Was macht eine Freundschaft aus?

ChaosMaus

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21. Nov. 2022
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Das frage ich mich seit einiger Zeit und hoffe auf eure Meinungen.
Ich hatte in der Schule Freundinnen, wie andere Mädchen auch. Nach der Schulzeit / Lehre / Familiengründungen usw verliefen sich alle Freundschaften irgendwie.
Ich hatte dann ein Kind, meine Mutti ... genug zu tun und auf Arbeit gute Kontakte. Mir fehlte also nicht allzu viel.
Erst als meine Kinder dann mehr oder weniger auszogen, fehlte mir offensichtlich eine gute Freundin. Als meine Mutti starb, war es dann eine sehr große Lücke, weil man (im Normalfall) zwar nicht immer von Eltern verstanden wird, aber immer hingehen kann und sich auch mal ausweinen. Freuden teilen natürlich ebenso.
Ich hatte dann zwei, drei nette Mädels, von einer verabschiedete ich mich recht fix, da war mir manches zu viel, die andere hatte ich ein paar Jahre, aber wir sahen uns nie, weil sie immer ihren Enkel bespaßte und nicht mal Zeit für einen Kaffee fand. Außerdem war ich dann in (m)einer festen Beziehung und hatte dann andere Kontakte. Ich schreibe das so ausführlich, weil mir bisschen die Erfahrung fehlt mit richtigen "besten Freundinnen" und so ...

Eine Freundin (bzw ein Ehepaar) ist geblieben. Wir, mein ehem. Freund und ich, waren beide mit ihnen befreundet, und das blieb auch in der Zeit nach der Trennung so.
Und da beginnen meine Gedanken: Sie haben mir zugehört und mich getröstet, waren einfühlsam, und wenn mein ehem. Freund dort war, redeten sie auch mal über mich. Trost brauchte er sicher nicht, aber so eine normale Unterhaltung eben. Ich habe ja hier schon über den fehlenden Abschied geschrieben. Darüber redete ich auch mit dem Ehepaar, und sie meinten, er würde auch interessiert daran sein, nochmal zu reden. Also das, was ich unbedingt auch wollte.
Ob er es nur so gesagt hat oder auch so meinte, weiß ich nicht.
Aber ich frage mich die ganze Zeit, warum sie nicht, der eine bei mir, der andere bei ihm, mal nachgehakt haben, etwas versucht, vielleicht was vorgeschlagen ... Ich hoffe, ihr wißt, was ich meine. Einfach eingewirkt, weil man doch als Freunde Interesse haben sollte, dass es den anderen gut geht? Bisschen vermitteln?
So wie es Trauzeugen machen bei dem Paar, für das sie Trauzeugen gewesen sind, wenn es da mal scheppert.

Bin ich zu "verklärt"? Ich selbst bin immer viel zu mitfühlend, ich interessiere mich und frage nach und würde auch versuchen, etwas anzuleiern, wenn ich sehen würde, meine Freunde leiden. Sowas gehört für mich zu einer guten Freundschaft.
Nicht drängeln, aber versuchen.
Aber leider geschah absolut nichts dgl..
Kein zufälliges Treffen dort - das meine ich nicht!
Sie wussten also, wie sehr ich darunter litt, und in den letzten Wochen hörte ich auch kaum von ihnen. Auf meine Nachrichten nur ganz knappe Worte.
Ich dachte, na ist klar, warum sollten sie auch weiter mit mir zu tun haben wollen, wo wir kein Paar mehr sind, mit dem man mal was unternehmen kann ...

Ihre Verschwiegenheit schätz(t)e ich sehr, denn dann kann man davon ausgehen, dass auch das Gesagte von allen nur bei den Personen bleibt, wo man es möchte.
Dennoch steigert sich nun meine Enttäuschung, oder Unverständnis, weil ich persönlich eben anders handeln würde.
Wir haben weiterhin Kontakt, und nun durch das entsetzliche Geschehen auch ein Thema, was wir alle irgendwie verarbeiten müssen.
Nun wussten sie aber, wie es meinem ehem. Freund in den letzten Wochen ging, er war auch im KH, aber kein einziges Wort darüber drang zu mir. Auch wenn er es so wollte, so ist doch gerade solch eine Situation ein Alarm oder zumindest ein willkommenes Zeichen, Dinge nicht länger vor sich herzuschieben, sondern zu versuchen, zu regeln. Nicht zuletzt können ungesagte und verdrängte Dinge auch gesundheitlich reinspielen.

Auch wenn ich, im Gegensatz zu dem Paar, ein mehrfach gebranntes Kind bin, was wortlose, unvorhersehbare, endgültige Abschiede betrifft, aber regt sowas denn nicht zum nachdenken an?

Ich bin sehr ratlos, es ist nur so ein Gedanke, ich möchte niemandem etwas vorwerfen oder ungerecht scheinen. Aber ich verstehe es nicht. Auch wenn sie nicht ahnen konnten, was kam. Sie hätten es mir aber dennoch nicht gesagt mit dem KH usw..
Ich bin einfach nur traurig.
Was ist denn Freundschaft, wenn nicht auch sowas?
 
