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Soziale Phobie - was für ein besch...ener Mist

11 Antworten3'085 AufrufeGestartet von Mann_86 ·

Mann_86Themenstart
#1
Hi @ all,

Ich weiß nicht, wie ich genau anfangen soll... Aber ich habe irgendwo in mir das Bedürfnis, meine Probleme und - mehr oder weniger - meinen "Werdegang" irgendwo niederzuschreiben. Mir evtl. durch Selbstbeschreibung klarmachen, wie es soweit kommen konnte. Ich winde mich innerlich eigentlich die ganze Zeit, ob ich das wirklich tun soll...

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Nachdem ich das Ganze geschrieben habe, wollte ich an dieser Stelle noch einen kleinen Hinweis nachtragen: Folgene Textzeilen sind stellenweise ziemlich harter Tobak, der wohl nichts für Zartbesaitete ist...

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Meine aktuelle Situation: Ich bin momentan seit über einem Jahr arbeitslos, habe eine Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration hinter mir. Ich bin 24, wohne noch bei meinen Eltern... Ich habe mehrere Praktikas und Probearbeiten absolviert, und alle meine Arbeitgeber haben, vereinfacht ausgedrückt, alle dasselbe gesagt: Von meiner fachlichen Kompetenz her würden mich die Arbeitgeber schon einstellen, man merke auch meinen Arbeitswillen, aber mein Problem wäre der Umgang mit Kunden. Ich sei etwa viel zu still und gehemmt in der Nähe von Kunden, obwohl ich es "fachlich doch drauf hätte" (O-Ton eines potentiellen AGs). Mein letzter potentieller AG hat mir direkt sogar gesagt, dass er schon "richtig Mitleid" hätte, wenn er mich zu einem schwierigen Kunden schicken würde, weil ich mich im Kritikfall quasi zuwenig sagen würde... Und ein Kunde kann in dieser Branche im Zweifelsfall nicht durch Leistung, sondern durch seine Art sich auszudrücken den Arbeiter bewerten, was wieder schlecht für den AG wäre (so nach dem Motto: "Hey, was hast du mir für einen Idioten geschickt, der kann sich noch nichtmal richtig ausdrücken...")

Nunja, spätestens nach dieser Bewertung (es gingen noch viele andere Sachen von mir voraus, aber dazu später) hatte ich mit meinen Eltern ein länger andauerndes Gespräch und sind - zusammen mit einer Freundin meiner Eltern - zu dem Entschluss gekommen, mal bei der Caritas und bei einem Nervenarzt meine Probleme zu schildern. Ergebnis bei beiden Gesprächen: Ich leide mit 99%iger Wahrscheinlichkeit an einer Sozialen Phobie. Das ist bei mir leider wohl so schlimm, dass bereits eine stationäre Vereinbarung in einer Klinik vereinbart habe, die auf psychische Erkrankungen spezialisiert ist. Besagte Freundin meiner Eltern hatte etwas Ahnung von dem Thema, von ihr stammte der Vorschlag mit der Caritas und des Nervenarztes.

Mal zur Erklärung, was eine Soziale Phobie ist (und was ich erst in den letzten Wochen überhaupt realisiert habe, weil ich bisher nichtmal wusste, dass ich überhaupt an sowas leide - woher auch? Ich kannte mein Verhalten ja nicht anders, ich war schon immer so, seit ich denken kann...):

Jemand, der unter Sozialer Phobie leidet, hat - vereinfacht gesagt - Angst vor sozialen Kontakten. Und zwar wirklich Angst in einer Art und Weise, dass daraus starkes Schwitzen, Herzklopfen ("Herz überschlägt sich"), Übelkeit, stellenweise sogar Desorientierung und Panikattacken vorkommen... Und das nicht nur in typischen Stressreaktionen (beispielsweise bei einer Präsentation vor wildfremden Menschen) sondern in ALLEN Umgebungen, in denen man von anderen Menschen beobachtet wird. Meint ihr, es gibt für mich stressfreie Veranstaltungen wie Partys, Discobesuche, Firmenfeiern etc. oder sogar sowas Banales wie stressfreien, sinnlosen Smalltalk? Leider nicht... Die ganze Zeit überlegt man, wie die andere Person einen beurteilt. Und dieses Überlegen ist leider schon so tief im Bewusstsein drin, dass man garnicht anders kann, als daran zu denken... Infolgedessen ist man die ganze Zeit (ebenfalls mehr unbewusst als bewusst) bemüht, sich nahezu perfektionistisch zu verhalten - man ist die ganze Zeit angespannt wie sonstwas und hat in jeder einzelnen Sekunde des Gespräches Angst, gerade etwas falsches gesagt oder getan zu haben. Andere Leute schließen aufgrund des Verhaltens darauf, dass besagte Person oft arrogant und unnahbar rüberkommt. Wegen der ständigen Angst werden alle Arten von Sozialer Interaktion gemieden, das bis zur Sozialen Isolation führen kann... Man traut sich garnix mehr, weder andere Leute ansprechen (selbst wenn es z.B. beruflich nötig ist - das hat mir während meiner Ausbildungszeit enorme Probleme beschert) noch selbst irgendein Gespräch fortzuführen wenn man angesprochen wird... Einzige Ausnahme sind eventuelle Freundschaften, aber selbst da kann die Anspannung höchstens nur teilweise zurückgehen und man hat Probleme, Freundschaften zu pflegen...

