Mein Bruder wird zum Fremden
9 Antworten1'589 AufrufeGestartet von Midna ·
MidnaThemenstart
Hallo liebe Community,
ich melde mich so spät bei euch, da mir momentan so viel wegen meines Bruders durch den Kopf geistert und hoffe, dass ihr mir helfen könnt. Es geht um Folgendes:
Ich hatte zu meinem Bruder im Kindes- und Jugendalter immer ein echt gutes Verhältnis, wir haben viel unternommen und uns sehr gut verstanden. Dazu muss ich sagen, dass mein Bruder 7 Jahre älter ist als ich und das somit schon nicht so selbstverständlich ist wie ich finde. Mit 16 lernte er seine heutige Frau kennen, die mir immer sehr sympathisch war. Wir haben dann klar weniger zusammen unternommen, was aber ok war, da es auch im Gegenzug ab und an mal eine Aktivität zu dritt gab. Mit 23 bekamen sie dann das erste gemeinsame Kind, er studierte, sie hatte eine Ausbildung. In der Schwangerschaft seiner Frau rief mein Bruder immer seltener an und reagierte auch nicht mehr auf meine Nachrichten. Als ich ihn dann in ihrer Wohnung besucht habe (ich wohnte damals bei Leipzig, die beiden in Potsdam), sagte er auf meine Frage, wieso er sich denn sonst nicht meldet nur, dass seine Frau da oft Stress machen würde.
Mir war das in dem Moment unbegreiflich da ich doch der Meinung war, wir würden uns gut verstehen. Noch komischer war dann, dass sie sich wie immer auch gefreut hat, als wir in ihrer Wohnung ankamen. Dadurch habe ich das als Ausrede abgetan, auf weitere Nachfragen gabs aber auch keine andere Antwort.
Der Kontakt zu meinem Bruder ist seitdem immer schlechter geworden. Inzwischen beantwortet er meine Anrufe nicht, reagiert nicht auf SMS oder Facebook. Alles was ihn betrifft erfahre ich über meinen Vater, der noch einmal die Woche mit ihm telefoniert. Meine Mutter hat genau wie ich keinen Kontakt zu ihm.
Auf einem Familientreffen hat meine Mutter mal gefragt, was mit ihm los sei und wieso er den Kontakt zu meiden scheint. Er hat darauf nicht geantwortet sondern in die Gegend gestarrt.
Ich sehe meinen Bruder im Jahr höchstens zweimal, alle Familienmitglieder bemängeln, dass er sich kaum meldet, nur bei mir ist es echt extrem und das obwohl der Kontakt vor Jahren sehr gut war. Ich habe ehrlich auch kaum die Möglichkeit mit ihm zu reden, da es ohne Kontakt auch schwer ist ein Thema zu finden. Abgesehen davon, dass er meist nur bei seinen Kindern sitzt und andere Familienmitglieder kaum wahrnimmt. Mein Vater hat schon versucht, auf meine Bitte zu vermitteln, jedoch ohne Erfolg. Langsam fragt man sich schon, was man falsch gemacht hat oder woran es denn nun liegt...
Schlussendlich würde ich gerne das Gespräch suchen aber ich habe auch keine Lust, totgestarrt und -geschwiegen zu werden. Seine Frau ist übrigens keine große Hilfe, da sie inzwischen genauso wie er reagiert. Ich bin echt am Ende mit meinem Latein ;(
ich melde mich so spät bei euch, da mir momentan so viel wegen meines Bruders durch den Kopf geistert und hoffe, dass ihr mir helfen könnt. Es geht um Folgendes:
Ich hatte zu meinem Bruder im Kindes- und Jugendalter immer ein echt gutes Verhältnis, wir haben viel unternommen und uns sehr gut verstanden. Dazu muss ich sagen, dass mein Bruder 7 Jahre älter ist als ich und das somit schon nicht so selbstverständlich ist wie ich finde. Mit 16 lernte er seine heutige Frau kennen, die mir immer sehr sympathisch war. Wir haben dann klar weniger zusammen unternommen, was aber ok war, da es auch im Gegenzug ab und an mal eine Aktivität zu dritt gab. Mit 23 bekamen sie dann das erste gemeinsame Kind, er studierte, sie hatte eine Ausbildung. In der Schwangerschaft seiner Frau rief mein Bruder immer seltener an und reagierte auch nicht mehr auf meine Nachrichten. Als ich ihn dann in ihrer Wohnung besucht habe (ich wohnte damals bei Leipzig, die beiden in Potsdam), sagte er auf meine Frage, wieso er sich denn sonst nicht meldet nur, dass seine Frau da oft Stress machen würde.
