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das Prinzip der Hoffnungslosigkeit

42 Antworten5'265 AufrufeGestartet von Evergrey ·

#41
Ist das Leben genauso im Arsch, wenn man Liebeskummer hat, wie wenn man in die Psychatrie soll? Ich meine dann beschäftigt man sich doch auch mit dem Sinn, des Lebens. Den man hofft zu finden um weiter zu leben. Manchmal glaube ich, wenn ich andere Probleme hätte würde ich besser mit mir selber zurecht kommen. Bin ich zu egoistisch, wenn ich soviel über meine Probleme nachdenke?

Habe aber kein Kopf für was anderes. Muss ich mich einfach zurück stellen? Dann staut sich das ganze doch aber noch mehr auf oder. bin irgendwie verzweifelt...

Was meint Ihr?

#42
mh... hatte am samstag ein langes gespräch mit einer 50-jährigen frau, die ziemlich stark an depressionen litt (und auch immer noch leidet). ihr mann hat sie für eine jüngere verlassen... 8o

hab dann mit ihr drüber gesprochen, dass man doch einfach den mut nicht verlieren darf und versuchen sollte, mit seinen problemen fertig zu werden... sie hat mir geantwortet, dass sie das auch so gesehen habe, aber durch ihre depression nun verständnis für jede person hat, die nicht mehr weitermachen will...

für aussenstehende (zähle mich dazu) die noch nie wirkliche depressionen hatten, ist das unvorstellbar, aber ich kann mir gut vorstellen, wenn die lebensfreude für lange zeit einfach nicht mehr zurückkommen will, wird es hart, immer wieder hoffnungen und mut zu finden...

@bounty: nein, mit egoismus hat das nix zu tun... es ist wichtig, dass man seine probleme erkennt und versucht, diese zu lösen... erst wenn es dir gut geht, kannst du anderen helfen...

#43
Tja jetzt kommt die, die beide Seiten versteht. Klingt utopisch – ist aber ein bisschen so. Hab mir lange überlegt, ob ich meine Geschichte hier niederschreiben soll. Für die, die es nicht interessiert: Lest es einfach nicht!

Wie bei den meisten, die mal von Selbstmordgedanken heimgesucht werden oder Depris haben, hatte ich ne ziemlich beschissene Kindheit. Vater ist Akoholiker, Mutter hat Depris, Schwester Magersucht. Das Übliche.

Mit 14 wachte ich eines Morgens auf und hatte ne Scheisspanikattacke. Ich fühlte mich fremd in meinem Körper. Ich hatte das Gefühl ich sei nicht mehr ich selbst. Ständig fragte ich mich ob es die anderen merken würden. Ich hab keine Ahnung wie bei anderen die Depris angefangen haben aber bei mir kamen sie echt von einem Tag auf den anderen, beginnend mit einer Panikattacke. Mein Leben war nie wieder so wie vorher. (Auch jetzt nicht, ich kann jetzt einfach damit leben...) Ich hatte einfach Angst und zwar 24 Stunden am Tag – immer! Ich wusste nicht vor was. Vor dem Aufstehen, vor dem Schlafen, vor der Schule, vor anderen Menschen – ich konnte es nie genau erruieren. Ich fragte mich 1000 hirnverbrannte Dinge wie: Was geschieht nach dem Tod? Ist das Universum unendlich? Wird die Erde wirklich mal abkühlen oder verbrennen? Solche schwachsinnigen Fragen konnten mich nahezu in den Wahnsinn treiben. (Auch wieder eine Gegebenheit, welche "normale" Menschen nicht begreifen können). Es war die Hölle. Zwei Jahre schleppte ich mich irgendwie durchs Leben. Meine einzige Hoffnung war, dass dies nur eine Pupertätserscheinung wäre und ich evt. irgendwann wieder "normal" werde. Als ich 16 war, liessen sich meine Eltern scheiden. Zur selben Zeit lernte ich meine erste grosse Liebe kennen. Im Endeffekt hab ich auch dort nur gelitten. Ich hab mich zugedröhnt mit Alk und sonstigen Dingen, hab mich abgelenkt in dem ich mit ihm und seinen "Freunden" um die Häuser gezogen bin. Ich weiss nicht aber so weit ich mich erinnere, hab ich nur selten gelacht in dieser Zeit. Meistens war ich einfach wie tot. Ich versuchte meine Gedanken abzustellen, ich betrieb dauernd Raubbau an meinem Körper, sei es durchs Rauchen, Alk aber auch in dem ich mir die Arme aufgeschnitten habe (was jetzt wieder x Leute dazu bringt, den Kopf zu schütteln). Es fühlte sich gut an zu wissen, dass da irgendwo noch was menschliches an mir war und sei es nur das Blut, welches die Arme hinunter lief. Zudem wollte ich mich jedes Mal bestrafen, wenn ich wieder Streit mit meinem Ex hatte – er und auch ich selbst gab mir immer das Gefühl, dass es meine Schuld war. Schuldgefühle und Selbstmitleid waren meine ständigen Begleiter.

