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Kontakt zu meinem Vater abbrechen?

38 Antworten6'416 AufrufeGestartet von sabine_89 ·

#21
liebe sabine

wenn mir etwas schwer fällt, dann frage ich mich immer, was das schlimmste ist, das passieren könnte. du meinst, dass dein vater sich etwas antun könnte. hat er mal damit gedroht? oder sagt dir das dein bauchgefühl? und bist du der frage mal nachgegangen, wieso du dich für ihn verantwortlich fühlst?

#22
Warum ich mich direkt "verantwortlich" fühle, weiß ich nicht. Das ist bei mir allgemein stark ausgeprägt, glaub ich. Ich hab immer das Gefühl, alles und jeden beschützen zu müssen.

Mein bester Freund hat sich letzten Sommer nach einem Streit mit mir umgebracht, vorher hab ich zu ihm gesagt, dass ich ihn nicht mehr sehen will. Ich hab einfach schreckliche Angst, dass mir was ähnliches nochmal passiert.

Der Rest ist Bauchgefühl, mein Vater hat nie mit so etwas gedroht oder so.

Aber sein Leben läuft einfach komplett scheiße und er ist labil, deshalb...

Natürlich bin ich trotzdem nicht für ihn verantwortlich, eigentlich ist mir das klar. Ganz verschwinden tut dieses Gefühl aber trotzdem nicht.

#23
liebe sabine

niemand bringt sich um, weil man mit ihm/ihr einen streit hatte. vorallem nicht der beste freund. ich kenne die geschichte nicht aber kann es nicht der letzte tropfen gewesen sein, der das fass zum überlaufen gebracht hat?

deine angst betreffend deines vaters verstehe ich nun besser. magst du ihm denn nicht einen brief schreiben, um darin um abstand zu bitten? und um ihn wissen zu lassen, dass du sein elend siehst aber nicht bereit bist, ihm zu helfen? vielleicht kannst du auch adressen von anlaufstellen beilegen, wo er hilfe finden könnte. ein direktes gespräch muss nicht sein wenn du es nicht willst.

#24
Ja, schon. Es wäre auch größenwahnsinnig, das zu denken. Aber trotzdem, auch der letzte Tropfen muss nicht sein...

Ich weiß auch nicht, ein Brief kommt mir feige vor. Außerdem weiß ich nicht, ob ein Brief dann nicht vielleicht schlimmer wäre, immerhin kann er sich den immer wieder durchlesen...

Ich warte nun mal ab, er hat ja gesagt, er möchte nochmal mit mir reden.

Ich denk schon, dass ich es ihm eher persönlich sagen will.

Vielen, vielen Dank für Dein Verständnis und Deine Hilfe.

#25
liebe sabine, auch ich fühle mit dir, weil ich leider ein manipulierendes und gewaltbereites elternhaus kenne. so etwas prägt ein leben lang und man kann wohl nur friedlich leben, wenn man eine stabile opposition aufgebaut hat.

andererseits verstehe ich schon, dass du dich verantwortlich fühlst, bzw. nicht schuld sein möchtest, wenn er - manipulativ, wie dein vater nun einmal ist, ohne es vll selbst zu wissen und zu merken - als letztes mittel die mitleidsmasche anwendet. denn ich glaube, er würde alles tun, damit er deine aufmerksamkeit wieder erlangt, wenn du sie ihm entziehst. deine angst scheint mir nicht unbegründet.

dein großes verantwortungsbewusstsein und dein ausgeprägtes gewissen hast du, nehme ich an, ebenfalls aus einer art opposition entwickelt. dein vater war zeit seines lebens ein grausamer mensch. du hast dich konträr entwickelt, weil du niemals so sein wolltest wie er. daher hast du heute vermutlich einen guten charakter, der dir jetzt 'zum verhängnis' wird, wenn es heißt, genauso kalt und gnadenlos zu sein wie er ein leben lang zu dir war.

