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Hilfe - Entscheidung gesucht

3 Antworten857 AufrufeGestartet von Verlorene Katze ·

Verlorene KatzeThemenstart
#1
Hallo zusammen,

ich bin 27 und hab seit einigen Monaten das Gefühl, dass mein Leben in eine völlig falsche Richtung verläuft. Ich frage mich, wie ich es durchziehen soll, was ich ändern, soll.

Hab das Gefühl, dass ich seit dem Abi einfach nur die Zeit verplempert hab. Hab zwar ne Ausbildung gemacht, aber seither nix mehr, d.h. ich geh zwar schon arbeiten, immer noch in der gleichen Firma, in der ich nach 5 Jahren immer noch gleich beschissen bezahlt werde. Am Anfang war ich sehr gerne dort, hab viele tolle Leute kennengelernt und die Bezahlung war mir erstmal nicht so wichtig. Würde sich ja sicherlich eh ändern.

Und da geht’s auch schon los mit einem Problem. Es änderte sich nix. Ich bekomm noch immer mein Anfangsgehalt, alle Gehaltserhöhungen wurden abgelehnt, selbst neue Mitarbeiter bekommen mehr. Dabei hab ich mir extra ein Zeugnis ausstellen lassen mit einer sehr guten Bewertung. „Blabla die momentane Wirtschaftslage“ bekam ich mal wieder zu hören …

Ich bin so sauer, so wütend, so frustriert, dass ich erst letzte Woche an meinem Schreibtisch saß und mir die Tränen vor lauter Frustration verdrücken musste. Immerhin bin ich nicht die Einzigste in der Firma, der es so geht. Aber das macht das Problem auch nicht kleiner. Würde ich das Geld nicht brauchen, hätt ich das schon längst hingeschmissen. Es ist ein Teufelskreis, ich bekomm schon halbe Depressionen …

Jetzt werdet ihr denken, such dir doch endlich nen neuen Job oder geh studieren, ersteres versuche ich seit Mitte 2010 und war nah ca. 70 Bewerbungen grade mal bei 2 Vorstellungsgesprächen. Ich könnte k***. Beide Male wurde ich abgelehnt mit dem Grund, dass ich doch bestimmt noch studieren geh (obwohl ich das natürlich von Anfang an verneinte. Aber wie argumentiert man da dagegen?).

Und wirklich studieren kann ich mir momentan nicht leisten, weil ich noch gut 2 Jahre einen Kredit abzahlen muss. Auto und Möbel … Ich will mich nicht noch mehr verschulden …

Mal abgesehen davon hab ich nicht das beste Abi, vor 3 Jahren hab ich‘s schon mal versucht und wurde von allen Hochschulen abgelehnt. Nicht mal auf die Warteliste kam ich. Zu schlechter NC, keine Praktika, keine beruflichen Vorkenntnisse für die Fächer die mich interessieren. Klar könnte ich Praktikas machen, aber das pack ich finanziell mom nicht ... Ein Praktikum bei einem Bekannten könnte ich machen, aber unbezahlt, 6 Monate ...

Alle meiner Klassenkameraden sind schon längst mitten in ihrer Lebensplanung, haben schon den Abschluss in der Tasche, die Hälfte ist schon verheiratet, bauen Häuser … Vor ein paar Wochen auf dem Klassentreffen kam ich mir so langweilig und dumm neben den andren vor … denen ihr Leben ist so aufregend. Und meins?

Es ist wirklich nicht aufregend, nichts außer Ärger auf der Arbeit passiert wirklich. Ich geh grade kaum noch aus dem Haus, kanns mir einfach nimmer leisten.

Ich wohn mit meinem Freund in der Stadt, in der ich mich absolut unwohl fühle, ich hasse den Lärm, den Dreck, den Gestank, die Hektik. Ich komme von einem kleinen Ort, der viel zu weit weg ist von hier, um mal eben so kurz hinzufahren und mich zu entspannen. Wenn ich dort bin, ist es als tanke mich neuen Lebensmut und -energie. Früher wollte ich nie hier weg. Meine ganzen Freunde von dort sind noch da, ich sehe sie kaum noch, mit den meisten hab ich seit einem Jahr kaum noch Kontakt, außer mal über Facebook. Toll.

Mein Freund versteht mich nicht, wie auch, er kennts nicht anders. Obwohl ich schon 27 bin, ist er mein erster richtiger Freund, vorher hab ich immer nur bei allen Männern versagt. Es ging sehr schnell bei uns, aber es fühlte sich nicht falsch an. Hab gedacht, die tiefen Gefühle kommen mi der Zeit. Wir sind nun 2 Jahre zusammen. Momentan weiß ich noch nicht mal, ob ich ihn überhaupt noch liebe. Oder ob ich es je getan hab. Oder ob es einfach nur da dran liegt, dass mich alles nervt.

