wenn man es versiebt...

moritz

Neuer Benutzer
03. Okt. 2003
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Hallo miteinander

Ich hoffe, ich kann mit diesem Beitrag, anderen eine Trennung ersparen und vielleicht kriege ich nette Kommentare a la "es wird schon wieder".

Meine Freundin trennte sich von mir, weil ich nichts dagegen tat. Ich fühlte es schon länger, dass etwas nicht stimmte. Sie gab mir auch sogar Hinweise dafür. Nur war ich nicht im Stande diese ernstzunehmen. Es gab keinen Streit, aber man fiel in eine Monotonie und da gibt es einfach Spannungen. Zum Trott kam dann auch noch meine Schwäche dazu, ich kann über meine Gefühle nur selten sprechen oder schreiben. Ebenso vernachlässigte ich meine Bedürfnisse, gesellschaftlich, sportlich, sexuell. Sie versuchte vergeblich, ihre Bedürfnisse mir klar zu machen, auch sie hatte sexuelle Bedürfnisse, die ich nicht erfüllte (hey, glaubt mir, so dumm sind nur ganz wenige). Naja, auf jeden Fall kamen noch andere Dinge dazu, die alleine nicht genug gewesen wären. Die Trennung erfolgte nicht überraschend, obwohl beide gehofft hatten, sie abzuwenden. Mich erwischte es dennoch heftig. Trotzdem bin ich unsicher, ob ich überhaupt noch will mit ihr zusammensein. Das ganze ist sehr aufreibend, weil ich es verhindern hätte können mit Rücksicht, Aufmerksamkeit und ein Schuss Abenteuer und ich ambivalent fühle (mal möchte ich sie wieder, dann finde ich die Trennung doch besser). War drei Jahre mit ihr zusammen, war die zweite lange Beziehung und ich habe es nicht gelernt, hoffe auf das nächste Mal...

Schönen Gruss

Moritz

 
Hallo Moritz

Du hast es schon gesagt, du hast es nicht gelernt.

Nach der anfänglichen Verliebtheit setzt nun mal der Alltag ein. Eine Liebe kann das überstehen. Man muß aber an einer Liebe auch arbeiten. Sie füttern, streicheln. Sie lebt und will gepflegt werden sonst geht sie ein.

Ich bin sicher du weißt das.

Vielleicht war sie einfach nicht die Richtige.

Wenn SIE kommt wird dein Herz dir schon sagen, was du tun mußt.

Ist die Trennung schon länger her? Du kommst mir so ruhig und abgeklärt vor.

 
Hallo Pauline

Ja, leider habe ich es vorher und auch jetzt gewusst. Ich bin mir ja selbst nicht sicher, warum ich nichts unternommen hatte. Zweifel hatte nicht nur sie... Aber trotzdem, ich bin mir sicher, dass wir ein Zukunft hätten/hatten, falls ich mich ändere. So einfach ist es ja doch nicht, sie müsste auch was beitragen, aber hätte ich vor einem Jahr begonnen, etwas zu änderen, wären wir noch zusammen, wahrscheinlich. Also eine Richtige ist sie zumindest, hoffentlich nicht DIE Richtige, sonst wirds böse.

Verdammt wie kann man nur so blöde sein. Das war sicher auch ein Punkt, ich konnte ihr meine Haltung nicht erklären, könnte es immer noch nicht.

Die Trennung ist etwa zwei Wochen alt... Abgeklärt bin ich eigentlich immer. Auch so ein Zug von mir, der kann auf den Partner echt scheisse wirken, distanziert, emotionslos etc.

Aber so emotionslos bin ich nun den doch nicht. Die Trennung habe ich einfach noch nicht ganz erfasst. Ich weiss auch nicht, ob ich sie wirklich liebe und sie deshalb zurück will, oder einfach weil ich einen geliebten Menschen vermisse, oder aus Gewohnheit. Ich hoffe immer noch, dass es nur ein böser Traum ist.

 
Moritz

Das ist auch so eine Sache, daß du nicht weißt ob du SIE liebst oder die Gewissheit da ist jemand der zu dir steht, der dich liebt, der für dich da ist. Sie ist IMMER da aber jetzt ist sie weg. Fühlst du so weil du nicht alleine sein willst,...

Diese Gedanken kenne ich auch.

Wenn du jetzt nicht mal sagen kannst was dich dazu bewogen hat NICHTS zu unternehmen, wie soll dir da jemand helfen können?

Man könnte sagen sie sei dir nicht wichtig genug, aber das glaube ich nicht.