aber zu der jetzigen situation: er ist eine große bürde und du kannst wahrscheinlich nie wirklich entspannt sein, wenn er weiterhin eine rolle in deinem leben spielt. und die tatsache, dass du dich vor einem offenen gespräch mit ihm fürchtest, zeigt mir, wie viel macht er noch immer über dich hat (auch wenn es besser geworden ist, seit du erwachsen bist) und wie sehr er dich noch immer manipulieren kann.

er würde von großer stärke und gelassenheit zeigen, wenn du das überwinden könntest und mit ihm dennoch ein offenes gespräch suchst. vll kann es dir gelingen, 'den spieß umzudrehen': wenn er dich bisher manipuliert hat, stelle ihm doch einmal zur abwechslung ein ultimatum. das kann man leise und nett und höflich und freundlich machen. so ein gespräch bedarf weder gewalt noch lautstarker eskapaden.

eine möglichkeit wäre, jeden weiteren kontakt daran zu knüpfen, dass er sich in therapie begibt. verweigert er das, hat er den kontaktabbruch - den völligen - selbst provoziert. ergo wäre es dann auch seine eigene schuld, wenn du nicht mehr für ihn da bist. damit hättest du den ball an ihn zurückgespielt. es wäre - meiner meinung nach - sehr hilfreich, wenn du es schaffen könntest: ihm ruhig in die augen zu sehen und ihm zu sagen, dass er ein ganz armer, armer, schwer kranker mann ist. und dass du für ihn mitleid empfindest. und dass er es einem nie verdienten glück zu verdanken hat, dass du dich noch immer mit ihm abgibst.

natürlich wäre es angebracht, ihm das in der öffentlichkeit zu sagen. allein würde ich nicht mit ihm sein wollen, wer weiß, was der alles anstellt, wenn er wieder einmal die fassung verliert. dein vater ist ja schließlich eine tickende zeitbombe. das ist grund genug für eine therapie, ob er das nun einsehen möchte oder nicht, ist nebensache. es wäre die grundvoraussetzung, dass man ihm abnimmt, dass er ein besserer mensch werden will.

wenn du die stärke und auch die härte aufbringen kannst: geh doch mit ihm essen am vatertag: sag ihm diese dinge ganz ruhig und sachlich ins gesicht, während ihr bei einem schönen mittagessen im restaurant sitzt. und bitte sei in gesellschaft. nimm immer deinen freund mit. dein vater soll niemals mehr mit dir allein sein, damit er sieht, dass er niemals mehr macht über dich haben wird.

wünsch dir alles gute und viel kraft,

Isabel

#26
Vielen Dank, Isabel, Du sprichst mir aus der Seele. Du hast genau ins Schwarze getroffen.

Genau das ist es, er ist manipulativ, merkt es vermutlich aber gar nicht. Und dass er die Mitleidsmasche anwendet, ist abzusehen, ich denke, nur aus diesem Grund hat meine Mutter ihm jedes Mal wieder verziehen. Wahrscheinlich macht er auch das nicht mit Absicht, ich denke, dass es ihm in diesen Momenten wirklich Leid tut und er tatsächlich selbst daran glaub, dass er sich bessern will. Nur funktioniert es eben irgendwie nicht.

Wie gesagt, ich bin da auch sehr egoistisch. Natürlich ist er selbst für sich verantwortlich, wie hier viele schreiben - Aber sollte er sich z.B. umbringen (Im schlimmsten Fall) weil er denkt, alles verloren zu haben und keine Perspektive mehr sieht, kann ich ganz bestimmt nicht sagen "Naja, er war ja selber Schuld" - Trotz allem würde es mir den Boden unter den Füßen wegreißen und dann fällt es mir noch schwerer, einen Strich unter die ganze Sache zu ziehen. Es ist nicht nur mein Verantwortungsbewusstsein ihm, sondern auch mir selbst gegenüber. Ich weiß einfach, dass ich damit nicht umgehen könnte, auch wenn mein Kopf weiß, dass ich nichts dafür kann, könnte ich mir niemals verzeihen, so kalt gewesen zu sein.

