"Der Schwätzer" und andere Gedichte
24 Antworten4'562 AufrufeGestartet von Briseis ·
Hi,
Also ich hab ehrlich noch nie drüber nachgedacht, meine Gedichte in einem Buch zu veröffentlichen. Ich hab sie mehr für mich selbst aufgeschrieben, und jetzt halt auch mal einige aus der Sammlung hier ins Forum gestellt. Im Moment reicht mir das Internet vollkommen aus. Ich glaube, ich würde auch gar nicht wollen, dass diese teils sehr persönlichen Gedichte am Ende noch meine Eltern oder so lesen. Aber du kannst ja gerne mal berichten, wie es mit deinem Buch so weitergeht. Wie und wo lässt du es drucken?
Ich weiß ja nicht, wie schlecht dein Englisch tatsächlich ist, aber ich stell einfach mal kurz eine Übersetzung von "Nice - Nizza" rein ... =)
Nizza
Wir gingen gerade duch Nizza, als sie das sagte. Direkt am Meer.
Also liebst du ihn jetzt oder was, sagte sie aus heiterem Himmel.
Nein, sagte mein Kopf automatisch. Natürlich nicht. Das geht sie überhaupt nichts an, ich werde es niemandem erzählen.
Ich konnte ihrem Gesicht ansehen, dass sie ein 'Natürlich nicht, wie kommst du darauf?' erwartete.
Ja, sagte ich.
Warum geht er dann fort?, fragte sie.
Weil er mich auch liebt, antwortete ich.
Und sie sah mich an, völlig verwirrt von dieser Aussage.
~~~~~~~~~~
Geliebter Kumpel
Hallo Kumpel!
Guck noch mal rüber zu mir
Über den ganzen Raum
Es fühlt sich an wie der Himmel
Und das Meer wenn du lächelst
Und jedes Mal
Möchte ich sagen: Ich glaube
Ich lieb dich
Ich kann nicht ich darf nicht
Ich hab nicht den Mut
Weniger wegen meines Stolzes
Sondern weil ich Angst habe
Das Vertrauen zwischen uns
Könnte zerstört werden
Sie könnte kaputt gehen
Die Freundschaft
Bloß weil ich glaube
Ich lieb dich.
~~~~~~~~~~
Alex / E-Mail aus Belgrad
„Dear Filippa“, hast du geschrieben
Die allerersten an mich gerichteten Worte.
Und: „…thought that since I too like these subjects,
Would contact you.”
Und ich lese
All die alten E-Mails noch einmal.
Es kommt mir vor
Als wäre es gestern gewesen.
Tränen tropfen auf die Tastatur.
„Hast du mainen site gesehen?“
Weiter unten.
„Dear Alex.“
Du schreibst, du interessierst dich
Für Politik, Unterrichten, Theater
Den Debattierclub, den du leitest
Die Schülerzeitung, deren Chefredakteur
Du bist; die Literaturseite.
Du hättest jeden damit beeindruckt
Aber vielleicht war ich die einzige
Die dir zugehört hat
Du hättest so viel erreichen können
Ich hab von Anfang an an dich geglaubt.
Wenn auch nur im Kleinen –
Du schlägst die Wellen.
Politik und Kirche sind gefährlich
Das hat man schon Jesus spüren lassen
Dein Kreuz war die staubige Straße
Am hellen, grauen Nachmittag.
Für die, die dich lieben konnten
Warst du nicht mehr da
Und es fiel dir schwer
Liebe zu zeigen für einzelne
Dann war mit einem Schuss alles vorbei
Und die Welt stand still
Für einen Moment.
„Hey, …Alex? Alex…?“
Leise flüsternd und tränenerstickt.
Jesus of Belgrade.
„Walk in our streets again.“
They made you die in the dust.
They made you immortal.
Through that.
Quelle: Briseis
Zitat "Walk in our streets again" aus dem Gospel "Mary's Child"
Also ich hab ehrlich noch nie drüber nachgedacht, meine Gedichte in einem Buch zu veröffentlichen. Ich hab sie mehr für mich selbst aufgeschrieben, und jetzt halt auch mal einige aus der Sammlung hier ins Forum gestellt. Im Moment reicht mir das Internet vollkommen aus. Ich glaube, ich würde auch gar nicht wollen, dass diese teils sehr persönlichen Gedichte am Ende noch meine Eltern oder so lesen. Aber du kannst ja gerne mal berichten, wie es mit deinem Buch so weitergeht. Wie und wo lässt du es drucken?
Ich weiß ja nicht, wie schlecht dein Englisch tatsächlich ist, aber ich stell einfach mal kurz eine Übersetzung von "Nice - Nizza" rein ... =)
Nizza
Wir gingen gerade duch Nizza, als sie das sagte. Direkt am Meer.
Also liebst du ihn jetzt oder was, sagte sie aus heiterem Himmel.
Nein, sagte mein Kopf automatisch. Natürlich nicht. Das geht sie überhaupt nichts an, ich werde es niemandem erzählen.
Ich konnte ihrem Gesicht ansehen, dass sie ein 'Natürlich nicht, wie kommst du darauf?' erwartete.
Ja, sagte ich.
