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Abschied

54 Antworten7'016 AufrufeGestartet von Lunaris85 ·

#21
Nina,

deine Worte sprechen die Wahrheit. Die Leere, die ich fühle, von der ich hier ständig schreibe, sie ist gut. Sie muss da sein. Das Niederschreiben, das Trauern, die unzähligen Tränen, sie schaffen Platz. Die Leere in mir hat bisher SIE ausgefüllt. Jetzt wo sie nicht mehr da ist habe ich zwei Möglichkeiten: Die Leere wieder zu füllen, oder sie zu verdrängen. Ich entschließe mich dazu, sie wieder zu füllen. Ich würde sie am liebsten wieder mit ihr füllen. Ich hätte keine Bedenken mich erneut mit ihr ins Abenteuer zu stürzen. Aber kann ich nicht erwarten, dass sie das auch will. Ich will versuchen zu kämpfen. Wenn es nicht sein soll, dann werde ich abschließen. Aber solange ich nicht 100% sicher bin, werde ich nicht aufgeben. Den Brief (letzter Beitrag) werde ich noch diese Nacht niederschreiben, zu Papier bringen, in einen Umschlag stecken und in den Briefkasten werfen. Das wird meine letzte Handlung sein. Danach liegt es an ihr. Ich kann hoffen, warten, mich auf eine Niederlage einstellen. Vielleicht Können wir ja sogar irgendwann darüber sprechen…

Leider kann ich jetzt nicht mehr schreiben. Ich möchte dir Nina, und auch allen anderen hier, danken. Danken für die lieben Worte, die mich täglich erreichen. Ich werde an mir arbeiten. Ich will mich wieder aus diesem depressiven Sumpf herausziehen. Ich werde nicht aufgeben. Aber bevor ich das tun kann, muss ich die Vergangenheit bewältigen und meine Chancen in der Gegenwart versuchen zu nutzen. Wenn alles fehlschlägt habe ich nichts, außer der Zukunft. Erst wenn ich hier abgeschlossen habe, kann ich ein Fundament für diese Zukunft gießen. Ich schwöre euch, ich werde es versuchen!

Ich kann nicht mehr schreiben, Verpflichtungen Freunden gegenüber. Der Philosoph wartet schon…

#22
Ich habs getan. Ich habe den Brief auf Papier gebannt und ihn in den Briefkasten geworfen. Ich bin mir dessen bewusst, dass morgen Feiertag ist und die Post sich einen Dreck darum schert, ob ich es jetzt oder am Dienstag mache. Ich hasse es zu warten, ich hasse die Ungewissheit… Es liegt jetzt an ihr. Ich kann jetzt nichts mehr tun.

Ich habe vorher noch nie einen Brief verschickt – jedenfalls nicht per Post. Nie war es mir jemand wert - 55 Cent (HA HA)… Nein, nie war es mir so wichtig!

Ich erkenne mich selbst nicht mehr. Ich lerne eine neue Seite an mir kennen. Eine impulsive, nicht nachdenkende Seite. Sie hat mich immer dazu animiert, nicht so viel nachzudenken, sondern einfach zu handeln. So erging es mir vor einigen Minuten. Ich habe den Brief geschrieben, in einen Umschlag gesteckt und eine Briefmarke draufgeklebt. Ich habe mich ins Auto gesetzt und bin direkt zur Poststelle gefahren. Bei diesem Briefkasten weiß ich, dass er als erstes geleert wird. Ich stand vor dem Briefkasten im Regen. Ich habe mir die Leerungszeiten durchgelesen, den Deckel geöffnet und den Brief hinein geschoben. Ich habe nicht nachgedacht. Der Brief gleitet hinein und ich denke nur: "Scheiße!" Plötzlich überkam mich der Gedanke wie blöd das eigentlich war. Aber das war es (hoffentlich) nicht. Ich weiß nicht ob ich das Richtige getan habe. Doch im Nachhinein war mir, als hätte mich im Moment als ich den Brief losließ eine fremde Kraft gesteuert. Ich habe mich ins Auto gesetzt und bin nach Hause gefahren. So sitze ich hier und frage mich, was das gerade war. Ich kann es nicht beschreiben. Der Moment war so… ich habe nichts gedacht – einfach gehandelt. Ob sie wohl stolz auf mich wäre?

Ich war heute auf einem Geburtstag von einer Bekannten… Meine Schwester und ihr Freund waren auch dabei. Die ersten aus meiner Familie, die es erfahren haben. Der erste Schritt ist gemacht… Aber ein Gespräch darüber habe ich abgeblockt. Wir waren dort um zu feiern. Meine Laune war miserabel – ich wollte sie nicht noch weiter absacken lassen, indem ich noch mal alles durchwälze, was ich hier die Tage über niedergeschrieben habe. Es ist schon merkwürdig… Ich sehe meine intakte, glückliche Familie. Meine Eltern, von denen ich mir nicht einmal vorstellen kann, dass sie streiten können sind seit über 30 Jahren glücklich verheiratet. Mein Bruder (26), der seit nunmehr 7 Jahren mit seiner Freundin zusammen ist, meine Schwester (22), die seit 3 Jahren mit ihrem Freund zusammen ist… Ich habe gerade meine erste Beziehung hinter mir. Meiner Schwester habe ich damit sogar etwas voraus… Sie sind alle so glücklich. Sie haben ihr Leben im Griff.

