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Muslimin und Nicht-muslim

8 Antworten1'622 AufrufeGestartet von ozzalap ·

ozzalapThemenstart
#1
Hallo,

ich bin der Nichtmuslim und war für kurze Zeit mit einer Muslimin zusammen.

Wir haben uns sehr gut verstanden und auch die beiderseitigen Gefühle waren nicht das Problem.

Auch die Religion an sich hat die Beziehung nicht scheitern lassen. Sie ist zwar religiös und ich bin aus der Kirche ausgetreten, aber das hat sie nicht gestört.

Wir sind übrigens beide 20.

Naja, das Problem, was die Sache kaputt gemacht hat, war ihre Familie. Ihre Eltern sind gebildet und in den meisten Dingen liberal. Dennoch wollen sie aus Traditionsgründen nicht, dass ihre Tochter einen nicht-muslimen als Freund hat.

Sie hat ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern und versteht sich gut mit ihnen. Daher kann sie unsere Beziehung nicht geheimhalten, da sie ein schlechtes Gewissen haben würde.

Sie hat mit ihrer Mutter indirekt über das Problem gesprochen, dass es doch nicht richtig sei, dass sie - wenn überhaupt - nur mit muslimen zusammen sein dürfe. Ihre Mutter hat sich sogar einsichtig gezeigt und ihr teilweise Recht gegeben. Das große aber: Diese Tradition/Regelung sei zwar unsinnig, ABER die anderen Freunde/Bekannte/Familie machen das auch so und würden eine Abweichung davon nicht akzeptieren.

Letztlich stellen die Eltern also ihr Ansehen, das geschädigt werden würde, über das Wohl ihrer Tochter.

Ich hab um sie gekämpft, habe mich mit dem Islam beschäftigt, und versucht zu verstehen und darüber Argumente zu finden. Dann habe ich auch viel mit ihr über Menschenrechte, Freiheit und Selbstbestimmung gesprochen. Wir haben versucht irgendeine Lösung zu finden.

Aber es ist nicht gelungen.

Sie sagte, eigentlich müsse sie ja ihren Eltern entgegentreten und für ihre Selbstbestimmung kämpfen. Aber sie könne das nicht.

Was natürlich irgendwie nachvollziehbar ist. Dabei könnte es zum Bruch mit ihrer Familie kommen, was natürlich ein hoher Preis ist.

Was mir Probleme macht sind zwei Dinge:

Einerseits, dass sie immer noch in meiner Nähe ist, wir aber nicht mehr zusammensein dürfen/können.

Andererseits, dass sie in ihren Freiheiten eingeschränkt wird und ich kaum mehr etwas daran machen kann.

Ich habe ihr meinen Standpunkt zu der Wichtigkeit von Menschenrechten & Freiheiten klar gemacht, und ihr die Entscheidung überlassen.

Jetzt hat sie sich halt gegen ihre Freiheit entschieden.

Und ich merke dass ich nicht damit klar komme. Vielleicht braucht es mehr Zeit, ihre Entscheidung fiel vor einigen Tagen.

Aber irgendwie fühle ich mich so, als wäre es meine Pflicht, meine Augen nicht vor ihrer Unfreiheit zu verschließen.

Ich weiß gerade nicht mehr weiter, vielleicht gibts hier Meinungen, Erfahrung, Tips..............Was soll ich tun?

#2
Hallo

ich denke, Du erkennst und siehst viel.

Es zeugt von tiefer Liebe, dass Du ihr die Entscheidung überlassen hast.

Leider kann wer tief liebt auch tief leiden.

Ich kenne das selbst.

In meiner Exbeziehung war es aus anderen Gründen sehr ähnlich.

Ich denke, Du hast gut erkannt, dass Du einfach Zeit brauchst, diese Entscheidung zu verdauen, damit leben zu lernen. Es macht die Sache natürlich nicht einfacher, dass Ihr Euch noch regelmäßig seht und/oder sehen müsst.

Ich wünsche Dir viel Kraft

alles gute

Gruß soul

#3
Hmm, das ist ein verzwicktes und leider ueberhaupt nicht seltenes Problem in unserer Gesellschaft.

Ich würde den meisten Frauen raten mit der Familie zu brechen, wenn sie ein selbstbestimmtes Leben fuehren wollen.

Aber das ist eine Sache, die den Verstand weit uebersteigt. Im Grunde kannst du garnichts machen, ausser ihr wollt Romeo und Julia spielen.

#4
Original von SoulsisterLeider kann wer tief liebt auch tief leiden.
Das gefällt mir, ich steh wohl auf tragisches....

Hab so einen Tageskalender mit Zitaten, da war heut folgendes, ähnliches drin:

"Tiefer fühlenden Menschen ist auch stets tieferes Leid bereitet als anderen, jedoch auch die Seligkeit, die das Leben bietet, fließt ihnen in reicherem Maße zu."