Das mit dem Ultimatum und der Therapie wäre an sich eine gute Idee, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das nichts bringt. So viel ich weiß, war er schon mehrmals in Therapie. Ich kann Dir nicht sagen, warum es nichts geholfen hat, wahrscheinlich deshalb, weil er sich selber nie als Schuldigen sieht. Er sieht zwar, dass sein Leben nicht so verläuft, wie er sich das vorstellt, Schuld sind aber alle anderen. Möglicherweise liegt es an seiner Einstellung, die konnte er bisher nicht ändern.

Auch sonst hab ich einfach so eine Abneigung entwickelt, dass ich einfach nicht mehr mit ihm reden kann. Es ist mir unangenehm, wenn er in meiner Nähe ist.

Ich möchte wie gesagt, dass er glücklich ist, so blöd das klingt. Aber eben einfach ohne mich.

Ich werde trotzdem meine Mutter mal fragen, ob er jetzt in Therapie ist/war und wie lange er das schon macht oder gemacht hat.

Die Idee mit dem Vatertagsessen finde ich gut, daran hatte ich auch schon gedacht. Ist vielleicht ein wenig mies, das direkt am Vatertag zu klären, aber im Grunde weiß er ja, dass ihm ein Gespräch blüht. Meinen Freund nehme ich auf jeden Fall mit, und ich denke, wenn wir darüber in einem öffentlichen Restaurant reden, bin ich auch auf der sicheren Seite.

Ist mir auf jeden Fall sehr viel lieber als ein Brief.

#27
Liebe sabine,

ich habe mir nun alles durchgelesen. Leider muss ich sagen, dass auch ich in solch einer fast ähnlichen Situation war wie Du damals. Mit der Ausnahme, dass mein Vater mich nicht geschlagen hat...

Mittlerweile ist es bei mir so, dass ich damals als ich 16 Jahre alt war den Kontakt zu ihm abgebrochen habe und das in einem persönlichem Gespräch. Ich konnte ihm das sagen, was ich gefühlt habe und weshalb ich diesen Schritt gehe.

Nun sind es schon diese Jahr zehn Jahre, seitdem ich keinen Kontakt mehr zu ihm habe. Auch ich habe damals das Gefühl gehabt, dass es mir ohne ihn besser geht und es war der richtige Weg.

Sag ihm was Du fühlst und wie Du denkst. Diesen Schritt solltest Du für Dich selber gehen und Du wirst sehen danach bist Du ein Stück befreiter.

Ich erkenne mich auch in sovielen Dingen wieder. Ich hoffe es geht Dir danach besser. Sicherlich wäre eine Therapie angebracht, aber ich muss selber sagen, ich habe es immernoch nicht geschafft diesen Schritt zu machen, obwohl ich weiß, dass ich diesen Schritt gehen müsste...

Ich wünsche Dir, dass es Dir besser geht und Du Dir Dein Leben weiter so aufbauen kannst, dass Du weiterhin glücklich bleibst!

So schlimm diese Geschichte auch ist, irgendwie tut es gut zu wissen, dass es auch noch andere Frauen gibt, die soetwas ähnliches erlebt haben...

Und schön, dass Du so bist wie Du bist! Behalte Dir diese starke Pesönlichkeit bei! Du kannst stolz auf Dich sein! :]

#28
Hallo zusammen!

Es hat sich etwas getan und das möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Ich schwanke gerade zwischen unfassbarer Wut, Fassungslosigkeit und Belustigung -

Ich habe lange mit mir gehadert, was ich nun tun soll bezüglich meines Vaters. Kürzlich hat er mir eine Email geschickt in der er gefragt hat, wieso ich mich nicht bei ihm melde. Er würde die Stille und die Kälte nicht verstehen und hätte das Gefühl, meine Mutter oder mein Freund würden mich gegen ihn aufhetzen. Das war schon immer so, es waren immer die anderen Schuld.

Das war der Auslöser dafür, dass ich ihm letztendlich doch einen Brief geschrieben habe -

Höflich, sachlich, respektvoll. Ähnlich, wie ich es hier aufgeführt habe, ohne irgendwie beleidigend zu sein, sogar noch mit einem offenen Ende, so in der Art, dass wir es irgendwann gerne noch einmal mit einer Freundschaft versuchen können, ich das im Moment jetzt aber nicht möchte.