Hallo ChaosMaus, interpretiere ich es richtig? Hat dein Ex Partner sich etwas angetan?
Vermisst du eine "beste Freundin" um über deinen Schmerz zu reden Oder generell weil dir eine Bezugsperson fehlt? In deinen Augen hätte dieses Pärchen mehr vermitteln können. Haben sie nicht. Vielleicht bereuen sie es selbst. Jetzt mit ihnen darüber zu reden wäre wie ein Vorwurf. Aber das wäre auch nicht fair. Es geht einem ja selbst auch so, daß man im Nachhinein denkt: hätte ich doch nur...Das bringt nichts.
Früher habe ich mich auch oft gefragt habe ich eine beste Freundin? Ich hatte Freundinnen, aber nicht die eine, beste Freundin. Es gab immer Mädels die mich eine zeitlang begleitet haben. In Phasen meines Lebens. Es gab welche mit denen ich richtig vertraut war und Geheimnisse getauscht habe. Es gibt ein Nachbarsmädchen mit der ich meine Kindheit und Teenagerzeit verbracht habe und heute noch treffe, aber im Grunde waren meine Freundinnen nur Wegbegleiterinnen ein Stück meines Lebens. Den Mädels mit denen ich 1x im Jahr irgendwo ein Wochenend verbringe, würde ich nie mein Herz öffnen. So "nah", sind wir uns nicht. Viele meiner Freundinnen sind noch da, irgendwo, der Kontakt ist nur sporadisch. Aber ich gebe dir recht, man braucht jemanden zum Austausch, zum reden. Sorgen, Ängste, Probleme nur mit sich ausmachen ist deprimierend. Ich genieße meine Arbeit. Freue mich jeden Morgen auf meine Kollegen. Das mein Sohn mehr bei seiner Freundin ist wie Zuhause, genieße ich allerdings. Ich genieße die Zeit die ich für mich habe. Gehe in Sport, mache einen Sprachkurs. Lese sehr viel. Ich hoffe es geht dir gut.
 
Es gibt nicht "das Richtige", das man in so einer Situation tun sollte, jeder hat eine andere Vorstellung und Vermutung, wie er sich verhalten soll. Wenn du etwas anderes erwartest, musst du es direkt kommunizieren, bei Freunden müsste das möglich sein. Wenn sie dann nein sagen, weil sie es anders , unangemessen o.ä. sehen, dann ist es auch ihr gutes Recht. Du kannst nach Rat fragen, sagen, dass es dir schlecht gehst, Hilfe brauchst, getröstet werden möchtest und wenn sie sich dann abwenden, dann solltest du sie halt nicht mehr als deine besten Freunde betrachten. Dann ist es so. Ich kenne eine Frau, der ich vertraut habe und dann erfahren habe, dass es naiv war..sie hat etwas weiter erzählt, was sie zufällig erfahren hat, obwohl sie hätte wissen müssen, dass es mit schaden könnte. Tja, jetzt vertraue ich ihr nicht mehr, ich kenne sie besser, das sind die logischen Konsequenzen. Aber zu erwarten, dass jemand deine Erwartungen erfüllen wird und schwer enttäuscht sein, dass er deine Erwartungen, Vorstellungen von Freundschaft nicht erfüllt, ist für mich unlogisch. Erstens können sie deine Gedanken nicht lesen und eventuell auch nicht richtig zwischen den Zeilen lesen. Wenn du ihnen ausdrücklich sagst, was sie für dich tun können und sie sich weigern, dann würde ich überlegen, ob sie dafür gute Gründe haben oder du ihnen einfach egal bist. Im letzteren Fall sind sie einfach nicht deine Freunde, das ist alles. Und ja, echte Freunde zu finden, ist nicht einfach.
 
interpretiere ich es richtig?
ja 🥺
Vermisst du eine "beste Freundin" um über deinen Schmerz zu reden Oder generell weil dir eine Bezugsperson fehlt? In deinen Augen hätte dieses Pärchen mehr vermitteln können. Haben sie nicht. Vielleicht bereuen sie es selbst. Jetzt mit ihnen darüber zu reden wäre wie ein Vorwurf. Aber das wäre auch nicht fair. Es geht einem ja selbst auch so, daß man im Nachhinein denkt: hätte ich doch nur...Das bringt nichts.
Das stimmt. Hinterher ist man immer schlauer.
Ich dachte, ich bekomme es hin, ihn eines Tages noch einmal zu kontaktieren. Ich wollte ihm schreiben, bzw liegen schon angefangene Briefe bei mir zu Hause. Natürlich ahnte ich nicht, dass die Zeit so sehr begrenzt wäre. Ich wollte mir Zeit nehmen, damit ich nicht nur mit Wut und Unverständnis schreibe.

Mit meinem Schmerz kann ich im Moment nirgendwo richtig hin, weil mir schweigen auferlegt wurde von seiner familiären Seite her, um die Lüge noch eine Weile aufrecht zu halten. Das erschwert natürlich auch die Kommunikation mit meiner o. g. Freundin, weil ich nicht lügen werde, aber die Wahrheit auch (noch) nicht sagen kann.
Ich habe mich einer Person anvertraut, die uns auch sehr lange kennt, weil ich die Wahrheit nicht ausgehalten habe, und diese hat es jemandem weiter erzählt, weil sie auch nicht lügen wollte, leider kam das letztenendes raus, und so hat mich "seine" familiäre Seite ohne dass ich etwas dazu sagen durfte kontaktmäßig "vor die Tür gesetzt". Obwohl ein Teil der Vorwürfe nicht wahr sind, aber ich durfte nichts mehr dazu sagen.
So ist alles weg, er, und nun für mich auch seine Familie, die mir immer sehr viel bedeutet haben und wo ich mich stets wohlgefühlt habe und verstanden. Das tut jetzt sehr weh. Weil ich mich tlw zu Unrecht angeklagt sehe und weil ich so enttäuscht bin. Ein kleiner Fehler, in einer traumatischen Situation, und alles andere zählt nicht mehr. Ich zähle nichts mehr. Und darf nichts dazu sagen.
So wie ich in dem ganzen Geschehen irgendwie nicht stattfinde. Als dürfte ich gar nicht traurig oder verstört sein, nur weil er sich vorher von mir getrennt hat ...

