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Ich hasse Entscheidungen!

34 Antworten4'439 AufrufeGestartet von newchance ·

newchanceThemenstart
#1
Wie der Titel es schon sagt, ich tu mich sehr schwer mit Entscheidungen und den darauffolgenden Konsequenzen.

Wenn ich mich mal zu etwas entschieden habe, was meist sehr lange dauert, kommt nach kurzer Zeit wieder der Zweifel, der alles kaputt macht und ich rudere in die Gegenrichtung. Warum ich das tue? Ich vertraue mir selbst nicht. Und ich vergesse auch die Gründe für meine früheren Entscheidungen.

Eine etwas banale Situation: Ich habe einige Jahre Tanzausbildung in Tango Argentino, dies liegt nun schon eine Weile zurück. Warum ich heute nicht mehr tanze, weiß ich nicht. Also geh ich erneut in ein Tango Tanzlokal, was mit erheblichem Aufwand verbunden ist. Nicht nur, dass mir dort irgendwie alles zu wider ist, mein Auto springt zuvor auch nicht an, weil ich das Licht hab brennen lassen. Also unterbewusst schon dagegen eingestellt, dass es verschwendete Zeit ist.

Ich komme zu spät, ziehe es aber dennoch durch. Der Abend enthüllt mir dann meine Beweggründe von damals, wo ich Tango aufgegeben hatte. Okay, ich bin nun 'erinnert', meine damalige Entscheidung bestätigt sich und ich lebe nun wieder Tangofrei.

Ist sicher eine banale Szene, doch zeigt es, dass ich mich vergesse, ausblende und über die eigenen Entscheidungen einfach kaum Daten parat habe.

Genau so ergeht es mir mit Beziehungen. Dort ist es weitaus problematischer, wenn ich einmal gehe und dann wieder zu kommen und um dann wieder zu gehen, weil ich nach so kurzer Zeit wieder vergessen habe, warum das erste Gehen geschah. Also immer wieder rein in die Kartoffeln - wenn ich mich noch ein bisschen mehr bemühe, wird es sicher werden.

Warum stärkt mich die erste Entscheidung nicht, sondern macht mir ein schlechtes Gewissen? Die Entscheidung war doch niemals unüberlegt und auch voreilig. Aber warum werte ich mich so ab?

Auch Lebensentscheidungen, wo ich lebe, was ich arbeiten will, einfach in jedem Bereich tritt dies auf. Auf Dauer nervt das und das ständige Revidieren sorgt nur dafür, dass ich letztendlich entschieden werde, also eine Entscheidung von außen kommt. Damit bin ich dann natürlich nicht einverstanden und kämpfe wie bekloppt, um es rückgängig zu bekommen. Auch wieder nur Zeitverschwendung! Ich komme einfach nicht mehr weiter!

#2
Hallo newchance,

führst du Tagebuch?

Vielleicht wäre es hilfreich für dich, wenn du dir solche Erlebnisse aufschreibst und auch im Detail begründest warum du dementsprechend entschieden hast. Dann kannst du hinterher immer noch mal nachschauen und dich daran erinnern.

#3
Ja, newchance, so ähnlich sehe ichs auch. Schreib dir doch, auf warum & weshalb genau du dich für etwas und gegen das andere entschieden hast. So kannst du beim Zweifeln nachsehen, was ausschlaggebend war.

Grundsätzlich würde ich sagen, du solltest lernen nicht mehr zurück sondern nur nach vorne zu schauen. Es ist immer besser eone Entscheidung zu treffen, als nie zu wissen, was man soll. Denn dann wird, wie du bemerkt hast, dir irgendwann diese Entscheidung abgenommen.

Denk daran, dass die Entscheidung zu dem Zeitpunkt als du sie getroffen has, sicherlich gut war.

#4
Ja, die Erfahrung musste ich auch machen. Das, was ich damals, als erstes entschied, hatte sehr viel Wahrheit. Es war eigentlich die beste Entscheidung, nur war sie so, dass sie meist rein zu meinem Vorteil war, anstatt auf mein Helfersyndrom Rücksicht zu nehmen.