Ich habe Angst, mein Leben niemals so in den Griff zu bekommen. Ich bin gerade mit der Schule fertig. Am Dienstag beginnt mein Zivildienst… Ich habe nicht die leiseste Ahnung was danach kommt. Ich weiß nicht wo meine Stärken liegen, sehe immer nur meine Schwächen. Ich habe Hobbys – vereinzelt – aber nichts in was ich mich richtig reinknie. Ich habe keinen Berufswunsch. Ich weiß nicht ob ich studieren soll, oder ob ich eine Ausbildung machen soll. Ich sehe meine Perspektiven für die Zukunft nicht Ich habe nur Angst und bin voller Selbstzweifel. Wer weiß es? Ihr… Nur ihr kennt die GANZE Wahrheit. Zumindest den Teil, den ich sehen und in Worte fassen kann.

Aus meiner Familie hat nur meine Schwester eine ansatzweise Ahnung davon, wie ich wirklich bin. In meinem Kleiderschrank habe ich viele Kostüme. Für jeden Mensch trage ich eine besondere Maske. Jedem biete ich eine persönlich zugeschnittene schauspielerische Meisterleistung. Bezeichnend, dass eines meiner liebsten Hobbys das Rollenspiel ist… Oftmals mache ich auch mir erfolgreich etwas vor… Viele meiner Freunde, Bekannten, Verwandten etc. würden vor Schreck erstarren, wenn sie die vielen Facetten meines Wesens präsentiert bekämen. Ich bin so ein vielschichtiger Mensch, doch zum Geburtstag bekomme ich zahlreiche Aschenbecher geschenkt – das erste was ihnen einfällt, wenn sie an mich denken. Das ist dermaßen frustrierend… Dass ich Gedichte schreibe, hat bis zur Veröffentlichung unserer Abi-Zeitung kaum jemand gewusst. Hier im Forum habe ich sie alle eingetragen, doch im Real Life zeige ich sie kaum her. Ich beschäftige/beschäftigte mich viel mit Sinnfragen. Grob könnte man es unter 'Gedanken über Gott und die Welt' einordnen. Auch hier musste erst ein Artikel meinerseits in der Abi-Zeitung erscheinen, bevor jemand davon erfuhr. Meine Mutter war besorgt als sie den Text das erste Mal las. Sie hatte bis Dato keine Ahnung. Nach außen bin ich ein rationaler, intelligenter Mensch, der überall schnell zurechtkommt, mit jedem kann und immer die richtige Antwort parat hat. Im Inneren bin ich aber nur eines: Ein Gefühlsmensch. Sobald es emotional wird blocke ich wenn ich unter Menschen bin stur ab. Bin ich alleine, dann trifft es mich umso härter. Das Gefühl, dass einen niemand richtig kennt… Es ist so grausam. Es lässt mich denken ich wäre ganz alleine auf diesem trostlosen Planeten. Tatsache ist jedoch, dass SIE ausnahmslos ALLES weiß. Sie kennt mein wahres Ich, weiß wann ich eine Maske trage, genauso wie sie weiß, dass ich sie immer abgelegt habe wenn ich mit ihr alleine war. Mit ihr war mein Leben so unbeschwert. Keine Sorge über den nächsten Tag – nichts was mich bedrückte. Ich will nicht mehr der Mensch werden, der ich war bevor ich mit ihr zusammen kam. Kontraproduktiv, pessimistisch, unehrlich auf die Schlimmste Art und Weise. Ein Mensch, dessen Mimik man auf wenige Zustände eingrenzen kann: ein aufgesetztes Lachen, das Foto-Lächeln und ein abwesend wirkender, in die Leere starrender Blick.

Ich habe in meinem Leben NIE so oft einfach nur gelächelt, mich offen und ehrlich gefreut, als in diesen 63 Tagen…

Nach jedem Rückschlag baut sich der Mensch einen neuen Panzer auf, der ihn vor dem Schmerz schützt. Ein Panzer, der mit jeder Niederlage dicker und dicker wird – bis nie wieder etwas zum Herzen hindurchdringt. Bis mir niemand mehr Schmerz zufügen kann. Genau betrachtet, benötigt man diesen Schutzmechanismus in unserer Gesellschaft. Ich glaube sogar, er ist im Überlebenstrieb einprogrammiert. Zuviel Schmerz erträgt die Seele nicht…

Ich merke schon, wie sich mein Thread mehr und mehr zu einer Anleitung zu meiner Psyche mausert. "Ist ein Psychologe anwesend?" Falls ja: PN an mich! :P

EDIT: PS: Das waren weitere 1000 Wörter, die mein Hirn leerfegen und Platz für Neues schaffen sollen!

#23
Lieber lunaris,

Ich habe Deinen letzten Eintrag gelesen und er hat mich sehr berührt, weil ich die Gefühle, die Du beschreibst, sehr sehr gut kenne. Dieses schreckliche Maskenspiel... nach außen hin gebe ich mich immer unbeschwert und alles scheint perfekt zu laufen, doch in mir drinnen sitzt ein verzweifeltes Kind, das sich sehr viele Gedanken macht über die Ausweglosigkeit der Welt.

Mir ging es auch so, dass ich nur bei meinem Freund die sein konnte, die ich war, er hat mich "aufgetaut", seine Eisprinzessin hat er mich genannt. Nun kann ich nicht mehr zurück zu der Person die ich vorher war, kann diese Fassade nicht mehr aufrechterhalten. Er ist weg und ich bin zurück geblieben, zerflossen, schutzlos – ich habe so vieles erkannt, doch bin dadurch auch so verwundbar geworden.

Lunaris, ich würde Dir gerne so viel schreiben, doch heute habe ich glaube ich keine Kraft, daher werden es keine Tausend Zeichen mehr...

Aber ich möchte Dir noch sagen, dass ich es sehr schön finde, dass Du schon mit 20 Jahren erkannt hast, dass es im Leben mehr geben muss als das oberflächliche Gerede, mit dem sich viele Menschen zufrieden geben. "Normalität" ist in Wahrheit das, was uns alle kaputt macht...

