Selbst verbaut, selbst schuld. Nun ist's zu spät (lang!)
2 Antworten1'451 AufrufeGestartet von scavenger82 ·
scavenger82Themenstart
Hallo zusammen. Lese schon seit einiger Zeit hier im Forum und möchte mich hiermit auch mal zu Wort melden.
Mit meinem Post möchte ich euch ein wenig über meine Person und dessen gescheiterte Beziehung erzählen. Weniger, um Ratschläge einzuholen (wer mir schreiben möchte darf das natürlich tun!), sondern eher, um es „einfach mal loszuwerden“.
Wenn man mich fragt, wie ich mich am Treffendsten im Umgang mit anderen Menschen bezeichnen würde, so würde ich mich als sehr zurückhaltend und schüchtern bezeichnen. Vermutlich kaum jemand sonst hat seine gesamte Jugend damit verbracht, in der Mitte der Masse einfach untergehen zu wollen, nicht besonders aufzufallen, nicht enttäuscht werden zu können. Wer nicht wagt, verliert auch nicht. Die Mittelmäßigkeit als tugend.
Es erstaunte mich umso mehr wie leicht es mir fiel, als ich sie 2002 auf einem Sommerfest kennenlernte. Habe mich dort auf Anhieb gut mit ihr verstanden; wir tauschten unsere Handynummern aus. Dabei blieb es auch zunächst. Einige Wochen später erhielt ich eine SMS von ihr. Zunächst wusste ich gar nicht mehr, wer die Person überhaupt ist die mir gerade geschrieben hatte, doch es entstand schnell ein reger schriftlicher Kontakt, der über mehrere Tage und Wochen anhielt. Nach und nach sah man ihre Absichten konkreter und ich traf mich mit ihr, obwohl mir anfangs gar nicht wohl dabei war. Sie versuchte es so absichtslos und neutral aussehen zu lassen wie möglich.
Wir gingen an einem der anfänglichen Treffen spazieren, unterhielten uns relativ zwanglos über alle möglichen Themen. Über ihren Bruder, der „bei uns“ derzeit arbeitet, über Interessen, über ihren Freund. In einem passenden Augenblick erzählte sie genauer über ihre Absichten – ihr Interesse an einem, nennen wir es „Abentheuer“. Ich war mit dieser Äußerung absolut überfordert. Etwas derartiges kannte ich bis dato nicht, selbst eine Beziehung hatte ich vorher nie erlebt.
Man muss dazu sagen, dass ich ein fast schon in Zwang ausartendes Bewusstsein dafür entwickelt habe, darauf zu achten, anderen Mitmenschen weder Wut, Trauer, noch Missgunst zu bescheren. So versuchte ich mich auch in dem Falle fair zu verhalten. Ich wiegelte ab und begründete es durch die Beziehung zu ihrem Freund, obgleich die Vorstellung eines Abentheuers durchaus reizvoll war...
Ich traf mich trotzdem wieder mit ihr. Solche Treffen liefen immer ähnlich ab – wir unterhielten uns und aßen gemeinsam. Doch beim Verabschieden bremste sie aus und nutzte jede nur erdenkliche Möglichkeit aus, das ganze noch um ein paar Minuten zu verlängern. Diese Methode funktionierte im Regelfall problemlos.
Ich muss gestehen, dass ich mir zu diesem Zeitpunkt nie hätte vorstellen können, mit ihr – oder möglicherweise mit überhaupt jemandem – eine feste Bindung eingehen zu können. Wodurch das kam, liegt vermutlich in einem meiner anderen Problemchen, die ich zu dieser Zeit hatte, begraben.
Diese Treffen wurden immer häufiger und ich begann zunächst ganz unbewusst, mir etwas „Mühe“ zu geben. Denn zu diesem Zeitpunkt schien ich anzufangen, mich auf einen komplett neuen Menschen einzulassen, dem ich bisher den Zutritt verwehrt hatte.