Adalbert Stifter

Original von ElvisIch würde den meisten Frauen raten mit der Familie zu brechen, wenn sie ein selbstbestimmtes Leben fuehren wollen.
Ich hab von einigen ähnlichen Fällen gehört, bei denen es zwar auch erst lange Krach gab, aber es dann früher oder später zur Versöhnung kam. Aber das kann man im vorhinein natürlich nie wissen.

#5
Du schreibst, sie hat mit ihrer Mutter indirekt über das "Problem" gesprochen und ihre Mutter hat sogar Verständnis gezeigt.

Hat sie denn auch nochmal DIREKT erzählt, was los ist. Wie sehr sie dich liebt, wie wichtig du ihr bist?

Ich weiß nicht ob es viel ändern würde, wenn das Hauptargument die Tradition ist, aber der Sichtwinkel ist sicherlich nochmal ein anderer, wenn ihre Eltern wissen, das sie DIREKT betroffen ist, oder nicht?

#6
Ich würde den meisten Frauen raten mit der Familie zu brechen, wenn sie ein selbstbestimmtes Leben fuehren wollen.
witzige idee eigentlich, nur blöd wenn die traditionelle verwandschaft das mädel daraufhin schlagfertig zusammenknüppelt oder sich zufällig auf offener strasse eine kugel in ihr hübsches köpfen verirrt...

denn:

Ihre Eltern sind gebildet und in den meisten Dingen liberal
sind es doch "die meisten dinge", die mich verunsichern würden...

#7
und was wäre wenn du offiziell zum islam konvertierst? Du könntest dann einfach Moslem auf dem Papier sein und weiterhin ein normales Leben führen.. und sie dann heiraten. Den Muslimen ist es wichtig, daß die Kinder Moslems werden, also soll das Familienoberhaupt, also der Mann ein Moslem sein. Das erklärt, warum muslimische Mäner christliche Frauen heiraten "dürfen". Bin keine Muslimin und werde dies auch nie sein, aber vielleicht wäre dies eine Möglichkeit für euch beide, zusammen zu sein. Du würdest einiges über den Islam lernen müssen, aber du kannst es doch so sehen, daß du über ihre Kultur damit lernst und sie vielleicht noch besser verstehen kannst. Wie wäre es damit?

#8
@Amidala: Nein, so direkt hat sie wohl nicht mit ihrer Mutter gesprochen. Wäre vielleicht einen Versuch wert....

Wobei wir ja erst ganz am Anfang der Beziehung waren, wir haben auch noch nicht offen über unsere Gefühle gesprochen. Es gab halt nur - wenn auch sehr deutliche - indirekte Signale.

Original von Paar_van_Latz
witzige idee eigentlich, nur blöd wenn die traditionelle verwandschaft das mädel daraufhin schlagfertig zusammenknüppelt oder sich zufällig auf offener strasse eine kugel in ihr hübsches köpfen verirrt...
Nein, das würde mit Sicherheit nicht passieren, so schlimm ist die Lage bei ihren Leuten zum Glück nicht. Es gab ähnliche Fälle in ihrer Stadt/Umfeld, da war das schlimmste was passiert ist, dass die Eltern den Kontakt komplett abgebrochen haben. Und dass könnte sie wohl zumindest bei ihrem Vater auch nicht ausschließen, dass er sagt, ich kenne dich nicht mehr....

Original von crying_sun25und was wäre wenn du offiziell zum islam konvertierst?
Die Regelung, dass Muslime nicht-musliminnen heiraten dürfen kommt daher, dass davon ausgegangen wird, dass der mann die religiöse Erziehung der Kinder übernimmt. Zweck ist also, dass der Islam weitergegeben wird.

Eine Konvertierung kommt für mich nicht in Frage. Das würde allen meinen Prinzipien widersprechen, bin schließlich aus guten Gründen aus der Kirche ausgetreten und nicht um einer neuen Religion beizutreten.

Außerdem wären ihre Eltern weiterhin dagegen, weil ich nicht ihre Nationalität habe.....Genau so einen Fall gab es wohl vor kurzem: Mann schon vor Jahren konvertiert, heiratet Muslimin, Eltern kommen trotzdem nicht zur Hochzeit, weil er Deutscher ist....

Der Punkt ist, wenn sie sich mit ihrer Entscheidung jetzt nicht absolut sicher ist, sondern zweifelt, ob sie das richtige getan hat....

....Inwieweit ist es meine Pflicht ihr aus diesem Sumpf rauszuhelfen? Ihr Kraft zu geben, dass sie tatsächlich nochmal das Streitgespräch mit ihren Eltern sucht?

Ich vermisse sie sehr und wünsche sie bei mir....aber fast noch schlimmer ist der Gedanke, dass sie ihr ganzes Leben von diesem Problem betroffen sein wird und meine Handlungsmöglichkeiten so arg beschränkt sind und ich kaum was tun kann dagegen.

Selbstbestimmung, Freiheit, Menschenrechte, Aufklärung sind mir die wichtigsten Prinzipien im Leben.

Aber das ist natürlich leicht gesagt, wenn nicht ich, sondern sie die möglichen Konsequenzen aus der Konfrontation mit ihren Eltern erdulden müsste.