Was auch zum Nicht entscheiden beiträgt, ist, wenn ich unsicher bin. Heute weiß ich, und ich wusste es eigentlich auch schon früher, aber war ausgeblendet, dass ein 'ich weiß nicht' immer gleich einem Nein zu setzen ist. Dies hatte ich letztens auch vergessen, als ich mir ein Auto gekauft habe. Ich war Probefahren und danach hatte ich diese Unsicherheit gespürt. Anstatt dies nun als Nein einzustufen, fuhr ich heim und nahm den Wagen immer noch in weitere Vergleiche mit rein. Natürlich kaufte ich ihn, trotz der Zweifel. Der Vertrag, den der Besitzer mit mir machte, war sittenwidrig und der Wagen hielt nicht mal die 200 km bis zu mir nach Hause. In der Werkstatt wurde mir dann der Totalschaden erläutert. Mein Anwalt riet mir ab, mich zwei Jahre mit diesem Fall zu beschäftigen, schließlich müsse ich den Wagen für Sachverständige zur Verfügung halten. Ich konnte 500 Euro Ersatz vom Verkäufer bekommen, für 500 ging er weg, so habe ich NUR 5000 in den Sand gesetzt. Im Nachhinein kam ich mir wie ein Sklave meiner Unentschiedenheit vor. Ich habe einfach nicht mehr normal reagieren können.

Es müsste irgendwie möglich sein, sich diese wichtigen Erfahrungen ins vorderste Hirn zu schreiben, dass ein Jein ein Nein ist.

Und dass die erste Entscheidung, die in mir aufkommt, auf bestem Denken beruht und eine Ich Entscheidung ist.

Das Tagebuch hab ich wieder hervor geholt und musste erkennen, dass es voll mit Hinweisen ist. Sicher hat mir bisher die Einstellung gefehlt, dass man dort nicht nur nieder schreibt, sondern auch nachliest in schwierigen Stunden.

#5
Das klingt für mich aber nicht nur nach einer Unsicherheit. Du hast offensichtlich kein Vertrauen in Dich selbst sonst würdest Du auf Dein Gefühl hören. Hast Du eine Ahnung weshalb Du Dir nicht vertraust?

#6
Das heisst aber auch, daß Du Entscheidungen traffen magst und vor allem - kannst.

Denn unabhängig davon, daß es eine Fehlentscheidung war, den Wagen zu kaufen, hast Du dennoch die Entscheidung getroffen. Selbst das Nicht-Entscheiden ist eine Entscheidung. Selbst wenn man die nicht sieht.

Was ist nun also tatsächlich wahr?

Dass Du Entscheidungen nicht treffen willst und kannst? Wohl eher nicht. Denn wie Deine beispiele zeigen, kannst Du sehr wohl. Womit Du Mühe zu haben scheinst, ist eine Entscheidung - für Dich - zu treffen. Du versuchst offenbar die Quadratur des Kreises und willst auf keinen Fall mit einer Entscheidung irgendwo anecken. Jeder soll happy damit sein.

Dass das völlig unmöglich ist, hast Du längst bemerkt und genau deswegen fängst Du wohl auch an Entscheidungen zu vermeiden. Einfach, weil das was Du mit Entscheidungen verbindest, schlicht unmöglich ist.

Was kannst Du also tun?

1. Schau Dir mal an, warum Du keine Entscheidungen - für DICH - treffen willst.

2. Bastel Dir ein Affirmationskärtchen. Einfach ein kleines Pappkärtchen, vielleicht laminiert. Und hol es immer heraus, wenn eine Entscheidung ansteht.

Schreib auf dieses Kärtchen:

Wofür entscheide ich mich, wenn ich mich nicht entscheide?

Entscheidungen selbst, sind gar nicht Dein Problem. Denn Du triffst sie, ständig und immerzu. Nur das Wie, da läuft einiges schief. Das lässt sich aber lernen. Auch wenn es Übung braucht und immer wiederholt werden muss. Macht aber nichts, Du kannst ja klein anfangen.

Guest
#7
Guten Morgen newchance,

also ich schreib es gleich im Hier und Jetzt und nehme meine Meinung nicht zurück:

Du bist völlig normal tickend. :cool: :cool: Weil Du im Hier und Jetzt lebst. Und so entscheidest, wie Du gerade empfindest, also eher spontan.

Was für Dich im Hier und Jetzt gilt, gilt im Hier und Jetzt.