Habe zwei Tage für die Formulierung überlegt und dann weitere zwei Tage lang mit mir gekämpft, ob ich das nun abschicken soll und hab's schlussendlich gemacht.

Und gerade bekomme ich seine Antwort, per Email.

Auszug:

Ich soll mich bei Dir Entschuldigung Das ich so bin wie ich bin ????

Geht gar nicht !!!

Komme ja bei Deiner Antwort recht schlecht weg

Einiges kann man so sehen, anderes ist Verdreht

Greifst Themen auf die schon 100 Jahre weg sind.

Es ist alles eine Betrachtungsweise.

Was mich erschreckt ist nicht der Brief als solches,

sondern die Themen die Du aus deiner Kindheit

anführst

Es geht jetzt auch nicht um mich, sondern in erster

Linie mal um Dich

Habe den Eindruck das du dein Inneres Gleichgewicht

verloren hast

Würde Dir gerne helfen Antworten für Dich zu finden

damit Du wieder ausgeglichen bist

Mir geht es Sehr gut wie lange nicht mehr

Ich habe mein Leben auch sehr gut im Griff

Verstehe was passiert ist erkenne die zusammenhänge.

Das mindeste was man fordern könnte ist Respekt

Den habe ich vor Dir und dem was Du tust

(...)

Auf der anderen Seite glaube ich das da jemand keile

zwischen uns stellt bewusst oder unbewusst

und das schon über jahre

Das reicht erstmal. Bei dem Alten läuft doch irgendwas nicht ganz rund, oder?! Ich kann das grad echt nicht glauben...

#29
Was macht Dich denn so wütend?

#30
liebe sabine

das ist ja echt unglaublich :eek:

dein vater ist von einer einsicht so weit entfernt wie die erde vom mond :mauer:

etwas gutes hat seine unterirdische antwort allerdings: du kannst per sofort mit bestem gewissen einen radikalen kontaktabbruch beginnen, zumal es ihm ja so gut geht wie nie.

denk wenn möglich nicht zu lange über seine antwort nach, da kommt nur zu vieles wieder hoch, nimms als beste bestätigung für deinen weiteren lebensweg OHNE ihn.

#31
liebe sabine,

ich habe zur zeit mit meinem besten cousin auch einen kontaktstillstand, es geht mir ein wenig wie dir... alles was von ihm kommt, egal wie deutlich ich ihm sage, wie er mir wehtut, ohne vorwürfe, einfach nur meine gefühle und gedanken, ist irgendwelcher käse. das ist alles müll, den man wegwerfen kann. da wird sich hinter mauern von melanglosen wörtern versteckt, das sind riesige abwehrmechanismen, und der 'junge' ist 30 jahre alt. da denkt man doch, der hat den dreh raus. klar irgendwas läuft hier nicht rund, irgendwas an mir oder dem wetter oder der gesellschaft oder der familie oder dem gras auf der wiese ist nicht koscher... denn sonst würde ich ihm doch nicht so was schreiben. wie kann ich nur!

vergiss es, dein vater will nicht, er will will und will weder zuhören, noch sich selbst ehrlich im spiegel ansehen, noch sein leben reflektieren, noch irgendwelche sachen verarbeiten, noch irgendwas einsehen. er lebt in seiner traumwelt und wehe du machst sie ihm kaputt! nein sabine, durch die dicke haut wirst du nicht durchkommen.

frag ihn in 10 jahren nochmal, auch wenn ich nicht denke, dass da etwas besseres rauskommt, das dir weiterhilft.

ich drück dich ganz fest und finde es sehr mutig und toll, dass du den brief geschrieben hast. es war ein wichtiger schritt für dich. alles liebe

B52
#32
Also ich weiss ja jetzt nicht, was du alles in deinem brief geschrieben hast, scheinbar hast du eine entschuldigung gefordert? Glaube nicht, dass man in eurer situation mit schuldzuweisungen weiterkommt.