Ich wünsche Dir eine Gute Nacht und hoffe, dass ich Dir bald mehr schreiben kann

Mariala

#24
Liebe Mariala,

ich würde dir gerne etwas sagen, doch kann ich es nur bildlich beschreiben...

Gefangen im Eis bleibt einem nicht viel. Man bleibt starr, was da auch kommen mag. Dir näherte sich ein Prinz, der das Eis zu schmelzen vermochte - Nein, du hast durch deine Liebe das Eis geschmolzen. Es ist eine neue Erfahrung. Man sieht die Welt nicht mehr durch die Eisschicht verzerrt, genauso wie die anderen nicht mehr das verzerrte Bild von einem sehen. Der Prinz befreite dich vom Eis und führte dich durch die Welt. Jetzt wo er gegangen ist, führt dich niemand mehr. Da ist keine Schulter mehr, an die man den vom Eis noch tauben Körper anlehnen kann. So ist es vorherbestimmt, dass die Eisprinzessin - Du - das Laufen erlernen muss. Das selbe gilt wohl auch für mich!

Irgendwie erinnert es mich ans Fahrradfahren... Ein Kind, dem die Stützräder vom Rad abmontiert werden. Ich wollte als kleines Kind nie ohne Stützräder fahren...

Mariala, du musst mir keine tausend Zeichen schreiben, ja mit einem einzigen Satz bin ich schon zufrieden gewesen.

"Normalität" ist in Wahrheit das, was uns alle kaputt macht...

#25
Schon merkwürdig, wie sich mein Körper auf wichtige Augenblicke einstellt… Mein Zivildienst beginnt heute… Schon lange weiß ich Ort und Zeit für den heutigen Tag. Ich nehme mir vor mich darauf einzustellen. Was passiert? Ich bin gestern um 18.00Uhr aus meinem Bett aufgestanden. Ich habe geschlafen zu einer Uhrzeit, zu der ich die nächsten Monate arbeiten muss. Ich habe mich um 1.00Uhr wieder ins Bett gelegt und habe versucht zu schlafen. Um 2.25Uhr wusste ich schon, dass das nichts mehr wird. Als ich um 5.00Uhr nach 10minütigem Dösen wieder aufgewacht bin und topfit war, nahm ich mir ein Buch. Ich habe schon lang nicht mehr gelesen… Ich habe noch 90 Minuten bis Dienstantritt – und ich werde zunehmend müde. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass mein Körper das Gegenteil von dem tut, was er soll. Ich glaube das ist ein Aspekt des Selbstzerstörungstriebes, den ich schon oft in mir selbst erkannte. Merkwürdig…

Burn-Out-Syndrom... nur dass es nicht die Arbeit ist, sondern mein ganzes Leben, welches mich ausbrennt. Ein spontaner Gedanke

Ach ja... jetzt nochmal On-Topic bevor sich die Vergangenheit mit der Zukunft vermischt (uh... tiefsinnig, sehr tiefsinnig. 3 Assoziationen auf einmal!):

Heute wird der Briefkasten geleert und der Brief beginnt seine Reise...

#26
Lieber Lunaris,

Ich hoffe, Du hast Deinen ersten Tag als Zivildienstleistender trotz allem gut überstanden. Das was Du oben beschreibst, nämlich Deinen ganz persönlichen "Selbstzerstörungsmechanismus", kenne ich auch gut von mir. Große Energien stecken in mir, ich habe unheimliche Stärken und Reserven – und all das wende ich gelegentlich, nein sogar oft, gegen mich. Was meinst Du, was wir alles schaffen könnten, wenn wir diese Energien nach außen tragen? Wie das klappen soll, weiß ich aber auch noch nicht.

Danke für das Bild, das Du mir gezeichnet hast – Du hast Recht, die Eisprinzessin hat sich selbst durch ihre Liebe aufgetaut, jetzt muss sie ohne Stütze das Leben meistern. Und die Liebe ist natürlich immer noch da, ich würde sie am liebsten laut herausschreien, so stark wütet sie in mir.

Gute Nacht,

Deine zerflossene Mariala

#27
darf ich mich hier ein wenig "einmischen"...weil mich euer "Bild" so beeindruckt hat?

wenn ich MICH versuche so bildlich zu sehen....

hm...ich fange dort an, wo der Grundstein für alles Kommende wohl gelegt wird - in meiner Kindheit..

ich war..hm..ruhig, ängstlich, dick (mag sein, daß euch das jetzt hier seltsam erscheint....aber rückblickend prägt das SEHR), ernst, nachdenklich..vielleicht sogar ein wenig "sonderlich"....

...ich wurde "erwachsen"..incl. Magersucht..und MEGA - Pickeln...

alles!!! was ich wollte - da ich irre!! ehrgeizig war..war HÜBSCH zu sein..das war lange Zeit ALLES worum es ging...und selbstbewusst!

hm - was sol ich sagen..ich habe es geschafft...

ich bin mittlerweile nebenberuflich Model, meine Haut und mein Körper sind so wie es sein "sollte" und ich bin so wie ich immer sein wollte:

gutaussehend, selbstbewußt, stark, beliebt, sportlich...blabla..blubb..blubb..

und nachdem ich mich sooooo unverwundbar fühlte - war ich NICHT im Eis - gar nicht!!! meine Kindheit und meine verletzliche Seele längst "vergessen" suhlte ich mich in einem Leben, das geprägt war von Annerkennung und Liebe an allen Ecken...

wie ein Kind, das vor NICHTS Angst hat bin ich durchs Leben "gehüpft"..keiner hat mir weh getan und es gab KEINEN Grund für mich - mich zu "verstecken" oder zu schützen....

naja - und dann kommt jemand...hüpft mit..angetan von meiner Lebendigkeit, meiner Unbeschwertheit, meiner Optik :schief: ?( ........und wir hüpfen Richtung See...und irgendwie bekomme ich schon ein wenig Angst..aber ich höre nicht darauf..ich genieße...und dann stehen wir da..und ER sagt: "los - springen wir!!"..ich zögere..nicht lange...und SPRINGE....aber ALLEIN 8o 8o

und da bin ich jetzt - und der Herbst ist da..es wird kalt..und er beginnt zu frieren..und ich wehre mich nicht...habe Angst zu STERBEN wenn ich versuche mich zu bewegen...lass mich einfrieren..will nicht mehr empfinden, kämpfen, trauern..

nur erstarren................

