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Nach 10 Jahren einfach so aus?

4 Antworten639 AufrufeGestartet von perplexed76 ·

perplexed76Themenstart
#1
Hallo lieben Mitleidenden,

wie so viele hier hab ich mich jetzt auch entschlossen meine Geschichte aufzuschreiben. Ich bin seit über 10 Jahren mit meiner Freundin zusammen. Seit 2 ½ Jahren sind wir sogar verlobt. Wir haben uns kurz nach dem Abi kennengelernt und hatten nie größere Probleme. Es hat mich immer gewundert, dass es in den Beziehungen meiner Freunde häufiger gekrieselt hatte, doch wir hatten nie auch nur eine mittelschwere Auseinandersetzung. Wir sind vor etwa 2 Jahren nach München gezogen, weil ich in unserer Heimat (wir sind in benachbarten Dörfern groß geworden) keinen Job gefunden hatte. Die Entscheidung lag bei mir, wobei sie mir mehr als einmal versicherte, dass sie überall mit mir hingehen würde. Sie könnte sich überall ein Leben aufbauen. Sie ist Grundschulehrerin und hat hier in München dann auch einen Job gefunden, der ihr anfangs nicht so richtig gefiel, aber besser als garnichts war. Ich war froh, dass sie nicht mehr so auf mich fixiert war, sondern auch eine Tätigkeit gefunden hatte, die sie etwas mehr über den Tag brachte. Das Problem begann vermutlich mit meiner Unzufriedenheit in München was meinen Job betraf. Ich hatte halbherzig ein paar Bewerbungen an Firmen in anderen Städten geschickt in der Hoffnung damit etwas ändern zu können. Sie hatte damit kein Problem, da sie ja mit ihrem job auch nicht so glücklich war und überall mitgekommen wäre. Doch seit etwa einem Jahr hat sich ihr Beruf total geändert. Sie war vorher nur als Erzieherin angestellt und nun als Lehrerin. Sie sagte mir im Frühjahr dann, dass sie sich nicht vorstellen könnte in der nächsten Zeit die Zelte hier abzubrechen. Ich hab das fälschlicherweise nicht so ernst genommen weil ich weiterhin davon ausging das es nicht so das wahre ist. Doch als sie immer mehr Zeit mit Vorbereitungen, Korrekturen und Konferenzen verbrachte, fing ich an mich alleingelassen zu fühlen. Das wurde noch stärker als sie große Teile ihrer Freizeit mit Kollegen und ausserschulichen Dingen verbrachte. Ich fühlte mich nicht mehr wichtig. Ende Juli hatte ich sie dann zur Rede gestellt, warum sie mir immer nur die kalte Schulter zeugen würde und ich nur noch die zweite Geige wäre. Sie meinte nur, ich würde ihr nicht mehr zuhören. Sie könnte mit meiner Art im Moment sehr schlecht umgehen. Ich sagte daraufhin das wir doch über alles reden könnten und dass ich schon gedacht hatte, sie hätte jemand anders kennengelernt. Sie zögerte kurz und meinte leise, dass es da jemanden geben würde, der ihr besser zuhört. Er ist ein Kollege, verheiratet, 3 Kinder. Er hat wohl auch Gefühle für sie. In dem Moment ist mir schwindelig geworden und ich konnte erstmal garnichts mehr. Sie musste noch eine Woche bis zu den Ferien arbeiten und wollte dann zu ihren Eltern nach Hause. Ich hab versucht in den folgenden drei Wochen in denen ich noch bis zu meinem Urlaub arbeiten musste zu verstehen, wie es dazu kommen konnte. Wir haben telefoniert, ich habe ihr Briefe geschrieben und an den Wochenenden haben wir uns gesehen. Am Anfang sagte sie noch, sie würde ihn nicht lieben sondern nur mich. Dann ruderte sie mit der Zeit immer weiter zurück. Irgendwann meinte sie zu mir, dass sie im Moment das Gefühl hätte ich würde sie mehr lieben als sie mich und ob sie mich nicht besser loslassen würde, damit ich wieder glücklich werden könnte. Die Schule hat nun wieder begonnen und sie hat sich ein WG-Zimmer genommen und ich bin jetzt alleine in unserer Wohnung. Es macht mich total fertig jeden Tag die ganzen Dinge in unserer Wohnung zu sehen, die aus einer besseren Zeit stammen. Sie fehlt mir total und ich komme im Moment nur sehr schlecht alleine klar. Am schlimmsten sind die Träume in denen wir noch zusammen sind. Wenn ich aufwache und sie liegt nicht neben mir im Bett ist der Schmerz unerträglich.