Eines abends rief sie an und fragte mich, ob ich nicht lust auf einen Videoabend hätte. Nichts simpleres als ein Videoabend, ganz unverbindlich, zusammen mit ihrem Bruder, dachte ich.
Als ich bei ihr eintraf, war der Bruder nicht mehr da; er fuhr vorher nach Hause und sollte von alldem vermutlich nichts mitbekommen. Wir schauten also Videos; Komödie, danach Horror. Währenddessen rauchten wir gemeinsam einen Joint (wer die anregende Wirkung von Cannabis kennt, weiß warum ich es an dieser Stelle erwähne). Irgendwann stand der Fernseher eine ganze Zeit lang still und wir schwiegen uns an. Nach einigen schüchternen Andeutungen küssten wir uns sehr lang und ausgiebig, kein Sex. Stunden später, vermutlich morgens gegen 6 Uhr, bin ich nach Hause.
Ab diesem Zeitpunkt war das Eis so gut wie gebrochen, kurz danach waren wir zusammen. Die Beziehung daraufhin war ein ziemliches durcheinander. Kaum gemeinsame Standpunkte auf die man sich einigen konnte, öfters Streits. Ich war derartiges nicht gewohnt und habe sehr oft vor mir selbst resigniert. Ich gab oftmals die Auseinandersetzung zu schnell auf und zog verärgert davon, statt die schnell entzündliche Situation zu entschärfen.
Anfang 2003 starb meine Mutter. In dieser Lebenslage half sie mir so gut sie konnte über Trauer und Schmerz hinweg. Ich weiß nicht, wie ich dieser Situation hätte begegnen können, wäre sie nicht an meiner Seite gewesen.
Es gab zwischenzeitlich immer Phasen, in denen wir uns hervorragend verstanden. Da mein Arbeitsvertrag mittlerweile ausgelaufen war, jobbte ich für kurze Zeit in ihrem Betrieb. Noch innerhalb dieses Zeitraums blieben ihre Tage aus; ein Schwangerschaftstest ergab das Übrige. Die seltsamen Blicke ihrer Kolleginnen und deren Getuschel schienen mich aufzufressen.
Für mich brach in dieser Zeit ein Universum auf mich herein. Ich war strikt gegen Kinder, wollte nie welche und das wusste und akzeptierte sie (sagte sie zumindest). Die Vorstellung, mein Leben auf das Vorhandensein eines Kindes einzustellen war mir sehr unangenehm und fremd. Eine Abtreibung kam für sie nicht in Frage und so nahm unser Schicksal seinen Lauf.
Die folgenden Monate waren alles andere als harmonisch. Kurze Friedensphasen, gefolgt von heftigen Auseinandersetzungen waren alltag. Wir rauften uns immer wieder zusammen, versuchten das Beste aus dem ganzen See an Tränen zu machen, der schon durch unser beider Augen entstanden war.
Mitte 2004 war es soweit. Ein paar Tage zuvor hatten wir uns noch gestritten und kaum ein Wort miteinander gewechselt, da rief sie mich früh morgens an. Wir fuhren ins Krankenhaus und ein paar Stunden später hielt ich meinen Sohn in den Armen – ein Gefühl, was man nicht zu beschreiben vermag. Widerum ein paar Stunden später am Tage gingen wir auf dem Gelände umher und beschlossen ein weiteres mal, uns zusammenzureißen, dass wir es schon schaffen würden.
Wir wohnten nicht zusammen. Eine gemeinsame Wohnung konnte ich mir sowohl aufgrund eines finanziellen, als auch harmonischen Aspekts nicht vorstellen. Mein „Problem“ mit Kindern hatte ich bis dahin nicht abgelegt. Aufgrund genau dieser Tatsache zog ich mich bei fast allem, was das Kind anbelangte, zurück. Ich war der gebrochene Mann. Der Mann, der all seinen Überzeugungen zum trotz von der Biologie eingeholt und zu Boden geworfen wurde. So viel zum Thema „Sag niemals nie“.