Woher sowas kommt? Meist ist im Jugend- oder sogar Kindesalter mal irgendwas gewaltig schief gelaufen... Bei mir war es von Anfang an so, dass ich, seit ich in die Schule gekommen bin, gemobbt wurde. Ich war immer ein Außenseiter. Und wenn man, stellenweise bis zur letzten Klasse derselben Schule, immer und immer wieder jeden Tag dieselben Beleidigungen und Schimpfwörter hört, wenn die Klassenkameraden schon beim bloßen Anblick einfach alles, was man an Kleidung anhat oder wie man sich verhält darüber hämisch-lustig macht, und beim Busfahren die Klassenkameraden im hintersten Eck über einen Selbst lästern und laut kichern, bekommt man offensichtlich irgendwann einen psychischen Knacks. Man glaubt wirklich irgendwann, dass das stimmt, was einem die Mitschüler tagtäglich eintrichtern. Den Lehrern petzen oder sich selbst lauthals dagegen wehren half damals nicht, weil ich dann einfach von den Verpetzten am nächsten Tag zusammengeschlagen wurde... Ich aß meine Pausenbrote grundsätzlich immer am Klo, weil ich im Pausenhof sonst immer fertiggemacht wurde (was leider nichts brachte, irgendwann kamen sie dahinter)... Der Sportunterricht war jedesmal die Hölle, weil manche Kinder nur drauf warteten dass der Lehrer wegsieht, um mich schubsen zu können. Richtig "toll" dabei: Ich wurde einmal sogar von einem Lehrer angeschrien, was zum Teufel mich dazu geritten hat, mit Absicht(!) gegen ein Tor zu rennen. Ich hatte schon Angst, wenn ich während des Unterrichts wusste, gleich kommt ein nicht durchsetzungsfähiger Lehrer - dann wusste ich, dass meine Sitznachbarn wieder freie Bahn für Pieksereien mit den Zirkeln hatten...

Ich musste hier kurz das Schreiben aufhören, weil ich zu Weinen anfing... Ich zittere gerade ein wenig, habe eiskalte Hände...

Ich weiß noch, dass ich (in den jüngeren Klassen) ab und zu nach all den Beschimpfungen und Schikanen, quasi als Kurzschlussreaktion, zu einem erhöhten Treppengeländer gelaufen bin und laut "ich will springen" geschrien habe - wie es bei Kurzschlussreaktionen so ist, habe ich nach dem Schrei nichtmehr vorgehabt, zu springen... Aber es half irgendwo auch, da manche anderen Kinder dann Ruhe gaben. Im Nachhinein bereue ich, dass diese Aktion von mir niemals ein Lehrer mitgekriegt hat. Vielleicht hätte man sich meinem Problem dann früher angenommen... Ich habe das noch nie irgendjemandem erzählt, geschweigedenn irgendwo aufgeschrieben... Ob ich damals überhaupt "wirklich" je vorhatte, zu springen, weiß ich nichtmehr. Ich war damals zu jung...

Im Elternhaus wurden die Probleme schon besprochen, und meine Eltern halfen mir auch, darüber wegzukommen... Ich solle darüber nicht soviel nachdenken, hieß es meistens, oder dass die Kinder es nicht so bös meinten... Auch wenn von mir jetzt das wahrscheinlich falsch rüberkam: Ich habe keine Zweifel, dass meine Eltern nur das Beste für mich wollten. Es gab Elternabende, sogar mein damaliger Kinderarzt sprach dieses Problem in einem Elterngespräch mit den Lehrern an - aber irgendwie hat alles nichts geholfen, ich war immer noch der Außenseiter und Prügelknabe der Klasse... Nunja, jedenfalls glaube ich, wurde damals wohl der Grundstock meiner derzeitigen Probleme gelegt. Ich galt schon immer als äußerst schüchterner und verschlossener Mensch...

Irgendwann wurde dann die Schule gewechselt, ich kam auf die Realschule. Hier wurde das Mobbing wenigstens teilweise zurückgeschraubt und ich konnte erste Freundschaften schließen. Leider war ich - von meinen vielleicht zwei, drei Freunden abgesehen - immernoch so ziemlich ein Außenseiter in der Schule, aber ehrlichgesagt kümmerte mich das nicht. Ich war froh, wenn ich mit anderen Menschen nichts zu tun hatte. Zu der Zeit war ich ungefähr 14-16 Jahre alt - eigentlich das ideale "Weggehen"-Alter, was ich so gehört habe. Ich für meinen Teil habe mich fast ausschließlich hinter Computer- und Konsolenspiele verkrochen, wenn die Schulzeit zuende war.

