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noch so eine "meine Story"

7 Antworten1'409 AufrufeGestartet von frisch_verl ·

frisch_verlThemenstart
#1
Hallo allerseits!

Dank google bin ich auf dieses Forum gestoßen. Als Mediziner ist mir bekannt, daß man sich bereits nach dem Berichten über ein Problem, einen Schmerz, einen Verlust etc. bereits etwas besser fühlt, und auch besser damit umgehen kann. So will ich zur Feder, bzw. zur Tastatur greifen, und mir und meinen Gedanken etwas Luft machen. Ich habe bereits einige Beiträge durchgelesen und merke, wie ähnlich dieser Geschichten untereinander sind, als auch zu der meinigen.

Nun gut, so will ich also beginnen, vielleicht interessiert's ja jemanden, wenn auch nur als Vergleich. Und vielleicht hat noch jemand anders ein paar Tips auf Lager, wie man am besten damit umgeht.

Alles fing, wie hier häufig zu lesen, recht schnell an. Ich wohne in einer WG, zusammen mit anderen Naturwissenschaftlern, und wir arbeiten alle am gleichen Institut, dort jedoch alle in verschiedenen Arbeitsgruppen & Fachgebieten. Kurz und gut, es ist im allgemeinen eine ruhige, ausgeglichene Atmosphäre, keiner kommt dem / der anderen zu nahe, eben reine WG. Nun zog im Juni dieses Jahres X. (X. steht für den Namen der Frau, um die es hier geht) ein. Wir gingen alle unserem Alltag nach, der für uns alle sehr zeitintensiv ist. Und Bewohnerwechsel gibt es in einer großen WG mit bis zu 7 Bewohnern öfter mal, ist eben ein großes Haus. Mit X. hatte ich anfang recht wenig Kontakt, ich wußte lediglich, daß sie Medizin studiert und für ihre Doktorarbeit in die Stadt kam, wo unsere WG und das Institut ist. Der Aufenthalt war auf die Sommerferien (3 Monate) befristet. Nach wenigen Tagen reparierte ich X. etwas am Computer, es war für mich nichts besonders, und ich hätte es für jeden Kollegen, egal ob männlich oder weiblich, ebenso getan. Wir unterhielten uns manchmal und merkten, daß wir doch alles in allem recht ähnliche Interessen hatten. Eines Wochenendes im Sommer geschah es dann, daß wir gemeinsam an einem See zum Baden gingen. Ursprünglich wollten noch andere Mitbewohner mitkommen, aber die hatten wohl schon durchschaut, was da in den letzten Wochen vor sich ging. Und so sagten sie alle ab. Also gingen wir allein und freuten uns beide insgeheim, daß wir nun endlich mal unter uns sein konnten. Wir hatten uns tatsächlich ineinander verliebt. Dann ging es für uns beide glücklich weiter, mit allem, was so zum Liebesleben dazu gehört.

Nach dem Sommeraufenthalt stand die erste Trennung an. Hierzu sei gesagt, daß wir uns aufgrund der geographischen Lage nur max. 1x - Monat sehen konnten (lange Flug / Busreise), und zwar mit Ausnahme der beschriebenen 3 Sommermonate. Die Trennung war viel, viel schwerer als befürchtet, und wir genossen für ein halbes Jahr die wenigen, monatlichen, gemeinsamen Stunden. Die Zeit, die es so hätte weitergehen müssen, war voraussichtlich 4 Jahre.

In der Zwischenzeit hatte wir unter anderem 2 kurze Urlaubsreisen geplant, eine für heute und eine Ende Januar, die einzige Zeit, in der X. frei bekommen konnte. Wie ich heute X. am Flughafen abholte, eröffnete sie mir weinend, sie könne nicht mit mir beisammen bleiben. Das war ein ziemlicher Sprung ins kalte Wasser. Als Begründung gab sie an, und das war sehr aufrichtig, daß sie u.a. eine gemeinsame Zukunft aufgrund der räumlichen Distanz nicht für uns sehe.

