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Brauche dringend Meinungen!

79 Antworten5'009 AufrufeGestartet von kimiluna ·

kimilunaThemenstart
#1
Ich eröffne jetzt an dieser Stelle doch noch mal einen neuen Thread, wobei ich das Grundproblem hier auch schon im Thema von Kati 3 "Hab ich mich falsch verhalten?" geschildert habe

Mein Freund (oder eher ein Freund, von dem ich gerne hätte, dass er wieder meiner wird) ist 32 und leidet unter Depressionen. Er hat damit schon seit etwa 10 Jahren zu kämpfen und ist vor einem Jahr freiwillig in eine Klinik gegangen, um sich behandeln zu lassen. Von Juli - Ende letzten Jahres waren wir ein Paar und ich hätte daran auch nichts geändert.

Er hat die Beziehung damals beendet, weil er sich nicht zutraute, genügend Verantwortung übernehmen zu können, um eine (funktionsfähige) Bindung einzugehen. Er wollte Zeit, um erstmal sein eigenes Leben in den Griff zu kriegen.

Die habe ich ihm gegeben, aber langsam weiß ich nicht mehr, ob ich noch lange die Kraft dazu habe (untätig) zu warten.

Er ist mir so enorm wichtig und das weiß er auch. Ich habe es nicht geschafft, ihn nicht mehr zu sehen. Das hat auch keiner von uns gewollt und so haben wir uns regelmäßig (so weit das bei 500 Km Entfernung, die leider -als zweites Problem- zwischen uns liegen, möglich war) gesehen und dann war die Zeit für beide auch immer wunderschön, nur reicht mir das so halt nicht...

Er hat mir -wenn er denn dann mal in der Lage war, über seine Gefühle zu sprechen, die er momentan sehr unterdrückt- auch immer gesagt, dass ich ihm auch wichtiger bin als eine "normale" Freundin, zu seiner Zukunftsvorstellung gehöre usw.

Unter Druck setzen wollte ich ihn NIE, aber ewig nur hoffen, ohne genaues zu wissen, hab ich auch nicht ausgehalten. Es scheint, als hätte ich also doch das erreicht, was ich unbedingt vermeiden wollte: Er hat sich von mir zurück gezogen und sich seit einer Woche nicht mehr gemeldet!!!

Ist an dieser Gleichgültigkeit seine Depression schuld, so wie ich vermute? Will er mich womöglich nicht mit seiner negativen Stimmung runter ziehen? Aber, Ignoranz seinerseits zieht mich doch auch runter...

Oder, lässt er mich jetzt eiskalt auflaufen, weil eben doch nichts dran ist an seinen Gefühlen?

Heute habe ich die "Funkstille" dann nicht mehr so ganz ausgehalten und ihm im Messenger geschrieben, wo er aber den ganzen Tag schon "abwesend" markiert ist und auch bisher nicht darauf reagiert hat. Nun überlege ich ernsthaft, ihn heute doch mal von mir aus anzurufen, obwohl er eigentlich letzten Freitag sich schon bei mir gemeldet haben wollte. Er hat es schon häufiger mal gebracht, verabredete Zeiten für Telefonate nicht richtig einzuhalten, aber soooo lange hat er mich noch nie warten lassen und diesmal ignoriert er mich ja wirklich total. ?(

Also, meine Frage: Was würdet ihr machen? Weiterhin warten bis von ihm etwas kommt (was mir aber -gerade jetzt wieder- soooo unendlich schwer fällt) oder doch wieder auf ihn zugehen, um endlich mal Klarheit zu schaffen? Ich bin jetzt wieder unsicher...

Was meint ihr denn zu der Situation?

Danke, LG Kimi

P.S.: Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass wir uns zuletzt am 11. Juli gesehen haben und er eigentlich Anfang August wieder zu Besuch kommen wollte...

#2
Guten Morgen!

Es haben doch schon ne ganze Menge Leute das hier gelesen: Hat denn keiner von euch einen Rat/Tipp für mich? Braucht ihr mehr Infos? Dann fragt doch mal, was ihr wissen wollt und ich versuche so gut wie möglich, zu antworten.

Habe auch schon einige Threads hier reingestellt, vorher, und ich weiß, dass ich eigentlich selbst gesagt habe, dass ich ihn kommen lassen wollte, ABER: Jetzt zweifle ich halt wieder daran, ob das der richtige Weg ist. Vielleicht meldet er sich ja wirklich nicht bei mir, weil er mich nicht runterziehen will oder belasten, aber er müsste doch merken, dass die Situation so genauso an mir nagt, oder?

Helft mir doch bitte!

#3
Hallo Kimiluna

wir haben uns ja schon mal kurz über die Krankheit unterhalten, im Thread von Kati.

Ich würde ihn mal unverbindlich anfragen, ob noch alles ok ist für den Besuch im August. Oder gibt es sonst etwas, dass noch nicht klar ist dafür? Das würde ihn nicht unter Druck setzen, und du kannst raushören, ob er wieder einen "Schub" hatte.

Ist er noch in der Klinik?

Ich finde es toll, dass du so zu ihm hälst! Das schaffen nur starke Menschen!

Viel Kraft und Mut

Jessi

#4
Danke dir, Jessi, für deine lieben Worte!

Also, in der Klinik war er nur etwa 2 Monate, bis September letzten Jahres, aber seit Dezember macht er eine ambulante Gesprächstherapie mit, die, so sagte er mir bei unserem letzten Gespräch (Mitte Juli), in etwa 3 - 4 Sitzungen (sprich: sehr bald) endet. Ich habe daauf spontan gesagt, dass er ja aber nicht geheilt sei und gefragt, ob er über Fortführung der Therapie nachdenke. Das hält er aber nicht für nötig...

Die Therapie hat ihm -nach eigener Aussage- schon geholfen, bestimmte Dinge anders wahrzunehmen, aber, er hat mir auch oft erzählt, dass er seiner Therapeutin längst nicht alle seine Gedanken anvertrauen konnte.