Mir war das in dem Moment unbegreiflich da ich doch der Meinung war, wir würden uns gut verstehen. Noch komischer war dann, dass sie sich wie immer auch gefreut hat, als wir in ihrer Wohnung ankamen. Dadurch habe ich das als Ausrede abgetan, auf weitere Nachfragen gabs aber auch keine andere Antwort.
Der Kontakt zu meinem Bruder ist seitdem immer schlechter geworden. Inzwischen beantwortet er meine Anrufe nicht, reagiert nicht auf SMS oder Facebook. Alles was ihn betrifft erfahre ich über meinen Vater, der noch einmal die Woche mit ihm telefoniert. Meine Mutter hat genau wie ich keinen Kontakt zu ihm.
Auf einem Familientreffen hat meine Mutter mal gefragt, was mit ihm los sei und wieso er den Kontakt zu meiden scheint. Er hat darauf nicht geantwortet sondern in die Gegend gestarrt.
Ich sehe meinen Bruder im Jahr höchstens zweimal, alle Familienmitglieder bemängeln, dass er sich kaum meldet, nur bei mir ist es echt extrem und das obwohl der Kontakt vor Jahren sehr gut war. Ich habe ehrlich auch kaum die Möglichkeit mit ihm zu reden, da es ohne Kontakt auch schwer ist ein Thema zu finden. Abgesehen davon, dass er meist nur bei seinen Kindern sitzt und andere Familienmitglieder kaum wahrnimmt. Mein Vater hat schon versucht, auf meine Bitte zu vermitteln, jedoch ohne Erfolg. Langsam fragt man sich schon, was man falsch gemacht hat oder woran es denn nun liegt...
Schlussendlich würde ich gerne das Gespräch suchen aber ich habe auch keine Lust, totgestarrt und -geschwiegen zu werden. Seine Frau ist übrigens keine große Hilfe, da sie inzwischen genauso wie er reagiert. Ich bin echt am Ende mit meinem Latein ;(
Nicht aufgeben!
Es geht schliesslich um deinen Bruder. Kämpfe um ihn, wenn du ihn liebst. Egal, was er jetzt macht. Alles hat seine Gründe. Gerade bei einem so drastischen Wandel, den gerade du beurteilen kannst.
Dazu musst du dich selbst überwinden. Schaffst du das? Es erfordert Stärke, weil Mut und Beharrlichkeit gefragt sind.
:super:
Es geht schliesslich um deinen Bruder. Kämpfe um ihn, wenn du ihn liebst. Egal, was er jetzt macht. Alles hat seine Gründe. Gerade bei einem so drastischen Wandel, den gerade du beurteilen kannst.
Dazu musst du dich selbst überwinden. Schaffst du das? Es erfordert Stärke, weil Mut und Beharrlichkeit gefragt sind.
:super:
Ich sehe das alles anders wie Ironia. Um was will man kämpfen, wenn der andere den Kontakt nicht will ? Egal um welche Form der Liebe es geht, sie hat nix mit Kampf zu tun. Entweder die Liebe ist noch da oder sie ist es nicht. Ein Kampf wiederspricht nicht dem Sinn & Zweck der Liebe.
Ich sehe das so, dass es hier nicht um eine romantische Liebe geht.
Worum man kämpft, ist letztlich die Familie - und nicht die Liebe.
Die Liebe ist jedoch das, was Kraft geben kann. Auch wenn sie momentan nur von Erinnerungen lebt.
Familie hat man nun einmal - aber auch die ist nicht "geschenkt".
Schade, dass heutzutage so viele Menschen einfach "aufgeben" und alles als gegeben hinnehmen. Liegt wohl sehr am kulturellen Hintergrund.
Man gibt eher auf, als dass man sich bemüht - Bemühungen können durchaus auch mal anstrengend sein.
Ich sehe aus den Schilderungen hier noch kein persönliches Bemühen.
Auf einer Familienfeier jemanden vor versammelter Mannschaft anzusprechen, lädt nicht jeden dazu ein, seine Probleme kundzutun. Manche Menschen empfinden das als Bloßstellung, peinlich, unangenehm, kränkend... etc.
Worum man kämpft, ist letztlich die Familie - und nicht die Liebe.
Die Liebe ist jedoch das, was Kraft geben kann. Auch wenn sie momentan nur von Erinnerungen lebt.
Familie hat man nun einmal - aber auch die ist nicht "geschenkt".
Schade, dass heutzutage so viele Menschen einfach "aufgeben" und alles als gegeben hinnehmen. Liegt wohl sehr am kulturellen Hintergrund.
Man gibt eher auf, als dass man sich bemüht - Bemühungen können durchaus auch mal anstrengend sein.
Ich sehe aus den Schilderungen hier noch kein persönliches Bemühen.
