Never ending story – 15 Jahre Gefühle verschweigen
3 Antworten826 AufrufeGestartet von Carlita ·
CarlitaThemenstart
Da ich mit Freunden nicht recht darüber reden kann, möchte ich euch gern eine längere und ziemlich vertrackte Geschichte erzählen.
Vor ca. 15 Jahren lernte ich im beruflichen Umfeld einen Mann kennen und war einigermaßen hin und weg. Eine Bekannte, die dabei war, meinte damals lachend: „Bei euch sprühen aber die Funken“. Ich habe dann bald erfahren, dass der Mann eine Freundin hat, und bin entsprechend auf Abstand gegangen, bzw habe keinen näheren Kontakt gesucht. Wir waren damals beide grad mal Ende 20.
Da wir in der gleichen Branche arbeiten, kam es ein paar Jahre später zu einer weiteren Begegnung. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich einen festen Freund, der wiederum schwer erkrankt war und den ich auf keinen Fall im Stich lassen wollte in dieser Situation. Dennoch zerbrach die Beziehung nach seiner Genesung. Vermutlich auch, weil ich nicht wirklich so sehr in ihn verliebt war und immer noch einen sehr netten anderen Mann im Kopf behalten hatte. Ich war danach lange Single.
Als ich X dann weitere zwei Jahre wieder traf, hatte er eine neue Frau. Er half mir und förderte mich allerdings in beruflicher Hinsicht sehr stark und wir hatten nach wie vor einen ziemlich verwirrenden Umgang von der Sorte: es könnte jeden Moment etwas passieren, aber das sollten wir besser lassen. Ich lernte damals auch seine Frau kennen, die ich als ungemein sympathisch empfand und die ausgerechnet und noch dazu hochschwanger war. In Anwesenheit seiner Frau vermied X übrigens jedes Gespräch mit mir. Mehrere reichlich verkrampfte Situationen sind mir gut im Gedächtnis geblieben.
Die folgenden Jahre wiederholte sich das immer wieder. Aus beruflichen Gründen mussten wir sogar mehrere Reisen miteinander „aushalten“. Es gab lange Gespräche, viele kaum auszuhaltende Situationen. Manchmal provozierte er mich derart, dass er darauf anspielte, dass seine Frau unsere Begegnungen nicht sehr schätzt. Sie ist eine kluge Frau und merkt ja auch, dass irgendwas nicht stimmt. Aber was sollte ich darauf antworten? Ich habe ihm niemals offen gezeigt oder gesagt, was ich für ihn empfinde. Ich darf das Thema unseres Verhältnisses nicht anschneiden. Es einzugestehen, wie es ist, würde irgendwie „Fakten“ schaffen. Ich muss einfach stillschweigen. Denn einerseits halte ich ihn für einen anständigen Mann und möchte nicht, dass er wegen mir möglicherweise seiner Familie wehtut. Andererseits bemerkte ich an ihm schon manchmal eine gewisse Aggressivität mir gegenüber, vor allem nach solchen gemeinsamen Einsätzen. Eine gute Freundin meinte einmal dazu: „Der Kerl kokettiert mit deiner Zuneigung. In deren Ehe läuft nach all den Jahren vermutlich nur noch Routine und auf dich projiziert er die die große Freiheit und hat gleichzeitig Schuldgefühle dabei.“ Und so weiter, was sicher auch stimmt. Dabei passt es überhaupt nicht zu ihm, aggressiv zu werden oder die Ruhe zu verlieren. Ich mag ihn ja gerade für seine freundliche und souveräne Art.
Dann hatte ich in den letzten 10 Jahren mehrere halbherzige Affären. Für keinen dieser Männer hatte ich ähnliche Gefühle. Entsprechend wurde nicht wirklich etwas draus. Ich habe ein Kind bekommen, hatte zuvor eine schwierige Schwangerschaft, der Vater hat sich von mir getrennt und dieses Kind ist dann leider auch sehr jung gestorben. In der Trauer wurde ich fast verrückt. Schwer, so etwas auszuhalten, ohne jemanden, der einen auffängt. Ich habe eine Therapie gemacht, die mir über Einiges weghalf. Und trotzdem blieb ist es bei aller Kälte in der Welt irgendwie tröstlich, dass es da einen guten Menschen gibt, zumindest theoretisch, in der Phantasie, sofern ich mir überhaupt ein paar Träume gestattete. Auch wenn wir es nicht schaffen, auf platonische Weise miteinander befreundet zu sein.