Letzten Donnerstag (bevor die Funkstille losging) konnte ich schon aus einem Chat rauslesen, dass die Sache mit dem Besuch im August (nebst Uni + Hausarbeiten...) schon einer der Faktoren war, die in unter Druck setzten. Er wolle zwar immer noch kommen und diesmal auch länger bleiben, bat aber darum, ein ausführlicheres Gespräch darüber auf den nächsten Tag zu verschieben.

Tja, und das hat dann seitdem nicht statt gefunden.

Du meinst also, ich solte mich jetzt bei ihm melden und nochmal nachfragen, was jetzt mit eben diesem Besuch ist, statt zu warten, bis er von sich aus darauf anspricht?

Wenn ich wirklich wissen will, ob es ihm wieder schlechter geht/ging, muss ich wohl handeln... Aber es wäre doch gänzlich falsch, ihm dann mit Vorwürfen zu kommen, oder?

Was meinst du? Noch andere Meinungen?

#5
Liebe Kimiluna

besser keine Vorwürfe, dass könnte ihn gleich wieder zurückwerfen.

Wenn er allerdings selber denkt, dass er quasi geheilt ist, dann ist es dein gutes Recht zu wissen, ob er denn nun kommen will oder nicht.

Du willst doch sicher auch die Zeit planen.

Ausserdem, du weisst so viel von ihn, er hat sich dir anvertraut (es ist nicht einfach zuzugeben, an einer Depression zu leiden), dass du ruhig direkt fragen kannst, wie es ihm geht.

Und du hast sicher schon herausgefunden, dass einmal fragen nicht reicht; es geht beim ersten Mal immer gut...

Kennst du ihn schon seit den 10 Jahren oder kürzer? Wie habt ihr euch kennengelernt?

Liebe Grüsse

Jessi

#6
Liebe Jessi!

Danke nochmal, hilft mir schon sehr, mit jemandem reden zu können.

Zur Klärung deiner Fragen:

Nein, ich kenne ihn noch keine 10 Jahre, sondern jetzt etwas über 1 Jahr (bin ja auch gerade mal 22, also 10 Jahre jünger als er) und kennen gelernt haben wir uns eben in besagter Klinik (krieg jetzt bitte keinen Schock: Ich weiß selbst, dass das nicht die Idealvorraussetzung ist und viele sag(t)en auch, dass wir sowieso keinen Chance hätten).

Ich allerdings finde, dass es durchaus auch gerade eine Chance sein kann, sich unter diesen Umständen näher zu kommen. Die Realität bleibt da halt erst mal außen vor und man hat Zeit + Ruhe genug, sich voll und ganz auf sich selbst zu konzentrieren und eben auch die Möglichkeit GANZ viel miteinander zu reden und zwar weitaus intensiver, als man es täte, wenn man sich "draußen" kennenlernte.

Ich litt an paranoider Psychose, die bei mir gepaart war mit Depressionen, zum Glück weitaus schneller erkannt und entsprechend geheilt, als bei meinem "Freund". Als er in die Klinik kam, habe ich sehr schnell gemerkt, dass ich in ihm so etwas wie einen Seelenverwandten (es mag abgeddroschen klingen, ich hab's aber so empfunden) gefunden habe. Zum ersten Mal gab es einen Menschen, dem ich wirklich alles anvertrauen konnte und der mich einfach (so wirkte es auf mich) bedingungslos verstanden hat. Das Gefühl hatte ich zuvor noch NIE und war natürlich besonders in der Situation sehr hilfreich.

Wir haben zwei Wochen quasi permanent zusammen gehangen, sind Eis essen gegangen oder in den Park, haben "Scrabble" gespielt und was man halt so machen kann, wenn man nur beschränkt raus darf. Und die Abende/Nächte haben wir immerintensiv dazu genutzt, nebeneinander liegend Musik zu hören oder uns zu unterhalten. Ich hatte aber keinesfalls auf dem Plan, daraus eine Bez. werden zu lassen, bis er davon anfing, es "störend" zu finden, wenn ich mich anderen Männern zugewendet habe. So kamen wir dann zusammen, in dem Wissen, dass insbesondere der Sprung in den Alltag (der für ihn die Rückkehr in seine Heimatstadt bedeutete) sich nicht einfach gestalten würde.Wir hatten uns aber auch geschworen, nicht zu den Paaren gehören zu wollen, die sich in der Klinik finden und nach Entlassung wieder "fallen lassen".

Nachdem ich aus der Klinik entlassen wurde, haben wir uns weiterhin fast täglich gesehen (natürlich hatte er auch da "Down-Phasen", in denen es schwer war, an ihn ranzukommen: Er hat häufig von der Angst gesprochen, dass ihm wieder alles über den Kopf wächst, dass er es nicht schafft, seinen Alltag selbst zu gestalten und dass ihm die Verantwortung zu viel wird. Einmal wollte er sogar aus der Klinik abhauen, rief mich dann von der Autobahn an und ich konnte ihn von der Rückkehr überzeugen). Aber wir blieben zusammen, auch noch als er zurück in seine Heimat ging. Er kam noch einmal zurück, um restliche Sachen zu holen. In den Herbstferien habe ich zwei Wochen bei ihm verbracht - eine wunderschöne Zeit! :verliebt: :heulen:

Anfang November kam er wieder für ein Wochenende und Ende Nov. war ich nochmal da. Mitte Dez. war er wieder da & wir sprachen über Weihnachtspläne: Ich hätte gerne gehabt, dass er Weinachten kommt, doch er wollte in der Zeit Taxi fahren (gibt das meiste Geld), also haben wir das nächste Treffen für Sylvester geplant - und ich war seelig...

Mittwoch vor seinem Kommen, schrieb er mir noch eine liebe SMS, dass er mich vermisse und jetzt gerne bei mir wäre, um mir zu helfen (ich trage Zeitungen aus). Freitag kam er dann, war sehr platt (was ich auf die lange, anstrengende Autofahrt schob), wollte auch keine Bescherung mehr machen. Wir sprachen nur kurz über Sylv. und er fragte, ob alles so bliebe, wie geplant. Ich sagte ja, und er war einverstanden ("Dann können wir ja morgen (Samstag) nach dem Termin (er hatte ner Bekannten ohne Auto versprochen, sie zu einem Termin zu fahren) noch was einkaufen gehen und soäter nett Kaffee Trinken!")