Von dieser Stelle aus in meinem Leben kann man jetzt, denke ich, relativ schnell bis zum Zeitpunkt meiner Arbeitslosigkeit kommen: Ich wollte eine Ausbildung machen, in dem man PCs repariert, da - so nahm ich fälschlicherweise an - man wenig mit Menschen zu tun hat. Die Ausbildung war während der Probezeit eher kein Problem, da ich tatsächlich nur vor dem Computer arbeiten musste. In der Berufsschule war ich zwar wieder Außenseiter, aber daran war ich ja gewöhnt... Nach der Probezeit wurde öfters vom AG versucht, mich in Projekte mit Kunden einzubinden, was fast immer zur Folge hatte, dass ich - aus Angst, irgendwas Falsches zu sagen - sprichwörtlich nicht den Mund aufbekam. Der Chef fand das natürlich alles andere als toll, irgendwann gabs ein Mitarbeitergespräch - und das brachte mir die nächste Misere ein: Er kritisierte mich (völlig zurecht) und ich konnte nicht anders, als allen Ernstes gegen Tränen anzukämpfen - erfolglos. Das muss man sich mal vorstellen: Als 21-Jähriger junger Mann vorm Chef heulen. Wundervoller Mist! Ich hab versucht, das runterzuspielen mit "das ist ein Tick von mir, nicht darauf achten", aber wie sowas trotzdem rüberkommt, kann man sich ja denken... Nunja, während der restlichen Ausbildung (die Probezeit war ja schon vorüber - ich schätze, der Chef hätte mich deswegen rausgeschmissen, wenn es rechtlich noch irgendwie möglich gewesen wäre) habe ich versucht, Arbeiten zu erledigen. Leider - im Nachhinein eigentlich nichts Ungewöhnliches während der Ausbildung - wurde ich hin und wieder mit Problemen konfrontiert, die ich allein nicht lösen konnte. Anstatt um Hilfe zu bitten, habe ich erstmal versucht das Problem alleine zu lösen... Solange, bis diverse Fristen überschritten wurden. Ich will ehrlich sein: Irgendwann, so ab dem letzten Ausbildungsjahr, hatte ich vor lauter Problemen und der Tatsache, dass ich (wieder) mehr Außenseiter als integrierter Arbeiter war, einfach keinen Bock mehr auf die ganzen Probleme und habe die meiste Zeit privat im Internet gesurft (in einem stillen Kämmerchen, wo außer mir fast nie ein anderer Mitarbeiter war). Ja, das war großer Bockmist von mir, aber ich hab mir viel zuviel Stress gemacht, wenn ich einen Mitarbeiter ansprechen wollte. Alleine schon der Gedanke, einen Mitarbeiter anzusprechen, hat meinen Puls und meine Schweißdrüsen in die Höhe getrieben und das Herz so laut schlagen lassen, dass ich es hören konnte - obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch nichtmal was falsch gemacht hatte... Was meine Abschlussprüfung angeht: Von den Zeugnisnoten her geht der Notenschnitt einigermaßen (2,28), die mündliche Abschlussprüfung hingegen habe ich mit gerademal 50 von 100 Punkten geschafft - ging also haarscharf am Nicht-Bestehen vorbei. Und warum? Weil man da erstmal 15 Minuten eine Art "Verkaufsgespräch" (Vorstellung irgendeines Netzwerkprojektes) führen muss, und dann weitere 15 Minuten Fragen von den Lehrern beantworten muss. Ich hab während der Präsentation mehrmals den Faden verloren und mich gefragt, ob ich nicht schnell zur Türklinke greifen und abhauen sollte (wie man auf sowas überhaupt kommen kann...). Bei den Fragen war ich so aufgeregt, dass mir Antworten der einfachsten Fragen nicht einfielen...

Nunja, nach dem Deaster war klar, dass ich im Betrieb nicht bleiben konnte - war aber erstmal kein Problem, da just nach Vergabe der Abschlussnote ein Brief von der Bundeswehr kam - der Einzug stand in einem Monat bevor. Tjoar, mir redete jeder gut zu, bei der Bundeswehr zu bleiben, gerade bei meinem Beruf wäre es nach der Grundausbildung so toll dort, weil man nix mehr machen müsste etc... Einen Monat später: Den Grundwehrdienst habe ich psychisch genau 3 Tage überlebt, bis ich abermals, als einziger, in Tränen ausbrach und ca. 30 Minuten brauchte, um mich zu beruhigen. Danach wurde ich natürlich sofort ausgemustert.

Was schlussendlich noch kommt (und was auch mir irgendwo die Augen öffnete, dass das bei mir mehr als nur bloße Schüchternheit ist): Nach dem Bundeswehr-Debakel wurde ich von der Arbeitsagentur in einen Kurs geschickt, in denen sich drei, vier 20-23-Jährige befanden. Mit einer Dozentin in diesem Kurs hatten wir eine Art Quiz-Spiel. Ich habe eine Frage richtig beantwortet: Die Dozentin hat zu mir "Genie" gesagt und war ganz sicher als Kompliment gedacht. Ich habe daraufhin wohl unterbewusst etwas grimmig geschaut und einmal einigermaßen hörbar aufgeschnaubt. 5 Sekunden Funkstille (ich habe nichtmal bemerkt, dass mein Schnauben auffiel), dann von einer anderen Teilnehmerin "er mag wohl nicht, wenn man Genie zu ihm sagt", daraufhin die Dozentin "dann werde ich auch das nichtmehr tun" und hat schnell von diesem Thema abgelenkt. Ich wurde auch nichtmehr angesprochen über dieses Thema.