Auf der anderen Seite schau ich all die Jahren zu, wie X seine Kinder großzieht, ein warmes Nest hat, mit seiner Familie in den Urlaub fährt. Ich mag seine Frau weiterhin sehr gerne – und sehe doch mein eigenes Leben an mir vorüberziehen. Er sagt oft, ich hätte es doch gut, frei zu sein und keine Verpflichtungen zu haben. Ich sage ihm, es ist nicht schön, wenn zuhause niemand auf einen wartet. Weiter geh ich nicht in privaten Äußerungen. Auch bin ich mehrere Jahre konsequent auf Abstand gegangen (was jobmäßig nicht immer klappt), ich habe versucht, jede Regung locker zu überspielen, ich habe oft geweint und mich dann doch wieder gefreut, ihn zu sehen.
Nun mit über 40 und komme ich mir zunehmend dumm oder komplett neurotisch vor. Ich bin lange kein Teenager mehr und sich zu verlieben ist doch auch eine rationale Entscheidung! Insofern ist es höchst albern, immer wieder hilflos dem immergleichen Funkenregen gegenüber zu stehen. Nach 15 Jahren bekomme ich noch weiche Knie und stammele blöde Bemerkungen, wenn wir uns treffen. Man sieht ihm an, es geht ihm ähnlich. Meine Güte, wie viele peinliche Situationen gab es da schon in der beruflichen Umgebung. Trotzdem hört es nicht auf. Wir sehen uns regelmäßig und wissen nicht miteinander umzugehen.
Vielleicht hätten wir irgendwann damals vor der „Familienphase“ einfach mal im Bett landen sollen, dann wäre die Sache geklärt, all die Projektionen verschlissen und man könnte ein entspanntes Berufsverhältnis miteinander haben. Aber dazu kam es ja nicht.
Nicht zu vergessen: es verändert einen Menschen doch sehr, wenn er über so lange Zeit seine innersten Gefühle nicht zeigen kann und darf. Immer die Unsicherheit überspielen, gute Miene machen muss, während es brodelt? Das fühlt sich an, als wenn man innerlich erstarrt ist. Ich hab manchmal schon das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung verloren. Und gerade das schränkt die Möglichkeiten ein, unverkrampft einen anderen Menschen kennen zu lernen oder gar an sich heranzulassen.
Wie gesagt, ich kann all diese Geschichte nicht mal guten Freunden offenbaren, denn der Freundeskreis ist beruflich involviert und ich möchte dummen Tratsch vermeiden. Das hat mich schon genug Energie gekostet! Eigentlich denke ich, mit über 40 sollte man die Teenager-Romantik hinter sich gelassen haben. Aber leider scheinen sich Gefühle umso mehr in die Seele zu fressen, je mehr man sie unterdrückt. Ich hab mich damit abgefunden, mein Leben allein zu führen. Das ist besser, als mit jemandem zu leben, den man nicht liebt. Aber ich wünsche mir, wenigstens nicht mehr diesen Stress, diese Magenschmerzen, dieses Herzflattern, besonders in Momenten, wenn ich professionell funktionieren sollte, und dummerweise ein gewisser Mann im Raum ist, der auch nicht weiß, wie er sich benehmen soll.
Vielleicht kann mir jemand von euch sagen, wie man sein Herz mit der Realität versöhnt?
Vor ca. 15 Jahren lernte ich im beruflichen Umfeld einen Mann kennen und war einigermaßen hin und weg. Eine Bekannte, die dabei war, meinte damals lachend: „Bei euch sprühen aber die Funken“. Ich habe dann bald erfahren, dass der Mann eine Freundin hat, und bin entsprechend auf Abstand gegangen, bzw habe keinen näheren Kontakt gesucht. Wir waren damals beide grad mal Ende 20.
Da wir in der gleichen Branche arbeiten, kam es ein paar Jahre später zu einer weiteren Begegnung. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich einen festen Freund, der wiederum schwer erkrankt war und den ich auf keinen Fall im Stich lassen wollte in dieser Situation. Dennoch zerbrach die Beziehung nach seiner Genesung. Vermutlich auch, weil ich nicht wirklich so sehr in ihn verliebt war und immer noch einen sehr netten anderen Mann im Kopf behalten hatte. Ich war danach lange Single.
