Gefuehlsachterbahn und komplizierte Vierecksgeschichte

X

xixi

Guest
Ich bin 30 und habe ein etwas kompliziertes Problem (oder tue ich nur so?). Meine Freundin R. ist 25, huebsch, ein Energiebuendel, liebt mich, wuerde am liebsten heiraten und Kinder kriegen, umsorgt mich und wird immer zu mir stehen. Ihre Eltern, Geschwister und Kollegen sind nett und moegen mich. So weit so gut.

Mein urspruengliches Problem: Ich finde wir haben keine gute

Gespraechskultur bzw. Kommunikation. Sie spricht wesentlich mehr als ich (obwohl ich eigentlich gerne rede und diskutiere) und gibt mir kein Gefuehl, dass sie mir mal zuhoert, wenn ich etwas sage. Meist sagt sie nur "hm?" wenn ich etwas sage oder unterbricht mich mitten im Satz mit einem neuen Thema. Andererseits kann sie mir problemlos die laengste Zeit etwas erzaehlen, auch wenn mich das nicht mehr interessiert und nichts als "ja" und "hmhm" sage. Auch tiefnachts kann sie noch stundenlang schwatzen, wenn ich todmuede bin eigentlich nur noch schlafen moechte. Nach rund 2.5 Jahren Partnerschaft habe ich langsam das Gefuehl, dass mir das gute miteinander-Reden sehr wichtig ist und ich sehe es nicht so ganz plastisch, auf diese Art ein Leben lang zusammen zu sein.

Das neue Problem: Wir waren zusammen in den Ferien und haben eine Woche mit zwei anderen (uns bis dann unbekannten Frauen) auf beschraenktem Raum zusammengelebt. Obwohl ich das nicht gesucht habe, hat's bei mir bei einer dieser Frauen (I*) gefunkt und ich glaube, ich habe ihr auch sehr gut gefallen, denn wir haben uns oft angeschaut. Wir haben so gut miteinander reden koennen und haben es sehr lustig gehabt (auch alle zusammen). Da ich aus Prinzip keine Affaeren habe und I* zudem einen Freund hat (glaube ich, zwar hat sie nichts aktuelles erzaehlt, war aber mal mit ihm laengere Zeit im Ausland. Andererseits habe ich mal einen Gespraechsfetzen aufgefangen, wo sie jemand anderem von "kein Feuer mehr vorhanden" erzaehlt hat) habe ich natuerlich nichts unternommen und R* hat auch nichts gemerkt. Als wir nach Hause mussten viel mir der Abschied von I* so hart und tat so weh... In den Wochen danach musste ich staendig an I* denken, habe aber mit R* nicht darueber gesprochen, weil ich ihr nicht weh tun will.

Nun weiss ich nicht recht, was ich machen soll. Einerseits glaube ich nicht recht, dass ich mit unserer fuer mein Verstaendnis schlechten Kommunikation R* heiraten koennte. Da sie das aber moechte und auch bald Kinder will, muesste ich es ihr wohl bald sagen... Andererseits fuerchte ich eben doch, dass ich alles gute in der Beziehung verlieren und es spaeter bereuen koennte. Aber irgendwie habe ich mich schon darauf eingestellt, dass es wohl nicht mehr so lange dauern wird. Zudem moechte ich I* gerne wieder sehen, will aber nicht irgendwie aufdringlich sein oder so, falls sie doch noch einen Freund hat.

Nun sind in letzter Zeit meine Gefaelle eine Achterbahn und ich weiss kaum mehr, was ich nun wirklich tun soll.

Da ich zwar Kollegen aber keinen besten Freund habe und mir die bisherigen Antworten hier im Forum sympatisch waren, probiere ich's nun mal hier...