Guter Plan - mit dem man schlafen gehen konnte - doch es kam anders...

Um 9 war besagter Termin, um 11 hatte ich immer noch nix von ihm gehört. Ich rief ihn an, er sagte, er könne gerade nicht spreche und melde sich später. Er wolle noch jemanden in der Klinik besuchen.

Um halb 1 schrieb ich, dass ich da sowieso auch hin wollte und wir uns ja dort treffen könnten und rief ihn -auf Bus wartend- nochmals an - Handy aus!

13 Uhr: SMS mit folgendem Inhalt: Es tut mir sehr leid und unendlich weh, aber ich muss so handeln. Es hat nix mit dir zu tun, du bist ein wunderbarer Mensch. Ich muss nur erstmal mein Leben regeln. Ich fahre zurück! - Am Tag vor Sylvester!

Eine Woche später haben wir das am Telefon bequatscht:

Ihm bürdete die Bez. eine -aus seiner Sicht- untragbare Verantwortung auf, die er erstmal für sein eigenes Leben aufbringen müsste, bevor er sich auf eine Bindung (die auch Chancen hat, zu bestehen) einlassen könnte. Dafür habe er in der momentanen Situation den Kopf nicht frei!

Ok, ich war enttäuscht, wollte ihm aber auch beistehen.

Wir sahen uns im Januar - ohne das mehr passierte.

Sahen uns im Februar - dito.

Ich fuhr nicht mehr hoch, bis ich's Ostern nicht mehr aushielt - und ihn mit einem Spontan-Besuch überraschte:

http://www.liebeskummer.ch/thread.php?threadid=15205&sid=&hilightuser=1602

Er meinte da auch zu mir, dass er sich wünschte, er könne endlich über seinen Schatten springen... ABER...

Und dieses Aber (das selbe wie oben erwähnt) steht seitdem immer (noch) zwischen uns. Er ist auch so ein Langzeit-Student (16. Semester, Jura), der im Klausur-Stress steckt (wie in Smillas Thread) und bat darum, dass ich ihm Zeit gebe, bis diese überstanden sind...

Da dies bald der Fall ist, hab ich ihn gefragt, ob er sich dann im Aug. auch in der Lage sähe eine "richtungsweisende Entscheidung" über uns zu fällen. Dem scheint er kit der jetztigen Funkstille ausweichen zu wollen.

Mein Plan war/ist: Bis Anfang Aug. warten, ob er sich meldet, dann einen "Abschiedsbrief" schreiben, in dem er erfährt, dass ich mich nicht mehr in der Lage sehe, weiter zu kämpfen, dass er darauf nicht eingehen, es aber durchaus kann, wenn ihm danach ist... und sehen was passiert...

Ist das eine gute Idee?

Danke für's lesen und sorry, dass es so lang geworden ist (wollte möglichst genau schildern).

Kimi (verzweifelt, Rat suchend)

#7
Ach, was vergessen:

Bevor hier jemand die Frage stellt, antworte ich schon mal präventiv:

Ob es wirklich Liebe ist, was ich für IHN oder ob ich einfach nur froh war, IRGENDWEN zu haben, hab ich mich auch schon gefragt und bin zu dem Schluss gekommen, dass es mir wirklich um ihn als Person geht:

Es ist er, den ich vermisse! Natürlich bedeutet das auch, dass mir gerade die Erinnerungen aus der Anfangszeit sehr zusetzen und ich mir diese immer wieder mal zurück wünsche, aber ich bin mir sicher, dass ich diesen Menschen LIEBE.

Dieses Gefühl mag dadurch, dass er soviel für mich getan hat, als es mir schlecht ging, stärker geworden sein und ich kann auch nicht definitv abstreiten, dass ich auch ein bisschen den Wunsch, ihm auch ansatzweise das geben zu können, ihm auf den Weg zurück zum Leben zu verhelfen, den er mir damals geebnet hat, aber es ist nicht nur aus Pflichtbewusstsein oder Schuldgefühl...

LG Kimi

#8
Liebe Kimiluna,

weiß gerade gar nicht, ob ich Dir helfen kann. Bin ja selber nicht so schwer krank gewesen (bis jetzt!) wie ihr, und bei meinem Freund (ich titulier ihn jetzt einfach so, Du kennst ja offenbar den Hintergrund) weiß man ja eh nix sicher.

Ich finde es schlimm, daß Deine Geduld so gefordert ist. Es wirkt nicht so, als sei Dein Freund geheilt, sondern als bräuchte er noch viele Therapiesitzungen, und am Schluß vielleciht noch ein paar mit Dir gemeinsam. Denn ich glaube mittlerweile, auch das als Paar "funktionieren" oder besser "reagieren" muß man erst lernen, schon als normaler Mensch, aber sicher noch eher als psychisch gefährdeter Mensch.

Ich finde es ganz schlecht, daß er seiner Therapeutin nicht alles erzählen kann. Meine erste Therapie ist genau daran gescheitert. ich hatte das Gefühl, sie versteht mich überhaupt nicht, habe immer weniger vertraut, immer weniger erzählt und ihr am Ende total viel Theater vorgespielt! Und sie ist drauf reingefallen! Und ich hab die Therapie beendet, hatte viel über die Systematik meines Verhaltens und über die Ursachen gelernt, aber war absolut null in der Lage, das Gelernte in Handeln umzusetzen. Das ist mit der neuen Therapeutin (die ich erst Jahre später aufsuchte, als der nächste Suizid klingelte) besser geworden. Aber auch jetzt weiß ich, daß es noch Jahre dauern wird, bis ich mich als gesund bezeichnen kann.

Ich finde es ganz, ganz schwer, Dir was zu raten, aber ich würde Dir gern helfen. Vielleciht findest Du einen Zugang zu ihm, soweit, daß er begreift, daß er noch sehr viel Arbeit vor sich hat, und daß er spürt, daß Du ihn dabei stützen kannst. Und ich glaube auch nicht diese Sprüche von wegen "ein Lahmer und ein Blinder, der Krückenverein" und "Das kann ja nichts geben". Wieso? Menschen, die ähnliches erleben, könenn einander besser verstehen, und wenn der eine die Kraft hat, dem anderen zu helfen, gelingt vielleicht irgendwann das Gleichgewicht, in dem zwei gesunde einander stützen.

