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meine fahrt

1 Antworten998 AufrufeGestartet von Jerrina ·

JerrinaThemenstart
#1
meine fahrt

ich steh am frühen morgen auf. es ist 3 uhr. ich packe das wichtigste ein und steig ins auto. draussen ist es kalt, alle schlafen. es schneit.

ich fahre ab. nur ich, mein gepäck und ein lieber mensch.

ich fahre auf der autobahn, rauss aus der stadt. ich sehe die berge, die ersten autos auf der strasse. langsam wird es heller. am himmel ein rosaroter schimmer. ich sehe den sonnenaufgang. ich fahre immer weiter und lasse immer mehr hinter mir und der himmel wird immer blauer. ich habe kein zeitgefühl mehr, kein hunger, keine müdigkeit und ich habe keine ahnung was mich wo erwartet. und es gibt kein grund angst zu haben weil ich alles wichtige bei mir habe.

ich halte an, weil ich das gefühl habe vom weg abgekommen zu sein. mein lieber mensch umarmt mich, beruhigt mich und sagt: "hab keine angst, denn ich bin immer bei dir und solange ich hier bin, kann dir nichts schlimmes passieren. ich pass auf dich auf" nachdem ich mich wieder beruhigt habe, sehe ich den weg wieder klar vor mir und steig wieder ins auto und fahre weiter. wohin wird es mich führen? werde ich jemals ankommen? ich weiss es nicht. denn nicht das ziel sondern der weg ist mein ziel. leider erkenn ich dies zu spät. mein lieber mensch will nicht länger mit mir mitfahren, also steigt er aus. nun fahr ich ganz alleine weiter und hab den überblick vollkommen verloren. wo bin ich? wo wollte ich hin? ich steige aus, sehe mich um und erkenne gar nichts mehr. ich fahr wieder zurück, suche mein lieber mensch. doch der ist weg.

ich bin ganz alleine und muss weiter fahren.

auf einmal erkenne ich alle gefahren, die auf den strassen lauern. auf einmal überkommt mich ein gefühl der angst. die gefahren waren schon immer da, nur hab ich sie nie wahrgenommen. warum aufeinmal? warum hat mich mein lieber mensch verlassen? wie soll ich alleine klarkommen?

mein auto wird alt, mein weg wird mir schwächer vor augen und ich gerate aus der strasse auf ein feld. dort steig ich aus und fange an zu weinen. ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr....

dann höre ich eine stimme aus dem auto kommen. es ist mein lieber mensch! er war die ganze zeit bei mir, ich hab ihn nur nicht mehr gesehen. er sagt mir ich habe kein grund zum weinen, mein weg sei bald zu ende und bald wäre ich angekommen. ich solle weiterfahren und sehen, was passiert.

zwei tage später habe ich ein unfall und sterbe.

meine seele verlässt nun mein körper und ich sehe mein vergangenes leben vor mir. warum habe ich die menschen, die städte, das schöne wärend meiner reise nicht erkannt? warum habe ich nicht häufiger angehalten und die zeit genossen? warum wollte ich so schnell es geht ans ziel? nun bin ich angekommen und alles ist vorbei. und meine seele fliegt mit meinem lieben menschen am herzen davon. mein auto wird verschrottet. alle gehen ihre wege und ein anderer mensch fängt heute seine reise an. ich kann nur hoffen, dass er das wahre ziel erkennt...

19.11.04, nb

#2
die hoffnungsvolle

es war einmal eine schöne prinzessin, mit grossen, braunen augen, die welt mit ängstlichkeit anschauend. sie lebte zurückgezogen von allem in ihrem turm und schrieb für ihr leben gerne. sie schrieb geschichten über andere, so wie sie sich die welt vorstellte. sie stellte sich vor, wie alle menschen glücklich ihr leben mit anderen teilen würden, alle ihren begabungen nachgehen würden und fröhlich wären. wenn sie diese zeilen schrieb, dann fühlte sie das leben in sich und war glücklich. bis die geschichte zu ende war und die realität sie überkam. sie sah sich um und merkte, wie alleine sie war und welch grässliches schicksal sie mit sich tragen musste. sie wurde verbannt in aller ewigkeit nur vom glück zu träumen und davon zu schreiben und es niemals ausleben zu dürfen. sie fühlte sich alleine und ängstlich. sie dürfte ihr schicksal nicht umgehen, sie müsste es ertragen, dachte sie. nun, als sie sich wieder mal am träumen und fantasieren ertappte, dachte sie, sie könne ja ein versuch starten und das leben erleben. sie kämmte ihr haar, kleidete sich angemessen an und ging raus in die stadt. als sie mitten im chaos einer grossstadt ihre grossen, hoffnungsvollen augen aufmachte, erkannte sie die wirklichkeit: nun stand sie da und niemand, gar keine seele schien glücklich zu sein. niemand teilte ein lächeln, niemand strahlte das glück aus, was sie sich so sehr vorgestellt hatte. alle hetzten nur von einer seite zur nächsten, ohne jemanden anzuschauen. alle waren aus welchen grund auch immer in grosser eile und hatten keine zeit sie zu bemerken. die menschen standen früh auf, gingen zur arbeit, kamen spät abens zu ihrer familie und gingen schlafen. und das tag für tag. sie verstand nicht, warum sie das taten. warum waren die menschen in ihren geschichten so anders? konnte man davon ausgehen, dass auch sie anders war? sie beschloss noch ein versuch zu starten und suchte sich eine arbeit, damit sie sich ein genaueres bild von der menschheit machen konnte. an einem bistro sah sie ein schild: "bedienung gesucht" also stellte sie sich vor und prompt bekam sie den job. in diesem bistro arbeiteten ein weiters mädchen und ein junger bursche. der bistrobesitzer war ein älterer mann. nun musste die prinzessin jeden tag um 5 im bistro sein um die brötchen zu machen und die gäste zu bedienen. jeden tag stand sie pünktlich vor dem bistro, voller hoffnung eine fehlinterpretation der menschheit gemacht zu haben.