Ich habe am Anfang mit keinem darüber gesprochen, was ein grosser Fehler war. Ich habe mich nur ihrer Mutter anvertraut. Ich wollte sie nicht aushorchen, ich wollte nur verstehen warum sie so gehandelt hat, weil ihre Mutter sie besser kennt als jeder andere. Ihre Mutter war sehr kalt und meinte nur das sie es schade um uns findet. Sie hatte offensichtlich mit uns schon abgeschlossen. Sie meinte, dass ihr auch klar sei, dass ein Familienvater nichts glückliches für ihre Tochter sei, aber vielleicht würde sie sich ja in jemand neuen verlieben der sie dann glücklich machen würde. Das hat mich getroffen wie ein Schlag.

Meiner Freundin nach ist das was zwischen uns steht zweigeteilt. Einerseits ist da ihr Kollege, andererseits die Probleme zwischen uns. Sie sagte mir, sie hätte sich immer in meinem Schatten gefühlt, sie hatte immer wenig Selbstbewustsein. Und nun hat sie etwas gefunden, was sie zu 100% ausfüllt. Sie meint selber, sie sei nun „angekommen“. Ihr Kollege und die Schule hätten ihr gezeigt, was sie in unserer Beziehung die ganze Zeit vermisst hätte.

Ich habe Angst dass sie von ihrer Mutter beeinflusst wird. Sie telefonieren jeden Tag mind. eine Stunde miteinander und ich hatte schon immer das Gefühl dass sie mich nicht leiden kann. Wenn sie ihrer Tochter ähnliche Ratschläge wie mir gibt, ist für mich klar wohin das führt. Sie meinte nämlich zu mir, dass es sicher ein Fehler gewesen sei, nicht etwas mit meiner damaligen WG-Kameradin anzufangen, für die ich mehr als Freundschaft empfunden hatte. Vielleicht wäre ich ja mit ihr glücklicher geworden als mit ihrer Tochter. Dabei habe ich in den letzten 10 Jahren nur sie geliebt. Hinzu kommt, dass sie selber nicht glücklich mit ihrer Ehe ist, sich aber nicht scheiden lassen kann, weil das gemeinsame Haus noch abgezahlt werden muß.

Ich weiß im Moment nicht wo ich stehe. Haben wir noch eine Chance oder nicht? Ich habe Angst, sie zu einer Entscheidung zu zwingen. Wir telefonieren zweimal in der Woche und sehen uns für ein paar Stunden am Wochenende. Wir reden immer nur über Belangloses, was natürlich angenehmer für sie ist, weniger für mich, da ich wissen möchte wo wir im Moment stehen. Ich weiß nicht wie es weiter gehen soll.