Will hier gar nichts vereinfachen. Aber Du liebst ihn ja offenbar, und er braucht Hilfe und Anstoß. Und natürlich darfst Du für ihn nicht über Deine Grenze gehen, Deine psychische Stabilität muß Dir heilig sein. Aber solange Du Kraft übrig hast, versuch, ihm klarzumachen, worum es geht:

Erstens hilft keine Therapie, in der man dem Therapeuten nicht voll vertrauen kann,

Zweitens, wenn er keine Therapie mehr nötig hätte, was stünde Eurer Beziehung im Weg?

Wünsche Dir erstmal ganz viel Kraft,

Smilla

#9
Liebe Kimiluna

entschuldige dass ich erst jetzt wieder schreibe...

Da habt ihr ja wirklich etwas zusammen durchgemacht! Und ich gratuliere dir zu deiner schier unglaublichen Kraft!

Ich stimme Smilla zu, nach deiner ganzen Erklärung scheint er nicht geheilt zu sein; es wirkt eher wieder wie ein Rückfall.

Schade habt ihr eine so grosse Distanz zwischen euch. Gibt es gar keine Möglichkeit dass ihr näher beieinander wärt?

Ich weiss gar nicht, was ich dir noch sagen soll. Ich kann dir nur ganz viel Kraft wünschen und hoffe ganz fest, dass ihr wieder zueinander findet!

Alles Gute

Jessi

#10
Hallo ihr Lieben!

Danke nochmal für eure lieben (und helfenden) Worte. Heute kann ich euren Zuspruch besonders gut gebrauchen, denn heute tut mir die Einsamkeit besonders weh und ich verzweifle schier daran, (jetzt) zu wissen, dass es ihm schlecht geht, aber dass er nicht bereit ist meine Hilfe anzunehmen und ich somit nichts tun kann.

Aber jetzt erzähle ich erstmal, vielleicht lenkt mich das von dem Schmerz ab, der an meinem Herzen nagt.

Ich habe ihn, weil ich diese Funktstille/Ignoranz seinerseits nicht mehr länger aushielt, dann am Freitag nachmittag noch angerufen. Ich sagte nichts, woraufhin er begriff, wer am Apparat war. Er sprach davon im Stress (mit seinen Eltern verabredet) zu sein und jetzt keine Zeit mehr zu haben, sagte aber auch, er wisse, dass er sich melden müsse. Als ich sagte, er MÜSSE gar nichts, wir könnten es auch lassen, reagierte er mit "Ich will aber!" und versprach, sich Samstag nachmittag zu melden. Samstag morgen (halb 8) war er online, gerade vom der Nachtschicht (Taxi) heimgekommen, wollte sich hinlegen und sich später melden.

Tat er natürlich NICHT, wie schon so oft zuvor. Abends schrieb ich eine SMS:"Wieder eine Chance vertan! Dabei verlange ich doch gar nicht viel. Bin enttäuscht!"

Gestern hab ich mich dann abends hingesetzt und an meinem Brief gefeilt (hatte ja schon im Posting vorher angekündigt, einen schreiben zu wollen). Ihm schrieb ich, dass sich ein Brief auf den Weg zu ihm machen wird.

Heute Mittag hab ich ihn eingeworfen - 4 Seiten sind es geworden: Seiten, in denen ich versucht habe, ihm zunächst Tatsachen über meine Gefühlslage zu vermitteln, dann zu schildern, was ich mir von ihm gewünscht hätte (ohne es zu stark fordernd zu formulieren, was Druck auf ihn laden würde). Ich habe mich für zwei mögliche Lösungswege enschieden und dazu, ihm die Wahl zu lassen oder auch die Möglichkeit, einen ganz neuen Weg vorzuschlagen.

Lösung 1 wäre für mich der (schmerzhafte) totale Kontaktabbruch, den ich als unumgänglich betrachte, für den Fall, dass er KEINE Gefühle mehr haben sollte.

Falls da doch noch was sein sollte, habe ich einen "Neustart bei Null" vorgeschlagen, mit der Chance für uns, sich neu und anders zu begegnen, ohne den Beziehungsgedanken (und entsprechenden Druck) im Hinterkopf, aber mit der Option, eine solche wieder zu führen, wenn wir beide dazu bereit sind. In der Zwischenzeit wünschte ich mir einfach Freiheit, alles zu tun, wonach uns ist, aber nichts tun zu müssen.

Ich habe mich also bemüht, den Druck weitesgehend von ihm zu nehmen, aber dennoch weitesggehend, die Wünsche, Hoffnungen und Ängste, die ich mit beiden Optionen verbinde, klar zu formulieren.

Als Voraussetzung dafür, dass die 2. Option gelingen kann, muss für mich aber ganz klar noch Liebe (oder ein ähnlich starkes Gefühl) vorhanden sein und die einzige Erwartung, die ich an ihn stelle, ist, dass er mich Bestandteil seines Lebens bleiben lässt...

Vielleicht finde ich über diesen Weg wieder einen Zugang zu ihm (ich wünschte es mir sooo sehr, denn ich leide darunter, dass er sich so verschließt)...

Heute war er dann kurz über Messenger online und ich bat ihn darum, mich doch wissen zu lassen, wie es ihm geht. Zur AW bekam ich, dass er momentan total ausgebrannt, überfodert und gestresst sei.

Daraufhin fragte ich, ob er nicht denkt, mit mir zu reden, könnte ihm helfen, was er mit den Worten ablehnte "Ich muss das allein schaffen!". Daraufhin wollte ich wissen, wie er darauf kommt, die Unterstützung von Freunden nicht annehmen zu dürfen und habe gesagt, dass es mir so schwer fällt, zu spüren, dass es ihm nicht gut geht und ihm nicht helfen zu können. Er schrieb, er habe Stress in der Uni und Geldprobleme, deren Konsequenzen er erst in den nächsten Tagen wird abschätzen können. Als ich genaueres über den Stress in der Uni wissen wollte, sprach er die hasuarbeit an. Als ich (um ein bisschen aufzulockern) nach deren Thema fragte, brach er abrupt ab und sagte: ich solle bitte verstehen, dass er gerade nicht in der Lage sei, über irgendetwas zu sprechen.