MEIN Eis-Bild.......

ich hoffe du verzeihst mir diesen "ausreisser" in deinem Threas lunaris....

es hat "gut" getan,

:schmatz:

#28
Wenn es dir gut tut, Nina, dann will ich nicht meckern. Ich bin ein Freund von gelungenen Parabeln, Metaphern und alledem...

Mariala, diese Reserven, ich hoffe ich habe sie nicht schon aufgebraucht ;) Nach meinem ersten Dienst-Tag (irgendwie werd ich diese Doppeldeutikeiten nicht mehr los) würde ich gerne sofort wieder aufhören. Ich weiß, dass es ein extrem lockerer Job ist. Dennoch fühle ich mich überfordert. Das fängt beim bürokratischen Krims Krams an und hört bei der Betreuung von sehr hilfsbedürftigen Menschen auf. Ich fühle mich dem nicht gewachsen. Ich fühle mich nicht erwachsen. Ich fühle mich wie ein hilfloses Kind, welches gezwungen wird eine Firma zu leiten (nein, das würde noch Spaß machen). Ein Kind das gezwungen wird am Fließband zu arbeiten - am Fließband des Lebens. Denn irgendwie ist meine jetzige Situation bezeichnend für meine Angst vor dem Leben. Fühle mich unter Druck gesetzt (Burn-Out, wir erinnern uns?)... Ich muss mein Leben umstellen um die nächsten 9 Monate zu meistern, und zwar um 180°!

Habe heute ein längeres Gespräch mit einer 'guten Bekannten' gehabt. Ich wage irgendwie nicht, sie als Freundin zu bezeichnen, oder als 'Kumpel'. Sie ist der Grund, warum ich in diesem Forum aufgetaucht bin (Thread "Mehr als Freundschaft war nie drin". Sie kennt meine Ex auch - und kommentierte ihr Verhalten nur mit: "Die ist so dumm!" - wohl im Sinne von: "Wie kann die nur so eine Dummheit begehen?" Wir haben uns vielleicht eine halbe Stunde, größtenteils über Zukunft, Ausbildung, Studium, Beruf, Zivi etc. Es machte mich irgendwie wehmütig, weil uns der Hang zur Depression verbindet (empfinde ich zumindest so). Es war ein merkwürdiges Gefühl. Ich sehnte mich nach der Vergangenheit, teilweise - irgendwie - komisch. Habe jetzt keinen klare Kopf dafür. Bin seit 30 Stunden wach. Muss um 6.30Uhr raus. Hoffentlich vermassel ich nicht alles. Ich kenne mich...

PS: Danke, dass ihr, nintschi und Mariala, diesen Thread verfolgt, ihm Leben einhaucht und es nicht zu einem einseitigen Tagebuch verkommen lasst! Danke!

#29
Termine, Verpflichtungen, Druck, Verantwortung… es verunsichert mich. Mehr kann ich zum heutigen Arbeitstag nicht sagen. Die Hälfte ist rum. Um 13.30uhr geht’s weiter… Heute morgen wollte ich nicht aufstehen. Ich musste mich aus dem Bett zwingen. Dabei bin ich doch so ein schlechter Kämpfer…

Kann meine Gefühle nicht beschreiben. Einmal fühle ich Leere, dann denke ich wieder nicht darüber nach… Wenn ich an sie denke, dann ist das wie Frauenschuhe. Ich verstehe nichts! Ich versuche mich meiner Gefühle im Klaren zu werden. Eine kurze Erinnerung an das was war und e sticht in mein Herz (fühlt sich aber eher wie ‚verkrampfen’ an). Heute erreicht sie mein Brief. Immer mehr glaube ich eine Fehlentscheidung getroffen zu haben. Es war zu früh. Heute würde ich den Brief nicht einmal schreiben. Wenn ich daran denke, dass es wieder werden könnte wie früher, dann fühle ich… NICHTS. Irgendwie erschreckend. Auf der Heimfahrt musste ich nicht an sie denken. Ich musste an die ‚gute Bekannte’ denken. Das verrückte ist, dass ich mit ihr schon lang abgeschlossen habe (hatte?). Über Dinge wie eine Beziehung, Zukunft oder etwas nachzudenken, klingt in mir schon abartig genug. Falscher Ort, falsche Zeit, falsche Umstände. Der Ort wird sich nie ändern, die Zeit ist schon vorbei und die Umstände spielen dann auch schon keine Rolle mehr.