Morgen denkst Du ganz anders darüber und bereust Deine Entscheidung, was leider bei vielen Gegenübern auf Disharmonie stößt, weil

Du leider das selbst Entschiedene wieder in Frage stellst und Dich damit unglaubwürdig bzw. unsicher darstellen lässt. Obwohl Du dir

einst so sicher warst mit Deiner Entscheidung.

Die Verbissenheit, die in Dir steckt ist eigentlich das, was Dich nervt. Die Verbissenheit, hinter dem zu stehen, was Du eigentlich

schon bereust, entschieden zu haben und nicht mehr oder kaum rückgängig zu machen ist. Oder ?

Was Dir helfen kann ist: Schlafen, schlafen und nochmals schlafen über die Entscheidungen, die Du treffen willst.

Und Abwarten. Warten. Abwarten. Wie sich manches entwickeln wird.

ist nicht so leicht für jemanden, der spontan das Richtige denkt zu tun um hinterher zu merken, war wohl doch zu spontan und eben leider dann falsch.

Man ist wie man ist. Und was man gerade denkt zu tun, muss man tun, weil man nicht anders kann und wenn das am nächsten Tag oder nach Wochen, je nachdem merkt, blöd gelaufen, ist eigentlich so nicht mehr gültig, muss man halt die Konsequenzen tragen, die man damals........angezettelt hat. So what ?

Im Grunde genommen hat man nach einem privaten persönlichen Impuls gehandelt und der war zu dieser Zeit an diesem Ort genau richtig.

Warum muss man darüber nachdenken ob es heute im Hier und Jetzt falsch ist ? ! :party:

Das Ist und Ist zählt. Im Hier und Jetzt.

Danke für Deinen Beitrag. Du hast mir unbewusst sehr geholfen.

Es grüsst Dich :schmatz:

starrily

#8
Starrily,

So ganz mag ich dir nicht zustimmen. Meine erste Entscheidung ist immer ein Bauchgefühl, das stimmt. Nur lass ich mich danach wieder davon ablenken und ich glaube, das habe ich von meiner Mutter.

Die hat mir bei gebracht, dass, obwohl bereits alles entschieden und abgeklärt war, man dennoch einmal drüber nachdenken könnte. Sie hat das recht oft gemacht. Einmal, als ich damals eine Cam neu gekauft hatte, hab ich das sogar aufgenommen. Muss lachen, wenn ich so drüber nachdenke. Ist jetzt ca 14 Jahre her und meine Mutter starb vor zwei Jahren. Ich war mit ihr ausgesöhnt, konnte sie in Ruhe gehen lassen.

Jedenfalls diese Situation hat uns allen nur Stress bereitet. Wir wollten zur Hochzeit meines Bruders an den Bodensee fahren und weil es so fürchterlich schneite, entschieden wir, alle gemeinsam mit dem Zug zu fahren die 500 km. Alles war bereits in guten Tüchern.

Sie rollte dann alles nochmal auf, nichts schien ihr zu passen. Ich wollte nämlich vor dem Zug noch meinen Sohn sehen. Das schmeckte ihr gar nicht. Es war aber alles schon abgeklärt. Hat auch super gepasst.

Meine Mutter sagte mir, dass man die erste Entscheidung nicht als die beste ansehen dürfe. Wenn man nur oft genug darüber nachdenken würde, würde sich eine bessere Entscheidung ergeben. Ich kann nicht sagen, warum ich das übernommen hatte. Denn es stimmt nicht, wie ich jetzt erkennen muss. Die erste Bauch Entscheidung ist immer die beste. Sie ist voll von mir, meinen Gefühlen und meiner Seele!

Ich spüre ja auch, wenn ich sie sagen will, ob sie richtig ist. Wenn nicht, bekomme ich da ja auch Hinweise. Soweit ich mich erinnern kann, waren die Entscheidungen, die ich nicht treffen konnte oder sich über Monate hinzogen, Situationen, die ich nicht entscheiden konnte.

Es war eine lange Quälerei für alle beteiligten.

Da hätte ich gebraucht, dass ich da nicht entscheiden KANN. Und dass es dann so wäre, mich NUR FÜR MICH zu entscheiden. Aber auch so generell kann ich das nicht sagen.

Jedenfalls vergeht viel Zeit, bis ich mal entscheide und dann noch mehr Zeit, bis dies dann umgesetzt wird. So müssen alle beteiligten auf mich warten.