Ich war davon sehr getroffen, aber es bleib mir nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren (ich sagte ihm noch, dass ich diese ehrlichen Worte hilfreicher fände, als nicht eingehaltene Versprechungen sich zu melden und dass ich hoffe, der Brief könne ihm helfen).

Ich weiß jetzt, dass er meine Nachrichten, über MSN oder SMS immer bekommen hat, weshalb ich irgendwo "erleichtert" bin, aber gleichzeitig noch mehr Wut darüber verspüre, dass er darauf (bisher) nicht reagiert hat.

Ich habe eine wahnsinnige Angst davor, dass ihn die ganze Sit. wieder so aus der Bahn wirft, wie vor einem Jahr und flippe aus, bei dem Gedanken, gleichzeitig hier zu sitzen und dem gegenüber völlig machtlos zu sein... :heulen:

Ich denke, dass ihr beide Recht habt, Smilla + Jessi, geheilt ist er keinesfalls. Er mag sich stabiler fühlen, als vor einem Jahr (Suizidversuch), aber es muss sich trotzdem noch viel tun!

@ Smilla: Ich bin auch immer schier verzweifelt, wenn er mal wieder erwähntw, seiner Therapeutin dies + jenes nie ezählen zu können. Ich meine, wie soll unter dieser Bedingung die Therapie gelingen + Erfolg zeigen? Ich habe ihn immer wieder versucht, von einem Wechsel zu überzeugen, aber ihm reichte es scheinbar, dass er nur aus jeden zweiten Sitzung mit ihr (wenn überhaupt) einen persönlichen Nutzen ziehen konnte...

@Jessi: Momentan müssen wir leider noch die Distanz zwischen uns ertragen, wobei ich mir sehr sicher bin, dass gerade er genau diese auch braucht. Auf zuviel Nähe reagiert er häufig panisch oder aber total flegmatisch. Nach seinem Studium (was, wenn alles seinen geplanten Gang geht, nächstes Jahr beendet sein wird) wollte er evtl. für sein Referendariat nach NRW kommen, wobei das noch in den Sternen steht und ich mir darüber ehrlich gesagt auch noch nicht den Kopf zerbeche(n will), bevor nicht eine "richtungsweisende" Entscheidung über unsere Zukunft getroffen ist.

Das zu schreiben, hat sehr gut getan. Ich bitte um weutere Antworten. Danke für eure Geduld...

LG Kimi :schmatz:

#11
Liebe Kimi

:trost:

das mit dem Brief tönt doch nach einer guten Idee. So hat er ja wirklich jede Möglichkeit zur Auswahl!

Ein wenig egoistisch finde ich es aber doch von ihm, dich so hängen zu lassen und deine Hilfe nicht anzunehmen. Du bist schliesslich doch schon einen weiten Weg mit ihm gegangen und ihr wisst beide viel voneinander.

Ich hoffe er meldet sich bald und sagt dir ehrlich, wie es um seine Gefühle steht, damit du endlich wieder nach vorne blicken kannst!

eine liebe Umarmung

Jessi

#12
Hallo Jessi!

Da ich zufällig gerade mal wach bin:

Ich denke, so zu handeln ist bei ihm nicht durch Egoismus begründet. Er sagt sich nicht:"No matter what! Ich bin wichtig und was sonst ist, egal!"...

Bei ihm ist es eher so, dass er der festen Überzeugung ist, Hilfe nicht annehmen zu dürfen, sondern es alleine schaffen zu MÜSSEN mit allem klar zu kommen. Ich vermute, dass dies auch Teil sein Depression ist (lese gerade einige Bücher zu dem Thema und kann mich ja selbst noch gut erinnern, wie es bei mir). Vielleicht ist er genauso überzeugt davon, wie ich damals, dass ihm KEINER helfen kann!

Er hat der Beziehung damals ein Ende gesetzt, weil es sein Ziel war, ganz allein mit sich, seinem Leben und der Welt zurecht zu kommen. Er hat damals schon hin und wieder erwähnt, dass es zwar gut sei, dass ich da bin, aber er auch das Gefühl bekommt, sein eigentliches Problem dadurch nicht in den Griff zu bekommen, sondern davon nur abgelenkt zu werden.

Es ist hart und hat mich verletzt, aber ich denke, er ist kein Egoist, sondern will es sich schlicht und ergreifend selbst beweisen.

Naja, ich werde jetzt erstmal warten (und auch nix anderes tun können, als das) :mauer: und dann kann ich nur hoffen, dass meine Worte wenigstens in soweit zu ihm durchdringen, dass er mich -trotz Stress- nicht ewig weiter quält.

Vielen Dank für's Zuhören und Antworten bisher :super: , Kimi

#13
Liebe Kimi

Egoist habe ich nicht in dem Sinne gemeint, sondern eben dass er dadurch, es alleine schaffen zu wollen, dich verletzt. Dass er sich nicht bewusst ist, dir mit seinem Wegstossen weh zu tun.

War wirklich das falsche Wort.

Was du wegen der Ablenkung schreibst tönt recht plausibel. Das wäre ein Grund, den ich verstehen könnte. Dass er die Kraft nicht hat, auch zu dir zu schauen. Das will ja eigentlich jeder in einer Beziehung; auch zum Partner zu schauen. Auch wenn du das nie verlangt hast.

Hmm, was tun? Dir ganz viel Kraft wünschen und dir das Wissen geben, dass wir hier sind, dir zuhören und dich unterstützen. :trost:

Jessi

#14
Hallo, kimiluna!

Schliesse mich jessi an, daß der Brief eine gute Idee ist.

Das mit dem Ausweichen, als du mit ihm über die hausarbeit reden wolltest, kenne ich genauso von S., der in extremen Reizphasen das Thema auch gar nicht berührt haben wollte, zumindest nicht auch noch thematisch und was Klausurtermine angeht und so...

Allerdings ist das bei ihm schon besser geworden, obwohl er sich gerade in den letzten Wochen auch immer ausgebrannt gefühlt hat.