Spätestens da ist auch mir aufgefallen: Ich "verkaufe" mich eigentlich grundsätzlich viel niedriger, als ich wahrscheinlich wert bin. Wenn ich - egal von Wem - Komplimente höre, ist das erste, was ich tue, das Gesagte nach irgendwelchen versteckten Beleidigungen zu durchsuchen, bevor ich distanziert "Danke" sage (ob ich mich auf das Kompliment überhaupt freue, ist eine andere Sache)... Wenn ich irgendwie gerade unfreiwillig im Rampenlicht stehe, ist mir das extrem unangenehm und versuche, davon abzulenken. Wenn ich irgendwo - selbst an Orten, an denen mich keiner kennt - schallendes Gelächter höre, drehe ich mich um und frage mich instinktiv, ob die gerade über mich lachen... Wenn ich Bewerbungen schreiben will, werde ich sofort von Gedanken der Marke "bringt doch eh nix" überrannt, weil ich mich dauernd frage, welcher Chef so jemanden wie mich, mit der sch... mündlichen Abschlussnote, einstellen würde... Mir wird sogar übel, wenn ich die Bewerbung dann per Mail verschickt habe... Während dieser Zeit hatte ich allen Ernstes sogar mit Selbstmordgedanken zu tun. Wenn es mir aus irgendeinem Grund besonders dreckig ging, habe ich mir zwar nur kurz, aber trotzdem allen Ernstes die Frage gestellt, warum ich nicht einfach aus dem Fenster springe, eine Überdosis Schlaftabletten zu mir nehme oder mir die Pulsadern aufschneide. Ich erschrecke mich, dass ich überhaupt an sowas dachte... Ich bin dennoch der Meinung, dass ich mir nie, NIE etwas selbst antun würde und hoffe auch, dass das so bleibt. Das sind kurzfristige Gedanken, mehr nicht...

Nunja, was es sonst noch zu sagen gäbe: Das Heul-Problem hatte ich auch bei meinem nächsten Arbeitgeber, in dessen Firma man Kunden u.a. telefonisch beraten soll. Nach etwa zwei Monaten hatte ich dann den Fall, dass ich am Telefon von einem Kunden wegen eines Problems, für das ich nix dafür kann, ziemlich zusammengerupft wurde. Ergebnis war nach Ende des Gesprächs erstmal das Abhauen in ein Nebenzimmer, um gegen meine Tränen anzukämpfen - eine Mitarbeiterin kam hinterher, fragte, was los sei, und dann gingen die Tränen wieder los. Ich habe es wieder versucht, es herunterzuspielen, ich weiß selbst nicht was grade los mit mir ist etc... Nunja, das war für den Chef ein Grund, mich drei Tage später (während der Probezeit) zu entlassen. Als ich nach der Begründung fragte, hieß es lapidar "nicht geeignet für den Job" ohne konkret zu werden. Ich weiß schon, warum... Naja, dann ging es los mit anderen Praktikas, Besuch beim Nervenarzt etc. wie in den ersten beiden Absätzen beschrieben.

Was leider noch ein weiteres Problem ist, was ich hier bisher noch nicht erwähnt habe: Ich leide seit geraumer Zeit unter etwas, was man - rückblickend betrachtet - wohl als Panikattacke bezeichnen würde, und das seit der Realschulzeit! Es passierte mir alle 3-6 Wochen mal, dass ich mitten in der Nacht (so 2-3 Uhr in der Früh) urplötzlich hellwach wurde, und etwa eine Minute später habe ich einen gewaltigen hohen Puls gehabt - das Herz schlug so schnell, dass mir schwindlig wurde und ich deswegen immer Todesangst bekam! Nach etwa 5-10 Minuten normalisierte sich der Puls wieder, und ich bekam dann etwa 15 Minuten lang einen Schüttelfrost. Danach war wieder alles normal... Ich wusste damals nicht was los sei, ich und meine Eltern haben damals jeden Arzt aufgesucht, aber nichts wurde gefunden, bis das irgendwann während der Ausbildungszeit seltener wurde. Nach den Gespräch mit einer Caritas-Psychologin und einem Nervenarzt scheint wohl ebenfalls sicher zu sein, dass es sich damals um Panikattacken handelte... Momentan leide ich nichtmehr darunter, wahrscheinlich deshalb, weil ich derzeit jedem Stress aus dem Weg gehe...

Aus irgendeinem Grund - ich weiß nicht genau warum - habe ich online kaum Probleme mich auszudrücken. Wahrscheinlich deshalb, weil andere "nur" den Text von mir bewerten können. Sie hören nicht, wie lächerlich ich mich anhöre, wie roboterhaft ich mich benehme... Aber auch da nur, wenn ich Zeit beim Schreiben von Text habe. Chatten kann ich nicht wirklich leiden, und sowas wie Skype (also Internettelefonie) etc. meide ich grundsätzlich.