#2
deine geschichte erinnert mich auf 2 seiten an meine eigene ( thread: ich bin so doof)

ich habe verlassen und ich warte und hoffe auf entscheidung, das ist sind die 2 seiten die ich kenne

ich vermute deine freundin hat ihr kleines eigenes *ich* entdeckt in dem sie nun aufgeht, das mit dem kollegen sehe ich noch nicht einmal als den hauptgrund, sondern eher das er zu diesem teil dazugehört wo ihr selbstwertgefühl gesteigert hat

auch ich habe nach vielen überlegungen eine kopfentscheidung getroffen die für meinen partner nicht nachvollziehbar war in dem moment, von dem her kann ich deine freundin verstehen das sie nun an einem punkt ist wo sie das *alte* nicht mehr so möchte, da sie sonst das *neue*, und wenns nur die erkenntnis ist das sie doch mehr leisten kann, wieder etwas untergräbt. das ist ein zwiespalt, denn man lösen kann wenn man das möchte

die erkenntnis ist für mich leider etwas spät nun

deine seite, das du gerne wissen möchtest woran du bist, kann ich sehr gut nachvollziehn, denn es macht einen kirre wenn man nicht weis wie es weitergehen soll

auch ich habe hier den eigentlichen richtigen tipp bekommen, das man nun die geduld auch aufbringen sollte, aber das ist nicht einfach, aber wenn man zu sehr drängt, kann das gegenüber auch wieder ganz zu machen und dann gibt es kaum einen weg zurück

#3
Hallo Werbehex, Danke für Deine Antwort!

Du hast Recht. Sie möchte dieses Neue nicht aufgeben, das hat sie schon gesagt. Sie hat sich stark verändert, aber komischerweise bin stolz auf sie, dass sie nun viel mehr Selbstbewustsein hat und nicht mehr alles von mir abhängig macht. Ich wäre so gerne Teil dieses Neuen.

Ich hab sie leider am Anfang viel zu sehr bedrängt. Jetzt, nachdem sie ein Zimmer hat, ist sie viel entspannter. SIe ist lockerer und wirkt viel befreiter. Wir können besser miteinander reden.

Wie glaubst Du kann man diesen Zwiespalt von dem Du sprichst lösen? Wie kann ich ihr zeigen, dass ich sie liebe für das was sie macht und wer sie ist, ohne dass es gestellt oder aufgesetzt wirkt?

#4
eigentlich kannst du ihr nur zeigen das du sie auch in ihrem tun unterstützt und das du voll und ganz dahinterstehst das auch sie ihren weg gehen kann und somit auch bei einer gemeinsamen zukunft das kleine pflänzchen *ich* nicht wieder eingehen muss sondern weiterwachsen darf.

du hast selbst schon erkannt, das es seit sie das eigene zimmer hat entspannter ist zwischen euch

ich denke das ist vorerst mal ein guter weg und ganz so schwarz sehe ich das nicht, das mit euch wieder alles gut wird :]

vorallem solltet ihr das reden beibehalten und die ehrlichkeit die dazugehört. die geduld wirst du zum größten teil aufbringen müssen, damit sie auch vertrauen fasst, das sie sich auch weiterentwickeln kann wenn ihr zusammen seid

#5
Geduld ist genau das, was mir im Moment fehlt. Aber ich weiß das es ohne Geduld nicht funktionieren kann.

Wir wollen uns heute wieder treffen und spazierengehen. Ich habe sie allerdings seit 2 1/2 Wochen nicht mehr gesehen und weiß nicht wie ich mich ihr gegenüber verhalten soll. Ich bin total verunsichert weil ich noch nicht mal weiß ob sie eine Umarmung zulassen wird. Naja, ich glaube das ist noch das geringste unserer Probleme.

Ich weiß auch nicht, ob ich ihr die Dinge, die ihre Mutter mir sagte, anvertrauen sollte. Ich hab Angst, dass sie ihr die gleichen "Empfehlungen" gibt, die sie mir auch gegeben hatte: "Besser ihr geht jetzt auseinander als nächstes Jahr nach der Hochzeit". Versteht ihr, sie möchte ihre Tochter wieder glücklich sehen und der schnellste Weg dahin scheint in ihren Augen die Trennung zu sein.

Und jetzt noch Danke an Dich Werbehex, dass Du mir Mut machst! Es tut gut Leute zu kennen, die einen verstehen und ähnliches durchgemacht haben.

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