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Zweite Geige spielen?

23 Antworten5'300 AufrufeGestartet von Margarete ·

Unknow2
#21
Hallo Maggy

also wenn du es schaffst, eine Beziehung "von aussen" zu betrachten, dann bin ich darüber jetzt aber mal sehr erstaunt (weiß nicht, ob ich auch begeistert bin), aber mir selbst ist das noch NIE gelungen. :(

Ich vermute, dass dann, wenn man fühlt / wenn ich fühle, die Dinge eben nun einmal sehr nahe sind. Ich vermute des weiteren, dass du dich schon so weit aus der Beziehung herausbegibst gedanklich, wie es einem nur möglich sein kann, denn noch weiter wäre doch auch Quatsch. Wo blieben dann die Gefühle?

Naja, allzu hochphilosophisch bin ich ja nicht und kann es vielleicht auch einfach selbst nicht verstehen und somit auch für dich nicht erhellen. Ich will nur sagen: Du machst das schon sehr gut und es gibt keinen Anlass, etwas besonderes dahinter zu vermuten, dass man keine absolute Klarheit hat in Bezug auf die Beziehung als Ganzes.

dropje

#22
Hallo dropje,

dafür, dass du behauptest, nicht hochphilosophisch zu sein, gelingt es dir aber sehr gut :]

Den letzten Satz deines postings finde ich sehr beruhigend. Ja, es ist richtig, man muss nicht die letzte Klarheit in Bezug auf die Beziehung haben. Man muss Klarheit haben über die eigenen Gefühle und die eigenen Wünsche. Selbst das ist schon ziemlich schwer, erscheint mir manchmal sogar unmöglich.

Vielleicht ist das genau mein Problem, dass ich meine Beziehung auch von außen betrachten kann. Deshalb spüre ich vielleicht auch diese Diskrepanz. Es gelingt mir nicht, im Innen zu bleiben, ich neige zur Analyse, zur Schau im Sinne von Anschauen. Dabei vergesse ich aber wohl manchmal, dass man im Anschauen oft auch einem Schein unterliegt.

Im Klartext: Betrachte ich meine Beziehung von außen, mit dem Bemühen, den unbeteiligten Beobachter zu spielen, so würde mein Urteil nicht immer schmeichelhaft ausfallen. Da gibt es einen Mann, der sich nicht von seiner Vergangenheit trennen kann, weil er über Schuldgefühle daran gebunden ist. Er schafft es nicht, sich gegenüber seiner Familie durchzusetzen und seiner Freundin den Platz einzuräumen, der ihr eigentlich zustehen würde. Ich bin nicht die Frau an seiner Seite, ich bin die Freundin. Das ist ein Unterschied. Ich sehe einen Mann, der viel Zeit aufbringt, seine Pflichten zu erfüllen, der darüber manchmal nur wenig Zeit hat für seine Freundin.

Begebe ich mich nach innen, sehe ich einen Menschen, dem es trotz vieler innerer und äußerer Widerstände gelungen ist, sich einer Frau wieder zu öffnen. Ich fühle einen Mann, der voller Zuneigung und Sehnsucht ist, die er jedoch oft nicht ausleben kann, weil er es sich nicht zugesteht. Ich erfahre einen Mann, der für seine Begriffe große Hürden genommen hat, die für einen Außenstehenden vielleicht nur Streichholzhöhe haben. Ich sehe einen Mann, der bemüht ist, seine Pflichten zu erfüllen und der dennoch Zeit und Energie abzweigt, seine Liebe zu pflegen. Ich sehe eine Frau, die diesen Mann ganz an ihrer Seite haben möchte, und die dennoch Angst hat, die Versprechen, die damit verbunden sind, nicht halten zu können. Deshalb bleibt auch sie im Grunde immer noch auf Abstand. Ich fühle zwei Menschen, die sich lieben und es dennoch schwer haben, diese Liebe beständig zu leben. Diese Menschen haben schon viel geschafft und doch empfinden sie es manchmal als zu wenig. Aber sie versuchen es weiter.

Innen und außen bringe ich oft nicht zusammen. Das ist eines meiner Probleme, vielleicht zur Zeit das größte.

