ihn gestern ob er in eine Scheidung einwilligt. Das will er auch nicht. Ich möchte zu gerne wissen, was er nach Feierabend so macht und wieso es ihn nicht nach Hause zieht. Wenn ich ihn frage ob er lieber alleine wohnen will, sagt er nein. Wenn ich ihm sage, dass ich dies nicht mehr lange mitmache, gibt er mir Recht, aber ändert tut er nichts. Auch wenn ich viele Kolleginnen hätte, ich würde ihm das nicht antun, weil ich ihn liebe und meine Freizeit gerne mit ihm verbringe.

Seit gestern herrscht bei uns Krieg. Wir küssen uns auch nicht mehr. Ich bin krank und leide an psychischen Problemen. Mit seinem Verhalten vermittelt er mir, dass ich weniger wert bin als sein Kollegenkreis. Wenn ich ihm das sage, scheint er es zu verstehen, aber eben..........Ich bin müde und es geht mir nicht gut. Manchmal überlege ich mir ob ich vielleicht übertreibe, er meint ja, dass er nicht böses tut und nur mit seinen Kollegen zusammen ist. Aber ist das wirklich eine Basis für eine Ehe? Wir sehen uns täglich etwa für eine Stunde und am Wochenende kommt es halt darauf an.

Ich weiss absolut nicht was ich machen soll.

#2
Hallo,

ich verstehe dein Problem und ich verstehe es auch gleichzeitig nicht. Er ist so von Anfang an gewesen. Hast du gehofft, dass du ihn ändern kannst? Hast du in der Hoffnung geheiratet er ändert sich? Er wird sich nicht ändern. Du kannst du nur deine Konsequenzen daraus ziehen.

Ich vermute er verhält sich wie ein Pubertierender, weil das für euch eure Basis einer Beziehung. Jeder hat so seine Rolle. Du der Mutter, mit dem erhobenen Zeigefinger - er die Rolle des bockigen Kindes.

Du kannst versuchen mal nicht die Mutterrolle zu übernehmen. Dich von deinem bisherigen Verhalten zu lösen. Vielleicht zieht er dann mit.

Mit "typischen" Mutterverhalten löst du bei ihm nur "typisches" pubertierenden Verhalten aus. Er ist wie er ist, wenn du das nicht möchtest musst du wahrscheinlich auch einmal dein Verhalten hinterfragen. Vielleicht ziehst du ja irgendeine Art von Nutzen daraus, dass du dieses Rollenverhältnis lebst. Vielleicht ist das auch eine Ursache deiner psychischen Probleme?

Vielleicht schmerzt dich die Erkenntnis, dass du Menschen nicht ändern kannst, obwohl du es so sehr erhoffst und tust und machst, damit sie sich verändern? Nein, sie werden es nicht. Ich denke, dass das eine Sache ist, die du akzeptieren wirst müssen.

1× hilfreich
#3
Hallo Crying Soul

Danke für deine Antwort. Vielleicht bin ich hier in der Mutterrolle, auch wenn mir das nicht klar ist. Ich schränke ihn ja nicht ein. Okay, ich mache die monatlichen Zahlungen und habe daher Zugriff auf sein Konto. Aber damit war er immer einverstanden. Wie oder was soll ich ändern? Nicht mehr kochen und damit auf ihn warten? Oder seine Wäsche nicht mehr zusammenlegen? Ich verstehe was du meinst, weiss aber nicht wie ich es umsetzen soll.

Es gab auch andere Zeiten. Es gab eine Zeit wo er früher nach Hause kam. Damals hatten wir unseren Hund ganz frisch zu uns nach Hause geholt. Der Hund 'leidet' ja auch wenn er nicht da ist. Er möchte ja auch mit ihm nach draussen u.s.w. Er lässt auch sein Zeugs überall liegen und ich räume es ihm hinterher.

Meine gesundheitlichen Probleme sind schon gekommen bevor ich ihn kennengelernt habe. Zu Anfang unserer Beziehung war er überall dabei, ich durfte keinen Schritt alleine machen. Das war auch nervig und jetzt nach sechs Jahren macht er das Gegenteil. Als wir uns kennengelernt haben, war er Asylbewerber und nach vier Jahren heirateten wir. Erst dann durfte er arbeiten. Es war eine schwierige Zeit mit finanziellen Problemen, wir hatten nur mein Einkommen. Ich habe ihm das noch nie vorgeworfen, weil das wäre billig.

Ich verstehe es immer noch nicht. Und ich bin dir dankbar, wenn du mir weitere Inputs geben kannst.

Liebe Grüsse

bearbeitet #4
Hallo Kitoko,

genau das meine ich, Koche nicht für ihn, mach nicht für ihn die Wäsche. Behandel ihn nicht wie eine Mutter ihr (vor)-pubertäres Kind. Kochen könnnt ihr doch prima gemeinsam machen. Haushalt würde ich auch gemeinsam machen, so gut es in der Sache geht. Oder eben mal bringt einer den Müll raus und der andere putzt und andersrum. Jenachdem womit ihr beide am besten Zurecht kommt.

Das du in der Situation gesundheitliche Probleme entwickelst ist wohl normal. Ich vermute aber mal bisher habt ihr beide Vorteile aus eurem jeweiligen Verhalten / den Rollen gezogen. Mir schwebt da sowas im Kopf wie: Du kannst ihm sagen, dass er kindisch sei und er, dass du zu regulierend bist.

Wahrscheinllich braucht ihr das gegenseitige Aufreiben, auch wenn es euch beide nervt, scheint ihr immer noch an den (eigentlich negativen) Vorteilen zu hängen.

Ich weiß nicht, was es genau ist, was euch an dieser Konstrukt des Aufreibens hält. Frag dich das mal was dich betrifft - was hast du für Vorteile dadurch, dass du ihn als Pubertierenden erlebst? Irgendwas muss es dir geben, sonst würdest du aus deiner Rolle ausbrechen. Bei ihm genauso, nur eben "andersrum".

Was genau für gesundheitliche Probleme meinst du? Irgendwas bereits diagnostiziertes? Wenn ja, was?

2× hilfreich
B52
#5
Wie ist denn eure sonstige Situation? Arbeitest du, oder nur er? Bist du Hausfrau?

Also ich sehe das ähnlich wie CS, ihr habt eine art mutter-sohn Beziehung. Ich würde an deiner stelle eben auch mal abends ausgehen mit Freundinnen und zwar nicht aus trotz, sondern einfach, damit du nicht immer zu hause sitzt und auf ihn wartest. Lebe dein leben...

Eine Sache sehe ich übrigens etwas anders als CS : Menschen können sich ändern, vielleicht nicht grundlegend, aber bestimmte Verhaltensweisen abzulegen ist schon drin. In jeder Beziehung sind Kompromisse nötig.

B.

#6
Moment B52. Menschen können sich schon ändern. Grundsätzlich halte ich eine Änderung in einer Beziehung für mich möglich, wenn jeder für sich entscheidet das zu wollen. Das Problem ist nur, dass man sich gegenseitig in alte Verhaltenweisen bringt, weil man das gewohnt ist und das in der Regel die bequemste Variante ist.

Sonst würde ich mich aber anschließen. Lebe mehr für dich Kitoko. Du scheinst mir mehr für andere zu leben und eventuell hast du  deshalb  gesundheitliche Probleme entwickelt.

1× hilfreich

Seite 1 von 1 · 6 Beiträge in diesem Thema