In der Folgezeit sprachen wir kaum über unsere tatsächlichen Probleme, verschwiegen sie, hielten sie aus. Im März 2005, während eines weiteren, sehr heftigen Streits beendete ich unsere Beziehung. Ich liebte Sie, aber nicht mehr genug, um über unsere Streits noch hinweg sehen zu können.
Die Trennungszeit war für sie eine sehr schwere Zeit. Sie suchte ständig Kontakt, rief mich weinend an, schrieb mir verzweifelt SMS. Ich konnte sie nicht leiden sehen, habe versucht sie zu beruhigen, habe versucht dabei Distanz zu wahren – vergebens. Wir landeten wieder im Bett, wieder und wieder. Während der gesamten Zeit versuchte ich verzweifelt, zwischen uns eine Barriere aufzubauen. Kaum ein Tag, kaum ein Augenblick, wo sie nicht trotzdem in meinen Gedanken präsent war.
Im Sommer diesen Jahres blühten wir auf, unternahmen viel gemeinsam mit unserem Sohn. Es war eine ungewohnte, jedoch sehr angenehme Harmonie, die zwischen uns herrschte. Es schien, als ob wir allen vorangegangenen Schwierigkeiten erhaben wären. Es war fast, als wenn unsere „Beziehung nach der Beziehung“ so reibungslos funktionierte, dass man sich keine Gedanken mehr zu machen bräuchte, sahen uns beide jedoch freundschaftlich als „Solo“ an. Eine weitere Chance für unsere Beziehung sah ich aufgrund meiner vorhergehenden Erfahrungen als ausgeschlossen an.
Unser Sohn kommt schon seit längerer Zeit an einigen Wochenendtagen zu mir. Ich liebe meinen Sohn, er ist die Freude in meinem Leben, die mir die ganze Zeit gefehlt hat. Er ist eine kleine Frohnatur, quirlig, einfach zum gern haben. Mit dieser Erkenntnis quälen mich die hartnäckigsten Vorwürfe, bisher nicht mehr für ihn dagewesen zu sein. Sag niemals nie.
Jetzt, oder besser vor nun mehr 3 Monaten, hat sie ihren neuen Freund kennengelernt. Seither quält mich die Tatsache, dass diese Harmonie, die Beziehung, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte, brutal niedergeschlagen wurde. Dass diese Harmonie nun zwischen ihr und ihm herrscht (und das tut sie anscheinend wirklich). Ich war so sehr damit beschäftigt zu versuchen, eine Art Bannmeile zwischen uns zu halten, dass ich meine eigentlichen Gefühle dabei völlig außer acht gelassen habe. Nun ist es zu spät, das weiß ich und das sagt sie selbst, denn ich habe versucht mit ihr darüber zu sprechen. Wir haben uns nicht gestritten. Nur eines ist dabei klar definiert worden: eine Beziehung zwischen uns wird es nicht mehr geben.
Für mich geht dabei nicht nur meine quasi-Beziehungspartnerin verloren, sondern auch meine Liebe, der ich trotz all der Streits eine meiner schönsten Zeiten in meinem Leben zu verdanken habe. Eine Liebe, die ich nie wirklich leben konnte und als ich ich konnte, habe ich nicht die Gelegenheit ergriffen. Verloren geht meine Familie, die seit dem Tod meiner Mutter fest zu mir hielt. Die immer wieder für mich nachgegeben hat. Ich war so dumm.
Für die nächsten Jahre werde ich an all jenen Wochenenden, an denen ich meinen Sohn abhole, meine Ex wiedersehen. Derzeit eine pervers-grausame Vorstellung.
Doch ich habe keinen Grund, mich zu beschweren. Ich beendete die Beziehung, nicht sie.
--scavenger.
Mit meinem Post möchte ich euch ein wenig über meine Person und dessen gescheiterte Beziehung erzählen. Weniger, um Ratschläge einzuholen (wer mir schreiben möchte darf das natürlich tun!), sondern eher, um es „einfach mal loszuwerden“.