Kann es vielleicht sein, daß du irgendwann mal bitter enttäuscht wurdest? Von einer Partnerin, einem Freund, den Eltern...

Dann könnte es nämlcih sein, daß du innerlich dagegen sperrst Gefühle zuzulassen. Wenn SIE nämlcih merkt daß du sie liebst und Gefühle hast machst du dcih verletzbar.

Hast du daran schonmal gedacht?

 
Alleine möchte ich bestimmt nicht sein. Das ist sicher ein Beweggrund, dass ich nicht klar denken kann. Lieben tu ich sie, aber verdammt ich weiss einfach nicht.

Na, das ist ja das Verückte, sie wäre sicher bereit gewesen mir zu helfen, aber bloss wobei? Da verstehe ich sie, dass sie geht. Wieso bleiben, wenn er nicht sagen kann, wo das Problem liegt?

Wichtig ist sie mi. Nur hätte ich das mal zeigen sollen. Sie ist sich auch sicher, dass ich sie liebe und sie mir wichtig ist, aber wissen und sehen sind zwei Sachen.

Mein Vater enttäuschte mich, als er die Familie verliess. Hiermit lässt sich sicher ein Teil meines Verhaltens erklären... Leider...

Gegen Gefühle sperren? Nein, das weniger, naja, vielleicht schon. Gefühle lasse ich zu, aber genauso möchte ich die Gefühle kontrollieren. Aber leider muss ich gestehen, dass ich trotzt dieses Wissens, es nicht zulassen kann. Ich glaube Du hast was sehr gutes geschrieben. Die Beziehung war ja gedacht für etwas Ernsteres. Sie ist jetzt dreissig, ich 25, da muss es schon klar sein, was man will. Kann sein, dass ich realisierte, wie ernst es ist und mich dagegen sträubte, da hätte ich ja ein Teil von meiner Kontrolle abgeben müssen...

Danke Pauline!

Bloss was jetzt nun? Psychotherapie?

 
Du sagst es!

Ich hab genau das gleiche Problem. Ganz genau das gleiche.

Habe mich gestern bei meiner Psychotherapheutin vorgestellt und fange jetzt eine Therapie an.

Ich weiß noch nicht was bei rum kommt, aber sie wird helfen daß man andere Ansichten vom Leben und seinen Seiten bekommt.

Es gibt Optimisten und Pessimisten. Die müssten auch lernen es anders zu sehen. Einfach anders zu sehen.

Wenn eine Beziehung wegen so etwas kaputt geht dann leidet man sehr darunter und gibt sich alleine die Schuld daran. Was ja auch stimmt.

Dann ist man traurig und weiß gar nicht so recht wie man es hätte verhindern sollen.

Man schiebt die Person ja nicht absichtlich beiseite.

Die Gefühle baut man auf wie jeder andere auch, aber manzeigt sie nicht so. Das ist ein Zeichen von Schwäche. Und wir wollen ja stark sein , für alles Verantwortung tragen und alles kontrollieren.

Ich delegiere meine Kolleginnen aber kontrolliere trotzdem immer alles nach um ganz sicher zu sein.

Vertrauen aufzubauen ist sowieso fast unmöglich geworden, leider!

 
Ich wünsche Dir viel Glück bei der Thera. Meine Freundin hatte Depressionen und war deshalb in Therapie. Die Fortschritte, die sie in den drei Jahren machte, waren grandios.

Leider bin ich hier zu sehr Mann (oder zu blöde, was das Gleiche sein kann). Ich möchte nicht, dass jemand meine Gedanken oder Gefühle aufstöbert, die sind mir manchmal schon zuviel. Ehrlich, das klingt doof, aber mir kommt das so vor, wie die Hosen beim Arzt runterzulassen oder sich im Krankenhaus den Po abwischen zu lassen. Da braucht es sehr viel Überwindung. Ich bewundere jeden, der diesen Schritt macht, aber ich brauch glaub noch ne Weile (bis zum Zeitpunkt, wo es nicht mehr weh tut und ich es vergessen, dann kann ich nämlich genau gleich weiteremachen :mauer: ).

Du hast vollkommen recht, die Personen schiebt man nicht absichtlich zur Seite, das passiert einfach und es braucht ne Menge sie wieder näher zu bekommen. Delegieren kann ich leider noch nicht, bin ja noch am Studieren, aber irgendetwas machen ohne zu wissen, was abgeht, da mach ich nicht mit. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

 
Du mußt dann wissen was dir wichtiger ist. Das du dieses "Problem" in den Griff bekommst und dafür die Hosen runterläßt, oder du bleibst verschwiegen und dafür ändert sich nichts an deinem Problem.