Ich bin im Moment enttäuscht. Enttäuscht von dem was ich hier schreibe, enttäuscht von meinen Gedanken, enttäuscht von meinen Gefühlen. Als hätte man ein Ticket für eine Theatervorstellung gekauft, um dann festzustellen wie schlecht sie ist. Ich bin zurzeit nur Beobachter meiner Gefühle - wie ein Zombie. Was sich abspielt gefällt mir seit ca. 24 Stunden nicht mehr. Das Schauspiel erntet keinen Applaus von mir, keine Zustimmung. Hoffentlich zerreißen es die Kritiker in der Luft! Die Kostüme sind schlecht, die Dialoge einfallslos und die Charaktere miserabel gespielt. Irgendetwas stimmt nicht…

Mit dem letzten Satz den ich geschrieben habe, hörte ich jemanden zur Tür hereinkommen. Alles wirkte gedämpft. Jemand ging in den Vorratskeller und öffnete das Eisfach. Das Eisfach fing an einen Warnton zu geben, da es 'zu lange' offen war. Das Piepen verschwindet, ich schicke den Beitrag ab. Ich höre nichts mehr. Es war niemand hier. Ich lief nochmal durch die Wohnung. Niemand da. Daei war ich mir 100% sicher. Ich habe mir überlegt zu rufen 'Ist da jemand' - doch weiß ich jetzt schon, dass mir niemand antworten wird. Außerdem habe ich Angst, dass mir jemand antworten könnte...

#30
Lieber Lunaris,

Keine Angst, ich bin kein Kühlschrank-Geist...

Möchte Dir nur kurz mitteilen, dass Dein Thread weiterhin kein Tagebuch ist, ich habe Deine Einträge gelesen, muss mich aber gerade dringend aufraffen und aus dem Haus gehen... nach Möglichkeit werde ich Dir heute Abend etwas schreiben.

Szenenapplaus von mir (ich kann dem Stück etwas abgewinnen, ja!)

Deine Mariala

#31
Original von MarialaKeine Angst, ich bin kein Kühlschrank-Geist...
Ob du nur einen lustigen Einstieg in deinen Beitrag schreiben wolltest? Viel mehr gefällt mir der Gedanke, du hättest nicht nur die (völlig unbewusste!!) Aufforderung zu antworten, sondern auch die andere Interpretation meiner Worte erfasst...

Ich würde mich freuen, wenn ich nach Feierabend den Rechner hochfahre, auf meinen Beitrag klicke und dort ein neuer Beitrag von dir zu lesen wäre :]

Szenenapplaus... Ja, auf dem Thread bezogen mag es Szenen geben, die man beklatschen könnte. Aber was die Beschreibung meines momentanen Gefühlszustandes angeht, fühle ich mich fast schon genötigt aufzustehen, den Schauspieler auzubuhen und den Theatersaal laut fluchend zu verlassen... Doch so einfach wird man mich hier wohl nicht los. Bin ja mittlerweile wieder Stammgast hier...

#32
Statusbericht:

Gerade erhielt ich eine SMS von ihr. Sie hat den Brief gelesen. Sie wusste nicht ob und wie sie auf meine erste nachricht reagieren sollte und hats deshalb gelassen... Sie würde gern noch mal persönlich mit mir reden, ist momentan aber leider krank (was ich gestern schon durch die ‚gute Bekannte’ herausgefunden habe). Sie will sich melden, sobald es ihr wieder besser geht. Meine Antwort viel knapp aus: ‚Wünsche dir eine gute Besserung!’. Ich weiß nicht… Irgendwie spüre ich nichts. Ich bin nicht traurig, ich bin nicht glücklich. Ich bin einfach nur … verwirrt?! Ich fühle mich ein wenig an den Tag zurückversetzt, an dem sie Schluss gemacht hat. Sie schickt mir eine SMS in der eigentlich nur steht: ‚Ich muss mit dir reden!’

Verdammt! Ich bin gerade dabei die Kontrolle zu verlieren – genauso wie vor einer Woche. Dabei hatte ich mich schon wieder einigermaßen stabilisiert, auf eine gewisse Art und Weise zumindest… Ich komme in eine Situation, in der ich nicht weiß, ob ich verletzt werde, oder selber verletze (mich und andere)… Mist!

/Statusbericht - Ende

PS: Ich kratze an der 10.000-Wort-Grenze!!! (9893 Wörter)

#33
Hallo Lunaris.

Keine Ahnung wie ich auf diese Seite gestoßen bin, aber was ich hier vorfand hat mich sehr berührt.

Könnten doch nur alle Menschen so lieben wie du dies tust!

Ich kann dir zwar keinen Rat geben aber ich kann dir beschreiben, dass das Gegenteil nicht minder sch**** ist.

Wie ich dies meine werde ich morgen erklären, da ich heute zeitig schlafen gehen muß.

Mehr morgen,

gute Nacht

Sirius

#34
Lieber Lunaris,

jetzt ist es doch ziemlich spät geworden, ich habe mir mit Ablenkung ein wenig die Schmerzen betäubt. Es hat funktioniert!

Ich weiß nicht, ob ich Deine Kühlschrank-Episode so verstanden habe, wie Du das gerne möchtest, aber die vielen Zeichen hier, die fast 10000 Worte, machen mich glauben, dass ich einen gewissen Einblick bekomme in den rasenden Film, der sich in Deinem Kopf abspielt. Wenn ich das richtig erfasst habe, siehst Du Dich gerade selbst als Zuschauer im Film Deines Lebens, in dem Du der Protagonist bist, Du siehst Dir selbst beim Handeln zu. Gewisse Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, gerade in der Zeit, kurz nachdem mich der Freund meines Herzens verlassen hat, sehe ich jetzt auch wie "von oben", als ob ich damals gar nicht wirklich dabei gewesen wäre. Ist es eine Art Schutz? Ich denke schon.

Was den Szenenapplaus angeht... ich meinte damit nicht Deine Worte (denn dass Du eine Begabung zum Schreiben hast weißt Du selbst), sondern die Tatsache, dass Du Deine Gefühle erkennst und zulässt.