Aber Dein Freund scheint einfach wirklich ne heftige Depression zu haben, und dieses "Es selber schaffen wollen" hatte ich auch, bis ich mit dem Küchenmesser da stand und auf einmal kapiert habe, entweder ich sterbe jetzt oder ich rede mit jemandem..

Es ist arg gefährlich, wenn er sich so verschließt. Hat er sich schon mit anderen Depressiven ausgetauscht? Weiß er, wie nutzlos alle Therapien gewesen sein können, wenn man danach wieder total abstürzt, und wie sehr das Lebensgefühl darunter leidet? Irgendwann, es dauert bei manchem länger, will man wieder glücklich sein, will man raus aus dem Sumpf. Aber ich hatte immer eine Stimme in mir (nicht Stimmen gehört, sondern so Gedanken gekriegt, Du weißt schon) , die mir einredete, das doch alles keinen Sinn hat, daß ich nie glücklich werde, weil es meine Bestimmung ist. Und daß es immer qualvoller wird, je öfter ich versuche da rauszukommen und scheitere, also besser gar nicht mehr probieren..

Hoffe sehr, daß er nicht auch in solch destruktiven Zyklen gefangen ist.

Weiß leider auch nicht, wie Du ihm helfen kannst. Daß Du sehr wg. Druck aufpaßt, ist sehr anstrengend, ich weiß, aber sehr vernünftig. Sonst macht er wieder total dicht. Wäre er vielleicht mal bereit, ein gutes Buch zum Thema in die Hand zu nehmen? -- Wenn er bereit wäre, sich ein bißchen auf Dich einzulassen und festzustellen, daß er sich mit Dir entspannen kann, wäre das sicher hilfreich. Aber wie ihn dazu bewegen, weiß ich leider auch nicht.

Kimi, ich wünsch Dir erstmal ganz viel Kraft und ganz viel Glück!

Alles Liebe,

Smilla

#15
Ich nochmal!

@ Smilla + Jessi: Ich kann ja auch nachvollziehen, dass diese Situation (Warten auf wichtige Klausurergebnisse und zusätzlich Druck wegen Hausarbeit) belastend für ihn ist und wollte eben gerade deshalb ein bisschen davon ablenken, in dem ich ihn (ganz nüchtern) nach demThema frage. Aber anscheinend hatte ich damit ein Reizthema erwischt, obwohl ich "uns" ganz außen vor gelassen habe. Über seine genauen Klausurtermine informiert er sich auch immer erst auf den letzten Drücker. Aber genau das erhöht doch den Druck, ebenso wie nicht richtig informiert zu sein: Er glaubte allen Ernstes, 5 Klausuren in diesem Semester schreiben und davon mind. 4 bestehen zu müssen. Wie sich herausstellte, waren es nur 3 Klausuren und, bis auf eine, kann er alle nächstes Semester wiederholen (dann kommen allerdings auch 4 neue dazu)

Aber hätte ich mit ihm statt dessen über das Wetter diskutiert, wäre das wohl wieder zu banal gewesen, wo doch so wichtige Dinge momentan seine Aufmerksamkeit fordern...

Es ist einfach so schwer, das Richtige Maß zu finden und so zu verhindern, dass er "dicht macht". Wie gelingt dir das denn bei S.?

Ich habe ja immer gedacht, ich hätte einen guten Zugang zu ihm (er sagte mal, ich sei die Einzige, mit der er wirklich offen reden kann), aber momentan ist der mir scheinbar abhanden gekommen. Wir haben uns in der Klinik ja sehr viel und intensiv ausgetauscht und er hat auch mit noch einigen anderen dort geredet.

Er kennt das Gefühl des Auf und Abs sehr gut (leidet ja wie gesagt seit 10 Jahren, mehr oder weniger stark), aber was es genau ist, wurde ihm wohl erst durch den Klinik-Aufenthalt vor einem Jahr (nach seinem Suizidversuch) bewusst. Und er wollte raus, wollte leben, hatte nur den einen sehnlichen Wunsch: Sein Leben in die Hand nehmen und mit sich und der Welt ins Reine kommen!

Und ich hatte so gehofft, dass er es schaffen würde (genau wie es mir gelungen war), dass er auf einem guten Weg sei, dass ich die Kraft hätte, ihn auf diesem Weg mitzuziehen... und es bleibt nur die Angst, gescheitert zu sein bzw. noch zu scheitern.

Ich werde alles daran setzen, diesen destruktiven Gedankenkreis zum Einsturz zu bringen (kann mich ja selbst noch erinnern, wie wirklichkeitsfern man zu denken beginnt), falls er da (wieder) hineingeraten sein sollte. Dazu müsste ich nur erstmal wieder an ihn rankommen und erfahren, WAS er sich denn überhaupt für Gedanken macht. Ihn kann nur hoffen, dass es mir mit dem Brief gelingt, ihn dazu zu bringen, mir wieder näher zu kommen.

Momentan wird er nicht die Ruhe/Kraft haben, sich einem Buch zu widmen, das nicht Gesetzestexte zum Inhalt hat bzw. wird er sich dann wohl vorwerfen, die Zeit, die dafür "draufgeht" eher in sein Studium investieren zu müssen...

Ich schöpfe die Kraft aus dem Glauben, dass es, auch wenn noch so schwer, nicht unmöglich ist...und hier Zuhörer zu finden ist sehr hilfreich (meinen Freunden, die die Lage eh nicht verstehen, will ich damit nämlich nicht mehr in den Ohren liegen).

Danke für Alles, Kimi

#16
Liebe kimi,

es ist interessant, wieviele Depressive doch gleich ticken. Auch das mit dem Druckmachen und völlig überzogen viel von sich verlangen, dieser Perfektionismus, das kenn ich von mir selbst. Und es ist schlimm, wenn er diesem inneren Druck einfach nachgibt, ohne ihn zu hinterfragen. Hast Du ihm schonmal gesagt, daß ein Mensch nur wirklich was leisten kann, wenn er regelmäßig dafür sorgt, daß seine Batterien auch aufgeladen werden? Er scheint da im Moment nur abzuzapfen... auch das mit den Schuldgefühlen, wenn er nicht über seinen Gesetzestexten sitzt, paßt darein. Klar, ich kenne das auch, aber die Leistung kann nur kommen, wenn man sich auch regelmäßig auflädt mit entspannenden, schönen Erlebnissen. Klar darf das nicht ausufern und ihn ganz von der Arbeit ablenken. Aber ein bißchen muß er sich da gönnen! Sonst kann er der Belastung gar nicht standhalten und öffnet dem nächsten Radikalabsturz Tür und Tor! Das würde ich ihm auch so sagen.