Wenn man mich fragt, wie ich mich am Treffendsten im Umgang mit anderen Menschen bezeichnen würde, so würde ich mich als sehr zurückhaltend und schüchtern bezeichnen. Vermutlich kaum jemand sonst hat seine gesamte Jugend damit verbracht, in der Mitte der Masse einfach untergehen zu wollen, nicht besonders aufzufallen, nicht enttäuscht werden zu können. Wer nicht wagt, verliert auch nicht. Die Mittelmäßigkeit als tugend.
Es erstaunte mich umso mehr wie leicht es mir fiel, als ich sie 2002 auf einem Sommerfest kennenlernte. Habe mich dort auf Anhieb gut mit ihr verstanden; wir tauschten unsere Handynummern aus. Dabei blieb es auch zunächst. Einige Wochen später erhielt ich eine SMS von ihr. Zunächst wusste ich gar nicht mehr, wer die Person überhaupt ist die mir gerade geschrieben hatte, doch es entstand schnell ein reger schriftlicher Kontakt, der über mehrere Tage und Wochen anhielt. Nach und nach sah man ihre Absichten konkreter und ich traf mich mit ihr, obwohl mir anfangs gar nicht wohl dabei war. Sie versuchte es so absichtslos und neutral aussehen zu lassen wie möglich.
Wir gingen an einem der anfänglichen Treffen spazieren, unterhielten uns relativ zwanglos über alle möglichen Themen. Über ihren Bruder, der „bei uns“ derzeit arbeitet, über Interessen, über ihren Freund. In einem passenden Augenblick erzählte sie genauer über ihre Absichten – ihr Interesse an einem, nennen wir es „Abentheuer“. Ich war mit dieser Äußerung absolut überfordert. Etwas derartiges kannte ich bis dato nicht, selbst eine Beziehung hatte ich vorher nie erlebt.
Man muss dazu sagen, dass ich ein fast schon in Zwang ausartendes Bewusstsein dafür entwickelt habe, darauf zu achten, anderen Mitmenschen weder Wut, Trauer, noch Missgunst zu bescheren. So versuchte ich mich auch in dem Falle fair zu verhalten. Ich wiegelte ab und begründete es durch die Beziehung zu ihrem Freund, obgleich die Vorstellung eines Abentheuers durchaus reizvoll war...
Ich traf mich trotzdem wieder mit ihr. Solche Treffen liefen immer ähnlich ab – wir unterhielten uns und aßen gemeinsam. Doch beim Verabschieden bremste sie aus und nutzte jede nur erdenkliche Möglichkeit aus, das ganze noch um ein paar Minuten zu verlängern. Diese Methode funktionierte im Regelfall problemlos.
Ich muss gestehen, dass ich mir zu diesem Zeitpunkt nie hätte vorstellen können, mit ihr – oder möglicherweise mit überhaupt jemandem – eine feste Bindung eingehen zu können. Wodurch das kam, liegt vermutlich in einem meiner anderen Problemchen, die ich zu dieser Zeit hatte, begraben.
Diese Treffen wurden immer häufiger und ich begann zunächst ganz unbewusst, mir etwas „Mühe“ zu geben. Denn zu diesem Zeitpunkt schien ich anzufangen, mich auf einen komplett neuen Menschen einzulassen, dem ich bisher den Zutritt verwehrt hatte.
Eines abends rief sie an und fragte mich, ob ich nicht lust auf einen Videoabend hätte. Nichts simpleres als ein Videoabend, ganz unverbindlich, zusammen mit ihrem Bruder, dachte ich.
Als ich bei ihr eintraf, war der Bruder nicht mehr da; er fuhr vorher nach Hause und sollte von alldem vermutlich nichts mitbekommen. Wir schauten also Videos; Komödie, danach Horror. Währenddessen rauchten wir gemeinsam einen Joint (wer die anregende Wirkung von Cannabis kennt, weiß warum ich es an dieser Stelle erwähne). Irgendwann stand der Fernseher eine ganze Zeit lang still und wir schwiegen uns an. Nach einigen schüchternen Andeutungen küssten wir uns sehr lang und ausgiebig, kein Sex. Stunden später, vermutlich morgens gegen 6 Uhr, bin ich nach Hause.