Ich frage mich übrigens schon die ganze Zeit, was das für eine Liebe ist, die Dich mit ihr verbindet. Was vermisst Du? Sie oder das, was sie aus Dir gemacht hat? Ich glaube, es geht bei all dem viel mehr um Dich und um Deine Suche nach Deinem wahren Selbst. Der Verlust der Geliebten hat Dich in eine Krise gestürzt, die Dir vieles aufzeigt und aus der Du nun gestärkt hervorgehen könntest. Meinst Du nicht auch?

Für morgen wünsche ich Dir viel Kraft beim Ertragen der Normalität, dem Nachgehen einer "geregelten" Tätigkeit. Gleiche es durch verrückte Gedanken aus!

Gute Nacht

Mariala

#35
Hi Lunaris.

Ich kann nicht viel dazu sagen zu der ganzen tragischen Sache aber ich wollte dir einfach mal meinen Respekt zollen!

Ich habe gestern und heute deine Beiträge gelesen.

Es hat mich umgehauen was ich dort gelesen habe!!

Sehr sehr selten ist es das mich Worte aufgeschrieben so berühren!!

Naja mehr weiß ich auch nicht zu sagen.

Gruß Sippel

#36
Hallo Sirius und willkommen im Forum!

Auch wenn das nach dem Durchlesen meines Threads merkwürdig erscheinen mag, so bin ich doch nicht sicher, ob ich wirklich so liebe, wie es das geschriebene Wort den Anschein macht…

Ich freue mich aber schon auf deine ‚Erklärung’…

Liebe Mariala,

die Möglichkeiten, dass dieses ‚von oben’-Betrachten ein Schutz sein könnte, lässt mich nicht los. Ich musste schon einmal feststellen, dass ich mich selbst felsenfest und jahrelang belogen habe. Wenn man solch eine Erfahrung hinter sich hat, dann zweifelt man fortan an allem, was man sich ‚einbildet’ zu denken und zu fühlen. Mir fehlt die Sicherheit in meinem Leben und ich werde sie zumindest in der Liebe wohl nie bekommen. Man kann sich die Sicherheit einreden, aber sie ist nie wirklich da.

Ich werde wahrscheinlich ‚gestärkt’ aus der Sache herausgehen. Die Frage ist nur, ob ich wirklich mit mir selbst ins Reine kommen kann, oder ob ich verdrängen werde und eines Tages wieder in den Trümmerhaufen, der sich in meiner Seele befindet, gestoßen werde. Das Verdrängen bietet sich ja ganz gut an, da ich tagsüber keine Zeit zum Nachdenken habe und mich abends meine Gedanken überfordern.

Ich vermisse sie, ich vermisse DAS was sie aus mir gemacht hat. Es hört sich beides so verschieden an und doch bedeutet es das Gleiche. Ich vermisse sie, denn ich mag an ihr die Stärken, die ich nicht habe. Als wir zusammen waren konnte ich von ihrer Stärke zehren – wie eine Symbiose. Jetzt wo sie fort ist, ist wenn überhaupt nur ein Bruchteil der Stärke zurück, die sie mir gab.

In mir kommen gerade so viele ‚ernüchternde’ Gedanken hoch, dass ich nicht in der Lage bin sie alle hier zu erklären. Ich komme mir mit einem mal so egoistisch vor. So egoistisch, wie der Mensch nun mal sein muss, um sich in dieser Welt zu behaupten. Der Brief, den sie heute lesen musste, fühlt sich für mich mit einem mal wie ein egoistisches Manöver an, um zu retten, was nicht mehr zu retten ist – auf ihre Kosten. Ich fühle mich wie ein Dämon, der jemanden braucht dem er seine Liebe entziehen kann um zu existieren. Bei all den Wörtern die ich verwende um meine Situation ‚treffend’ (klingt in meinen Ohren geradezu sarkastisch) zu beschreiben und mein Handeln schönzureden (so kommen sie mir nämlich vor), bin ich nicht besser, als der Draufgänger ohne Selbstbewusstsein, der sich abends in der Disco eine Frau anlacht, um sie flachzulegen und am nächsten Tag ohne ein Wort zu verschwinden. So wie ich meine eigenen Beiträge, die 10.000 Wörter, gerade in der Luft zerreiße, haben sie es eigentlich nicht verdient. Das muss ich mir jetzt ins Gewissen rufen. Aber so fühlt es sich im Moment eben an – einfach nur egoistisch… und deshalb falsch? In anderem Zusammenhang habe ich schon oft mit einem guten Freund über diesen Trieb, wie ich es bezeichnen möchte, diskutiert und philosophiert. Egoismus… Ich weiß, dass er notwendig ist, oder er scheint es mir zumindest, aber für mich fühlt er sich nicht gut an. Ich will ihn nicht – und genau das ist auch Egoismus!

Ich werde mich nun wieder schlafen legen, um noch 2 Stunden wieder ‚runterzukommen’ von diesen Selbsthass-Trip… Gleichzeitig werde ich beim Einschlafen aber daran denken, was mich erwartet wenn ich sie wieder treffe, wenn wir wieder persönlich miteinander reden. Ich werde ihr nun endlich sagen können, was sich falsch anfühlte, nachdem sie mit mir Schluss gemacht hat. Aber ich weiß nicht, ob es eine Lüge sein wird. Ich hoffe gerade, dass sie sich nicht von meinen Worten erweichen lässt. Ich hoffe, dass sie mir erklärt, dass es sich nicht lohnt zu kämpfen. Ich hoffe, dass sie mir erklärt, dass ein ‚Wir’ keine Zukunft hat – und ich würde ihr zustimmen.

Es würde alles so einfach machen und sich nicht einmal falsch anhören.

Desillusion durch Reflexion…

Lieber Sippel,

nach diesem Brainstorming meinerseits, kann ich dir auch nicht viel schreiben. Ich kann dir schreiben, dass ich mich besser fühle, dass ich mich geehrt fühle, wenn mir jemand seinen Respekt zollt. Ich kann dir dafür danken. Mehr kann ich nicht. Deshalb: Danke!