Hilfe – ja Hilfe habe ich gesucht aber an den falschen Orten. Nicht, dass einem Psychiater beantworten können warum sich die Erde dreht, warum in Afrika Menschen verhungern und andere nicht wissen wo sie ihr Geld noch sinnloser los werden können oder warum es Krieg und dumme Menschen gibt aber sie helfen immer noch mehr als Leute, die einen nur ausnützen und immer wieder in die Tiefe stürzen. (Obwohl ich damals nicht viel tiefer hätte fallen können). Wie sehr ich mir gewünscht habe einfach nicht mehr aufzuwachen. Mir war oft kotzschlecht vor seelischem Schmerz. Manchmal schrie ich wie ein Baby einfach vor Schmerz. Wie oft ich gedacht habe, dass ich krank bin, völlig von der Rolle, "nicht normal". Ich wünschte mir oft, einfach dumm zu sein. Ich meine wirklich dumm. IQ = 80. Nicht kapieren was abgeht, vor mich hinleben und mich über solchen Schwachsinn nerven, dass es kein blaues Klopapier mehr hat. (Ich hoffe ihr wisst, was ich meine). Aber ich bin es nunmal nicht. Nicht, dass ich behaupten möchte, ich sei sonderlich intelligent aber es reicht um zu kapieren, dass die Welt nicht so ist wie es uns Politiker, Lehrer, z.T. Eltern und das Fernsehn weis machen möchten.

Irgendwo hab ich was gelesen von alleine geboren werden, alleine leben und alleine sterben. Irgendwie ist das schon so – alle tun das (o.k. ausser vielleicht Siamesische Zwillinge aber wir müssen hier nicht über sog. Anomalien diskutieren...)

Nach meinem Ex hatte ich dann wieder einen Freund. Ich zog so schnell wie möglich bei ihm ein damit ich von meinem Vater weg kam. Er hat mich betrogen und verarscht. Klar ist er deswegen nicht ein schlechter Mensch – ehrlich gesagt, war es lange sehr schwer mit mir klar zu kommen. Ich kann sehr "anstrengend" und fordernd sein. Auf jeden Fall hat er dann, als ich wieder mal unangemeldet mitten in der Nacht, nach dem schon Schluss war bei ihm aufgetaucht bin, die Polizei gerufen. Ich konnte noch verschwinden bevor sie kamen aber das war dann der Moment den totalen Zusammenbruchs. Ich ging zu meiner Mutter und bat sie einen Krankenwagen zu rufen. Das war der Moment meiner Entscheidung. Ihr müsst wissen – für mich war es immer die schlimmste Vorstellung in einer Klapse zu landen. Zu den "Psychos". Ich war doch kein Psycho!!!! Oder doch?

Aber in diesem Moment, in dieser Nacht wusste ich, dass ich nur noch zwei Möglichkeiten hatte... entweder ich setze mich in mein Auto und raste in eine Wand oder ich liess mir helfen. Ich habe mich für die zweite Variante enschieden. Ihr könnt mich feige nennen. Ich könnt mich Psycho nennen. Heute ist mich das egal.

Kurz nach meinem Klinikaufenthalt habe ich meinen heutigen Freund kennen gelernt. Diese Beziehung funktioniert, weil er intelligent ist, sehr viel Geduld und Verständnis hat und weil er ein Optimist ist. Sie funktioniert aber auch, weil ich mich geändert hab, weil ich an eine Zukunft glaube, weil ich immer noch in Therapie bin, weil ein Schalter in meinem Kopf umgelegt wurde und ich wieder Gründe sehe um weiter zu machen.

Ich habe für mich einen Weg gefunden um weiter zu machen obwohl ich weiss, wie viele Idioten da draussen rumrennen, wie viele Tiere und Kinder tagtäglich grundlos und qualvoll sterben und wie viel Ungerechtes und Grausames auf der Welt vorherrscht.

An die Optimisten:

Ihr werdet den Pessimisten nicht helfen können. Jeder von Ihnen wird eine eigene Entscheidung treffen. Ob er an eine Zukunft glaubt, ob er resigniert weiter vor sich hin seucht, oder ob er dem grossen "EXIT"-Schild folgt. Dinge, die ihr als lebenswert bezeichnet, gehen einem anderen am Arsch vorbei! (sorry) weil sie es nicht aus euren Augen sehen. So wie sie sagen, dass ihr die rosa Brille trägt, so tragen sie die schwarze.Versucht nicht sie dazu zu bewegen, wie ihr es nennt, normal zu werden. Das liegt nicht in eurer Macht.

An die Pessimisten:

Ich weiss, dass ihr Qualen leidet und ich habe gesehen was ihr seht. Ich hoffe für euch, dass ich für euch persönlich die richtige Entscheidung treffen werdet – wie auch immer sie ausfallen wird. Ich hoffe, ihr stuft mich jetzt nicht als naiv ein, weil ich wieder an das Gute im Leben glaube sondern nehmt es vielleicht als Beispiel, dass ein Pessimist zum Optimisten werden kann. Ja der Tod kann sehr tröstend wirken aber keiner von uns ob Opti- oder Pessimist weiss, ob es nach der Grenze wirklich besser ist. Vielleicht seit ihr nur einer von Milliarden und es spielt wirklich keine Rolle ob es euch gibt oder nicht aber vielleicht habt ihr auch eine Aufgabe, die es zu erfüllen gibt.

Ein kleiner Tipp am Rande: Intelligenz und Durchblick können auch Stärken sein...

so ich hoff, ich hab euch nicht zu sehr gelangweilt und ihr könnt meine Sicht etwas nachvollziehen und wenn nicht, dann vergesst sie einfach ganz schnell wieder.

Alles Gute auf welcher Seite auch immer...

Ally

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