Nunja, wie sieht derzeit mein Leben aus? Derzeit hocke ich eigentlich die meiste Zeit nur vor dem PC und spiele Computerspiele. Ich bin mir allerdings 100%ig sicher, dass ich nicht Computersüchtig bin - aber die Spiele vertreiben halt die Zeit, man hat etwas anderes zum Nachdenken. Auch wenn diverse Medien uns etwas anderes vorgaukeln wollen, kann ich doch sehr gut zwischen Realität und Fiktion unterscheiden ;) . Freunde habe ich derzeit keine. Meinen Eltern helfe ich zuhause, mähe den Rasen etc... Wir haben uns alle (inkl. Arbeitsagentur) darauf geeinigt, erstmal abzuwarten und meine psychische Erkrankung, so weit es geht, zu kurieren. In zwei Tagen werde ich stationär behandelt...

Mein Problem ist wirklich, dass ich mich unmöglich "öffnen" kann. Wenn ich z.B. zur Tankstelle fahren muss, ist das eher kein Problem, weil ich ja weiß, dass der Kerl an der Kasse seinen Job macht. Aber wenn ich irgendwie unter Beobachtung stehe, gehts schon los: Das fängt schon beim Friseur an, den ich so weit wie möglich hinauszögere... Wenn ich irgendwo meinen Willen durchsetzen will, ist es ganz schlimm. Irgendeinem wildfremden Menschen nach der Uhrzeit zu fragen, kostet mich schon Überwindung. Gar jemanden fragen, ob ich sie in ein Café o.Ä. einladen möchte - undenkbar. Eine Freundin kann ich derzeit vergessen, hatte sowieso noch nie eine. Bei Telefongesprächen ist es genauso, ich merke da selber, dass ich mich sehr versteift anhöre und nur wenige, einsilbige Wörter rausbringe... Ich war genau ein einziges Mal in einer Disco (kann man eher als "Schuppen" bezeichnen), ein Freund hat mich dort mehr oder weniger hingeschleppt - mir war so unwohl und ich so angespannt, dass ich nach 15 Minuten dachte, ich muss mich irgendwo übergeben und ich hatte dauernd das Gefühl, dass ich im Weg stehe, nicht angemessen gekleidet aussah, von allen beobachtet werde etc...

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Als ich mit dem Schreiben des Beitrags anfing, hatte ich eigentlich garnicht vor, einen derart heftigen "Seelenstriptease" zu begehen...

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Ich fühle mich, als sei ich, was meine Sozialkompetenzen angeht, irgendwo ab der Pupertät steckengeblieben... Und ich habe nicht den blassesten Schimmer, wie es weitergehen soll...

Danke für das Lesen meines Textwustes. Warum ich das getan habe? Wahrscheinlich als irgendeine Art der "Vorverarbeitung", bevor ich in zwei Tagen stationär behandelt werde... Nochmals Danke fürs Lesen...

#2
Hi,

kenn ich....die Lösung ist doch einfach.....Such Dir eine Sportart aus die dich fordert, körperlich.

Es muss ja nicht gleich Rugby sein. Und schon wirds was.....

Der Erfolg kommt in kleinen Schritten, aber er kommt.

Gruß

Wolfskin

#3
lieber mann 86.

"wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden" (sokrates)

du kannst das überwinden, da bin ich mir sicher. laß dir helfen. das ist schon richtig. manchmal, weiß man nicht, wo anfangen und wie. ich glaube daran, dass man alles schaffen kann, wenn man nur will.

gerade wenn dein problem ein bekanntes phänomen ist, wissen die sicher, wie sie das angehen können.

alles gute, du schaffst das.

#4
Lieber Mann 86,

so einfach wie meine Vorschreiber sehe ich die Lösung Deines Problems zwar nicht aber ich sehe in der Art und Weise wie Du Dein Problem reflektierst und realisiert schon einen sehr guten Ansatz.

Mein Expartner hat diesselbe Diagnose. So wie ich es Deinen Ausführungen entnehme ist es bei ihm nicht ganz so schlimm, er führt auf den 1. Blick ein halbwegs "normales" Leben, weil er sein Berufsleben so halbwegs auf die Reihe bekommt aber er sein übriges Leben ist in keinster Weise in Ordnung. Er leidet zwar massiv darunter, inklusive durchaus erfolgstauglicher Selbstmordversuche, aber sobald sein Kopf wieder einigermaßen über Wasser ist, sprich er wieder einen neuen Arbeitsplatz hat, verschließt er sich seinen Problemen und verfolgt seine Therapien nicht weiter.

Ich denke, daß Du Dich ernsthaft und dauerhaft in Behandlung begibst, Deine Probleme nicht verleugnest-mein Ex schiebt immer viel bzw. alles auf sein Umfeld-hast Du den 1. Schritt auf einer langen Reise zu Deiner Heilung getan.