Ich fühle mich gerade, als hätte ich alles was ich geschrieben habe, durch diesen einzigen Beitrag relativiert. Vielleicht habe ich das ganze auch nur zu einem ‚Ende’ gebracht, aufgelöst. Vielleicht sieht die Sache auch morgen schon ganz anders aus. Vielleicht bringt das Gespräch mit ihr etwas Neues – vielleicht auch nicht.

Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass ich heute kein einziges Mal geschrieben habe, dass ich sie liebe…

Reflektiere ich gerade wirklich? Schließe ich ab? Werde ich zu einer Einheit mit mir selbst?

Verdränge ich in Wirklichkeit? Lasse ich es unabgeschlossen ruhen, bis es wieder herausbricht? Schließe ich einen Aspekt meines Selbst weg, um mich nicht damit auseinandersetzen zu müssen?

#37
Lieber Lunaris

eben habe ich alle Beiträge in deinem Thread gelesen und schliesse mich allen anderen an: du schreibst wirklich ganz toll und hast eine riesige Aussagekraft in deinen Worten.

Jetzt kommt aber noch meine Meinung, und ich möchte, dass du die nicht falsch verstehst. Du hast mal geschrieben, du wünschst dir auch Kritik. Hier kommt sie.

Du bist ein sehr sensibler Mensch. Das ist sehr schön, aber kann auch ein Fluch sein.

Aber: du versinkst im Selbstmitleid und geniesst es, von allen bedauert zu werden. So schön deine Worte auch sind, sie wirken auf mich weniger wie echter Liebeskummer als mehr wie ein Gejammer um getröstet zu werden.

Ich bestreite nicht, dass du wirklich Liebeskummer hast, aber ich denke, du hast den richtigen Weg (gibt's den?) noch nicht gefunden, damit umzugehen.

Die Nächte vor dem Rechner zu verbringen sind sicher der falsche Weg, vorallem jetzt während dem Zivi.

Du hast nicht sehr viel über sie geschrieben und über die Gründe der Trennung. Könnte es sein, dass sie noch etwas jünger ist als du? Könnte es sein, dass es ihr zu intensiv wurde? Könnte es sein, dass sie einen anderen Typ Mann braucht als du einer bist?

Viele Fragen, und vermutlich niemals eine Antwort.

Was genau macht dich so traurig? Vermisst du sie? Vermisst du die Liebe? Oder magst du einfach nicht alleine sein, weil du denkst, das Leben ist soooo schwer?

Das Leben ist nur so schwer, wie man es sich macht. Es geht immer mal rauf, mal runter. Aber wenn man sich mit Wonne in jedes Tal stürzt, vergisst man plötzlich, wie schön es an der Sonne ist.

Lieber Lunaris, wie bereits geschrieben ist dies meine Meinung und kein persönlicher Angriff. Es soll dir weitere Denkanstösse geben und dich nicht noch weiter verletzen.

Ganz viel Kraft wünsche ich dir, und vorallem wieder den Glauben an die Liebe!

Jessi

#38
Liebe Jessi be,

du sprichst einige Punkte an, die wirklich nicht klar herauskommen aus meinen Worten. Das was du bereits gelesen hast ist nun mal meine Art zu schreiben. Ich schreibe, was ich in dem Moment fühle. Ich finde selber, dass meine ‚Eloquenz’ manchmal zu gekünstelt wird. Ich wirke wohl unglaubhaft. Anders kann ich mir auch nicht erklären, warum sie auf dich wirken, als wollte ich getröstet und bemitleidet werden. Das ist nicht meine Absicht! Du hast Recht, dass ich den ‚richtigen’ Weg mit dem Kummer umzugehen noch nicht gefunden habe. Ich versuche ihn zu finden, unter anderem hier. Ich suche hier Hilfe, Denkanstöße, Beiträge wie deine – nicht mehr und nicht weniger. Ich muss mir kein Mitleid von wildfremden Personen erhaschen, um mein gekränktes Ego wieder aufzubauen. Ich bemitleide mich selbst schon zu sehr.

Noch ein Kommentar zu meinen Online-Zeiten: Ich bin ein Nachtmensch, war es schon immer. Es fällt mir leichter einzuschlafen, wenn die Sonne aufgeht, als wenn sie untergeht… Jetzt mit dem Zivi muss ich es umstellen, dass weiß ich. Letzte Nacht war ich auch nur kurz wach. Ich hab von 19.00Uhr bis 2.00Uhr geschlafen. Aber das konntest du ja nicht wissen.

Zu meiner Ex in Kurzform: Sie ist 19 Jahre alt, hat mit mir den Abschluss gemacht. Ich kenne sie schon länger, aber erst seit einem halben Jahr ist mehr Kontakt da. Die Beziehung zu intensiv? Vielleicht… Mit ihrem Ex war sie 2 Jahre zusammen. Ich kenne nicht den Grund warum sie mit ihm schluss gemacht hat. Vielleicht war es ihr zu intensiv, aber das hat sie nicht gesagt. Sie sagte mir als Grund nur das folgende: „Die Zeit in der wir zusammen waren war echt toll und so, aber irgendwie fühlt es sich nicht richtig an – oder nicht mehr…“ Mehr hat sie nicht gesagt. Ich nehme mal an, dass sich nach dem noch bevorstehenden Gespräch noch ein paar Gründe dazugesellen werden.

Ich hoffe ich konnte damit etwas mehr Klarheit schaffen und möchte mich für deine gut gemeinte Kritik bedanken!