Das ist nicht so schlimm. Nix mit aufs Sofa legen und so.

Aber du mußt es wollen und du mußt einsehen daß es ein Problem ist was wichti genug ist daß man sich dessen annimmt.

Wie bekommst du diese Personen näher? Man merkt doch garnichtmal wie abweisend man zu ihnen ist.

 
Ich gebe Dir in allen Punkten recht. Ich werde es mir mal überlegen, wichtig genug wäre es ja.

Ich habe doch manchmal gemerkt, dass ich abweisend bin. Obwohl ich das eigentlich nicht bin, ich rede nur nicht mit jedem und schon gar nicht über alles, besonders über mich. Nähre komme ich den Menschen, indem ich doch manchmal was sage, die Menschen müssen mir aber sehr sympathisch sein und ich nicht mehr nüchtern. Naja, manchmal merk ich es auch und mache trotzdem nichts dagegen, weil ich nicht weiss wie. Die Freundin hat es mir mehrmals gesagt, dass ich zu anderen Menschen abweisend wäre, da habe ich es auch eingesehen, aber nur in den wenigsten Fälle, machte ich was dagegen.

 
Naja, in dem Moment wo man es gesagt bekommt sieht man es auch ein. Manchmal kommt die Erkenntnis auch von ganz alleine. Aber das schützt leider nicht vor Wiederholungstaten, weil man es dann wieder nicht merkt.

Was hast du eigentlich gemeint mit den unerfüllten Bedürfnissen deinerseits?

 
Einen Schutz gibt es leider nicht, habe selber x Wiederholungen gehabt. Die Einsicht ist leider ein sehr kurzes Erlebnis.

Ich konnte ihr meine Bedürfnisse nicht mitteilen. Das waren teils alltägliche, wie ich würde gerne mit Dir was Tolles erleben, weil Du ja ganz was Besonderes für mich bist. Oder auch ich möchte gerne mehr mit meinen Freunden fort. Verschwiegenheit reicht da nicht mehr aus, da muss noch ne grosse Portion Faulheit hinzukommen, vielleicht wollte ich einfach nicht meine Bedürfnisse äussern, da sie was Intimes sind. Anderseits waren es auch besondere Bedürfnisse, wie die Sexualtiät. Ich habe, wie hoffentlich jeder, sexuelle Wünsche, Träume etc. Die konnte ich meiner Partnerin nicht sagen, obwohl sie sehr offen ist. Zu schämen hätte ich mich nicht gebraucht. Aber auch da wollte ich nichts sagen und wollte auch nicht darüber nachdenken, da die Bedürfnisse vielleicht zu stark geworden wären. Lieber drauf verzichten, als sich seelisch entblösen. Ich weiss, das klingt ziemlich verrückt, aber was soll ich tun? Meine Bedürfnisse waren nie ein Thema. Ihre hingegen schon, so weit diese mich nicht zu sehr involvierten, erfüllte ich sie, aber wenn ich zuviel Intimität (sexuell und emotionell) zulassen sollte, ging es nicht.

 
Das ist ja noch viel schlimmer als ich dachte 8o

Du sagtest doch, du könntest Menschen die du magst deine Gefühle zeigen. Naja, einen Teil deiner Gefühle.

Deine Freundin ist doch (fast) der wichtigste Mensch in deinem Leben. Warum ging das bei ihr nicht?

Du hast solche Angst, daß deine Gefühlsgeständnisse gegen dich verwendet werden, daß du alles bei dir behältst?

Was kann denn passieren wenn du dich jemandem anvertraust?

Selbst wenn dich einer auslacht, kannst du da nicht drüber stehen? Hast du auch noch ein angekratztes Selbstbewußtsein?

 
Es ist schlimm.

Ich kann Menschen meine Gefühle zeigen, aber nur sehr selten und nur in speziellen Warum es bei ihr nicht ging, weiss ich nicht. Sie zweifelte nie an meiner Liebe. Ich weiss echt nicht. Ich vertraue mich anderen Menschen an, jetzt sogar der ganzen Welt. Ok ist nicht ganz dasselbe wie in der Realität. Mein Selbstbewusstsein ist nicht angekratzt. Gefühlsgeständnisse sind nicht das Problem. Es fehlt einfach ein letzter Teil, der eine emotionale Verbundenheit erschaffen könnte, die mich binden würde und so Anhängikeit schafft.