Zu den banalen Dingen:

Natürlich fordern wichtige Dinge seine Aufmerksamkeit, aber er kann nicht 12 oder 14 Std. auf 200 % laufen, das muß er doch selbst spüren.

Und es ist so hilfreich, Kaffeepausen mit nettem belanglosem Smalltalk dazwischenzuschieben, und wenns nur ne Viertelstd. ist, und danach kann man mit neuer Energie weitermachen. Klar, wenn man zu lange pausiert, ist man mit dem Kopf wieder draußen und muß mühsam wieder reinkommen. Aber kurze, effiziente Pausen sind zum Durchlüften unbedingt nötig!

Das richtige Maß zu finden ist sehr schwer.

S. hat das mit dem Durchlüften Gottseidank kapiert, wobei ich oft auf ihn einreden muß wie auf ein krankes Schaf, damit er ne kleine Pause einlegt. Und dann wird er oft nach ein paar Min. zappelig, hört mir nicht mehr zu, dann beschwer ich mich und er sagt "Ich muß jetzt aber wieder an den Schreibtisch...", ja, und dann laß ich ihn auch.

Aber in den paar Min. der Pause reden wir über irgendwas, was ihn interessiert, aber nichts, was mit Druckbereichen (also mit uns, mit dem Studium, der berufl. Zukunft, Geldsorgen, Zukunftsplanung allgem. etc. etc.) zu tun hat. Z. B. regt er sich immer herrlich über Angela Merkel auf, da wird dann schonmal ein bißchen gelästert. Oder er erzählt von seinem lustigen Freund, der ganz neugierig ist, sechsmal am Tag anruft und immer alles wissen will. Oder über irgendein Buch, den Woody-Allen-Film, seinen Chef....

Ich weiß, wenn Dein Freund so vernagelt ist, daß Du an ihm abschmetterst wie an einer Wand, können Dir diese Schilderungen überhaupt nicht helfen.

Und mir fällt im Moment nicht ein, wie man ihn weichkochen, wo man ihn packen kann, damit er sich Dir bzw. dem Leben überhaupt wieder öffnet.

Ja, das mit der einzigen, mit der er reden kann, ist bei uns ja ähnlich. S. hat einfach irgendwann gefühlt, daß es ihm guttut und er es braucht. Und seitdem öffnet er sich auch nach Streits ein bißchen schneller wieder als früher, hat sich quasi damit abgefunden, jemanden zu brauchen. Allerdings nur unterbewußt.

Er würde es mit Sicherheit abstreiten und sich furchtbar aufregen, wenn man es sagen und ihm so bewußt machen würde, das ist nämlich auch eins seiner Reizthemen.

Warum Euch das abhanden gekommen zu sein scheint, weiß ich nicht. Dazu hab ich zu wenig Erfahrung. Auf jeden Fall muß er irgendwie aus seiner Glasglocke raus und sich gewisse Dinge - und Menschen - wieder zugestehen. Vielleicht hilft es auch, ihn darauf anzusprechen, daß er da ungesunde Rückschritte zu machen scheint. Vielleciht macht das aber alles auch nur noch schlimmer. Ich weiß es nicht...

Ich finds gut, daß Du den Brief geschrieben hast und dahin zurück willst, wo ihr mal wart. Denk nicht zu pessimistisch übers Scheitern nach. Solange Deine psychische Stabilität nicht Schaden nimmt, tu für ihn, was Du tun kannst. Er muß nur wieder aufs richtige Gleis geschubst werden, bzw. selber springen. (Nur ist gut, natürlich ist das nicht einfach.)

Du schriebst, er hätte momentan werder ruhe noch Kraft für ein nicht-juristisches Buch. Wie gesagt, son bißchen zwischendurch würde vielleicht guttun. Oder vielleciht auch mal ein guter Psycho-Ratgeber, der ihn wieder daran erinnert, was er doch mal verstanden hat und wollte?

Tut mir leid, daß ich Dir beim Knacken dieser harten Nuß nicht wirklich helfen kann...

Dir erstmal weiterhin viel Kraft und alles Liebe,

Smilla

#17
Erneut vielen Dank für deine aufbauenden Worte, Smilla! Ich lese übrigens deinen Thread auch sehr aufmerksam und werde mich da auch bald mal zu Wort melden.

Mir ist gerade danach noch folgendes zu ergänzen:

Meine Therapeutin hat mich heute als "masochistisch veranlagt" eingestuft, da ich ihm den Beziehungsdruck nehme und mir damit noch mehr Leid aufhalse, da ich ja eigentlich mehr will und das auch weiß (und bestimmt so meine Probs damit haben werde, es vorerst als reine Freundschaft zu sehen). Aber ich sage, dass ich das wohl momentan leichter ertrage als den kompletten Kontaktabbruch...

Wenn überhaupt müsste es allerdings keine "normale", sondern schon eine sehr intensive Freundschaft werden. 1x pro Monat oder womöglich nur alle paar Monate melden reicht mir definitv nicht aus...

Genauso habeich ihm das mit dem "Energie aufladen" nicht gesagt, aber ich habe schon versucht, ihm klarzumachen, dass er sich auch Pausen zugestehen darf, ja das sogar muss. Und damit jetzt hier kein falscher Eindruck entsteht: Hin und wieder tut er das auch. Er geht (hoffentlich noch) inzwischen regelmäßig ins Fitness-Studio + verbringt häufiger Zeit mit dem Hund seiner Mutter als Ausgleich.