Immerzu warten und ich warte auch. Als wäre das Leben unendlich lang.

Ich wünsche mir, schneller zu meinen Entscheidungen zu stehen und diese dann auch zeitig umsetzen zu können. Denn es gibt noch viel zu entscheiden und zu entdecken!

Charlies-Berta,

Danke für deine lieben Zeilen! Die Karte ist toll. Ich werde sie mir anlegen!

Der Grund, warum ich mich nicht für mich entscheiden mag, ist, dass ich in der Religion gelernt habe, dass ein Mensch nichts mehr wert ist, wenn er Sünde getan hat. Und ich habe bisher kein Stichwort gefunden, das mir doch Wert zusteht.

Sicher, Religion ist nur ein Aspekt in unserem Leben. Würde ich die Konfession wechseln, könnte ich wahrscheinlich sofort wieder Lebensmut fassen. Leider ist mein Glaube aber nun mal da. Ich weiß auch, dass es banal ist, sich so abzuwerten, doch weiß ich keinen Ausweg.

Und nur, weil es mir nicht passt, den ganzen Glauben hinzuwerfen? Das bin ich auch nicht.

Die Wertigkeit ist auf jeden Fall mein Problem. Und sicher liegt das auch schon viel früher zurück, wo das ausgelöst wurde.

#9
Der Grund, warum ich mich nicht für mich entscheiden mag, ist, dass ich in der Religion gelernt habe, dass ein Mensch nichts mehr wert ist, wenn er Sünde getan hat. Und ich habe bisher kein Stichwort gefunden, das mir doch Wert zusteht.
Sicher, Religion ist nur ein Aspekt in unserem Leben. Würde ich die Konfession wechseln, könnte ich wahrscheinlich sofort wieder Lebensmut fassen. Leider ist mein Glaube aber nun mal da. Ich weiß auch, dass es banal ist, sich so abzuwerten, doch weiß ich keinen Ausweg.

Und nur, weil es mir nicht passt, den ganzen Glauben hinzuwerfen? Das bin ich auch nicht.
Sowas kann einen natürlich enorm binden. Es gibt keinen einfach zu befolgenden Rat aus sowas rauszufinden. Denn das liegt alles ein bisschen tiefer und ist ja über jahre und Jahrzehnte antrainiert. Eine grundsätzliche Überzeugung wird man nicht mal eben durch ein Fingerschnippssen los.

Trotzdem mag ich da eine im Sinne einer solchen Religion, sehr ketzerische Frage stellen. Warum hälst Du tatsächlich an einer solchen Religion fest, von der Du merkst, daß sie lebensfremd und lebensfeindlich ist? Kann es nicht auch eine Rolle spielen, daß wenn Du Dir selbst nichts mehr wert bist, Du so wenigstens noch in dieser Religion etwas zu Wertvolles zu haben glaubst?

Und kann es nicht auch sein, daß eine solche Glaubensform von Menschen geschaffen wurde um genau das zu erreichen? Dass man an einen Punkt kommt, wo man sich selbst soweit aufgibt, daß man nicht mehr hinterfragt?

Egal in welcher Glaubensrichtung, es gibt einen Unterschied zwischen Glaube und Dogma. Du folgst keinem Glauben, sondern einem Dogma. Und jedes Dogma ist lebensfremd.

bearbeitet #10
Naja, ich sag mal so:

Ursache für dies ist, dass der Mensch sich Gott überlassen soll. Er hat Sünde getan und somit seinen Geist von Gott entfernt. Und man sei nun der Gnade Gottes ausgesetzt, dass dieser einen dennoch wieder annimmt. Es geht ja dort letztlich um Reinheit. Unter diesem Aspekt ist mir das auch nachvollziehbar.

Ich persönlich bin weiter entwickelt, habe festgestellt, dass Gott in mir ist und mit dem Dogma ergibt das dann wenig Sinn. Auch scheint mir die Quantenphysik viel mit den eigenen inneren Möglichkeiten zu tun haben. Also, das was ich seelische Verwandtschaft nenne zum Beispiel. Wenn Gott also in mir ist, ich mich aber für nichts wert einstufe, passt das nicht zusammen, denn durch Gott in mir, müsste ich sehr viel Wert besitzen. Ansonsten müsste ich Gott als wertlos definieren.