nach einpaar wochen arbeit bekam sie ihr erstes gehalt. sie hatte nun fleissig 6 tage die woche gearbeitet und nie gefehlt. am anfang war sie ziemlich traurig über die realität des arbeitenden volkes aber mit der zeit gewöhnte sie sich daran und freute sich sogar auf den morgen. die tage strichen dahin. aus tage wurden wochen, aus wochen monate und aus monate jahre... sie war jetzt 26 und hatte nun sehr lange im bistro gearbeitet und einen guten einblick in die welt erhascht. da beschloss sie, wieder in ihrem turm zurückzukehren um wieder zu schreiben. sie sass nun wieder alleine da, träumte vor sich hin und schrieb. doch diesmal waren ihre geschichten traurig, hoffnungslos und sinnlos. sie schrieb über das bistroleben, über das mädchen, dass mit ihr im bistro gearbeitet hatte. ihre kindheit ist schlimm gewesen, ihre jugend schlimmer und das erwachsene leben am schlimmsten. über den alten bistrobesitzer, der gestorben war weil sein trauriges herz nicht mehr schlagen wollte. über den kleinen jungen, der ein grosser bursche wurde und vom rechten weg abkam, bis er ins gefängnis landetet. das bistro musste geschlossen werden und sie kehrte daher zurück. wie traurig das stadtleben doch war. sie schön ihre frühere jahren, mit allen hoffnungen und gedanken doch waren. wie unschuldig sie dem ganzen doch entgegensah. nun, nach allen erfahrungen beschloss sie etwas zu ändern. wenn sie was gutes im leben gelernt hatte, dann war es, dass niemand sein schicksal akzeptieren muss. also wollte sie aus ihrem turm ein kinderheim machen, wobei alle kindern dieser stadt die gleiche vergangenheit wie sie haben könnten. in ein ort aufzuwachsen, wo die phantasie das leben inspiriert. sie dachte, dann würde die welt in der zukunft anders aussehen. sie kam mit dieser idee zum stadtpresident. doch der wollte davon nichts wissen. "im heutigen leben gibt es keine zeit für phantasien" sagte er "lieber früher die realität erkennen, als sein leben zu verträumen!" da wurde die prinzessin ganz traurig. sie sah, dass sie anstellen konnte, was sie wollte, die menschen hatten ihre unschuld schon verloren. sie wollten nur arbeiten und arbeiten, damit die zeit schneller vorbei geht. diese schreckliche zeit, voller schmerzen, hindernissen, trauer und verlüste. sie dachte sich, wenn sie eine zeitlang wieder zurückkehren würde, zurück zu ihrem turm, und erst später wieder kommen würde, dann wäre die gegenwart sicherlich anders und sie könne vielleicht mehr erreichen.

also zog sie sich erneut zurück und verblieb ein weilchen in ihrem turm alleine. sie schrieb traurige geschichten die jedoch ein hoffnungsvolles ende nahmen.

nach 20 jahren, sie war nun mitte 40, beschloss sie einen letzten versuch zu starten und die welt zu bekehren. sie kämmte ihr haar, dass schon einen grauen schimmer hatte, kleidete sich zeitgemäss an und ging raus in die stadt. sie stand inmitte eines verkehrssignals, wo autos, trams, büsse, velos, alles hin und her fuhr. sie schaute sich um und sah wie ein mann mit einer waffe auf sie zielte. er schoss, sie fiel um. als sie da lag, den himmel über sich sah und eine menschenmenge sich um sie versammelte bekam sie zum ersten und letzten male in ihrem leben das, was sie sich schon immer so sehr erhofft hatte: aufmerksamkeit. sie fühlte sich glücklich und hoffnungsvoll, als zum letzten mal ihr herz schlug. ihr name war esperanza.

19.11.04 nb

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