Also ich find deine ganze geschichte wirklich sehr bedrückend und schlimm und wahrscheinlich wäre es wirklich für dich das beste, den kontakt ersteinmal komplett abzubrechen.

Aber an seiner antwort kann ich jetzt nicht wirklich etwas böses oder wutauslösendes erkennen? Ich weiss nicht so recht, welche antwort du von ihm erwartet hast? Also gut, dass er schreibt, er fühlt sich im moment wohl ist wohl deiner ansicht nach eine lüge?

Aber das er merkt, dass du etwas aus der bahn bist, ist ja von ihm kein vorwurf, sondern fakt, oder?

Vielleicht kannst du mir deine gedanken dazu etwas näher beschreiben?

B.

#33
Sorry, ich dachte, es wäre verständlicher.

Habe natürlich keine Entschuldigung gefordert, das bringt mir jetzt auch nichts mehr. Es ist mir egal, ob ihm irgendwas Leid tut.

Mir ging es mit dem Brief nur darum, ihm zu erklären, weshalb ich nichts mehr von ihm wissen will und dass er mich in Ruhe lassen soll, um nichts sonst.

Es juckt mich auch nicht, wie's ihm geht, wieso sollte mich das wütend machen?

Es ist gut, dass es ihm angeblich so gut geht, so bin ich aus dem Schneider und muss mir keinen Kopf mehr machen.

Nein, was mich geärgert hat war, dass ER, der so offensichtlich eine so riesige psychische Störung hat, nun versucht, den Spieß umzudrehen und es so hinzustellen, als wäre ICH die Verrückte. DAS ärgert mich, ich dachte, das wäre offensichtlich.

Ich bin weder aufgewühlt noch habe ich mein Gleichgewicht verloren - Es geht mir sehr gut, so lange er mich in Frieden lässt und mehr will ich nicht von ihm.

Aber das alles runterzuspielen, von wegen "Ist ja eh schon ewig her", es so hinzudrehen, dass mit MIR irgendwas nicht stimmt, zu sagen "Na und, ich bin halt einfach 'n aggressives *********, kann ich nicht ändern" und dass er NICHTS kapiert hat, sondern das Problem immer noch irgendwo anders sucht - DAS macht mich wütend, ich halte das für normal. :P

Wie auch immer, die Reaktion hat mir gezeigt, dass ich mich richtig entschieden habe.

B52
#34
Nein, was mich geärgert hat war, dass ER, der so offensichtlich eine so riesige psychische Störung hat, nun versucht, den Spieß umzudrehen und es so hinzustellen, als wäre ICH die Verrückte
Also ich finde es für dich nicht sehr zielführend wenn du versuchst herauszufinden, wer von euch beiden die größere psychische störung hat..klingt hier fast wie ein wettkampf oder auch machtkampf...

Das ist bei euch fast wie die frage was zuerst da war, das huhn oder das ei, denn durch seine probleme hat er an dich weitergegeben....

Ich glaube bei euch beiden (vor allem von deiner seite aus) sind die fronten so sehr verhärtet, dass er eigentlich sagen könnte was er will, du legst ihm alles negativ aus. das ist zwar verständlich bei der kindheit und jugend, die er größtenteils verursacht hat, aber es bringt dich nicht weiter...

Und deshalb nochmal die frage? Was hast du für eine art antwort von ihm erwartet oder erhofft? Was wünschst du dir von ihm? Und was würde es dir bringen?

B.

#35
Ich find` Dich so was von cool Sabine. Wie Du das schaffst, das alles nicht an Dich rankommen lässt. Dass Du genau weisst, wer der Verantwortliche ist. Deinen Mut, Dich ihm offen mitzuteilen. Seine Antworten deutest Du auch schon in die richtige Richtung. Du bist so klar und unverblendet... besser kann man das Alles nicht angehen und das in dem Alter. Einfach weiter so :super:

Da hätt ich glatt ein Buchtipp für Dich.... Aber Du weisst ja schon alles ;)

#36
Ok, ich gehe mal etwas mehr ins Detail. ;)

Sorry, ich glaube, das war durch meine Wut ein wenig schlecht ausgedrückt.