Dieser Satz 'ich bin nichts wert' sitzt leider tief in mir drin und ich hab auch schon so manches probiert, ihn rauszuwerfen. Der steckt irgendwie fest.

Leider

Deshalb vermute ich, dass der noch viel älter ist als mein Dogma. Der Glaube da nur drauf gesetzt werden konnte, weil ich schon so drauf war. Ich mein, in der Bibel steht soviel drin. Wieso sich gerade dieser eine Satz da so rausgeputzt hat?

Da muss es einfach noch tiefere Wurzeln geben.

Ich hab in diesem Thema ja schon so manche Erkenntnis bekommen. Das ist wirklich cool...

Vielleicht knackt sich das letzte Geheimnis hier auch, wer weiß :-)

#11
Ursache für dies ist, dass der Mensch sich Gott überlassen soll.
Das ist schonmal der erste Mumpitz. Der Mensch soll sich Gott nicht überlassen, sondern Gott hingeben. Um sich hingeben zu können, muss man sich erstmal achten. Niemand kann etwas geben, wenn er sich selbst nicht achtet.

Er hat Sünde getan und somit seinen Geist von Gott entfernt.
Der Mensch sündigt. Oder macht Fehler. Oder wie immer man das nennen will. Betrachtet man die Schöpfung als Gottes Werk, hat Gott ihn so erschaffen. Indem der Mensch von sich behauptet, ind er Lage zu sein, nicht sündigen zu können, behaupetet er selbst Gott zu sein. Im Sinne der Religion ist - NICHT zu sündigen die größte Blasphemie überhaupt!

Es geht ja dort letztlich um Reinheit.
Auch wieder Schmarrn. Es geht um Unschuld. Sei unschuldig! Doch lädst Du Dir Schuld auf. Nicht Gott. Du!

Unter diesem Aspekt ist mir das auch nachvollziehbar.
Nachvollziehbar. Trotzdem verdreht.

Ich persönlich bin weiter entwickelt, habe festgestellt, dass Gott in mir ist und mit dem Dogma ergibt das dann wenig Sinn.
Das hab ich auch nicht mit Dogma gemeint. Das ist Spiritualität. Das dogmatische sind die von Dir oben genannten Regeln, daß der Mensch, so er sündigt, wertlos wäre. Du kommst selbst drauf.

Wenn Gott also in mir ist, ich mich aber für nichts wert einstufe, passt das nicht zusammen, denn durch Gott in mir, müsste ich sehr viel Wert besitzen. Ansonsten müsste ich Gott als wertlos definieren.
Also merkst es ja selbst.

Dieser Satz 'ich bin nichts wert' sitzt leider tief in mir drin und ich hab auch schon so manches probiert, ihn rauszuwerfen. Der steckt irgendwie fest.
Für den Anfang reichts ja schon, wenn Du merkst, daß das Schwachfug ist.

Kommst Du überhaupt nicht weiter, denk mal über professionelle Hilfe nach. Wobei es von Deinem Standpunkt aus, ausreichen würde, wenn Du Gott vertraust, und nicht der Religion.

Niemand der dem Dogma einer Religion folgt, kann einen Glauben haben.

jeder Glaube, der irgendwann zur Religion wurde, verliert damit automatisch seinen Glaubenscharakter. Denn in dem Moment in dem er zur Religion wird, wird er ein Dogma.

Die Religion sagt - folge der Religion.

Gott sagt - finde mich.

bearbeitet #12
Hi Charlies_Berta!

Ich glaube, ich hab den Ursprung des Satzes 'Ich bin nichts wert' gefunden. Er liegt in meiner Kindheit. Ich wurde recht früh missbraucht. Mein Vater war mit uns Kindern am Schwulensee und 'ging mal ein wenig spazieren', wie er es nannte. Ich und mein Bruder waren allein bei unseren Sachen und spielten dort.

Es kam ein Mann vorbei, der uns beide befriedigte. Ich sehe immer noch sein Gesicht vor mir. Dann verschwand er wieder. Natürlich haben wir unserem Vater davon nichts zu sagen getraut. Die Zeit danach waren schlimm für mich, ich, am Anfang der Pubertät, wusste nichts darüber, was geschehen war. Über meinen Bruder weiß ich auch wenig. Er distanzierte sich irgendwann von meinem Elternhaus. Bis zum 37 Lebensjahr geriet ich weitere zwei mal in Missbräuche, danach konnte ich mich endlich schützen.