Ab diesem Zeitpunkt war das Eis so gut wie gebrochen, kurz danach waren wir zusammen. Die Beziehung daraufhin war ein ziemliches durcheinander. Kaum gemeinsame Standpunkte auf die man sich einigen konnte, öfters Streits. Ich war derartiges nicht gewohnt und habe sehr oft vor mir selbst resigniert. Ich gab oftmals die Auseinandersetzung zu schnell auf und zog verärgert davon, statt die schnell entzündliche Situation zu entschärfen.
Anfang 2003 starb meine Mutter. In dieser Lebenslage half sie mir so gut sie konnte über Trauer und Schmerz hinweg. Ich weiß nicht, wie ich dieser Situation hätte begegnen können, wäre sie nicht an meiner Seite gewesen.
Es gab zwischenzeitlich immer Phasen, in denen wir uns hervorragend verstanden. Da mein Arbeitsvertrag mittlerweile ausgelaufen war, jobbte ich für kurze Zeit in ihrem Betrieb. Noch innerhalb dieses Zeitraums blieben ihre Tage aus; ein Schwangerschaftstest ergab das Übrige. Die seltsamen Blicke ihrer Kolleginnen und deren Getuschel schienen mich aufzufressen.
Für mich brach in dieser Zeit ein Universum auf mich herein. Ich war strikt gegen Kinder, wollte nie welche und das wusste und akzeptierte sie (sagte sie zumindest). Die Vorstellung, mein Leben auf das Vorhandensein eines Kindes einzustellen war mir sehr unangenehm und fremd. Eine Abtreibung kam für sie nicht in Frage und so nahm unser Schicksal seinen Lauf.
Die folgenden Monate waren alles andere als harmonisch. Kurze Friedensphasen, gefolgt von heftigen Auseinandersetzungen waren alltag. Wir rauften uns immer wieder zusammen, versuchten das Beste aus dem ganzen See an Tränen zu machen, der schon durch unser beider Augen entstanden war.
Mitte 2004 war es soweit. Ein paar Tage zuvor hatten wir uns noch gestritten und kaum ein Wort miteinander gewechselt, da rief sie mich früh morgens an. Wir fuhren ins Krankenhaus und ein paar Stunden später hielt ich meinen Sohn in den Armen – ein Gefühl, was man nicht zu beschreiben vermag. Widerum ein paar Stunden später am Tage gingen wir auf dem Gelände umher und beschlossen ein weiteres mal, uns zusammenzureißen, dass wir es schon schaffen würden.
Wir wohnten nicht zusammen. Eine gemeinsame Wohnung konnte ich mir sowohl aufgrund eines finanziellen, als auch harmonischen Aspekts nicht vorstellen. Mein „Problem“ mit Kindern hatte ich bis dahin nicht abgelegt. Aufgrund genau dieser Tatsache zog ich mich bei fast allem, was das Kind anbelangte, zurück. Ich war der gebrochene Mann. Der Mann, der all seinen Überzeugungen zum trotz von der Biologie eingeholt und zu Boden geworfen wurde. So viel zum Thema „Sag niemals nie“.
In der Folgezeit sprachen wir kaum über unsere tatsächlichen Probleme, verschwiegen sie, hielten sie aus. Im März 2005, während eines weiteren, sehr heftigen Streits beendete ich unsere Beziehung. Ich liebte Sie, aber nicht mehr genug, um über unsere Streits noch hinweg sehen zu können.
Die Trennungszeit war für sie eine sehr schwere Zeit. Sie suchte ständig Kontakt, rief mich weinend an, schrieb mir verzweifelt SMS. Ich konnte sie nicht leiden sehen, habe versucht sie zu beruhigen, habe versucht dabei Distanz zu wahren – vergebens. Wir landeten wieder im Bett, wieder und wieder. Während der gesamten Zeit versuchte ich verzweifelt, zwischen uns eine Barriere aufzubauen. Kaum ein Tag, kaum ein Augenblick, wo sie nicht trotzdem in meinen Gedanken präsent war.