Mir war lediglich aufgefallen, daß X. bei unserem letzten Treffen etwas streßüberladen war. Ich führte es auf die vielen anstehenden Prüfungen zurück, was sie mir auch bestätigte. Aber das war eben leider nicht alles. Es hatte auch mit der Beziehung zu tun und ihrem Vorhaben, eventuell einen Schlußstrich zu ziehen. Weiter ist zu sagen, daß sie aus ihrer Familie ein tragisches Beispiel hat, wo eine auf viele Kompromisse gebaute Beziehung für alle Beteiligten unbefriedigend ist. Davon hatte ich zwar von Anfang an gewußt, es jedoch eher verdrängt. Sie hat Pläne, ganz aus Europa wegzuziehen, und davon wußte ich bereits, bevor wir uns näher kennenlernten. Diese Pläne würden für mich beruflich starke Einschnitte bedeuten, und das wußten wir beide. Ich hatte das aber - da erst in frühestens 4 Jahren aktuell - ziemlich verdrängt. Heute waren wir uns dahingehend einig, daß unsere Vorstellungen für die längere Zukunft, eben doch etwas unterschiedlich waren.

Wir haben also kurzerhand den eigentlich wohlverdienten Urlaub abgeblasen, wohnen jetzt für ein paar Wochen unter dem gleichen Dach, aber das Ende der Beziehung ist endgültig. Ich kann X. nicht böse sein, denn wir gehen in gutem Einvernehmen und ehrlich auseinander. Sie hat ihren Entschluß gefaßt, und so wie ich sie kenne, sind diese Entscheidungen endgültig.

Wir haben auch unsere Weihnachtsgeschenke ausgetauscht, die wir schon recht lange zuvor beschafft hatten. Beides trifft voll und ganz den Geschmack des anderen. Dies nur als Hinweis, wie gut wir uns kannten.

Die Frage, was zu tun ist, kann ich mir weitgehend selbst beantworten: Wir beide müssen versuchen, die schönen Augenblicke in guter Erinnerung zu behalten. Ebenso müssen wir loslassen und vergessen. Das wird nicht leicht, leider... Ich selbst werde Ablenkung in meiner Arbeit suchen, und an letzterer mangelt es nicht.

Gute Ratschläge, was sonst noch hilft, weiß ich wenige. Eines aber war schon ein guter Anfang: Nachdem ich diesen auf Tatsachen beruhenden Roman verfaßt habe, der Regel des "darüber Redens" folgend, fühle ich mich ein wenig besser. Sofern ich mit meiner Situation fertig werde, werde ich gerne versuchen, auch etwas "positives" beizusteuern auf diesem Forum.

#2
Ach eines habe ich vergessen: Ich liebe X. noch immer. Und das wird sich wohl nicht so bald ändern, auch wenn ich es mir momentan wünsche.

#3
hallo frisch_verl

dein beitrag dient sicherlich dazu manchen hier zu zeigen, wie es auch gehen kann. so ohne drama. zumindest dramen nach außen hin, mit vorwürfen und: "du hast mich nie geliebt, wenn du so einfach schluß machen kannst".

wenn man als außenstehender, solch erlebnis liest, ist man geneigt zu sagen:"könnte mir nicht passieren, entfernung und seltenes sehen wären kein grund".

doch es belastet eine beziehung in jedem fall, und nicht alle kommen damit klar.

nun da ihr entschluß festzustehen scheint, bleibt dir eigentlich nur es zu akzeptieren.

sich blos einmal monatlich zu sehen, ist schon heftig. ich denke die wenigsten würden es vier jahre aushalten.

war zwar von vornherein klar, doch bevor es so weit ist, kann niemand sagen, ob es funktioniert.

ist eben so.

ich wünsche euch alles gute.

diamond

#4
Herzlichen Dank, insbesondere für die guten Wünsche! Es tut gut, so schnell Resonanz zu haben. Ich tue auch gerade mein bestes, auf andere Beiträge zu antworten. Das ist Sinn und Zweck eines solchen Forums, was im weiteren Sinne schon fast als Gruppen-(selbst)-Therapie aufzufassen ist. Aktive Teilnahme ist der Schlüssel zum Erfolg, den Kummer zu vergessen!