LG Lunaris

#39
Lieber Lunaris,

Du bist denke ich schon sehr weit gekommen in der kurzen Zeit der Auseinandersetzung, Du lieferst so viele Stichwörter, die darauf hindeuten. Sicherheit – die kann Dir die Liebe wirklich niemals geben, Sicherheit kannst Du nur aus Dir selbst gewinnen, die Liebe ist immer ein Wagnis, wie es auch Deine Signatur so schön ausdrückt.

Symbiose – das ist genau das, was Du nicht suchen solltest. Denn in der Symbiose geht es Dir darum, mit dem anderen zu verschmelzen, Dein eigenes Selbst aufzugeben für die Spiegelung im anderen. Wenn Du das tust, verlierst Du Dich im anderen und bist nicht mehr da, wenn er geht. In der Liebe besteht immer die Gefahr, dass einer der beiden Liebenden nur um den anderen kreist, er kreist und kreist, bis er irgendwann aus der Umlaufbahn geworfen wird und dann irrt er durch den weiten Raum und findet keinen Halt mehr. Doch so weit bist Du nicht, nicht nach einer so kurzen Zeit.

Egoismus – ein verpöntes Wort in unserer Gesellschaft. Dabei ist es gerade in der Liebe von unglaublich großer Bedeutung, sich selbst lieben zu können. Selbstliebe – nicht zu verwechseln mit Selbstsucht – ist überhaupt die Voraussetzung dafür, auch andere lieben zu können.

Wenn Du mehr über die Liebe erfahren möchtest, würde ich Dir die Lektüre von Erich Fromms "Kunst des Liebens" empfehlen – ein kleines, aber sehr wichtiges Werk, wie ich finde.

Eine gute Nacht wünsche ich Dir,

Deine Mariala

#40
Dumm dass ich keine Leseratte bin... Mit Buchtips kann man mich jagen :D

Mariala, was du schreibst ist so richtig. Ich selbst sehe ja auch viele meiner Schwächen. Es ist nicht so, dass ich mein Leben für meine Partnerin aufgeben würde. Ich habe immernoch meine eigene Meinung und lasse mich nicht zu allem überreden worauf ich keine Lust habe. Selbstaufgabe mag romantisch idealistisch klingen, ist aber fatal. Das weiß ich. So kann es nicht gut gehen und endet in einem Knall. Mein wahres Problem ist wohl, dass ich mich selbst nicht liebe. Versteht mich nicht falsch. Ich weiß wo meine Stärken liegen und ich bin darauf auch stolz, aber... Ich habe auch 'Schwächen'. Ich kenne sie nicht alle. Sie sind mir nicht sooo bewusst, aber dennoch spüre ich die Auswirkung dieser 'Schwächen'. Vielmehr finde ich es noch deprimierend, dass ich mich nicht mit der Welt, mit der Gesellschaft, mit ALLEM arrangieren will. Ich muss es, ich werde gezwungen. Da ist dieser äußere Druck (und der Druck den ich mir selber mache) der mich nicht unbeschwert leben lässt. Es geht mir alles zu schnell. Die Tage sind zu kurz, zu viele Verpflichtungen denen man nachgehen muss. Ich hinke dabei irgendwie immer hinterher. Das fängt schon bei meiner Schrittfrequenz an... Genauso beim Sprechen. Bis sich meine Gedanken zu dem geordnet haben, was ich ausdrücken will, ist die Gelegenheit meist vorbei. Deshalb kann ich auch besser schreiben als sprechen. Der Zeitdruck ist nicht da.

Natürlich hat das Leben auch seine Sonnenseiten, aber ich kann sie nicht richtig genießen. Im Hinterkopf ist immer der Gedanke, dass es nicht immer schön sein wird... Ich fühl mich selber nicht lebensfähig, ohne große Verluste meines Ichs in Kauf zu nehmen. Ich bin so ignorant, nicht zu akzeptieren, dass nicht immer alles nach meinen Vortellungen laufen kann. Bei Kleinigkeiten ist mir das so egal, aber wenns um mir wichtige Dinge geht, dann bin ich sofort niedergeschlagen, wenn etwas schief geht und ich nichts daran ändern kann. Ich mache mich selbst abhängig von anderen, von der Umwelt. Das ist falsch. Von Grund auf falsch! Ich weiß es. Ich sehe es. Aber ich kann mich nicht überwinden daran zu arbeiten. Ich weiß nicht wie und gebe bei den kleinsten Rückschlägen wieder auf. Ich habe mich schon so daran gewöhnt dass es nicht funktioniert. Die guten Seite nehme ich schon fast gar nicht mehr wahr, die schlechten gehen mir länger nach. Ich bin so 'sprunghaft' in meinem Denken, meinen Entscheidungen. Sollte ich mal verheiratet sein, glücklich und viele Jahre, dann bin ich derjenige, der nach Jahren des Zweifelns die Scheidung einreicht mit der Begründung: 'Ich muss erstmal mich selbst finden'. Genau das ist es nämlich... Ich bin nicht ich selbst, auch wenn ich das gern sein würde. Ich verdrehe mich täglich, um anderen nicht auf den Schlips zu treten, um es allen Recht zu machen. Das kann ich aber nicht - und deshalb scheitere ich. Ich denke schon lange, dass ich eigentlich ein Fall für den Psychiater bin, aber hingehen würde ich trotzdem nie. Niemals - und zwar aus falschem Stolz, dem Wunsch es allen Recht zu machen und Angst.

Ich mache jetzt etwas was ich wirklich machen will. Etwas was mir gut tut. Ich gehe schlafen. Das schreibe ich auch nur, um mir selbst etwas einzureden, um in meinem Beitrag wenigstens etwas Positives auftauchen zu lassen...

Tatsache ist, dass es hier schon lang nicht mehr um Liebeskummer geht. Das hier ist Seelsorge pur :mauer:

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