Noch nie, selbst jetzt, hab ich das Kribbeln, die Aufregung gespürt, wenn es dem andren genau so ging oder man frisch zusammen kommt. Hab ich nie gespürt. Ich hatte noch nie richtig tollen Sex! Selbst jetzt nicht!!! Ich meine, es ist ok, aber ... ich glaube auch, dass er enttäuscht von mir ist.

Ich hab meine Jugend nie wirklich genossen bisher, nie hab ich mal was gewagt, mein verklemmter Verstand und meine Feigheit haben mich immer gebremst. Genug Situationen gab es schon, nur hab ich immer einen Rückzieher gemacht.

Ich weiß einfach nicht was ich tun soll. Manchmal denk ich mir, schmeiß alles hin, geh zurück nach Hause, mache mit ihm Schluss. Ich hab so Angst, dass ich es in naher oder ferner Zukunft bereuen werde, wenn ich nicht bald was ändere.

Ich meine, ich mag ihn sehr gerne, wir verstehen uns einfach so gut, es gibt kaum Streit. Alle um uns herum sehen in uns das perfekte Paar. Er möchte eine Zukunft mit mir. Irgendwo will ich auch, sich festigen, mit Haus, Kindern und so weiter. Wer will schon gerne wieder alleine sein. Ich hab so lange drauf warten müssen. Aber ich bring es nicht übers Herz, ihm weh zu tun …

Danke an alle, die meinen riesen Text gelesen haben.

Bitte sagt mir eure ehrliche, ungeschminkte Meinung … Bin für jede Entscheidung-finden-Antwort dankbar.

Eure verlorene Katze

#2
Hi verlorene Katze!

Jetzt wäre doch endlich der richtige Zeitpunkt gekommen, um Deiner "Feigheit" endlich mal zu zeigen, wer das sagen hat. Du oder sie!

So, wie Du es schilderst, wäre sonst der Teufelskreislauf wirklich vorbestimmt und ich denke, dass nicht nur halbe sondern ganze (und erst recht ernsthafte) Depressionen in solchen Situationen entstehen können.

Das Wichtigste im Moment ist, dass Du mit Deinem Freund Klartext redest. Denn man ist nicht nur zusammen, weil man sich gegenseitig gefällt, sondern dass man auch weiss, dass man seinen Partner in schwierigen Situationen um Rat fragen kann, so dass dieser einem weiter hilft.

So sollte er gerade jetzt zusehen, dass es Dir gut geht, sollte Dich unterstützen bei den Bewerbungen und erst recht aktzeptieren, dass es Dir in München nicht gut geht.

Doch da ich jetzt eigentlich riesige Roman über alles schreiben könnte, was Du gerade falsch für Dich machst, möchte ich nur eine kurze Stichwortliste machen, was Du anders machen kannst:

- vergleiche Dich nicht mit anderen! Ein Fehler, den meiner Meinung nach, viel zu viele begehen, denn es ist überhaupt nicht wichtig, ob andere Familie, Häuser, tolle Autos, einen klasse Job oder ähnliches haben. Denn viele versuchen einfach eine Fassade nach außen aufzubauen, doch weiß man nie, was wirklich im Inneren bei diesen Leuten abgeht.

- nehme mehr Kontakt zu Deinen richtigen Freunden auf, rufe sie an, schreibe Mails, lade sie ein, suche deren Rat und vielleicht ist jemand dabei, der Dir eine verdammt gute Antwort auf Deine Probleme geben kann

- gucke doch mal, ob es da nicht auch andere Studienfächer gibt, die Dir Spaß machen könnten und dann nix wie raus aus dem Job

- suche Dir einfach eine Stadt oder eine Region, in der Du Dich wohler fühlst und bleibe nicht im teuren München, wer weiss ob Du nicht locker beim Einsparen Deiner Miete viel leichter den Kredit zurückzahlen kannst (auch wenn es hart ist, kann neben dem Studium auch arbeiten)

- nehme nicht zu viel Rücksicht auf Deinen Freund, warum solltest Du ihm nicht wehtun wollen, wenn Du Dir selber wehtust? Sei egoistischer, denn wenn es Dir nicht gut geht, wird sicherlich auch die Beziehung darunter leiden. Siehe Klartext sprechen oben! Auch, wenn Du nie ein Kribbeln hattest, ist das wirklich kein gutes Zeichen, denn dann warst Du sicherlich nie verliebt in ihn.