 
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hallo xixi,

eine frage: ist deiner freundin dein problem von "sie hört nie richtig zu" bekannt? habt ihr das irgendwann mal diskutiert? wenn nein, dann wird es höchste zeit. wenn ja, dann ist es wirklich ein problem.

ich finde, dass eines der wichtigsten dinge in einer beziehung die kommunikation ist. da kann das umfeld noch so gut sein, wenn aber du das gefühl hast, nicht verstanden zu werden, dann ist dies grundliegend.

was die urlaubsbekanntschaft anbelangt, denke ich, dass dies eine logische konsequenz aus dem problem ist. du bist nicht mehr so glücklich mit deiner aktuellen freundin und lernst jemanden kennen, der dich interessiert. nun projezierst du natürlich das manko in die neue bekanntschaft und findest faszination am unbekannten resp. unentecken.

ich denke, dass du zuerst mal mit deiner freundin klarkommen solltest und mit dir ins reine.

das sind spontan meine gedanken. liege ich falsch? bin gespannt von dir zu lesen.

gruss

ritter

 
Hallo Ritter,

danke fuer Deine Gedanken. Wir haben schon manchmal darueber gesprochen, allerdings selten. R* ist ein extrem positiver Mensch, wir sprechen selten ueber ernste Dinge.

Sie weiss, dass ich mit ihrer Kommunikation Probleme habe und gibt sich auch Muehe. Sie sagt auch, dass sie mir schon zuhoere, denn sie wisse immer, was ich gesagt haette (was durchaus manchmal auch stimmt). Aber ich habe oft nicht das _Gefuehl_, dass sie mir zuhoert oder dass sie interessiert, was ich sage. Ich stelle auch nicht fest, dass sie merkt, wenn mich umgekehrt ihr Thema nicht so interessiert. Sie findet auch, dass sie mir weiterhin zuhoeren koenne, wenn sie mir mitten in meinen Satz etwas ganz anderes sagt. Das mag zwar stimmen, aber ich fuehle mich dann trotzdem absolut uninteressant. Ich will ja sicher nicht, dass sie mir den ganzen Tag zuhoert, aber vielleicht oefter mal an etwas interessiert ist, was von mir kommt. Schliesslich spreche ich weniger oft als sie.

Es liegt also nicht daran, dass sie es nicht probiert, aber ich fuehle mich dennoch oft einsam in unserer Beziehung (obwohl wir fuer mein Empfinden viel Zeit miteinander verbringen).

Dass die Urlaubsbekanntschaft eine Konsequenz aus dem Problem ist, sehe ich auch so. Mit ihr konnte ich wieder einmal richtig Reden (und nicht nur zuhoeren bzw. "an eine Wand reden"). Das habe ich sehr genossen und daraus (sowie unseren Blicken) hat sich wohl mehr entwickelt.

Ich habe gestern das Thema unserer Kommunikation wieder angesprochen und es hat sie sehr traurig gemacht. R* sagt, sie merke nicht, dass sie so sei und gebe sich doch Muehe. Das glaube ich ihr schon, aber dennoch habe ich in unserer Beziehung oft mein Lachen verloren, was ich sehr schade finde. Mal schauen, wie es sich entwickelt. Fuer weitere Anregungen und Gedanken bin ich weiterhin offen und werde sie gerne lesen.

Gruss,

xixi

 
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hallo xixi,

hmm, das ist nicht einfach. ihr redet darüber, das ist ja schonmal gut. aber wenn sie das gefühl hat, dass sie sich mühe gibt und du erkennst die mühe wiederum net, dann ist es weniger gut.

xixi, mal ernsthaft. war für dich heiraten je ein thema? hast du dir zu einem zeitpunkt mal gesagt "hey, mit dieser frau will ich mein rest vom leben verbringen?". oder beugst du dich eher ihrer familienplanung?

mit jeder beziehung, die man beendet, gehen schöne momente und werte verloren, die man vielleicht in einer neuen beziehung nicht mehr findet. jedoch ist stets die frage, überwiegen diese momente oder dominieren die momente, wo man merkt, dass sich dieser negative umstand höchstwahrscheinlich nie ändern wird ,er aber für dich elementar ist um darauf zu verzichtn (buahh, was für ein satz... :) )??

viel mut einstweilen.

gruss

ritter

 
Xixi, eine Frage: Ist Deine Freundin glücklich mit Dir oder spürt Sie, dass da was nicht stimmt?

Grüsse

fränzi

 
Für mich stellt sich auch die Frage, ob du so, wie deine Beziehung ist, wirklich zufrieden bist.

Du erwähntest, daß sie dich liebt, da frage ich einmal dreist: liebst du sie denn? Ist sie die Frau, mit der du dein Leben verbringen möchtest?

Es sind Fragen, die du dir stellen mußt.