Daß es hier so "ohne Drama" ablief, liegt vielleicht daran, daß X. und ich beide sehr sachliche, vielleicht ein bißchen zu logisch denkende Menschen sind. Der Schmerz ist dennoch echt.

Auf zu weiteren guten Taten... mal sehen, welche Geschichten hier sonst noch etwas Aufmerksamkeit bedürfen.

#5
hallo,

ja....da soll mir doch niemand erzählen, entfernung sei kein hinderungsgrund für eine beziehung. ich denke eben schon. ich kenne viele kollegen, die freundinen aus dem ausland haben oder hatten und diese beziehungen gingen durchs band wegen der distanz zu grunde. darum hab' ich mir geschworen, mich nie in eine solche sache "einzulassen".

wenn man frisch verliebt ist, verdrängt man solche gedanken. "when you're in love..what can go wrong"? aber das kommt halt alles mal wieder.

ich finde auch den satz mit der sachlichkeit interessant. da geht es mir sehr ähnlich...wenn man nicht selber in einer solchen situation ist, kann man alles logisch und sachlich erklären. auch wenn es sachliche und logische gründe für eine trennung gibt, das herz muss da auch noch irgendwie mitmachen. das dauert halt eine weile, bis der verstand wieder über das herz "siegt". und da naturwissenschaftler bist, wirst du ja gewohnt sein deinem verstand glauben zu schenken...da fällt es schwer zu akzeptieren, dass das herz nicht "gehorchen" will.

wünsch' dir alles gute und hoffe du hast eine gute zeit hier bei uns;-)!

#6
das herz muss da auch noch irgendwie mitmachen. das dauert halt eine weile, bis der verstand wieder über das herz "siegt". und da naturwissenschaftler bist, wirst du ja gewohnt sein deinem verstand glauben zu schenken...da fällt es schwer zu akzeptieren, dass das herz nicht "gehorchen" will.
Danke für den Trost. Das im Zitat abgedruckte bringt es auf den Punkt: Es dauert wirklich eine Weile, bis der Verstand wieder ein Wörtchen mitredet. Was in der Forschung oft schon nach ein paar Stunden oder Tagen schon klar wird ("Das kann ja so nicht stimmen" etc.), geht in Sachen Liebe etwas länger. Erschwerend kommt hinzu, daß man lange nach dem Verstand bei Verliebten suchen kann...

Eine wichtige Erkenntnis kann ich - und hoffentlich noch viele andere Forengänger - hieraus ziehen: Die Einsicht ist der wichtigste Schritt zur Bewältigung des Liebeskummers. Ist die erst einmal da, muß das Herz wohl oder übel mitziehen. Und das wird es, irgendwann!

#7
hallo,

weisst du..irgendwie habe ich aus meiner eigenen geschichte gelernt, dass es doch auch irgendwie schön sein kann, dass unser verstand manchmal vom herz "augetrickst" werden kann. das gibt mir die erkenntnis, dass es in der welt wichtigere dinge gibt als materielle werte.

wenn man schmerzen (auch wenn es liebeskummer ist) durchlebt fühlt man das leben doch sehr. der schmerz ist ja immer ein zeichen, dass etwas nicht stimmt, und wir menschen sind und nicht maschinen.

mit der zeit wird man wohl erkennen, dass es noch andere frauen gibt. und es nicht die "eine" gibt. auch wenn man das immer wieder nicht wahr haben will. aber die einsicht kommt halt manchmal später als man das haben möchte..

ich wünsch' dir alles gute!

#8
Danke, azra, nochmals für die guten Worte. Diese und auch das Antworten auf andere Threads hilft ein wenig, sie mit der Situation abzufinden. Ich kann nur allen hier nahelegen, einfach alles zu schreiben, was einem so durch den Sinn geht. Das tut gut, hilft anderen und einem selbst!

Daß es die "eine" nicht gibt, ist eine schmerzliche Erkenntnis. Aber es sieht schon sehr danach aus. Warum müssen wir Menschen auch immer so kompliziert sein...

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