Die jetzige Entscheidung, sich ihren Eltern unterzuordnen ist sicherlich weniger unbequem. Aber vielleicht wünscht sie sich in einigen Jahren damals eine andere Wahl getroffen zu haben.......denn ich denke früher oder später wird sie die Tradition wieder einholen...

#9
Haargenau das selbe machte ich auch durch. Du sprichst mir in jeder erdenklichen weise aus der Seele. Nur, dass es bei mir schon lang vorbei ist, die Schmerzen sind überwunden, ich konnte mich anderen Dingen wieder zuwenden.

Ich Österreicherin, getaufte Katholikin, aber lebe diese Religion nicht wirklich, studiere Biologie, die Evolutionslehre ist schon eher mein Ding. Ich verliebte mich in meinen Nachbarn, er war jünger als ich, ich 22, er 17, wir waren wirklich sehr verliebt, es war wunderschön,... Problem: er war Rumäne, seine Familie zwar sehr gebildet und freundlich, aber tief mit ihrer Kirche (eine Abspaltung des Evangelismus) und ihrem Glauben verwurzelt, so sehr, dass nicht akzeptiert wurde, dass ihr Sohn sich mit einer Katholikin, die nicht auch jeden Sonntag in die Kirche geht, einer Österreicherin und noch dazu eine, deren Eltern geschieden sind, zusammen tut. Wir trafen uns heimlich, doch er konnte sein Eltern nur sehr schwer anlügen, weil er sie sehr schätzte, sie drohten ihm ihn vor die tür zu setzen, sie drohten ihm, er sei ein schlechtes vorbild für seine jüngeren geschwister, er kam in der nacht heimlich durch seinen balkon über meinen balkon bei mir herrein, das ist ist der einzige moment am tag, wo wir uns sehen konnte, seine mutter kontrollierte sein handy, schaute ihm über die schulter, einmal sah sie uns zusammen vom bahnhof nachhause gehen, sie bremste gewaltig das auto und wendete sofort und machte ihm die hölle heiß. Sonst wenn sie mir am Gang begegneten, waren sie scheißfreundlich zu mir, taten so, als wäre nichts. Ich setzte mich mit seiner Religion auseinander, ging in eine Kirche, die er ihren sehr ähnlich war jeden Sonntag und jeden Dienstag traf ich mich noch mit den Jugentlichen dieser Kirche um zu beten. Ich hatte nichts dagegen, dass er eben an Gott glaubte, seine familie so religiös war, das wichtigste war für mich einfach endlich jemanden gefunden zu haben, wo ich mich einfach nur rundum wohl fühlte, wenn ich in seiner nähe war....

es ging jedenfalls nicht gut, er beendete schweren herzens unsere heimliche beziehung, er wurde deshalb auch krank, übergab sich einige male, war echt mies drauf, das weiß ich, weil seine mutter, das meiner mutter am gang erzählt hat, und das beste ist, sie checkte nicht, dass es ihm meinetwegen so schlecht ging. Ich war totunglücklich für lange zeit. Vor allem weil ich im selben Haus wohnte und ich nicht zu ihm rüber gehen durfte.

Heute weiß ich, er hat eine neue Freundin, ein Mädchen aus seiner Kirche, sie sieht angeblich genauso aus wie ich. Aber da es mich nun nicht mehr schmerzt kann ich beruhigt sagen, dass ich mich für ihn freue, dass es doch noch geklappt hat, sodass seine eltern und er auch zufrieden sind. Es war trotzdem eine schwere zeit für uns beide damals.

Meiner Meinung ist das absolut absurrt, zwei Liebende wegen der Religion trennen zu wollen, aber ich muss ehrlich gestehen, Religion, egal welche, verursacht in meine Augen in dieser Welt eh nicht gerade überragend viel gutes. Es werden Kriege geführt wegen Religionen, durch Religion darf Mensch nicht mehr Mensch sein, sondern muss sich einem vorgegebenen Muster anpassen, und wehe er hält diese Regeln nicht ein. Religion nimmt die Freiheit. Religionen sind das Werk des Menschen. Natürlich gibt es in diesem Universum Kräfte ungeahnten Ausmaßes, es gibt Energien in verschiedensten Formen, Energien die etwas bewirken können... aber braucnn wir dazu wirklich prunkvolle Tempel und Kirchen um diese Kräfte beeinflussen zu können? Brauchen wir diese Kriege denn wirklich, die wegen Religionen geführt werden?

Tut mir leid, das ganze ist jetzt ein bisschen ausgeartet... passt jetzt auch nicht mehr wirklich, ich wollte nur mal meine Meinung kundtun.

Viel Glück, dass es bei dich nicht so läuft, aber andererseits, vielleicht solltest du dich fragen, ob es nicht vielleicht doch besser so ist, du würdest immer Probleme mit ihrer Familie wegen diesen Gründen haben. Es wäre nicht leicht, auch wenn sie dem ganze zustimmen. Womöglich würden sie erwarten, dass du Muslim wirst, aber ist es das wirklich wert, seine eigene Meinung über den Haufen zu werfen?

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