Dann fiel mir beim Lesen auf, daß du geschrieben hast, daß sie sehr lebensfroh ist, ihr selten über "ernste Dinge" redet. Reicht dir das? Oder bist du selber eher der nachdenkliche Typ, der eher mal tiefschweifende Gespräche führt?

Was ist für dich wichtig in einer Beziehung?

Ich selber könnte mir keine Beziehung vorstellen, wo alles auf "Fun" beruht. Es muß die Option bestehen, daß man auch über "Gott und die Welt" philosophieren kann, Ruhe teilen kann.

 
Hallo XIXI,

ich kann Dir nur sagen, dass das mit dieser Urlaubssituation, die Du da erlebt hast, eine Geschichte ist, die immer wieder passiert.

Man lernt sich kennen, hängt die ganze Zeit zusammen, ist wegen Urlaub natürlich auch beidseitig gut drauf, lernt sich immer besser kennen, lacht zusammen, ....... und und und.

Ja das ist so, aber das hat nichts mit der Realität und dem restlichen Leben zu tun. Du hast Dich gut gefühlt und keine Alltagsprobleme und Sorgen und verbindest dies jetzt mit deinen Gefühlen zu ihr.

Das Deine Freundin da, nach einigen Jahren und diversen Problemen, die nunmal leider normal sind, im direkten Vergleich den kürzeren ziehen muss, ist klar. Du kennst aber auch nur das Zusammenleben mit Deiner Freundin und all Ihre Schwächen und Fehler. Die Deiner Urlaubsbekanntschaft kennst Du nicht.

Also ich kann Dir nur raten las bei Deiner Überlegung den Urlaub erstmal aussen vor. Werde Dir darüber im Klaren, was Du an Deiner Freundin hast und wie ihr die Situation evtl. verbessern könnt (sofern Du sie noch liebst). Stelle keine Vergleiche an !!! Da kann jeder Partner gegenüber einem Flirt nur den kürzeren ziehen.

 
Ritter und Benji: Heiraten schliesse ich im Allgemeinen nicht

prinzipiell aus. Allerdings denke ich, dass dies mit voller

Ueberzeugung geschehen sollte; mit dem Gedanken "mit dieser Person

will ich immer zusammenleben!" Diese Ueberzeugung fehlt mir eben im

Moment. Andererseits ist mir klar, dass die anfaengliche Verliebtheit

in einer Beziehung nach einiger Zeit verschwindet und sich in eine

andere Art von Zuneigung bzw. Bindung wandelt. Daher bin ich im Moment

verunsichert, wie man erkennt, ob eine Person "die richtige" fuer den

Rest des Lebens ist. Genuegt eine "gute" Beziehung, oder sollte man

nach der perfekten Suchen, auch wenn man diese vielleicht nie findet?

Solche Gedanken waelze ich im Moment sehr oft, aber ich gerate hier

wohl in's philosophieren.

Fraenzi: Ja, meine Freundin ist gluecklich mit mir, das versichert sie

mir auch immer wieder. Sie mahlt sich auch schon unsere gemeinsame

Zukunft aus mit Haeuschen und Kindern. Zwar habe ich ihr schon frueher

gesagt, dass ich das nicht garantieren kann und ich mir auch btr. der

Kinder noch unsicher bin (bzw. irgendwie Angst davor habe). Sie meinte

jeweils, das komme schon noch. Zwar habe ich nicht mehr so Angst vor

Kindern, aber ein tiefer Wunsch meinerseit ist es noch nicht. Dafuer

habe ich Angst davor, ihr diese Traeume kaputt zu machen, weil sie

doch ein so lieber Mensch ist und ich nunmal lieben Menschen nicht

gerne weh tue...

Dass mit mir etwas nicht stimmt, hat sie (wie ich vorher schon

geschrieben habe) am Wochenende gemerkt und eben auch sehr traurig

gemacht. Aber sie denkt wohl, das geht vorbei, schliesslich will sie

sich ja auch wieder mehr Muehe geben, mir zuzuhoeren. Allerdings denke

ich, dass wir eben andere Arten von Kommunikation pflegen ("einseitig

erzaehlen" vs. "miteinander reden") und halt auch andere Themen

bevorzugen. Daher glaube ich auch nicht so recht daran, dass wir eine

Kommunikationsform finden koennten, die fuer uns beide perfekt waere.

 
hallo xixi,

für mich klingt das alles so ein bischen nach "Die Kommunikation hindert mich daran glücklich zu sein mit Ihr. Da ich aber Angst habe, etwas anderes besseres zu finden (da ich die perfekte Beziehung ausschliesse), werde ich mich vermutlich damit abfinden müssen. Das muss so sein!!".