Ich fand nun einen Artikel über Selbstwert und der Autor schreibt genau so, als wär es über mich.

Zerstörter Selbstwert

Daher kommt es also. Bin wirklich froh, den Beitrag gefunden zu haben.

Und, irgendwie hängt alles zusammen. Mein Liebeskummer über die letzte emotional abhängige Beziehung, die nun beendet wurde. Der geringe Selbstwert, die Unfähigkeit, meine Arbeitswünsche umzusetzen und auch die schlechten Lebensräume.

Wahnsinn! Vielleicht schaffe ich es, evtl auch mit Therapie, das aufzuarbeiten!

Bin ich froh, das nun zugeordnet zu haben :-)

B52
#13
Naja, besser mit 54 als nie :-)

Aber irgendwie muss dir doch klar gewesen sein, dass missbrauch irgendwas mit dir macht, oder ? Bin irgendwie geschockt, wie wenig manche menschen von sich wissen und weiter so in den tag leben ...

Such dringend nen therapeuten auf...

B.

#14
Ich habe das vor 30 Jahren therapeutisch aufgearbeitet. Damals war ich allerdings noch nicht ausgestiegen und 12 Jahre im Dogma gelebt. In den Tag gelebt hab ich nie. Es gibt vieles aufzuarbeiten, und dies mit dem Nichts wert kam erst jetzt hoch.

Ich bin in Therapie, also dein Spruch finde ich etwas diskriminierend.

Ich schreibe hier über Erkenntnisse, die mir das Leben endlich offenbart. Wahrscheinlich bist du nicht mit dem Thema vertraut, sonst würde ich mehr Verständnis lesen. Ich tue es ja nicht mit Absicht oder aus Tagträumerei

#15
Sexueller Missbrauch und die Folgen gehören auf jeden Fall in die Hände eines Profis. Such Dir einen Traumatherapeuten der möglichst auch EMDR beherrscht. Du merkst ja selbst, wie tiefgreifend das ist und daß es in jeden Lebensbereich wirkt. Hoffnung darfst Du aber haben, da kann man viel machen und die Folgen auflösen.

Falls Du Selbsthilfe suchst, empfehle ich Dir Literatur über die ACT (Acceptance & Commitment Therapy). Diese ist nicht speziell auf ein Themenfeld begrenzt und dennoch eine der erfolgreichsten allgemein umfassenden Therapien die man mit Literatur sogar zu Hause bewerkstelligen kann. Teilweise sind die Erfolgsquoten durchschlagend höher als bei irgendwelchen Spezialtherapien. Leider ist da im deutschsprachigen Raum ausser Literatur noch nicht viel zu bekommen.

B52
#16
Es gibt vieles aufzuarbeiten, und dies mit dem Nichts wert kam erst jetzt hoch.
Genau das wunderte mich halt, und wenn du jetzt noch schreibst, dass du bereits in therapie warst/bist, wundert es mich noch mehr.

Das war alles andere als diskriminierend gemeint.

Wahrscheinlich bist du nicht mit dem Thema vertraut, sonst würde ich mehr Verständnis lesen.
Nicht direkt mit diesem thema, aber mit anderen den selbstwert betreffenden. Ich finde den vorschlag für therapie nicht diskriminierend, warum du?

Mit verlaub, ich finde deine beiträge hier etwas sehr wunderlich (auch deinen neunen threat), scheinbar beschäftigst du dich ja schon viel mit dir und deiner seele, deshalb wundert es mich eben besonders.

Sei es drum- berta richtets schon ;-)

B.

#17
scheinbar beschäftigst du dich ja schon viel mit dir und deiner seele, deshalb wundert es mich eben besonders.
Was wundert Dich besonders?

Magst Du es mir noch etwas genauer erläutern?

B52
#18
Na das wunderte mich:

Es gibt vieles aufzuarbeiten, und dies mit dem Nichts wert kam erst jetzt hoch.
Viele menschen, die psychische Probleme haben, beschäftigen sich in einer Therapie als allererstes mit dem Selbstwert- und bei dir kommt das erst nach 30 Jahren, sehr verwunderlich eben. Was wurde denn bei dir in der Therapie besprochen?