- bewirb dich weiter und weiter und weiter und lass mal auf jeden Fall Deine Bewerbungen von jemanden durchsehen, der sich damit auskennt, vielleicht machst Du irgendwo einen Fehler oder irgendwas nicht gut, von dem Du gar nichts weiss.

Ich denke, wenn sich nur ein Punkt von München, Freund oder Job ändert, dann haste Du es geschafft, Deinen beschriebenen Teufelskreis zu durchbrechen und die anderen Sachen werden zum positiven Selbstläufer!

Also tue bitte was, denn sonst ist die Gefahr meines Erachtens groß, dass sich bei Dir viele Dinge nicht gerade gut entwicklen können.

Mit ganz lieben Grüßen

Maufrau

#3
Gut, also Du zahlst momentan noch Auto und Möbel ab. Dann mach das doch erst einmal.

Wichtig ist erst einmal, dass Du deine innere Zufriedenheit findest.

Schau mal: Du hast schon so viel probiert, um "hoch" zu klettern, gehaltsmäßig, jobmäßig. Du kannst Dir auf die Schulter klopfen und Dir sagen: Okay, ich hab alles versucht, aber es war halt noch nicht dran...

Schlimmer wäre es, wenn Du es gar nicht erst versucht hättest.

Manchmal soll es nicht sein. Trotzdem bleibst Du ein vollwertiger Mensch!!!

Wenn Du Dein Gehalt jetzt nicht ändern kannst, gibt es kleine Nebenjobs?

Gibt es ehrenamtliche Aufgaben?

Und was noch ist: Woher kommt Deine Feigheit?

Weißt Du: Eine von der Krankenkasse genehmigte Psychotherapie ist kostenlos, und in den 2 Jahren, in denen Du jetzt eh nichts machen kannst als Möbel und Auto abzuzahlen, könntest Du dich unter fachkundiger Anleitung fragen, woher dieser Missmut, den Du ja schon seit Deiner Kindheit mit Dir rumschleppst, überhaupt kommt und wie Du ihn überwinden kannst. Offenbar unterdrückst Du bewusst Gefühle.

Es kann ein Befreiungsschlag sein.

bearbeitet #4
Hallo Verlorene Katze,

Du hast schon viele wertvolle Hinweise bekommen und daher möchte ich nur noch ein paar Gedanken aus meiner Sicht ergänzen:

Nutze die Zeit in München, um mit Hilfe von guten Therapeuten (eine ambulante oder stationäre Therapie bezahlt auf Antrag die Krankenkasse, als Prophylaxe auch die Rentenversicherung) sowie geeigneten kostenlosen Selbsthilfegruppen, die es in München zahlreich gibt, folgendes anzugehen:

* Dein "Selbstwertgefühl" stärken

* Deine "Selbstsicherheit" verbessern

* Dein "Selbstvertrauen" stärken

* Ein "Selbstbehauptungstraining" machen

* Ein "Profil Deiner Schwächen und Stärken" erarbeiten

* Einen "realistischen Lebensplan für die nächsten 5 Jahre" erarbeiten

* Gegebenenfalls mit Deinem Freund eine "Paarberatung" aufsuchen (zur Klärung eurer Situation)

* Möglichkeiten der "Berufsberatung" ausloten, um etwas für Dich passendes zu finden (Studium, Ausbildung, Umschulung, ...)

* ... ... ...

Denn ___________________ :

- Nicht allein sein zu wollen und Angst vor dem Alleinsein ist keine vernünftige gute Grundlage für eine Beziehung, schon gar nicht, wenn man ernsthaft eine gemeinsame Zukunft möchte als Familie mit Kindern.

- Familie und Kinder alleine sind keine geeignete Alternative oder Fluchtmöglichkeit, einem unbefriedigenden unglücklich machenden Beruf zu entkommen. Dann wärst Du nur eine doppelt frustrierte Hausfrau und Mutter, und das kann nicht lange gutgehen.

- Mit einem Partner noch länger zusammenbleiben, von dem man "eigentlich" gar nicht so richtig weiß, ob man ihn überhaupt liebt, ist auch keine gute Sache und führt Dich immer tiefer in den Sumpf (Enttäuschung, Ablehnung, Verzweiflung, Depressionen, Krankheit, ...). Wer "eigentlich" sagt, meint eigentlich fast immer das Gegenteil.

- Sexualität, die nicht prickelnd ist, nie atemberaubend, sondern "nur O.K.", scheint mir auch keine Grundlage für eine liebevolle erfüllte Paarbeziehung zu sein (aber das weiß ich nicht so genau, bin ja nur ein Mann. Frauen empfinden das vielleicht anders).