Gehe in Sport, mache einen Sprachkurs. Lese sehr viel. Ich hoffe es geht dir gut.
Ich weiß, ich sollte auch was tun ... Aber bei mir ist die Zeit irgendwie stehen geblieben gerade. Ich kann es nicht erklären.
Ich bin schon froh, wenn ich es schaffe, morgens aufzustehen, um zur Arbeit zu kommen, und diese halbwegs ordentlich erledige. Ich vergesse fast alles, und letztens habe ich 3x die falsche Zahl eingegeben bei einer Überweisung die ich machen wollte.
Ich bräuchte eine Reha, und zwar sofort ... so fühle ich mich. Es geht mir überhaupt nicht gut.
Ich lese ein wenig, habe mir auch ein neues Buch geholt aus der Bücherei, schaue mal einen Film, der mich ablenkt, gehe mehr zu Fuß, rede mit meinen Kindern und schaue hier mal rein. Aber zu mehr bin ich momentan nicht in der Lage.
Ich bin immer ein Fan von der schönen Natur, die gerade überall wieder erwacht, nur in diesem Jahr kommt kaum Freude darüber auf.
Ich wusste, wie er für sich selbst über bestimmte Lebenslagen denkt. Verhindern hätte ich trotzdem nichts können. Mich beschäftigt so viel, so viele Fragen, auch an mich.
Wenn du etwas anderes erwartest, musst du es direkt kommunizieren, bei Freunden müsste das möglich sein. Wenn sie dann nein sagen, weil sie es anders , unangemessen o.ä. sehen, dann ist es auch ihr gutes Recht.
Wie schon oben geschrieben, dachte ich, ich werde eines Tages selbst handeln können.
Aber wenn ein Mensch so krank ist und in`s KH muss, dann würde ich es eben versuchen, einem Freund zu vermitteln, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass es schnell zu spät sein kann. Ich weiß natürlich, es kann immer etwas passieren. Aber so eine Situation mit krank und KH hatte ich in meiner Familie bereits mehr als einmal, und deshalb bin ich da sehr unruhig. Deshalb wünschte ich, sie hätten es mir gesagt.
Sie selbst hatten bisher das Glück, sich immer noch verabschieden zu können, wenn ein Mensch starb, aber bei mir war das leider nicht so.

Aber zu erwarten, dass jemand deine Erwartungen erfüllen wird und schwer enttäuscht sein, dass er deine Erwartungen, Vorstellungen von Freundschaft nicht erfüllt, ist für mich unlogisch. Erstens können sie deine Gedanken nicht lesen und eventuell auch nicht richtig zwischen den Zeilen lesen. Wenn du ihnen ausdrücklich sagst, was sie für dich tun können und sie sich weigern, dann würde ich überlegen, ob sie dafür gute Gründe haben oder du ihnen einfach egal bist. Im letzteren Fall sind sie einfach nicht deine Freunde, das ist alles. Und ja, echte Freunde zu finden, ist nicht einfach.
Naja, erwarten nicht. Eher wünschen. 😌
Da wir uns so viele Jahre kennen, hätte ich mir gewünscht, sie hätten sich gedacht, lass doch die beiden nicht auf diese Art für immer auseinander gehen, da muss doch zumindest reden möglich sein, wir können zumindest was versuchen ...
Weil sie auch wussten, wie sehr ich unter dieser Art der Trennung gelitten habe.
Sie können meine Gedanken nicht lesen, das stimmt, aber ich kann umgekehrt auch nicht sagen: Sagt mir Bescheid, falls er krank wird ... Niemand hätte mit so etwas gerechnet, ich dachte, wie so viele andere Menschen auch, ich würde Zeit haben, nachdenken, verarbeiten, irgendwann handeln, oder nicht, weil ich es überwunden habe. Seine Trennung und sein Verhalten danach. Niemand konnte ahnen, wie schnell das alles gehen würde, vor allem, wenn man, wie ich, nichts gegenteiliges hört, von niemandem.
Das es mich, ihn ... so schlimm treffen würde - wer denkt denn ernsthaft darüber nach? Ich war doch noch gar nicht fertig mit dem Trennungsschmerz ...

Wenn ich aber von mir ausgehen würde, in solch einem Fall, hätte ich es gern, dass sich Freunde von mir nochmal aussprechen können. Deshalb denke ich darüber anders, denn so eine Möglichkeit gibt es manchmal dann nie wieder.

Deshalb schrieb ich auch das mit dem verzeihen im Thread von "ruffy", aber das kam genauso nicht an, wie es eben auch da niemand denken würde. Weil wir uns alle nicht wirklich vor Augen halten, wie schnell es vorbei sein kann, was man noch dachte, tun zu können. Da es mir aber nun so ergangen ist, würde ich versuchen, andere, Freunde, vor so einem Schlag zu bewahren.
 
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Ist er gestorben? Vielleicht wurden deine Freunde von seiner Familie gebeten, nicht davon zu erzählen? Vielleicht wollte er niemanden sehen?
 
Bewirkt keine Wunder aber hilft ein wenig
 

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Andere davor "bewahren", ist ein frommer Wunsch. Die Erfahrung zeigt das man meist erst hinterher schlauer ist. Das die Familie dich so ausschließt ist nicht schön. Aber es ist eine Ausnahme Situation. Da wird schon mal aus dem Bauch raus gehandelt. Im Kopf ist alles erstmal konfus. Auch die Familie braucht Zeit um zu verarbeiten. Das du gerne mit denen zusammen die Trauer bewältigt hättest ist nachvollziehbar. Hast du mal über eine Therapie nachgedacht? Der Hausarzt verschreibt sowas.
Möchtest du hier erzählen Wie eure Beziehung so war?
Ich hoffe du hast keine Schuldgefühle!
 
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Ist er gestorben? Vielleicht wurden deine Freunde von seiner Familie gebeten, nicht davon zu erzählen? Vielleicht wollte er niemanden sehen?
Ja, im Thread "Was ich Dir noch sagen wollte" habe ich meine Fassungslosigkeit versucht zu formulieren.
Er hat sich das Leben genommen.
Für mich kam das mit einem Keulenschlag, ich wusste nichts, krank oder irgendwas, er war neu verliebt und hat mich verlassen, so war mein "Stand der Dinge", und ich habe ein Jahr daran gearbeitet und wollte ihm einen Brief zukommen lassen, und dann ist er plötzlich weg, und von einer Sekunde zur anderen wird klar, ich kann ihn nie mehr etwas fragen, etwas sagen, um eine Aussprache bitten ... alles, was ich dachte, noch tun zu können, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Wenn ich etwas verarbeitet habe. Usw.
Alles, wofür man u. U. Jahre braucht, das ist von einer Sekunde zur anderen unmachbar geworden.
Kein zufälliges Treffen, kein absichtliches. Kein gegenseitiges verzeihen, kein verstehen, nichts mehr. 40 Jahre kannten wir uns, er war sehr viel mehr als nur der Ex-Freund.