Wenn ich nicht rechthabe, liege ich bestimmt nicht ganz unrichtig, oderrr? :]

ich bin der meinung, dass es nicht DIE perfekte beziehung gibt. aber ich bin auch der meinung, dass man eine beziehung perfekt gestalten kann, um darin glücklich zu sein. wenn du plötzlich die macken des anderen schätzst und beginnst zu erkennen, dass es sich lohnt, kompromisse einzugehen, dann wirst du dich auch wohl fühlen...

thats what i think..

gruss

ritter...

 
Hallo ritter,

ja, damit liegst Du wohl nicht ganz unrichtig. Die perfekte Beziehung

schliesse ich eigentlich nicht aus, denn bei wenigen anderen Paaren

hat man wirklich das Gefuehl, dass sich da zwei perfekte

zusammenpassende gefunden haben. Viele Aussenstehende haben das

Gefuehl uebrigens auch bei uns, aber dann ist die Kommunikation und

die Themen ja auch anders.

Zu den News: Kuerzlich hatten wir am Abend eine intensive Diskussion,

wobei wir beinahe Schluss gemacht haetten. Sie war sehr traurig und

zornig. Zornig vor allem, weil ich nicht frueher etwas gesagt haette,

weil ich doch schliesslich immer zu ihr kommen koennte und weil sie

unfaehig sei fuer eine Beziehung und ueberhaupt nicht kommunizieren

koenne (sowas hatte ich nie gesagt!). Schliesslich haben wir uns

nochmals eine Chance gegeben und ein paar Regeln aufgestellt.

Somit laeuft es jetzt (voruebergehend?) besser.

Trotzdem geistert im Hinterkopf noch diese Urlaubsbekanntschaft rum,

die sich in meiner Fantasie zur idealen Lebenspartnerin hochstilisiert

hat (voellig idiotisch, ist mir absolut klar). Vermutlich ist das mehr

ein Wunschdenken, auch weil sich beim "jemanden kennenlernen und

starke Gefuehle entwickeln" jeweils die besten und spannendsten

Gespraeche ergeben, die es in einer langen Beziehung so nicht mehr

gibt...

Und wenn ich auf der Strasse rumlaufe, dann denke ich oft, dass irgend

eine dieser Frauen vielleicht _die_ perfekte fuer mich sein

_koennte_. Aber vielleicht ist das alles nur so eine olle "jetzt komme

ich in die 30er"-Maennersache und das gibt sich.

Ist das Leben mit 30 wirklich so viel komplizierter als mit 20?

- xixi (sinnierend)

 
Hallo enfantfou,

klar ist das Leben auch in den 20er kompliziert (oder kann sein). Aber ich denke, die Entscheidungen, die man in den 30ern faellt, haben typischerweise laengerfristigere Auswirkungen als die Entscheidungen in den 20ern. Das macht sie auch schwieriger, finde ich. :rolleyes:

- xixi

 
meinst du?

ich denke, einige entscheidungen, die ich jetzt mit meinen 21 jahren treffe, werden mein ganzes zukünftiges leben prägen. man macht sich das wahrscheinlich mit 20 nur nicht so bewußt. aber wenn man sich das ein bißchen bewußt macht..dann wirds ziiemlich kompliziert. :( auwei. immerhin hat man mit 30 auch ein bißchen mehr erfahrung ;)

~tank

 
Das Komplizierte ist keine Sache des Alters.

Durch einen sehr wertvollen Freund lernte ich mal, daß das, was mir so kompliziert vorkommt, auch "Leben" genannt wird.

Halt ein sehr intensives Leben. Und wenn man ehrlich ist, gefällt es einem doch auch so. Denn was wäre, wenn alles so einfach wäre, man sich mit "Kompromissen" zufrieden gäbe? Es wäre schnell langweilig, oder?