Als ich X dann weitere zwei Jahre wieder traf, hatte er eine neue Frau. Er half mir und förderte mich allerdings in beruflicher Hinsicht sehr stark und wir hatten nach wie vor einen ziemlich verwirrenden Umgang von der Sorte: es könnte jeden Moment etwas passieren, aber das sollten wir besser lassen. Ich lernte damals auch seine Frau kennen, die ich als ungemein sympathisch empfand und die ausgerechnet und noch dazu hochschwanger war. In Anwesenheit seiner Frau vermied X übrigens jedes Gespräch mit mir. Mehrere reichlich verkrampfte Situationen sind mir gut im Gedächtnis geblieben.
Die folgenden Jahre wiederholte sich das immer wieder. Aus beruflichen Gründen mussten wir sogar mehrere Reisen miteinander „aushalten“. Es gab lange Gespräche, viele kaum auszuhaltende Situationen. Manchmal provozierte er mich derart, dass er darauf anspielte, dass seine Frau unsere Begegnungen nicht sehr schätzt. Sie ist eine kluge Frau und merkt ja auch, dass irgendwas nicht stimmt. Aber was sollte ich darauf antworten? Ich habe ihm niemals offen gezeigt oder gesagt, was ich für ihn empfinde. Ich darf das Thema unseres Verhältnisses nicht anschneiden. Es einzugestehen, wie es ist, würde irgendwie „Fakten“ schaffen. Ich muss einfach stillschweigen. Denn einerseits halte ich ihn für einen anständigen Mann und möchte nicht, dass er wegen mir möglicherweise seiner Familie wehtut. Andererseits bemerkte ich an ihm schon manchmal eine gewisse Aggressivität mir gegenüber, vor allem nach solchen gemeinsamen Einsätzen. Eine gute Freundin meinte einmal dazu: „Der Kerl kokettiert mit deiner Zuneigung. In deren Ehe läuft nach all den Jahren vermutlich nur noch Routine und auf dich projiziert er die die große Freiheit und hat gleichzeitig Schuldgefühle dabei.“ Und so weiter, was sicher auch stimmt. Dabei passt es überhaupt nicht zu ihm, aggressiv zu werden oder die Ruhe zu verlieren. Ich mag ihn ja gerade für seine freundliche und souveräne Art.
Dann hatte ich in den letzten 10 Jahren mehrere halbherzige Affären. Für keinen dieser Männer hatte ich ähnliche Gefühle. Entsprechend wurde nicht wirklich etwas draus. Ich habe ein Kind bekommen, hatte zuvor eine schwierige Schwangerschaft, der Vater hat sich von mir getrennt und dieses Kind ist dann leider auch sehr jung gestorben. In der Trauer wurde ich fast verrückt. Schwer, so etwas auszuhalten, ohne jemanden, der einen auffängt. Ich habe eine Therapie gemacht, die mir über Einiges weghalf. Und trotzdem blieb ist es bei aller Kälte in der Welt irgendwie tröstlich, dass es da einen guten Menschen gibt, zumindest theoretisch, in der Phantasie, sofern ich mir überhaupt ein paar Träume gestattete. Auch wenn wir es nicht schaffen, auf platonische Weise miteinander befreundet zu sein.
Auf der anderen Seite schau ich all die Jahren zu, wie X seine Kinder großzieht, ein warmes Nest hat, mit seiner Familie in den Urlaub fährt. Ich mag seine Frau weiterhin sehr gerne – und sehe doch mein eigenes Leben an mir vorüberziehen. Er sagt oft, ich hätte es doch gut, frei zu sein und keine Verpflichtungen zu haben. Ich sage ihm, es ist nicht schön, wenn zuhause niemand auf einen wartet. Weiter geh ich nicht in privaten Äußerungen. Auch bin ich mehrere Jahre konsequent auf Abstand gegangen (was jobmäßig nicht immer klappt), ich habe versucht, jede Regung locker zu überspielen, ich habe oft geweint und mich dann doch wieder gefreut, ihn zu sehen.
Nun mit über 40 und komme ich mir zunehmend dumm oder komplett neurotisch vor. Ich bin lange kein Teenager mehr und sich zu verlieben ist doch auch eine rationale Entscheidung! Insofern ist es höchst albern, immer wieder hilflos dem immergleichen Funkenregen gegenüber zu stehen. Nach 15 Jahren bekomme ich noch weiche Knie und stammele blöde Bemerkungen, wenn wir uns treffen. Man sieht ihm an, es geht ihm ähnlich. Meine Güte, wie viele peinliche Situationen gab es da schon in der beruflichen Umgebung. Trotzdem hört es nicht auf. Wir sehen uns regelmäßig und wissen nicht miteinander umzugehen.