Auf einer Familienfeier jemanden vor versammelter Mannschaft anzusprechen, lädt nicht jeden dazu ein, seine Probleme kundzutun. Manche Menschen empfinden das als Bloßstellung, peinlich, unangenehm, kränkend... etc.
Vielleicht sollte man das Wort "Kämpfen" aus dem Vocabular der Beziehung streichen und durch "Bemühen" ersetzen.
Kämpfen bedeutet doch immer: Gegen den Willen eines andern angehen. Ihn unterdrücken und besiegen und als Sieger ihn dominieren. Das ist damit aber sicher nicht gemeint (oder meistens nicht. Das mit dem Unterdrücken und Dominieren kommt dann erst später, wenn man eben verheiratet ist oder sich schon ewig lange kennt und es einem etwas langweilig geworden ist...)
Muss man immer gleich in einen Kampf ziehen? Und wenn der Kampf entschieden ist, was hat man dann erreicht? Reicht es also nicht, wenn man sich um einen Kontakt bemüht? Natürlich lässt sich so ein Verhalten nicht mit einem Schlag ändern. Es hat sich langsam eingeschlichen. Um es wieder zu ändern, müsste man der Veränderung auf den Grund gehen. Dann weiss man auch besser, was man tun könnte.
Kämpfen bedeutet doch immer: Gegen den Willen eines andern angehen. Ihn unterdrücken und besiegen und als Sieger ihn dominieren. Das ist damit aber sicher nicht gemeint (oder meistens nicht. Das mit dem Unterdrücken und Dominieren kommt dann erst später, wenn man eben verheiratet ist oder sich schon ewig lange kennt und es einem etwas langweilig geworden ist...)
Muss man immer gleich in einen Kampf ziehen? Und wenn der Kampf entschieden ist, was hat man dann erreicht? Reicht es also nicht, wenn man sich um einen Kontakt bemüht? Natürlich lässt sich so ein Verhalten nicht mit einem Schlag ändern. Es hat sich langsam eingeschlichen. Um es wieder zu ändern, müsste man der Veränderung auf den Grund gehen. Dann weiss man auch besser, was man tun könnte.
tonton trifft genau das was ich meine. Kämpfen ist einfach ein Wort was nicht passt. Sicherlich sollte man sich um eine egal wie geartete Beziehung / Liebe bemühen, aber irgendwann sollte man auch erkennen, dass das Bemühen nicht mehr lohnt.
So wie sich das hier liest, denke ich, dass der Bruder einfach zu viel um die Ohren hat um sich um sich auch um seine Herkunftsfamilie zu kümmern.
So wie sich das hier liest, denke ich, dass der Bruder einfach zu viel um die Ohren hat um sich um sich auch um seine Herkunftsfamilie zu kümmern.
Das Wort "kämpfen" war wirklich nicht ganz passend gewählt, da sehr stark im Kontext.
Der Sinn, also die Botschaft meiner Aussage bleibt aber dieselbe :]
Danke, Tonton!
Der Sinn, also die Botschaft meiner Aussage bleibt aber dieselbe :]
Danke, Tonton!
Danke für eure zahlreichen Antworten! Ohne diese bis jetzt gelesen zu haben, habe ich am nächsten Morgen einfach nochmal bei meinem Bruder angerufen. Nach einigem Klingeln nahm dann seine Frau ab, mein Bruder könne grade nicht ans Telefon da er mit seinem großen Sohn Mathe lernt, da dieser darin echte Probleme hat. Wir haben uns aber gut unterhalten (wie es auch eigentlich immer schon war) und kamen beide zu dem Entschluss, dass wir echt wieder alle mehr zusammen machen müssen. Wir haben uns jetzt für die Zeit verabredet, in der wir alle mal gemeinsam ein paar freie Tage haben. Ich werde sie dann in ihrer Wohnung besuchen und wir unternehmen alle was zusammen.
Ich habe mich da sehr drüber gefreut, auch wenn ich nicht mit meinem Bruder sprechen konnte. Er wird im schlimmsten Fall also zu seinem Glück gezwungen... Aber dann weiß ich wenigstens, woran ich bei ihm bin.
Geht ihr eigentlich davon aus, dass sich Menschen verändern können? Normalerweise verneine ich diese Frage ja, da sie meisten im Kontext "Mensch mit weniger guten Eigenschaften legt alle alten Laster ab" gestellt wird. Ich denke ja immer, dass Menschen an sich arbeiten können, aber nie eine Komplettwendung hinlegen. Zumindest habe ich das bis auf meinen Bruder noch nicht erlebt... Was mich jetzt auch an dieser Sache grübeln lässt und ich etwas Angst habe, mein Bruder könnte über die Jahre tatsächlich ein anderer geworden sein.