Deine Schilderung ist für mich sehr interessant und aufschlußreich. Ich weiß bisher nur, daß das Leben der Menschen, die darunter leiden sehr grausam sein kann, aber so detaillierte Beschreibungen hat mein Expartner nicht gemacht. Du hast mir damit einen weiteren Blick in diese Problematik ermöglicht-danke.

Ich wünsch Dir, daß Du an die richtigen Therapeuten kommst, Du die Kraft hast am Ball zu bleiben. Dann kann Dir sicherlich geholfen werden, davon bin ich überzeugt.

Dein großer Vorteil ist, Du realisierst Dein Problem, somit wirst Du es auch in den Griff bekommen und Du wirst noch erleben wie schön das Leben sein kann.

#5
Hallo Mann 86

Zwei grosse Schritte hast du bereits hinter dir: Erstens die Erkenntnis, das du ein Problem hast und zweitens, dass man das behandeln muss.

Die Experten können dir zu diesem Thema sicher viele Tipps, Tricks und Lösungsansätze mit auf den Weg geben.

So wie ich aus deinem Text schliesse, bist du überhaupt nicht dumm und kannst dich sehr wohl gewählt ausdrücken. Dass es schwer ist, sich spontan vor Kunden oder Chefs mündlich gut auszudrücken, kann ich nachvollziehen, da hab ich manchmal auch Mühe.

Was ich dir aufgrund deiner aufgezählten Beispiele noch mit auf den Weg geben möchte ist: Wenn einer dir sein Problem klagt (Kunde auf der Arbeit oder sonst wo) und dich dabei vor Wut "zusammenmotzt", du aber rein gar nicht die Schuld am Problem hast, dann nimm die Kritik ernst (indem du zuhörst, respektvoll antwortest und das Problem zu lösen versuchst, falls in deiner Kompetenz oder die Kritik weiterleitest, falls jemand anderes zuständig) aber nicht persönlich! Dinge für die du nichts kannst, sollst du immer ernst aber nicht persönlich nehmen! Das schafft Distanz.

Zweitens: Nach einem Vortrag in einer Fremdsprache sagte man mir mal, ich solle für mich täglich einen Artikel oder ein, zwei Buchseiten laut vorlesen. Damit ich höre, wies tönt, respektive die Aussprache sicherer wird. Das brachte (resp. bringt, wenn ichs immernoch täte) mir extrem viel fürs Sprechen. Denke, das könnte auch in Deutsch funktionieren. Wenn du dich regelmässig hörst, tönt es mit der Zeit nicht mehr so komisch, dich sprechen zu hören und das spontane Reden fällt merklich leichter.

Viel Erfolg auf deinem Weg!

tournesol

http://www.liebeskummer.ch/members/mann_86_id26278.html]

#6
Möchte mich bezüglich Therapie meinen Vorschreiber/innen anschliessen.

Was ich Dir noch mitgeben möchte für die Arbeitssuche... Auch wenns Deiner Ausbildung vielleicht nicht 1:1 entspricht, aber:

Such Dir einen Job in der IT, wo Du z.B. keinen direkten Kundenkontakt hast. Wo Du innerhalb eines überschaubaren Teams im Background arbeitest. Ich denke, das würde Dir schon sehr viel helfen. Z.B. grösserer Betrieb als 2nd/3rd-Level-Supporter. Da kriegst Du normalerweise die ausrastenden Kunden nur via nem Troubleticket mit über, sprich: schriftlich. Und wenn Du dann doch mal Kontakt mit den Kunden hast, dann sind sie in der Regel mittlerweile wieder freundlich (und um die Hilfe froh). Ausserdem ists dann in der Regel nur via Telefon, sprich, selbst wenn Du da dann rot und grün anlaufen solltest und irgendwelche Schweissausbrüche kriegst: Es macht nix, da der Kunde das ja nicht sieht ;-)

Oder alternativ in die IT einer "kleineren" Firma, wo Du nur für die firmeneigenen Mitarbeiter zuständig bist. Halt so der "Mädchen-für-alles-Job". So wie es tönt auch nicht ganz Deiner Ausbildung entsprechend, aber hier hättest den Vorteil, das mit der Zeit all Deine Pappenheimer persönlich kennst. Was es möglicherweise auch etwas enfacher macht, als wenn Du mit ganz wildfremden Menschen zu tun haben musst.

#7
Ich möchte hier nur mal kurz sagen, dass ich total nachfühlen kann wie es dir geht!

Ich war auch ein Mobbingopfer in der Schule.... :(

Und dies hat zur Folge, dass jedes mal, wenn ich eine Schule beginne, wie eine Art Schulangst habe. Werde ich nette Leute treffen? werden diese mich mögen?

Auch kenne ich das, sich verstellen vor anderen Menschen, oder der Ewige Gedanke, was denken die jetzt von einem? Ist man jetzt für die Arrogant?

Dadurch verschliesst man sich und die Leute fangen einem wirklich an zu "verabscheuen". Sobald es um Schule geht, habe ich immer extrem Probleme guten Kontakt aufzubauen, was sonst, in meinem Hobby überhaupt nicht der Fall ist.