B.

Guest
#19
Naja, ich sag mal so:Ursache für dies ist, dass der Mensch sich Gott überlassen soll. Er hat Sünde getan und somit seinen Geist von Gott entfernt. Und man sei nun der Gnade Gottes ausgesetzt, dass dieser einen dennoch wieder annimmt.
Gott ist Liebe. Die Religion sagt, man muss als sündiger Mensch sich Gott überlassen. Gott sagt, jeder Mann hat die Gabe mitbekommen das Gute vom Bösen zu unterscheiden und das Böse vom Guten.

Kein Mensch ist ohne Sünde. Wir Menschen sind alle Sünder. Jesus starb am Kreuz für uns Menschen, die wir allesamt Sünder sind. Nur Jesus war das in Vollkommenheit, ein Mensch unter Gott. Was wir als Menschen niemals hinbekommen, weil wir von Geburt an Sünder sind. Weil wir sterblich sind.

Es geht ja dort letztlich um Reinheit. Unter diesem Aspekt ist mir das auch nachvollziehbar. Ich persönlich bin weiter entwickelt, habe festgestellt, dass Gott in mir ist und mit dem Dogma ergibt das dann wenig Sinn. Auch scheint mir die Quantenphysik viel mit den eigenen inneren Möglichkeiten zu tun haben. Also, das was ich seelische Verwandtschaft nenne zum Beispiel. Wenn Gott also in mir ist, ich mich aber für nichts wert einstufe, passt das nicht zusammen, denn durch Gott in mir, müsste ich sehr viel Wert besitzen. Ansonsten müsste ich Gott als wertlos definieren.
Religion ist Religion. Sie wurde von Menschen erschaffen. Gott ist. Und Gott ist die Liebe. Es gibt Religionen, wo Menschen Menschen seelig sprechen, weil sie irgendwann mal was Gutes getan haben an Menschen. Gott sagt, dass der Mensch nicht unter den Menschen gut sein soll sondern vor Gott.

Seelische Verwandtschaft gibt es nur in der Esoterik. Diese Lehre beschäftigt sich nur mit Gott als Materie. Und Gott ist keine Materie. Gott ist.

Dieser Satz 'ich bin nichts wert' sitzt leider tief in mir drin und ich hab auch schon so manches probiert, ihn rauszuwerfen. Der steckt irgendwie fest.
Du bist Du. Das ist der Clou. Jeder Mensch ist ein Kind Gottes. Und jeder, der nach Gott sucht, aufrichtig und ehrlich, wird Gott finden.

Leider
gedacht als Mensch. Doch Gott sieht das Herz an.

Deshalb vermute ich, dass der noch viel älter ist als mein Dogma. Der Glaube da nur drauf gesetzt werden konnte, weil ich schon so drauf war. Ich mein, in der Bibel steht soviel drin. Wieso sich gerade dieser eine Satz da so rausgeputzt hat? Da muss es einfach noch tiefere Wurzeln geben.

Ich hab in diesem Thema ja schon so manche Erkenntnis bekommen. Das ist wirklich cool...

Vielleicht knackt sich das letzte Geheimnis hier auch, wer weiß :-)
Es ist kein Geheimnis, das derjenige, der Gott vertraut und sich auf ihn ganz und gar einlässt, seine Sorgen und Nöte auf ihn überträgt, weil Gott alles trägt was den Mensch bekümmert wirst Du das wahre Heil auf Erden erleben.

Niemand kommt zum Vater als durch Jesus.

Und Jesus Geschichte (Karfreitag und Ostern waren erst) prägte sich allen Menschen ein. Vom Atheisten bis zum gelebten Christen.

Keine Religion, die vom Menschen geleitet, ist so stark wie Gottes Liebe, die allgegenwärtig ist in Menschen, die von Gott geleitet sind, Gutes zu tun und Gutes tun wollen an den Menschen unter Menschen.

starrily

#20
Starrily,

So wunderbare Worte! Kann dem allen nur zustimmen.

Inzwischen ist das Wertigkeit Problem gelöst, kam, wieder einmal, aus der frühen Jugend. Seither ist dieser Satz für mich nicht mehr existent. Seither verändert sich auch mein Aussen sichtbar.

Und seither gehen die Entscheidungen leicht von der Hand: ich handle intuitiv!

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