Es geht mir nicht um einen Machtkampf, wer verrückter ist, denn ich bin es nicht. :P

Was ich mir erhofft hatte, weiß ich nicht. Vielleicht eine Antwort, mit der ich was anfangen kann. Ich habe meinen Brief, wie bereits erwähnt, sehr sachlich verfasst. Seine Antwort möchte ich nicht ganz abdrucken, da diese die ganze Familie mit hineinzieht.

Das zum Beispiel hat mich gestört.

Er hat vollkommen am Punkt vorbeigeredet, statt auf mich und UNSER Problem einzugehen, seitenlang davon gefaselt, wie schwer er es ja mit meiner Mutter hatte - Wie dumm für ihn, aber was hat das mit mir zu tun???

Alles runtergespielt - "Ist ja schon ewig her, da haste was in den falschen Hals bekommen, usw" -

Zu dem Thema mit seinen Ausrastern meinte er nur "Naja, da gehören ja immer zwei zu."

Dann, dass jemand "Keile zwischen uns treibt" - Statt einfach mal vor seiner eigenen Türe zu kehren, nun Schuldige suchen.

Zum Thema Hund meinte er nur "Naja, er war halt mein bester Kumpel, manchmal war er auch mein Blitzableiter, kommt vor."

Was ich erwartet hatte, weiß ich nicht. Vielleicht etwas, das mir eine Art Erklärung gibt. Etwas in der Art, "Ja, ich habe Fehler gemacht, und ich bereue es", irgendetwas, das mir zeigt, dass er irgendwas kapiert hat. Aber nach wie vor sind die anderen das Problem und er kann ja nicht aus seiner Haut. Ist es wirklich so schwer, nachzuvollziehen, wieso mich das wütend macht?!





EDIT (automatische Beitragszusammenführung)





Und ich lege ihm nichts negativer aus, als es ist. Es ist schwer, so zu erklären, aber wenn Du selbst keinen solch manipulativen Menschen kennst, kannst Du wahrscheinlich nur schwer nachvollziehen, wie's mir geht.

Auch, dieses "Ich glaube, Du hast Dein Gleichgewicht verloren" - Das schreibt der doch nicht, weil er sich Sorgen um mich macht!

#37
Ich finde es schon wichtig zu wissen, wer für das Leid der Kindheit verantwortlich ist. Es kann nämlich passieren, dass man das sein Leben lang mit sich schleppt. Menschen, die in ihrer Kindheit so behandelt werden, geben sich selbst die Schuld und leiden unter Scham und Selbsthass und finden dann auch Wege sich selbst zu bestrafen. Das sieht man ganz schön häufig. Um das Aufzulösen ist es nötig, sich dem zu stellen. Offen und ehrlich, aus Sicht des Kindes. Und ja, Sabine, dein Vater spielt das alles runter. Lass Dir da bloß nichts einreden, er ist halt unreif und kann das nicht ertragen, also muss er das von sich weisen. Das spielt aber keine Rolle. Das ist seine Baustelle. Kümmer Dich um Deine! Es ist auch nicht wichtig, ob er Dir Recht gibt oder das einsieht. Der Sinn bzw das Ziel, welches du mit dieser Konfrontation beabsichtigst ist das wichtigste. Schau, was möchtest Du mit deinen Handlungen erreichen?

ist es

-der Wunsch ein zufriedenes Leben als freier, unabhängiger Mensch (<- emotionale Unbhängigkeiten auch vom Elternhaus)

- möchtest Du ihr "retten" und ändern?

- deine Wut auf ihn abladen?

- etwas Positives von ihm zurückbekommen?

Du hast folgende Antwort von deinem Vater erwartet:

"Ja, ich habe Fehler gemacht, und ich bereue es"
Bringt Dir auch nicht wieder, was Du in deiner Kindheit vermisst hast. Du solltest versuchen -ohne Angst- anzuerkennen, dass Du eben nicht bekommen hast, was Du so brauchtest und wünschtest und es auch nie wieder von deinem Vater bekommen wirst.