Habe es jetzt gerade wieder bemerkt, habe vor einer Woche einen neuen Kurs gestartet.

Habe auch manchmal im Bekanntenkreis solche Situationen. Wenn jemand nicht so offen gegenüber mir ist, oder mürrisch, oder wenn andere Freunde was zusammen unternehmen und mich nicht fragen, habe ich immer das Gefühl, der/die mag/mögen mich nicht. Der/die will/wollen nix mit mir zu tun haben. Dabei ist das einfach normal, dass man nicht immer alle dabei haben will.

Auch habe ich Heulattacken, jedes mal wenn mich etwas extrem beschäftigt, oder ich sehr sauer bin. Ich kann nicht einfach sauer sein, nein ich breche in Tränen aus. Oder wenn ich Rüge bekomme wegen etwas, muss nicht mal umbedingt meine Schuld sein, da muss ich auch extrem gegen die Tränen kämpfen. War auch mal so vor dem Chef!

Einmal lief etwas nicht so gut, wie ich es wollte.... musste paar Sachen erledigen, die mit meinem früheren Arbeitgeber zu tun hatte. Das klappte nicht, er hat den Termin nicht eingehalten und gab sich auch sehr schnippisch am Telefon. Ich war sowas von sauer und habe meinen Vater angerufen um ihn zu berichten was vorgefallen war Bämmm Wasserfall in strömen. Mein Vater meinte nur, warum weinst du jetzt? Er vestehe das nicht, das ist doch kein Grund zum weinen?

Ich verstand es auch nicht, aber es war so....

Jedenfalls früher war das echt schlimm, habe alles und vieles hineininterpretiert. Schlimm ist vor allem auch das Kopfkino.... mein Kopf hört dann nicht mehr auf nachzudenken.... hab ich was falsches gesagt, habe ich falsch reagiert usw.

Autogenes Training hat mir da geholfen, dass ich einfach mal den Kopf kurz abschalten kann. Aber trotzdem habe ich noch so Phasen, wie eben oben erwähnt, mit dem neuen Kurs, denn ich angefangen habe.

Und natürlich half auch die lange Reise, die ich letzten Winter alleine gemacht habe. Ich wurde selbstbewusster und stärker. Hänge aber noch immer oft in den alten Gedankenmuster.

Ich wollte hier einfach mal meine Geschichte mitteilen, zum dir sagen, du bist nicht alleine. Ich habe mich auch voll hineinfühlen können. Es ist wirklich heftig, was du erleben musstest. Oft wissen diese Kinder nicht, was sie damit anstellen.

Aber es ist so, wichtig ist, dass man die Erkenntnis hat, was es ist! So kann man auch damit arbeiten. Auch wenn es sehr lange dauern kann.

Alles Gute

Arkinli

#8
Hallo,

aus deinem Beitrag liest sich heraus, dass du sehr bescheiden rüberkommst, deine Talente und Stärken nicht anerkennst und das offenbar Versagensängste vorliegen.

Das sind Punkte, die es gillt zu überwinden.

Und die Ursachen müsste man erforschen (sprich: Wovor hast du Angst?)

Das würde ich mir erstmal als Ziele setzten.

Diese diagnostizierte Soziale Phobie stelle ich erstmal in Frage, bzw. weiß ich nicht, wie heftig das bei dir ist. Herzklopfen hat jeder mal, das ist nicht weiter schlimm.

Wenn aber Schwindel, Kopfschmerzen usw dazu kommen kann das schon brenzlig werden.

Ich vermute, der grundlegende Punkt ist dein Selbstwertgefühl und dein Selbstbewuststein. Aber daran kann man arbeiten.

Und wenn diese Punkte erhöht wurden, gehts mit _allem_ bergauf.

Du scheinst en anständiger und netter Bursche zu sein. Ich bin auch in der IT tätig und weiß (du wahrscheinlich) auch, dass es dort Bereiche gibt, die weniger Kundenkontakt bzw. "Menschenkontakt" fordern.

Aber ohne geht es nunmal nicht. Das ist was ganz grundlegendes. Menschen kommunzieren, um sich zu verständigen. Ohne Kommunikation geht nichts, aber ich glaube, ich erzähl dir hier nix neues, ich will es dir nur nochmal vor Augen führen.

Wie sieht es denn innerhalb deiner Familie aus? Zu deinen Eltern scheinst du ja ein gutes Verhältnis zu haben.

Und die anderen Menschen.."da draußen".. die sind genauso wie deine Eltern, wir sind immerhin die gleiche Spezies ;)

Langer Rede, kurzer Sinn: Niemand beißt dich da draußen !

Es gillt, den inneren Schweinehund zu überwinden, einfach mal auf Menschen zu gehen, Smaltalk halten, das ist der Schlüssel (fällt mir auch schwer).