Ja, sie wurden von ihm selbst höchstpersönlich gebeten, aber wie schon geschrieben, ich habe bereits mehrfach die Erfahrung machen müssen, dass aus einem "später" ein "nie mehr" geworden ist. Und beide, er und ich, haben ihnen unabhängig voneinander gesagt, wir wären an einem Gespräch interessiert, lange vor diesem Geschehen jetzt.

Bei meinen Eltern, bei meinem Schwager (jung), das traf mich besonders schlimm, dass man nichts mehr sagen, sprechen, klären konnte. Und nun bei ihm, wo ich schon ein Jahr mit mir gehadert habe und die Trennung verschmerzen musste, kommt diese Nachricht, direkt in die Magengrube, und in dem Moment, als ich kapiert habe, was da steht, weiß ich, es gibt nur dieses "nie mehr". Und alles zögern, alles aufschieben, ist zu einem "niemals" geworden. Und egal, was man tut, es ändert absolut nichts. All die Möglichkeiten, doch noch einen Abschluß zu finden, mit dem man gut umgehen kann, weiterleben kann, werden nie mehr kommen ...
Kein Kaffee trinken mehr, um sich auszusprechen ... usw, ich wiederhole mich wohl gerade ...


Andere davor "bewahren", ist ein frommer Wunsch. Die Erfahrung zeigt das man meist erst hinterher schlauer ist. Das die Familie dich so ausschließt ist nicht schön. Aber es ist eine Ausnahme Situation. Da wird schon mal aus dem Bauch raus gehandelt. Im Kopf ist alles erstmal konfus. Auch die Familie braucht Zeit um zu verarbeiten. Das du gerne mit denen zusammen die Trauer bewältigt hättest ist nachvollziehbar. Hast du mal über eine Therapie nachgedacht? Der Hausarzt verschreibt sowas.
Möchtest du hier erzählen Wie eure Beziehung so war?
Ich hoffe du hast keine Schuldgefühle!
Schuldgefühle in dem Sinn, dass ich mir sage, wäre ich bloß damals mitgekommen in den Urlaub.
Aber ich weiß auch, ich hätte seine Entscheidung, so nicht mehr weiterleben zu wollen, nicht verhindern können. Wir haben einmal darüber gesprochen in unserer Beziehung, als es um Krankheit ging, und ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, kein Mensch hätte ihn umstimmen können.

Kennt ihr das Buch "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes? Als ich es gelesen habe, und auch den Film gesehen, habe ich so mitgelitten, und mir überlegt, wie ich sowas händeln würde, was ich vielleicht versuchen würde usw. Wer es nicht kennt, da geht es schlussendlich um begleitetes sterben in der Schweiz.
Eine Bekannte von mir hat vor wenigen Jahren ihre Freundin in die Schweiz begleitet ... Und da denkt man drüber nach, fragt sich, was wäre, wenn ...
Und dann trifft es einen plötzlich selbst. So unvermittelt. Und ich habe vorher über andere nachgedacht, doch plötzlich ist das auch meine Realität ...!
Wieviele Menschen sich jährlich das Leben nehmen, ist unvorstellbar.

Es ist nicht nur die Verarbeitung der Trauer, sondern auch das Rumeiern, lügen, das "wer-weiß-etwas"-Spielchen, wem darf ich etwas sagen, bei wem muss ich nur nicken und schweigen?
Es sind nicht viele Leute, aber eben die Wichtigsten für mich.
Vermutlich habe ich dadurch nun wohl keine "Freunde" mehr, dieses hin und her hat viel kaputt gemacht. Klar braucht die Familie auch Zeit, aber ich muss mich auch nicht wie ein Verräter behandeln lassen, und mir alles bieten lassen, denn auch für mich ist es eine Ausnahmesituation.
Ich habe erstmal einen Schritt in Richtung Verarbeitung in einer Selbsthilfegruppe gemacht, leider noch nichts gefunden, aber online schon Material bekommen.
Wahrscheinlich möchte ich eine Therapie, aber das dauert nun mal ewig, bis man irgendwo reinkommt ...

Wie unsere Beziehung so war - da habe ich in den Beiträgen am Anfang schon etwas geschrieben, es geht hier bei mir immer nur um diesen einen Mann. Um den, der mich vor gut einem Jahr verlassen hat für eine Neue.
Das ist nicht böse gemeint, bei Fragen gern fragen. Aber um nochmal auszuholen, fehlt mir die Kraft. Ich bin so ausgelaugt.
 
Es tut mir leid? Hatte er Gründe, um das zu tun?.hast du mit diesen Freunden darüber gesprochen? War er depressiv? Vielleicht unheilbar krank? War er immer noch in dieser Beziehung?
Hast du einen Psychotherapeuten?
Es gibt auch Telefonseelsorge, anonym, vielleicht würde es helfen, anonym darüber zu sprechen? Man weiß nicht, woher die am Ende sinnvollsten Anregungen kommen, es lohnt sich, alles auszuprobieren.
 
Hatte er Gründe, um das zu tun?
Ja.
.hast du mit diesen Freunden darüber gesprochen? War er depressiv? Vielleicht unheilbar krank? War er immer noch in dieser Beziehung?
Worüber?
Ich war doch diejenige, die nichts wusste. Wie es ihm geht, das er krank wurde ... Als ich es erfahren habe, war es doch schon vorbei. 😭
Er war noch in dieser Beziehung, und er war krank. Mit dieser Krankheit hätte er leben können, aber nicht jeder will das so.
Was wir während unserer Beziehung besprochen haben und was er zu solchen Fällen sagte, das habe ich natürlich niemand erzählt. Und nach unserer Beziehung gab es keinen Anlass. Und als es den gegeben hätte, hat mir niemand etwas gesagt. Und nach dem Tag seines Todes durfte ich nichts sagen, weil es niemand wissen durfte.