Das ist auch wieder ein Thema, wenn man Bedarf sieht und Lust darauf hat sich da reinzulesen, gibt es einige "gute" Bücher. Zu genau dieser Konfrontation gibt es sehr aufschlussreiche Informationen und Handlungstipps. Alles weitere kommt per PN

#38
liebe sabine89.

man kann ohne kontakt zu den eltern leben. ich spreche aus eigener erfahrung. seitdem ich keinen kontakt mehr habe, geht es mir sehr viel besser. weil ich nicht bei leuten etwas suche, was sie für mich nicht haben. und auch wenn das wehtut: es ist die wahrheit. und wenn man die wahrheit reinlässt, wird alles ein bißchen leichter.

ich kann deine enttäuschung über den brief deines vaters gut verstehen. und ich kann gut verstehen, dass dich das wütend macht. du willst aufarbeiten- aber du hast kein gegenüber dazu. und so wie er schreibt, wirst du es auch nicht haben. renne nicht dagegen an. damit tust du dir nur weh. sage ihm, was du sagen musst und dann geh.

eltern haben nicht ein recht auf kontakt zu ihren kindern. kontakt muss man sich verdienen. durch ehrlichkeit. durch zuneigung. durch respekt.

und dazu gehört auch, dich und deine wunden anzugucken, dir zuzuhören und dich ernst zu nehmen.

aber das kann er nicht.

auch mir fiel schwer zu verstehen, dass meine eltern eine ganz andere realität in ihren köpfen haben. und sie wollten um himmels willen darüber auch nicht sprechen, warum ich das ganz anders erlebt habe.

sie glauben sich das, was sie glauben. und mir blieben nur 2 möglichkeiten: entweder, akzeptier ich das und wir arbeiten nichts auf und ich muss mich regelmäßig tierisch verletzen lassen, oder: ich gehe, weil ich dazu nicht bereit bin. ich bin gegangen. weil man mit menschen, die nichts klären wollen, nichts klären kann.

ich wünsche dir viel kraft.

B52
#39
Ich hab geahnt, dass du so antwortest. Ich versteh dich schon, auch dass es dich wütend macht. Ich wollte dir nur irgendwie aufzeigen, dass es dich nicht weiter bringt einen schuldigen zu suchen. So wie du ihn und deine kindheit beschrieben hast, konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass er selbstreflektiert und verständnisvoll antwortet.

Wenn du ehrlich bist hast du das auch nicht wirklich erwartet, oder? Er ist wie er ist und ich glaube kaum, dass er sich in seinem alter noch grundlegend ändert.

Sieh deinen brief als eine art Last die du abgeladen hast, aber erwarte dadurch keine "enstchuldigung" etc. von ihm. Die wird nicht kommen.

Du bist in deinem alter wesentlich reifer und lebenserfahrener als er je sein wird. Das sollte dir kraft genug geben dein leben ohne ihn zu leben.

BTW:Ich habe vor 5 jahren den kontakt zu meiner mutter abgebrochen (mein vater ist bereits als ich 12 war gestorben) und mir geht es seitdem besser (aber auch nicht immer, weil es eben schon traurig ist, dass es so ist) aber ich konnte die ständigen verletzungen, die von ihr kamen einfach irgendwann nicht mehr ertragen. Auch ich hatte ihr einen langen brief geschrieben, ihre einzige antwort darauf war, dass der ja nur aus vorwürfen und anschuldigungen bestehen würde und ich lieber mal vor meiner türe kehren sollte, wie ich mich als teenager so verhalten habe und zu diesem schlechten verhältnis zwischen uns beigetragen habe. Tja, was soll man da noch sagen.

Ich arbeite zur zeit dran (therapeutisch) von dem reinen schuldgedanken wegzukommen (daher mein beitrag zu dir) und es zu akzeptieren, dass es so war wie es war...aber es fällt mir immer wieder schwer...

Nunja, das nur nebenebei... ich wünsch dir die kraft, dass du den kontakt zu ihm abbrechen kannst, ob er es nun versteht oder nicht sollte dir egal sein...

Viel kraft, dir.

B.

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