Im Sommer diesen Jahres blühten wir auf, unternahmen viel gemeinsam mit unserem Sohn. Es war eine ungewohnte, jedoch sehr angenehme Harmonie, die zwischen uns herrschte. Es schien, als ob wir allen vorangegangenen Schwierigkeiten erhaben wären. Es war fast, als wenn unsere „Beziehung nach der Beziehung“ so reibungslos funktionierte, dass man sich keine Gedanken mehr zu machen bräuchte, sahen uns beide jedoch freundschaftlich als „Solo“ an. Eine weitere Chance für unsere Beziehung sah ich aufgrund meiner vorhergehenden Erfahrungen als ausgeschlossen an.
Unser Sohn kommt schon seit längerer Zeit an einigen Wochenendtagen zu mir. Ich liebe meinen Sohn, er ist die Freude in meinem Leben, die mir die ganze Zeit gefehlt hat. Er ist eine kleine Frohnatur, quirlig, einfach zum gern haben. Mit dieser Erkenntnis quälen mich die hartnäckigsten Vorwürfe, bisher nicht mehr für ihn dagewesen zu sein. Sag niemals nie.
Jetzt, oder besser vor nun mehr 3 Monaten, hat sie ihren neuen Freund kennengelernt. Seither quält mich die Tatsache, dass diese Harmonie, die Beziehung, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte, brutal niedergeschlagen wurde. Dass diese Harmonie nun zwischen ihr und ihm herrscht (und das tut sie anscheinend wirklich). Ich war so sehr damit beschäftigt zu versuchen, eine Art Bannmeile zwischen uns zu halten, dass ich meine eigentlichen Gefühle dabei völlig außer acht gelassen habe. Nun ist es zu spät, das weiß ich und das sagt sie selbst, denn ich habe versucht mit ihr darüber zu sprechen. Wir haben uns nicht gestritten. Nur eines ist dabei klar definiert worden: eine Beziehung zwischen uns wird es nicht mehr geben.
Für mich geht dabei nicht nur meine quasi-Beziehungspartnerin verloren, sondern auch meine Liebe, der ich trotz all der Streits eine meiner schönsten Zeiten in meinem Leben zu verdanken habe. Eine Liebe, die ich nie wirklich leben konnte und als ich ich konnte, habe ich nicht die Gelegenheit ergriffen. Verloren geht meine Familie, die seit dem Tod meiner Mutter fest zu mir hielt. Die immer wieder für mich nachgegeben hat. Ich war so dumm.
Für die nächsten Jahre werde ich an all jenen Wochenenden, an denen ich meinen Sohn abhole, meine Ex wiedersehen. Derzeit eine pervers-grausame Vorstellung.
Doch ich habe keinen Grund, mich zu beschweren. Ich beendete die Beziehung, nicht sie.
--scavenger.
Hi,
ich habe gerade deine Geschichte gelesen. Es hört sich an, als wenn du nun begriffen hast, was du an der Beziehung mit der Mutter deines Sohnes hattest.
Auch wenn sie nun einen Neuen hat, vergesse deinen Sohn nicht, denn dieser braucht dich nun ganz dringend. Das du nun viel mit ihm unternimmst finde ich gut.
Ich denke, am besten ist, wenn ihr noch mal über alles sprecht. Dieses hilft dir und legt auch den Grundstein für eure Zukunft und die eures Sohnes.
lg
biene
ich habe gerade deine Geschichte gelesen. Es hört sich an, als wenn du nun begriffen hast, was du an der Beziehung mit der Mutter deines Sohnes hattest.
Auch wenn sie nun einen Neuen hat, vergesse deinen Sohn nicht, denn dieser braucht dich nun ganz dringend. Das du nun viel mit ihm unternimmst finde ich gut.