Hast du einen Psychotherapeuten?
Es gibt auch Telefonseelsorge, anonym, vielleicht würde es helfen, anonym darüber zu sprechen? Man weiß nicht, woher die am Ende sinnvollsten Anregungen kommen, es lohnt sich, alles auszuprobieren.
Ich habe keinen Therapeuthen.
 
Du solltest es trotzdem versuchen über den Hausarzt ein Rezept für einen Therapeuten zu bekommen. Im Vorfeld mal schauen welche in deiner Nähe sind die über die Kasse abrechnen. Es ist so komplex was du da mit dir rumschleppst. Es wird dich immer belasten. Selbst gute Freunde können dir da keine Antworten geben warum das so aus dem Ruder gelaufen ist. Du wirst auch keine Antwort finden. Es fängt ja schon damit an das du die Beziehung mit ihm nicht zuordnen kannst und Eure Trennung für dich nicht annähernd abgeschlossen ist. Und dann kommt noch das ganze drumrum dazu. Kennst du deine Nachfolgerin? Bin normalerweise kein Freund von "Kontaktaufnahme". Aber in diesem besonderen Fall?
 
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Selbst gute Freunde können dir da keine Antworten geben warum das so aus dem Ruder gelaufen ist.
Nein, und warum es so gelaufen ist, warum er`s so gemacht hat, das verstehe ich ja.
Die "Freunde-Frage" aus dem ersten Post war ja ursprünglich eine andere.
Du wirst auch keine Antwort finden. ... und Eure Trennung für dich nicht annähernd abgeschlossen ist. Und dann kommt noch das ganze drumrum dazu.
Das ist richtig. Aber wirkliche Antworten hätte nur er geben können. Der Rest ist alles Spekulation.
Ich muss mir das irgendwie zurechtbasteln, um damit umgehen zu können in Zukunft.
Kennst du deine Nachfolgerin? Bin normalerweise kein Freund von "Kontaktaufnahme". Aber in diesem besonderen Fall?
Gesehen zur Beisetzung. Ich möchte sie nicht näher kennen lernen, das übersteigt meine Kräfte.
Ich kenne meine Vorgängerinnen. Das genügt mir. Mein Bild mache ich mir aus meinen Jahren mit ihm. Sie war neu, nur kurz mit ihm zusammen, und so wie ich es verstanden habe, hat sie nicht gewusst, wie er über das Thema dachte. Sie war noch frisch, die Beziehung, und da kann man sich ausmalen, wie die rosa Wolke aussieht, die sie mir malen würde ... 😒
Meine war ja nach einem Jahr auch noch rosa, und eigentlich bis zuletzt.
 
Ich würde dir gerne mehr schreiben, bin aber stark erkältet gerade..
Ich glaube, ich habe etwas nicht verstanden, was die Freunde angeht. Er war im Krankenhaus und sie haben es dir nicht erzählt, weil das sein Wunsch war. Er war da aber wegen seiner Krankheit und die war nicht tödlich, ist das korrekt? Sie hätten als nicht davon ausgehen müssen, dass es deine letzte Chance war, noch einmal mit ihm zu sprechen?

Ich glaube, sie haben sich schon nicht nur kurz darüber Gedanken gemacht, was sie tun sollen. Sie haben es bestimmt besprochen und zusammen diese Entscheidung getroffen, ich glaube nicht, dass es ihnen egal war, dass sie aus Gleichgültigkeit dir gegenüber geschwiegen haben, sie sind vermutlich davon ausgegangen, dass das das Richtige war.
Es passiert uns immer wieder, dass andere Dinge anders bewerten und nicht erkennen, was uns wichtig ist, oder was für uns besser ist. Man fragt sich, warum der Mensch so herzlos und unempathisch ist, er kann es aber nicht erkennen.
 
Man fragt sich, warum der Mensch so herzlos und unempathisch ist, er kann es aber nicht erkennen.

Hm... genauso gut (oder schlecht?) könnte doch auch sehr viel Herz und Empathie dahinterstecken. Schließlich ist er (zu dem Zeitpunkt, als er den Entschluss fasste, ChaosMaus nicht zu informieren) in einer Beziehung.
Ich denke - gerade in solch einer Situation - hat er sich zig Gedanken gemacht und die wenigsten davon - wenn überhaupt - waren negativ anderen gegenüber.
Aber das kann ChaosMaus viel besser einschätzen...
 
... genauso gut (oder schlecht?) könnte doch auch sehr viel Herz und Empathie dahinterstecken. Schließlich ist er (zu dem Zeitpunkt, als er den Entschluss fasste, ChaosMaus nicht zu informieren) in einer Beziehung.
Ich denke - gerade in solch einer Situation - hat er sich zig Gedanken gemacht und die wenigsten davon - wenn überhaupt - waren negativ anderen gegenüber.
Ich meinte die Freunde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich keine Gedanken gemacht haben. Sie haben es nur anders bewertet am Ende.
 
Ich denke - gerade in solch einer Situation - hat er sich zig Gedanken gemacht und die wenigsten davon - wenn überhaupt - waren negativ anderen gegenüber.
Er hat gern vom Tisch gewischt. Deshalb haben wir auch so gut wie nie z. B. einen Streit bereinigt, darüber gesprochen, warum und wieso es dazu kam. Er schwieg es gern tot. Einfach weiter, nur nicht mit Vergangenem beschäftigen. Auch über Emotionen herrschte gern Stille.
Dem gegenüber stand seine Eigenschaft, alle seine Ex` weiterhin irgendwie zu mögen und sich mit ihnen zu unterhalten. Außer mit mir.
Ich befürchte einerseits, er hat sich sehr wohl etwas dabei gedacht, sich mir ggü auszuschweigen, andererseits hatte er vielleicht später auch die Befürchtung, ich würde mich an seine Worte erinnern, was er im Falle eines Falles tun würde. :unsure: Vielleicht hat er auch gar nichts gedacht, was mich betrifft.
Und letztenendes hatte er wohl sowieso nur noch den Tunnelblick, und wer weiß, wie lange schon, seit er von seiner Krankheit wusste. Das waren wenige Wochen, aber vielleicht hat er da schon angefangen, bestimmte Dinge zu überlegen ...
Wirklich nah war er aber auch da seiner neuen Flamme nicht, sondern meiner Vorgängerin. Diese durfte ihm nahe sein bis (fast) zum Schluß.
Ich meinte die Freunde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich keine Gedanken gemacht haben. Sie haben es nur anders bewertet am Ende.
Leider kann man einen Menschen komplett schlecht beschreiben, wenn ihn ein anderer nicht kennt.
Freunde sind ja nicht gleich Freunde. Die einen sieht man 2x im Jahr, spricht belangloses, unternimmt wenig zusammen. Die anderen sieht man vielleicht auch nicht oft, aber schreibt hin und wieder oder telefoniert, hilft sich ggf oder gibt sich Ratschläge. Unternimmt etwas gemeinsam.
Manches Mädel wähnte ich schon als Freundin, bis ich sie beiläufig sagen hörte: "Bin gerade mit einer ehemaligen Kollegin unterwegs ...", andere bezeichneten mich als Freundin, da habe ich sie kaum kennen gelernt.