Kaffee-Pausen macht er auch oft (es ist eine Marotte von ihm, an Tankstellen anzuhalten und sich dort Kaffee zu holen), aber die verbringt er ja nicht (immer) mit mir (wie auch, wenn ca. 500 Km zwischen uns liegen). Gerade die Entfernung ist natürlich ein weiterer Riegel, der mir vorgeschoben wird und den Zugang zu ihm erschwert. Ich habe ihm natürlich angeboten, dass er sich melden kann, wenn ihm danach ist, und wir dann auch "einfach nur so quatschen" können, aber er scheint dieses Bedürfnis nicht zu verspüren. :heulen: :schief:

Dadurch habe ich natürlich auch einfach Angst, diesen Status der einzigen wirklichen Vertrauensperson immer weiter einzubüßen. Ich würde lieber heute als morgen etwas finden, um ihn aus seiner "Glasglocke" zu ziehen, würde ihn anrufen und nach Leibeskräften versuchen, davon zu überzeugen, zu mir zu kommen, um eine "Auszeit" zu nehmen (ähnlich der, die wir Ostern hatten, als ich bei ihm war + wir gemeinsam auf Sylt etc.), WENN ich nicht so überzeugt davon wäre, dann damit wieder zu viel Druck zu machen!

Nein, ich habe mir vorgenommen, jetzt erstmal zu warten, bis er sich meldet und solange nix zu tun - und daran will ich festhalten.

Ich weiß übrigens gar nicht, ob ich dahin will, "wo wir mal waren". Ich möchte glaub ich an den Punkt zurück, wo wir zwar uns hatten, aber noch kein "Wir" waren, zumindest nicht über das Wort 'Beziehung' verbunden. Verstehst du, was ich meine?

Es hat mal wieder gut getan, das los zu werden.

Ich drück dich mal und sage DANKE, Kimi

P.S.: Dass er nicht die Muße hätte, sich einem solchen Buch zu widmen, war übrigens reine Spekulation meinerseits. Gefragt habe ich ihn das noch nicht. Hast du denn da ein spezielles Buch im Hinterkopf, das du empfehlen könntest? Ich beschäftige mich ja momentan auch (wieder) verstärkt mit dem Thema. Wenn du also einen Lese-Tipp hast, nur her damit!

#18
Guten Morgen Kimi,

nur ganz kurz von mir: Natürlich ist es mit der Distanz wirklich schwierig, hab ich nicht mehr dran gedacht, sorry! Und ansonsten denke ich, daß man es tief im Innern meist selbst am besten weiß, was man tun kann / will / muß. Nur manchmal hält man sich selbst den Blick versperrt und braucht andere Gedanken dazu, um klar zu sehen. So gehts mir immer wieder, daher bin ich froh, wenn Du was in meinen thread schreibst.

Schlimm ist, wenn man an den Punkt kommt, wo man alles laufenlassen muß, weil man erstmal nichts mehr tun kann. Aber selbst dann kann man sich ja noch gut um sich selbst kümmern! Und ich schätze mal, es wird gut und richtig sein, wie Dus jetzt vorhast.

Ich wünsche Dir, daß es Dir damit gut ergeht.

Und was das Masochistische angeht...wenn Du merkst, daß Du nur noch reinsteckst und leidest, klar, dann muß man was ändern. Aber Du klingst so, als würdest Du da gut auf Dich aufpassen.

Jessi_be, was sagst Du dazu?

Alles Liebe, Smilla

#19
Guten Morgen Kimi

Guten Morgen Smilla

Ich habe auch den Eindruck, dass du, Kimi, dich gut im Griff hast und gut aufpasst, dass du nicht in ein Loch fällst.

Masochistisch veranlagt? Sind das nicht alle ein wenig; alle, die lieben?

Das unverbindliche wir, das keine Beziehung ist aber man sich doch vermisst. Ein Idealzustand, oft gesucht, selten gefunden.

Liebe Kimi, ich hoffe sehr, dass ihr euch wieder findet. Aber über diese grosse Distanz wird es schwierig werden, die Vertrautheit wie früher zurückzuerlangen.

Man muss jedesmal zum Telefon greifen, oder irgendwo Zugang zum PC haben. Ich kann irgendwie verstehen, dass dies Druck ausübt.

Hast du schon eine Reaktion auf den Brief erhalten?

Alles Gute :trost:

Jessi

#20
Danke ihr beiden!

Nein, Jessi, Reaktion gab es noch nicht. Damit rechne ich auch vorerst nicht, denn ich schätze ihn als einen Menschen ein, der mir schon "würdig" antworten will, also nicht nur mal so "dahingeklatscht" mit dem Druck eigentlich über Jura sitzen zu müssen, und entsprechend wenig Zeit. Er wird evtl. (höchstens) den Erhalt des Briefes bestätigen, aber eine AW zu verfassen wird schon länger brauchen...

Ja, die Distanz ist schlimm, hoffentlich aber nicht tödlich für uns: Er hat es einmal so formuliert: "Wenn ich dann bei dir bin, dann will ich auch den Kopf frei haben und mich fallen lassen können"

Und ich, damals noch unwissender als jetzt, habe mir das natürlich auch gewünscht, ja es vielleicht sogar verlangt von ihm - womit wir wieder den Druck hätten...

Weißt du, wenn man die Möglichkeit hat, sich täglich zu sehen, wäre es doch absolut nicht schlimm, wenn da mal ein, zwei Tage Pause sind, weil einer von beiden gerade Zeit für sich will (und einen heute nicht sehen). Wenn man aber nur alle 2 - 3 Wochen was voneinander hat, dann möchte man ja auch wirklich WAS voneinander haben (und zwar mehr als Beteuerungen, dass man gerne würde, aber "den Kopf nicht frei kriegt").

Heute (und mit ein wenig Abstand) würde ich mit solchen Situationen lockerer umgehen (und sie nicht überbewerten), aber damals hab ich ihm schon Vorwürfe gemacht (weil ich mich nicht begehrt gefühlt habe; ein Gefühl, was er mir "früher" gegeben hatte).

Heute bewerte ich auch die Sache mit dem Masochismus auch schon anders: Ich denke, es liegt in der Natur des Menschen, wenn er wirklich liebt, alle Reserven zu mobilisieren und Schmerzgrenzen neu auszuloten. Da nimmt man auch in Kauf über einen gewissen Zeitraum zu leiden...

Ich muss mir nur eine Frist setzen, wie lange ich das Leiden ertragen kann...

eine zwar einsame, aber die Hoffnung nicht aufgebende, Kimi

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