Ich habe mich da sehr drüber gefreut, auch wenn ich nicht mit meinem Bruder sprechen konnte. Er wird im schlimmsten Fall also zu seinem Glück gezwungen... Aber dann weiß ich wenigstens, woran ich bei ihm bin.
Geht ihr eigentlich davon aus, dass sich Menschen verändern können? Normalerweise verneine ich diese Frage ja, da sie meisten im Kontext "Mensch mit weniger guten Eigenschaften legt alle alten Laster ab" gestellt wird. Ich denke ja immer, dass Menschen an sich arbeiten können, aber nie eine Komplettwendung hinlegen. Zumindest habe ich das bis auf meinen Bruder noch nicht erlebt... Was mich jetzt auch an dieser Sache grübeln lässt und ich etwas Angst habe, mein Bruder könnte über die Jahre tatsächlich ein anderer geworden sein.
Liebe Midna,
jeder kann sich ändern. Man kann allerdings nur sich selbst ändern und keinen anderen Menschen. Das entscheidende dabei ist, dass man es selber will. Sonst könnte man sich auch das Rauchen nicht abgewöhnen oder welche Sucht auch immer. Wenn andere es einem diktieren, wird man früher oder später rückfällig. Ähnlich ist es mit (mehr oder weniger) lieb gewonnenen Marotten. Einerseits machen sie einen besonders. Andererseits kann man mit ihnen anecken. Manche Dinge ändert man, wenn der Leidensdruck groß genug ist.
Da Du Deinen Bruder nicht ändern kannst, könntest Du Deine Einstellung zu ihm oder Deine Ansprüche an ihn ändern.
Alles Gute, pitsch
jeder kann sich ändern. Man kann allerdings nur sich selbst ändern und keinen anderen Menschen. Das entscheidende dabei ist, dass man es selber will. Sonst könnte man sich auch das Rauchen nicht abgewöhnen oder welche Sucht auch immer. Wenn andere es einem diktieren, wird man früher oder später rückfällig. Ähnlich ist es mit (mehr oder weniger) lieb gewonnenen Marotten. Einerseits machen sie einen besonders. Andererseits kann man mit ihnen anecken. Manche Dinge ändert man, wenn der Leidensdruck groß genug ist.
Da Du Deinen Bruder nicht ändern kannst, könntest Du Deine Einstellung zu ihm oder Deine Ansprüche an ihn ändern.
Alles Gute, pitsch
hallo,
ich würde mal ganz einfach sagen, dass dein Bruder in seinem Familien- und Arbeitsleben eingespannt ist und wohl auch nicht um die Ecke wohnt?! Es wird ihm wohl zu mühsam sein euch alle zu befriedigen und mit jedem ständig Kontakt zu pflegen.
Er wird eventuell auch davon ausgehen, dadurch dass er wöchentlich mit eurem Vater telefoniert, alle mitbekommen werden, dass es ihm gut geht und was es neues gibt.
Ich persönlich bin auch so, dass ich mich nicht ständig bei allen melde und auch nicht das Bedürfnis habe. Und es gibt auch Momente in denen habe ich keine Lust zu telefonieren, E-Mails zu schreiben etc. und da nehme ich mir auch das Recht dies im Moment nicht zu beantworten.
Und dein Bruder war früher nunmal auch anders eingespannt. Hatte keine Familie etc.
Du kannst versuchen mehr Kontakt herzustellen und dass ihr öfter was unternehmt, aber da muss die Initiative von dir kommen, denn er scheint es nicht zu missen oder ist zu bequem um Selbstinitiative an den Tag zu legen.
lg
ich würde mal ganz einfach sagen, dass dein Bruder in seinem Familien- und Arbeitsleben eingespannt ist und wohl auch nicht um die Ecke wohnt?! Es wird ihm wohl zu mühsam sein euch alle zu befriedigen und mit jedem ständig Kontakt zu pflegen.
Er wird eventuell auch davon ausgehen, dadurch dass er wöchentlich mit eurem Vater telefoniert, alle mitbekommen werden, dass es ihm gut geht und was es neues gibt.
Ich persönlich bin auch so, dass ich mich nicht ständig bei allen melde und auch nicht das Bedürfnis habe. Und es gibt auch Momente in denen habe ich keine Lust zu telefonieren, E-Mails zu schreiben etc. und da nehme ich mir auch das Recht dies im Moment nicht zu beantworten.
Und dein Bruder war früher nunmal auch anders eingespannt. Hatte keine Familie etc.
Du kannst versuchen mehr Kontakt herzustellen und dass ihr öfter was unternehmt, aber da muss die Initiative von dir kommen, denn er scheint es nicht zu missen oder ist zu bequem um Selbstinitiative an den Tag zu legen.
lg
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