Die Länge und Qualität von dieser besagten Freundschaft ließ mich "denken", sie würden, da sie uns beide weiterhin mochten, daran interessiert sein, dass wir - also ihre Freunde - nicht nur leiden, sondern sich aussprechen sollten, weil das einfach immer der bessere Weg ist. Es ist auch, so finde ich, von Bedeutung, dass wir nicht erst ein Jahr zusammen waren, sondern uns alles in allem 40 Jahre kannten, also mein Freund und ich.
Ich habe immer die Frage in den Raum geworfen, dass ich nicht verstehe, wieso er sich SO getrennt hat, auf diese besonders beschissene Art ...
Naürlich gehe ich ein Stück weit auch von mir aus, was ich tun würde, wäre ich in so einer Situation (als Freundin). Irgendwas denkt sich ja jeder. Und wünscht sich jeder. Sonst bräuchte bzw wollte man auch keine Freunde, wenn es so gar nichts gibt, was einem verbindend erscheint.
Sehr allgemein formuliert: Eine gute Freundin holt einen zum Sport ab, wenn man keine Lust hat, sie ermutigt einen oder reicht ein Taschentuch. Sie sagt, lass uns mal einen Kaffee trinken, oder eine Runde gehen ... Bzw. kommt mit, wenn man fragt.
Oder nicht?
Dieses Freundespaar ist, was Familie betrifft, recht gut aufgestellt. (Jeder hat sein Päckchen, die beiden auch, aber ich beleuchte nur mal diese Welt im sozialen Umfeld.)
Beide, in meinem Alter, hatten sehr lange noch beide Elternteile, jetzt jeweils ein Elternteil. Sie haben sich ganz jung kennen gelernt und sind bis heute zusammen. Arbeitsplatzmäßig alles bestens. Sie können viele Sorgen und Gedanken, die ich habe oder auch mein Freund hatte, nicht nachvollziehen. Ich lebe in einer ganz anderen Welt, alleinerziehend, schon mal arbeitslos gewesen, schon lange keine Eltern mehr, usw. . Das ist so, und dennoch verstehen wir uns gut.
Aber sie konnten auch nicht verstehen, wieso ich so an meiner Liebe festgehalten habe, wo doch dies oder das nicht gepasst hat. Sie ticken eben anders. Ich habe meine Liebe behalten wollen, und Kompromisse muss man überall machen, Beziehung ist Arbeit, und Liebe sollte bedingungslos sein.

Ja, Leela, Du sagst es: Sie haben es anders bewertet. Nur eben nicht erst seit er krank war, sondern schon die ganze Zeit davor. Die Krankheit war ja eher das I-Tüpfelchen. Allerdings ist eine OP immer mit einem Risiko verbunden, es gibt viele Menschen, die davor noch einiges klären, und wenn es mit einem Stups von außen ist. Vermutlich wäre ich, wenn mir irgend jemand gesagt hätte, er sei krank, von selbst zu ihm gegangen, ich hätte einfach nur diese Scheiß-Info gebraucht. 😭
Aber schon davor, sich ein Jahr alles anzugucken, und eben nichts dazu sagen, das hätte ich mir anders gewünscht. Und leider, so dumm war ich ja selbst auch, hatte ich gedacht, ich hätte Zeit ...
Ich habe da auch falsch entschieden, das ist mir schon klar. Doch ein kleiner Anstoß von außen wirkt manchmal Wunder.

PS.: Baldige Besserung! 🤧🤒🍵
 
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Reaktionen: Leela
😔 ja, aber es ist jetzt nun mal, wie es ist, du darfst deswegen nicht ewig grübeln, sonst wirst du selbst krank. Ich persönlich glaube nicht daran, dass etwas hätte anders laufen können, als es gelaufen ist. Wir müssen sehr viele Sachen akzeptieren, so, wie sie gelaufen sind.
Es kann sein, dass er mit niemandem sprechen wollte, hättest du in dem Fall trotzdem darauf bestanden? Was hättest du ihm gerne gesagt, wenn du die Chance gehabt hättest? Was hätte es geändert oder dir gebracht? Ist es jetzt nicht egal, wo er nicht mehr da ist?
Ich frage danach, weil ich es gerne verstehen möchte. Ich kann es gut nachvollziehen, wenn Menschen z.B. sagen: ich hätte mich gerne entschuldigt und jetzt ist es zu spät. Aber du hast nichts falsch gemacht. Was hätte das letzte Gespräch noch geändert?
Vielleicht hättest du ihn in einem schlimmen Zustand erlebt, Körperlich oder psychisch , und es wäre noch schwieriger für dich, damit klar zu kommen?
 