- Ich habe den Eindruck, daß Du inzwischen selber siehst, daß nach dem Prinzip "Immer mehr von demselben" zu verfahren, Dein Leben auf Dauer ruinieren wird, wenn Du damit nicht Schluß machst und endlich ernsthaft die Richtung änderst. Schon Jahre in etwas investiert zu haben, das nicht funktioniert, ist kein Grund, dann erst Recht so weiter zu machen, nur weil man schon so viel reingesteckt hat. Wenn etwas nicht geht, sollte man etwas anderes ausprobieren. Und wenn einem nichts einfällt, auch dann sollte man nicht auf der Stelle treten, sondern unbedingt irgendetwas anderes tun, nur um wieder in Bewegung zu kommen, wie ein weiser Chinese bereits vor 2600 Jahren riet:

.................................................... beim gehen.

......................... entsteht

Der Weg

Laotse




Du kannst selbst herausfinden, welcher Weg und welche Entscheidungen für Dich richtig sind, zum Beispiel anhand von "Imaginationen verschiedener Szenarien" und dem aufmerksamen Beobachten Deiner körperlichen Reaktionen darauf (Angst, Atem, Herzschlag, Puls, Schweiß, ...). Oft ist der beste Weg der, vor dem man am meisten Angst hat, auch wenn einem das auf den ersten Blick paradox erscheinen mag. Aber das solltest Du ambulant in einer guten psychosomatischen Therapie oder stationär in einer guten Sozio-psychosomatischen Fachklinik unter kompetenter Anleitung und Begleitung einüben. Aufgrund Deiner Schilderungen glaube ich, daß Du so einiges Belastende aus Deiner Herkunftsfamilie / Kindheit mit Dir herumschleppst und dadurch nicht auf die Beine kommst, solange diese Dinge nicht einigermaßen gut verarbeitet und aufgelöst sind (Selbstannahme, Selbstliebe, sich und anderen verzeihen können, den "Blick zurück" aufgeben, loslassen können, neue Lebensfreude gewinnen, ...). Das alles könntest Du meines Erachtens am besten in einer intensiven 9-12 wöchigen stationären Psychotherapie in einer guten Psychosomatischen Klinik erarbeiten. Davor mußt Du überhaupt keine Angst haben, es würde mit die wertvollste Erfahrung und Zeit in Deinem Leben sein, wenn Du Dich traust.

Du hast jederzeit die Möglichkeit, bei jedem Therapeuten / jeder Therapeutin, fünf Mal unverbindlich hinzugehen und in diesen fünf Sitzungen herauszufinden, ob er oder sie für Dich geeignet ist oder nicht (Dein Bauchgefühl entscheiden lassen). Das wird von den Kassen anstandslos bezahlt, sofern diese Ärzte/Ärztinnen oder Psychologen/Psychologinnen eine Kassenzulassung haben. Also, wenn es beim ersten Mal nicht klappt, dann unbedingt mutig den nächsten Versuch machen, so lange, bis die Chemie stimmt und Du die Hilfe bekommst, die Du brauchst und verdient hast, um Dein Leben auf die Reihe zu kriegen. Nutze diese Chance! Einen Antrag stellen mußt Du dafür nicht. Wenn Du zu Deinem Hausarzt gehst und Dir entsprechende Überweisungen ausstellen läßt, kostet es Dich pro Quartal auch nur ein Mal die Praxisgebühr und sonst nichts.

Weil die Admins hier nützliche Links in meinen Beiträgen als unerwünscht löschen, kannst Du selbst per Google.de und den beiden Stichwörtern "Selbsthilfegruppen München" nach für Dich und Deinen Themen passenden Gruppen suchen (zum Beispiel unter www Punkt SHZ-Muenchen Punkt de gibts Auskunft über alle Selbsthilfe-Angebote in München). Auch hier gilt, einfach konsequent zu mindestens fünf Gruppentreffen nacheinander hingehen und spüren, ob sie hilfreich sind oder nicht. Nicht gleich beim ersten Besuch schon ein endgültiges Urteil fällen. Auf diese Weise wirst Du sicher geeignete Gruppen finden können, um persönlich weiterzukommen mit deren Expertise und Unterstützung. Aber immer mit gesundem Menschenverstand und kritischem Blick herangehen. Nicht naiv und vertrauensseelig unbesehen glauben, was einem da alles erzählt und angepriesen wird. Dann kann kaum etwas schief gehen.

Alles Liebe und Gute!

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