Such Dir einen Job in der IT, wo Du z.B. keinen direkten Kundenkontakt hast. Wo Du innerhalb eines überschaubaren Teams im Background arbeitest. Ich denke, das würde Dir schon sehr viel helfen. Z.B. grösserer Betrieb als 2nd/3rd-Level-Supporter. Da kriegst Du normalerweise die ausrastenden Kunden nur via nem Troubleticket mit über, sprich: schriftlich. Und wenn Du dann doch mal Kontakt mit den Kunden hast, dann sind sie in der Regel mittlerweile wieder freundlich (und um die Hilfe froh). Ausserdem ists dann in der Regel nur via Telefon, sprich, selbst wenn Du da dann rot und grün anlaufen solltest und irgendwelche Schweissausbrüche kriegst: Es macht nix, da der Kunde das ja nicht sieht ;-)
Sehr guter Punkt, zumal die Dankbarkeit des Kunden kombiniert mit deinem Know-How ein Turbo für dein Selbstbewustsein ist ;)

#9
Ich halte die Idee mit den Sportvereinen auch für sehr sinnvoll. Dort kannst du durch Leistung und Anerkennung genügend Selbstvertrauen aufbauen. Vielleicht hilft dir das dann auch im Berufsleben.

#10
oder schau den film 'die anonymen romantiker'.

#11
Hi @ all,

Ich bin leider nicht früher dazu gekommen, zu schreiben. Erstmal vielen Dank für eure Anteilnahme, den Tipps und auch die PNs, die mich auch wirklich aufgebaut haben. Es tat sehr gut, eure Beiträge zu lesen :)

Aktuell siehts bei mir so aus, dass ich erst seit einer Woche in der stationären Einrichtung bin (im Erstbeitrag habe ich den genannten Termin versehentlich mit einer Art "Vorstellungsgespräch" in der Klinik verwechselt u. erst vor einer Woche ist dort Platz freigeworden); lediglich am Wochenende "darf" man von der Einrichtung aus heimfahren. Und ich muss ehrlich sagen, dass mir schon die erste Woche extrem gut getan hat :) . Ganz am Anfang haben mich noch Gedanken der Marke "Jetzt bist du im Irrenhaus, jetzt hast du's geschafft" fertiggemacht - allerdings wird man von der gesamten(!) Gruppe, die ebenfalls in derselben Station sind und mit Ähnlichem zu kämpfen haben, so herzlich und offen empfangen, wie ich es eigentlich noch nie davor erlebt habe. Neben einem geregelten Tagesablauf (der mir auch schon viel bringt, wenn man davor fast nur in den Tag hineinlebte) gibts da - so richtig klischeehaft - auch Einzel- und Gruppengespräche, die schonmal die ein oder andere Träne hervorbringen (und einem die Ärzte selbst beim Nachfragen nicht erlauben, den Raum zu verlassen, was aber im Nachhinein auch seine sinnvolle Wirkung hat). Mir ja war schon vorher klar, dass es sowas geben würde, aber die Wirkung, die z.B. ein Zitter- und Weinkrampf während der Gruppentherapie hervorruft, habe ich extremst unterschätzt. Mit der Gruppe selbst unternimmt man auch recht viel, man hat viele Freiheiten und auch sinnvolle Regeln, um sich von der Gruppe nicht abschotten zu können (bspw. auch Handy- und Notebook-Verbot, aber Pfleger u. Ärzte reagieren dabei auch nicht so wie Diktatoren, wenn ihr versteht was ich meine ;) ). Ich war jetzt gerademal "nur" eine Woche dort (die gesamte Therapie dauert voraussichtlich acht Wochen) und alle, mit denen ich bis jetzt gesprochen habe (Eltern, Großeltern, Geschwister) bemerken an mir schon einen erhöhten, sagen wir, Sprachgebrauch ;) . Man wird auch nicht mit Medis o.Ä. ruhiggestellt, meine Behandlung läuft komplett ohne medikamentöse Unterstützung. Neben der Gruppe sind auch alle Ärzte und Pfleger sehr nett zu allen - kurz: Ich hatte völlig falsche Vorstellungen davon, wie alles in einer stationären Einrichtung abläuft. Ich bin von der Wirkung selbst überrascht - ich spüre wirklich eine Art Innere Ruhe in mir, an die ich mich davor nicht wirklich erinnern kann. Alles in allem wird dort einem beigebracht "Alles halb so schlimm" - und zwar in der Praxis, in der Theorie weiß das eh jeder in der Gruppe ;) . Das läuft natürlich nicht ohne die eine oder andere Träne ab, aber es wird einem wirklich bewusst: Besser ein Ende mit Schrecken (Phobien besiegen), als ein Schrecken ohne Ende... Wie gesagt, ich bin selber noch ein bisschen baff, dass das alles eine so heftige Wirkung auch mich hat...

Ich habe leider keine Zeit mehr, auf einzelne Beiträge direkt zu antworten (in 5 Minuten gehts wieder zur Klinik zurück; erst am Wochenende kann ich wieder nachsehen), möchte mich aber nochmal sehr bei euch allen bedanken :)

#12
das freut mich sehr, dass dir die klinik gut tut und weiterhilft!

ich wünsche dir, dass es weiter so gut läuft und das leben für dich danach ganz neue farben zu bieten hat.

alles liebe.

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