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Reaktionen: Sonnenschein aus HE
Ja, es bringt nichts im Nachhinein Vorwürfe, Verfehlungen, Versäumnisse zu bedauern. Deine Rolle, deine Gefühle, deine Position wurde von den anderen nicht so wahrgenommen. Von ihm anscheinend auch nicht. Überhaupt, ging es ihm wohl hauptsächlich nur um sich selbst. Dein trauern bezieht sich sicherlich um alles. Um die ganzen Jahre die du ihn kennst um die Zeit die du mit ihm intensiver verbracht hast um den Schock zu erfahren was er getan hat. Das zusammen ist alles ziemlich viel und benötigt eine lange Zeit zum verarbeiten. Vorwürfe, Fragen sind nicht mehr angebracht. Nur Zeit zum heilen. Manches heilt nie. Man darf nicht aufgeben.
Mir fällt da was ein, ein ganz anderes Thema. Eine liebe Freundin ist nach 3jähriger schlimmer Zeit an Krebs gestorben. Wir hatten bis zu letzt immer Hoffnung. Sie war wie vor den Kopf gestoßen als sie erfuhr, höchstens noch eine Woche. Sie diktierte Abschiedsbriefe an ihre Lieben. Die Ehe war mies. Trotzdem hoffte sie das ihr Mann ihre letzten Wünsche erfüllte. Hat nicht geklappt. Er hat die 4jährige Tochter genommen und die Bindung zur Familie gekappt. Ich hatte immer vor, das Mädchen in den sozialen Netzwerken zu suchen und ihr zum 18. Geburtstag zu schreiben. Wollte ihr mitteilen das ich eine wirklich gute Freundin ihrer Mutter war und wir einige sehr glückliche, gemeinsame Jahre hatten und viel erlebt. Wenn sie mehr erfahren möchte wie ihre Mutter so war, würde ich gerne davon erzählen.
Ich habe es nicht gemacht.
Aber! Eines Tages erzählt mir mein Sohn das eine Bekannte mit einem Mädchen zu Schule gegangen ist, das den Namen der Tochter meiner verstorbenen Freundin trägt. Anhand der Fotos auf Insta, hab ich sie ganz klar erkannt.
Mein Sohn hat ihr geschrieben. Ihr erzählt das es ein gemeinsames Foto von ihnen beiden als Kleinkind mit Mütter gibt und ich eine gute Freundin war und mich über einen Kontakt mit ihr freuen würde falls sie mal Interessen hat. Sie hat sich freundlich bedankt. Sie Kannte das Foto nicht. Sie Hätte sich darüber gefreut - und- mehr nicht.
Was mich 20 Jahre beschäftigt hat, konnte ich endlich abhaken. Es war nur in meinem Kopf.
 
😔 ja, aber es ist jetzt nun mal, wie es ist, du darfst deswegen nicht ewig grübeln, sonst wirst du selbst krank. Ich persönlich glaube nicht daran, dass etwas hätte anders laufen können, als es gelaufen ist. Wir müssen sehr viele Sachen akzeptieren, so, wie sie gelaufen sind.
Nein, sicher nicht, aber wir ... ich, hätte Dinge klären können.
Es ist besser, Abschied zu nehmen, wenn man noch sagen konnte, was einem auf der Seele brennt. Ich habe was schönes gelesen, bereits kurz nach der Trennung, da war an Tod nicht zu denken: " ... Es ist wichtig, dass wir nicht mit dem Gefühl zurück bleiben, dass wir nicht gesagt haben, was wir fühlten. Denn Lebewohl sagen schmerzt noch mehr, wenn auf unserer Feder noch Tinte haftet. Wenn wir sie nicht benutzen, trocknet sie ein und wir können unsere Feder dann nicht mehr zum Schreiben verwenden ...".

Aber vielleicht ... vielleicht ist es auch nur diese Gewissheit, das es zu spät ist. Solange der andere Mensch noch lebt, egal, wie lange es her ist, solange hat man immer die Möglichkeit, Kontakt zu suchen. Fragen zu stellen. Egal, was rauskommt, aber man könnte etwas unternehmen ... es versuchen. Es gibt eine Chance!
Doch mit dem Tod ist gewiss, das absolut nichts mehr machbar ist.
Es kann sein, dass er mit niemandem sprechen wollte, hättest du in dem Fall trotzdem darauf bestanden?
Ich wäre in diesem Fall trotzdem zu ihm gegangen, und, so vermute ich, er hätte mich nicht rausgeschmissen. Vielleicht geschwiegen über die mir wichtigen Themen. Und hätte er mich rausgeworfen, dann wäre ich gegangen. Aber immerhin hätte ich es versucht.

Was hättest du ihm gerne gesagt, wenn du die Chance gehabt hättest? Was hätte es geändert oder dir gebracht? Ist es jetzt nicht egal, wo er nicht mehr da ist?
Ich frage danach, weil ich es gerne verstehen möchte. Ich kann es gut nachvollziehen, wenn Menschen z.B. sagen: ich hätte mich gerne entschuldigt und jetzt ist es zu spät. Aber du hast nichts falsch gemacht. Was hätte das letzte Gespräch noch geändert?
Vielleicht hättest du ihn in einem schlimmen Zustand erlebt, Körperlich oder psychisch , und es wäre noch schwieriger für dich, damit klar zu kommen?
Verzeihen ist ein Prozeß. Man, ich, habe noch nicht erlebt, dass ich sage, gut, ich verzeihe, und schon ist es passiert.
Je nach Thema grübelt man noch etwas, fragt, spricht, überdenkt, berührt das Thema, bis man eines Tages feststellt, es ist "gut". Es ist verziehen. Verarbeitet.
Einen solchen Vertrauensbruch zu verzeihen (denn er hat ja mit mir genau das gemacht, was er selbst immer total schlecht fand, wenn man sich trennt) kostet Kraft und Zeit - und im besten Fall Erklärungen bzw Gespräche.
Wir haben das schon einmal gemacht, und uns paar Mal getroffen nach unserer ersten Trennung ziemlich am Anfang, die einige Wochen dauerte. Wir haben uns getroffen und geredet. Mehrmals. Das war gut. Ohne Option auf eine Fortsetzung der Beziehung.
Seinen Schritt der Trennung verzeihen und verstehen - wie denn? Das hätte ich ihn gern gefragt, wie er sich das vorgestellt hat.
Natürlich hätte ich nicht gewußt, wie wenig Zeit er noch gehabt hat, aber meine Ängste, was krank und aussprechen betrifft, und evtl "letzte Gelegenheit", sind nun einmal sehr real und von mir mehrfach erlebt. Was hätte ich denn verlieren können?