Liebe Grüße

Maggy

Unknow2
#23
Hallo

Original von MargareteEs gelingt mir nicht, im Innen zu bleiben, ich neige zur Analyse, zur Schau im Sinne von Anschauen. Dabei vergesse ich aber wohl manchmal, dass man im Anschauen oft auch einem Schein unterliegt.
ein(e) Poster(in) hatte mal gepostet, dass wir jeden Tag bei Wahrnehmungen (Thema war, glaube ich, Erinnerungen) dazulernen. Daraus habe ich den Schluss gezogen, dass wir jede Angelegenheit nie abschließend betrachten (können).

Bei Beziehungen ist es ja doch so, dass wir unseren Standpunkt oft noch ändern. Mein einziger Maßstab, an dem ich messe, ob es funktioniert / gut ist oder nicht, ist mein Inneres.

Du schreibst, über dein Inneres bist du dir nicht in jeder Hinsicht im Klaren, insbesondere kannst du schwerlich unterscheiden, was "sein Fehler" ist und was aus dir selbst herrührt.

Ich denke, wir haben immer Entscheidungen zu treffen, Zweifel abzuwägen und gegebenenfalls unsere "Routen" abzuändern, die wir im Leben nehmen. Mir hilft es dann, wenn ich mehrere Optionen erkannt habe und zwischen mehreren Möglichkeiten abwägen kann.

Ich habe das Gefühl, für dich ist diese Beziehung so wichtig, dass es für dich nur "Hopp oder top" gibt (was ja normal ist, dass einem eine Beziehung wichtig ist...). Meinst du, es würde dir helfen, wenn du dir einfach erstmal "abstrakt" überlegst, welche Szenarien dir möglich erscheinen, also nicht nur Beziehung contra Trennung, sondern auch die anderen Möglichkeiten (z. B.: Gespräch oder Ultimatum, Ablenkung oder Fixierung...). Wenn ich meine Möglichkeiten, die natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit beinhalten, nebeneinander auffächere, kann ich einfach auf mein Inneres lauschen und mich mit dem Herzen entscheiden. Dann bin ich nicht so abgelenkt von rationalen Erwägungen.

Anschließend überlege ich dann, wie meine "Herzensentscheidung", die manchmal auch zu zwei Wegen gleichzeitig tendiert, real zu verwirklichen ist.

dropje

#24
Hallo dropje,

ja, deine Beobachtung 'Hopp oder Top' stimmt.

Meine beste Freundin hat mich auch schon darauf aufmerksam gemacht. Wenn es mir in meiner Beziehung nicht gut geht, denke ich sofort an Trennung, andere Optionen kommen mir oft gar nicht in den Sinn.

Im Moment versuche ich daran zu arbeiten, mir weniger Gedanken zu machen, was er in der Zeit tut, in der er nicht bei mir ist. Ich will mich mehr auf die Zeit konzentrieren, in der er bei mir ist. Und mich auf mich besinnen, wenn ich ohne ihn bin. Wieso ich so auf ihn fixiert bin, und ich muss gestehen, das bin ich, weiß ich gar nicht. Vielleicht weil er mich oft auch sehr fordert, mich und meine Aufmerksamkeit. Vielleicht ist er aber auch gar nicht der Auslöser, sondern die Fixierung liegt ausschließlich in mir begründet.

Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Ich bin jetzt fast 40 habe eine 15jährige Ehe hinter mir und vorher schon einige Beziehungen. So wie es mir jetzt geht, ging es mir noch nie. Ich war immer so eigenständig. Auch in meiner Ehezeit. Zwar ging es mir da oft schlecht, weil ich etwas vermisste. Aber diese Verlustängste, die mich jetzt plagen, das ist schon schlimm. Manchmal halte ich es kaum aus und wünschte mir er würde aus meinem Leben verschwinden, nur damit ich keine Angst mehr um ihn/uns haben muss.

Mann, vermutlich bin ich total verkorkst und es kommt erst jetzt, in hohem Alter so richtig zum Vorschein. :]

Ratlose Grüße

Maggy

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