Auslachen ist für mich kein Problem. Minderwertig fühle ich mich nicht, eher das Gegenteil.

Manchmal hatten wir sehr gute Gespräche, die blieben aber selten. Habe irgendwo ein kleine Ecke ab. Weiss bloss nicht, wie ich sie wieder anleimen kann.

 
Du mußt doch vor irgendwas Angst haben. Was kann denn passieren wenn du deine Gefühle preisgibst?

 
Gute Frage... Passieren kann nichts, ausser in meinem Kopf.

Meine Gefühle, Gedanken gehören mir. Die gehen niemanden was an. So bleibe ich in der stärkeren Position. Ich weiss mehr als der Andere. Er ist somit verwundbarer. Das Öffnen meiner Gefühls- oder Gedankenwelt würde mir die Kontrolle zum Teil wegnehmen. Ich müsste vertrauen, mich fallen lassen. Einfach darauf vertrauen, dass meine Gedanken, Gefühle nicht missbraucht werden. Oha! Doch ein bisschen Minderwert.

Kannst Du ohne Problem in ein Flugzeug steigen? Dir die Augen verbinden lassen und durch die Stadt geführt werden? Von jemanden blind was ins Maul gesteckt bekommen und es auch essen?

 
Nein, das kann ich auf keinen Fall. Ich habe vor 6 Jahren auf ner Kirmes in einer Schiffschaukel gesessen. Dann hab ich so lange geschrien bis sie das verdammte Ding angehalten haben und mich rausgelassen haben! Bei sowas hab ich nämlich nicht in der Hand wann es wieder aufhört. Ich bin auf andere angewiesen und das geht gar nicht! Ich muß es steuern können und sonst keiner.

Wenn du mehr über deine Gefühle weißt als der andere was macht ihn daran verwundbar?

Du machst dich verwundbar wenn du von deinen Gefühlen erzählst.

 
Geht mir gleich. Bei meinen Trip nach London war ich voll mit Beruhigungsmitteln, zum Glück war die Ex in Thera und kam zu solchen Mitteln. (ich weiss, es ist keine Lösung nur Symptombekämpfung, also keine gute idee, mir das nachzumachen)

Normalerweise erzählen die Menschen von sich. Darum weiss ich mehr als sie. Sorry, hab mich unklar ausgedrückt.

Ich würde mich verwundbar machen, wenn ich über meine Gefühle rede. Sie gehen das Risiko ein, darum sind sie verwundbarer.

 
Ja jetzt hab ich es verstanden.

Also ist deine Angst verletzt zu werden auf Gefühlsebene.

Dann überleg mal was für dich so schlimmes im Kopf passieren kann wenn du dich quasi vor anderen ausziehst?

Das ist dann wieder das mit der Kontrolle verlieren, stimmts?

Nimm dir mal einen guten Freund zur Seite und laß dir die Augen verbinden. Dann stellt er sich hinter dich und du mußt dich fallen lassen. Er muß dich natürlcih auffangen.

Das wird so schnell nicht klappen, aber versuch es solange bis es klappt.

Dann kannst du schonmal einen Teil Vertrauen in die menschheit wieder aufbauen.

 
Na das mit dem Freund hilft nicht. Ich klettere und da ist man auf den anderen angewiesen, sonst kanns übel enden. Aber das ist physisch. Ich habe ja die Kontrolle und wenn ich sie verliere, hält das Seil, ansonsten bin ich tot oder habe ein Bruch.

Ich weiss einfach nicht... Es fehlt einfach immer ein Stück, das ich nicht preisgeben möchte. Es ist nicht ein Unvermögen über Gefühle zu sprechen. Es fehlt der Wille dazu, das letzte zu eröffnen. Mich selbst ihr zu zeigen, nicht nur ein Teil von mir.

 
Wenn du dich fallen läßt verlierst du die Kontrolle! Da ist kein Seil was dich hält.

Du kannst nicht über Gefühle sprechen. Du kannst die Worte sagen und schreiben aber du kannst nicht wirklich drüber sprechen.

Da ich keine Psy. bin kann ich dir leider auch nicht weiterhelfen. Aber du solltest wirklich mal in Erwägung ziehen daß einem Therapeuten zu erzählen.

Wenn du alleine keine Lösung findest mußt du dir helfen lassen. Sonst wirst du diese Probleme immer wieder bekommen und läufst Gefahr als Eisblock abgestempelt zu werden.