Nein, es ist nicht egal, jetzt, "wo er nicht mehr da ist". Für mich als diejenige, die mit seinem Tod leben muss, schon gar nicht.
Am Totenbett, wenn nur noch einer reden kann, ist es etwas anderes, als wenn man es zu Lebzeiten sagt. Gegenseitig verzeihen, alles, was gewesen ist im Leben. Was einen verärgert hat, was den anderen verärgert hat. Um Verzeihung bitten.
Ich habe beides erlebt, an einem Sterbebett und an einem Totenbett. Es ist ein Unterschied dabei. Und wenn man es zu Lebzeiten gegenseitig sagen kann, wie gut muss das dann erst tun ...! Eine dringende Gelegenheit dazu ist eben eine bevorstehende Operation oder eine Krankheit, die nicht heilbar ist (wenngleich auch nicht unbedingt tödlich).



Ja, es bringt nichts im Nachhinein Vorwürfe, Verfehlungen, Versäumnisse zu bedauern.
Was gibt es dem schon entgegenzusetzen? Das stimmt genau.
Doch wie geht man damit um? Lebt weiter? Ist es einem deshalb schlagartig egal? Der andere ist tot, nun, dann sei 's drum?
Solche Menschen mag es geben, die weitergehen, als wäre nichts passiert. Die sich selbst nicht beleuchten, und der andere - nun, der ist ja ohnehin nicht mehr ...
Es bringt nichts, außer, dass man sich damit auseinandersetzt. Mit seiner Trauer, mit seinem eigenen (vermeintlichen) Versagen, mit den Fehlern und Schwächen - und manchmal der Erkenntnis, man hätte nichts anders machen können.
Aber das braucht Zeit, wie Du auch sagst:
Deine Rolle, deine Gefühle, deine Position wurde von den anderen nicht so wahrgenommen. Von ihm anscheinend auch nicht. Überhaupt, ging es ihm wohl hauptsächlich nur um sich selbst. Dein trauern bezieht sich sicherlich um alles. Um die ganzen Jahre die du ihn kennst um die Zeit die du mit ihm intensiver verbracht hast um den Schock zu erfahren was er getan hat. Das zusammen ist alles ziemlich viel und benötigt eine lange Zeit zum verarbeiten. Vorwürfe, Fragen sind nicht mehr angebracht. Nur Zeit zum heilen. Manches heilt nie. Man darf nicht aufgeben.
Fragen finde ich dennoch wichtig, um irgendwann Ruhe einkehren lassen zu können.
Dabei muss die Antwort, die man nur noch selbst finden kann, gar nicht so bedeutend sein. Richtig oder falsch. Wichtig ist, dass man sie für sich einordnen kann.
Mir fällt da was ein, ein ganz anderes Thema. Eine liebe Freundin ist nach 3jähriger schlimmer Zeit an Krebs gestorben. Wir hatten bis zu letzt immer Hoffnung. Sie war wie vor den Kopf gestoßen als sie erfuhr, höchstens noch eine Woche. Sie diktierte Abschiedsbriefe an ihre Lieben. Die Ehe war mies. Trotzdem hoffte sie das ihr Mann ihre letzten Wünsche erfüllte. Hat nicht geklappt. Er hat die 4jährige Tochter genommen und die Bindung zur Familie gekappt. Ich hatte immer vor, das Mädchen in den sozialen Netzwerken zu suchen und ihr zum 18. Geburtstag zu schreiben. Wollte ihr mitteilen das ich eine wirklich gute Freundin ihrer Mutter war und wir einige sehr glückliche, gemeinsame Jahre hatten und viel erlebt. Wenn sie mehr erfahren möchte wie ihre Mutter so war, würde ich gerne davon erzählen.
Ich habe es nicht gemacht.
Aber! Eines Tages erzählt mir mein Sohn das eine Bekannte mit einem Mädchen zu Schule gegangen ist, das den Namen der Tochter meiner verstorbenen Freundin trägt. Anhand der Fotos auf Insta, hab ich sie ganz klar erkannt.
Mein Sohn hat ihr geschrieben. Ihr erzählt das es ein gemeinsames Foto von ihnen beiden als Kleinkind mit Mütter gibt und ich eine gute Freundin war und mich über einen Kontakt mit ihr freuen würde falls sie mal Interessen hat. Sie hat sich freundlich bedankt. Sie Kannte das Foto nicht. Sie Hätte sich darüber gefreut - und- mehr nicht.
Was mich 20 Jahre beschäftigt hat, konnte ich endlich abhaken. Es war nur in meinem Kopf.
Und dort war es solange drin, bis Du es "geklärt" hast. Für Dich beendet hast.
Ich hatte (vielleicht vergleichbar?) eine Freundin, die mit 11 Jahren gestorben ist. All die Jahre habe ich mich nicht getraut, bei ihren Eltern nachzufragen. 22 Jahre danach, als das Grab schon hätte weg sein können, habe ich Anlauf genommen und bei der zuständigen Stelle danach gefragt. Es war noch da, und ich bin endlich hingegangen ... Zum ersten Mal.

Aus solchen Gründen hatte ich mein Vorhaben, ihm einen Brief zu schreiben. Doch dazu kam es nun nicht mehr, und nun stehe ich mit dem ganzen Kram, meinem ganzen Jahr voll Trauer und Schmerz, Unverständnis und Wut, allen Gedanken dazu und jetzt noch der krönenden Unfassbarkeit seines Weggangs da. Der ganze Berg türmt sich in meinen Armen, quillt über, fällt tlw herunter ... Da hilft nur ordnen, aussortieren, Stück für Stück, abtragen, einheften, schreddern - je nachdem.

Meine Mutti hat eine unschöne Scheidung erlebt und meine Schwester ist recht jung Witwe geworden. Meine Schwester sagte: Wenn er wenigstens noch leben würde, besser Trennung als tot ... Meine Mutti sagte darauf: Dann würdest Du ihn nur noch hassen ...
Ich habe jetzt quasi irgendwie beides ...
 
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