Vielleicht hätten wir irgendwann damals vor der „Familienphase“ einfach mal im Bett landen sollen, dann wäre die Sache geklärt, all die Projektionen verschlissen und man könnte ein entspanntes Berufsverhältnis miteinander haben. Aber dazu kam es ja nicht.
Nicht zu vergessen: es verändert einen Menschen doch sehr, wenn er über so lange Zeit seine innersten Gefühle nicht zeigen kann und darf. Immer die Unsicherheit überspielen, gute Miene machen muss, während es brodelt? Das fühlt sich an, als wenn man innerlich erstarrt ist. Ich hab manchmal schon das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung verloren. Und gerade das schränkt die Möglichkeiten ein, unverkrampft einen anderen Menschen kennen zu lernen oder gar an sich heranzulassen.
Wie gesagt, ich kann all diese Geschichte nicht mal guten Freunden offenbaren, denn der Freundeskreis ist beruflich involviert und ich möchte dummen Tratsch vermeiden. Das hat mich schon genug Energie gekostet! Eigentlich denke ich, mit über 40 sollte man die Teenager-Romantik hinter sich gelassen haben. Aber leider scheinen sich Gefühle umso mehr in die Seele zu fressen, je mehr man sie unterdrückt. Ich hab mich damit abgefunden, mein Leben allein zu führen. Das ist besser, als mit jemandem zu leben, den man nicht liebt. Aber ich wünsche mir, wenigstens nicht mehr diesen Stress, diese Magenschmerzen, dieses Herzflattern, besonders in Momenten, wenn ich professionell funktionieren sollte, und dummerweise ein gewisser Mann im Raum ist, der auch nicht weiß, wie er sich benehmen soll.
Vielleicht kann mir jemand von euch sagen, wie man sein Herz mit der Realität versöhnt?
Hallo Carlita!
Vielleicht solltest du dir endlich mal eingestehen, dass du seit Jahren an einem Hirngespinst festhältst. Er will dich doch nicht, warum also kannst du nicht loslassen? Er hatte damals eine Freundin, dann hat er eine andere Frau geheiratet. Wärst du seine große Liebe, dann hätte er schon Mittel und Wege gefunden, mit dir zusammen zu sein und nicht mit einer anderen Frau. Da gibt es einfach keine Ausreden. Gestatte dir doch endlich mal, glücklich sein zu dürfen. Es ist bestimmt nicht dein Los, ewig einer unerfüllten Liebe hinterher zu trauern. Man kann mehr als einen Menschen lieben. Also warum träumst du lieber anstatt zu leben? Wovor hast du Angst? Meiner Meinung nach kannst du dich nicht wirklich einlassen.
Werde erwachsen Carlita.
Vielleicht solltest du dir endlich mal eingestehen, dass du seit Jahren an einem Hirngespinst festhältst. Er will dich doch nicht, warum also kannst du nicht loslassen? Er hatte damals eine Freundin, dann hat er eine andere Frau geheiratet. Wärst du seine große Liebe, dann hätte er schon Mittel und Wege gefunden, mit dir zusammen zu sein und nicht mit einer anderen Frau. Da gibt es einfach keine Ausreden. Gestatte dir doch endlich mal, glücklich sein zu dürfen. Es ist bestimmt nicht dein Los, ewig einer unerfüllten Liebe hinterher zu trauern. Man kann mehr als einen Menschen lieben. Also warum träumst du lieber anstatt zu leben? Wovor hast du Angst? Meiner Meinung nach kannst du dich nicht wirklich einlassen.
Werde erwachsen Carlita.
Es ist echt erstaunlich wie lange du "X" geliebt hast und noch liebst.
Doch du hättest ihn schon viel früher vergessen sollen. Ich bin mir nicht sicher ob du das jetzt noch schaffst,
aber ich hoffe es das du dich wieder in andere verlieben kannst...
viel Glück
Doch du hättest ihn schon viel früher vergessen sollen. Ich bin mir nicht sicher ob du das jetzt noch schaffst,
aber ich hoffe es das du dich wieder in andere verlieben kannst...
viel Glück
Und ihr habt absolut recht. Ich weiß das schon, holt mich nur immer wieder ein wegen Anwesenheit oder dämlicher Snetimentalität in schwachen Momenten. Wenn man sich falsch verliebt, macht man sich nunmal zum Trottel. Vielleicht doch endlich den Beruf und den Wohnort wechseln und einfach mal komplett neu starten.
Mist.
Mist.
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