Ich denke, am besten ist, wenn ihr noch mal über alles sprecht. Dieses hilft dir und legt auch den Grundstein für eure Zukunft und die eures Sohnes.
lg
biene
Hallo Biene,
viel dank für deine Antwort. Leider ist es nicht sehr einfach den richtigen Augenblick abzupassen, in dem man mit ihr über soetwas sprechen könnte.
Ich sehe sie mittlerweile nur noch an den besagten Wochenenden, an denen ich meinen Sohn abhole / zurückbringe. Da ich unter der Woche (einschließlich freitags) immer sehr lang arbeiten muss, ist ihr Freund zu dieser Zeit auch schon da - in seinem Beisein so eine Diskussion zu führen, ist absolut undenkbar.
Es gab vor einiger Zeit ein paar Gelegenheiten, mit ihr unter vier Augen zu sprechen. Sie hat sich währenddessen dermaßen gefühlskalt und desinteressiert verhalten, dass eine erneute Aussprache über dieses Thema vermutlich keine neuen Erkenntnisse mehr bringt.
Du sprichst in deinem Post von "unserer Zukunft". Und genau da liegt das Problem - eine gemeinsame Zukunft ist eine Illusion, die nur noch in meiner verzweifelten Hoffnung zu finden ist. Eine Freundin von ihr riet ihr darüber hinaus, "den gleichen Fehler nicht noch ein zweites mal" zu machen. Ich kannte diese Freundin auch und verstand mich mit ihr gut, dachte ich zumindest.
Sie sagte einmal, dass ihr neuer Partner sich "ganz anders" gegenüber unserem Sohn verhielte als ich, denn ich würde mich laut ihrer Aussage weniger wie eine Vaterfigur, sondern mehr wie ein Kumpel verhalten. Was diese Aussage schlussendlich auf sich hat, darüber kann ich nur rätseln. Viel weiß ich über ihn nicht und seinen Umgang zu meinem Sohn kann ich dementsprechend nicht beurteilen.
Vor allem denke ich, dass die Wochenenden mit meinem Kleinen für sie eher als billiger Babysitterersatz dienen. Doch das ist eine nicht bestätigte Vermutung...
--scavenger
viel dank für deine Antwort. Leider ist es nicht sehr einfach den richtigen Augenblick abzupassen, in dem man mit ihr über soetwas sprechen könnte.
Ich sehe sie mittlerweile nur noch an den besagten Wochenenden, an denen ich meinen Sohn abhole / zurückbringe. Da ich unter der Woche (einschließlich freitags) immer sehr lang arbeiten muss, ist ihr Freund zu dieser Zeit auch schon da - in seinem Beisein so eine Diskussion zu führen, ist absolut undenkbar.
Es gab vor einiger Zeit ein paar Gelegenheiten, mit ihr unter vier Augen zu sprechen. Sie hat sich währenddessen dermaßen gefühlskalt und desinteressiert verhalten, dass eine erneute Aussprache über dieses Thema vermutlich keine neuen Erkenntnisse mehr bringt.
Du sprichst in deinem Post von "unserer Zukunft". Und genau da liegt das Problem - eine gemeinsame Zukunft ist eine Illusion, die nur noch in meiner verzweifelten Hoffnung zu finden ist. Eine Freundin von ihr riet ihr darüber hinaus, "den gleichen Fehler nicht noch ein zweites mal" zu machen. Ich kannte diese Freundin auch und verstand mich mit ihr gut, dachte ich zumindest.
Sie sagte einmal, dass ihr neuer Partner sich "ganz anders" gegenüber unserem Sohn verhielte als ich, denn ich würde mich laut ihrer Aussage weniger wie eine Vaterfigur, sondern mehr wie ein Kumpel verhalten. Was diese Aussage schlussendlich auf sich hat, darüber kann ich nur rätseln. Viel weiß ich über ihn nicht und seinen Umgang zu meinem Sohn kann ich dementsprechend nicht beurteilen.
Vor allem denke ich, dass die Wochenenden mit meinem Kleinen für sie eher als billiger Babysitterersatz dienen. Doch das ist eine nicht bestätigte Vermutung...
--scavenger
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