Warum geht er dann fort?, fragte sie.
Weil er mich auch liebt, antwortete ich.
Und sie sah mich an, völlig verwirrt von dieser Aussage.
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Geliebter Kumpel
Hallo Kumpel!
Guck noch mal rüber zu mir
Über den ganzen Raum
Es fühlt sich an wie der Himmel
Und das Meer wenn du lächelst
Und jedes Mal
Möchte ich sagen: Ich glaube
Ich lieb dich
Ich kann nicht ich darf nicht
Ich hab nicht den Mut
Weniger wegen meines Stolzes
Sondern weil ich Angst habe
Das Vertrauen zwischen uns
Könnte zerstört werden
Sie könnte kaputt gehen
Die Freundschaft
Bloß weil ich glaube
Ich lieb dich.
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Alex / E-Mail aus Belgrad
„Dear Filippa“, hast du geschrieben
Die allerersten an mich gerichteten Worte.
Und: „…thought that since I too like these subjects,
Would contact you.”
Und ich lese
All die alten E-Mails noch einmal.
Es kommt mir vor
Als wäre es gestern gewesen.
Tränen tropfen auf die Tastatur.
„Hast du mainen site gesehen?“
Weiter unten.
„Dear Alex.“
Du schreibst, du interessierst dich
Für Politik, Unterrichten, Theater
Den Debattierclub, den du leitest
Die Schülerzeitung, deren Chefredakteur
Du bist; die Literaturseite.
Du hättest jeden damit beeindruckt
Aber vielleicht war ich die einzige
Die dir zugehört hat
Du hättest so viel erreichen können
Ich hab von Anfang an an dich geglaubt.
Wenn auch nur im Kleinen –
Du schlägst die Wellen.
Politik und Kirche sind gefährlich
Das hat man schon Jesus spüren lassen
Dein Kreuz war die staubige Straße
Am hellen, grauen Nachmittag.
Für die, die dich lieben konnten
Warst du nicht mehr da
Und es fiel dir schwer
Liebe zu zeigen für einzelne
Dann war mit einem Schuss alles vorbei
Und die Welt stand still
Für einen Moment.
„Hey, …Alex? Alex…?“
Leise flüsternd und tränenerstickt.
Jesus of Belgrade.
„Walk in our streets again.“
They made you die in the dust.
They made you immortal.
Through that.
Quelle: Briseis
Zitat "Walk in our streets again" aus dem Gospel "Mary's Child"
Heute mal kein Gedicht... dafür eine selbst erlebte Anekdote, über die es sich lohnt nachzudenken (von wegen in der Schule lernt man nur unnützes Zeug!).
König
Eines Tages fragte uns unser Deutschlehrer, der auch Darstellendes Spiel unterrichtet: "Wie stellt man auf der Bühne einen König dar?"
Meine Mitschüler redeten durcheinander und zählten auf: überlegener Blick, auf einem hohen Thron sitzend, selbstbewusste, vielleicht arrogante Pose, Zepter in der Hand, groß und gerade Körperhaltung mit erhobenem Gesicht...
"Falsch", sagte unser Lehrer. "Einen König kann man nicht darstellen. Er wird nur dargestellt durch andere Menschen, die sich vor ihm verbeugen."
Quelle: Briseis
König
Eines Tages fragte uns unser Deutschlehrer, der auch Darstellendes Spiel unterrichtet: "Wie stellt man auf der Bühne einen König dar?"
Meine Mitschüler redeten durcheinander und zählten auf: überlegener Blick, auf einem hohen Thron sitzend, selbstbewusste, vielleicht arrogante Pose, Zepter in der Hand, groß und gerade Körperhaltung mit erhobenem Gesicht...
"Falsch", sagte unser Lehrer. "Einen König kann man nicht darstellen. Er wird nur dargestellt durch andere Menschen, die sich vor ihm verbeugen."
Quelle: Briseis
Glück
Den ganzen Tag lang
Freue ich mich immer darauf
Dich zu sehen.
Und wenn du bei mir bist
Werde ich von Glück
Überschwemmt.
Was auch immer geschieht
Ich werde mich nie verlassen fühlen
Wenn du nur da bist.
Und ich bin immer
In einem gewissen Maße allein
Nur weil du fehlst.
~~~~~~~~~~
Fremdvertraut
Fremdvertraut
Wer er ist
Keine Ahnung
Nur
Er ist weder der Denker
Noch der Psychopath
Der er zu sein scheint
In einzelnen Momenten
Er ist mehr
Ich verstehe
Ihn nicht im Geringsten
Ich möchte wissen
Weshalb er ist
Wie er ist
Ja, und wie er überhaupt ist
Ihn verstehen können
Vielleicht liebe ich ihn ja
Den Schwätzer
Aber gehört zu Liebe nicht mehr
Als nur wissen zu wollen
Wie er tickt…
Quelle: Briseis
Den ganzen Tag lang
Freue ich mich immer darauf
Dich zu sehen.
Und wenn du bei mir bist
Werde ich von Glück
Überschwemmt.
Was auch immer geschieht
Ich werde mich nie verlassen fühlen
Wenn du nur da bist.
Und ich bin immer
In einem gewissen Maße allein
Nur weil du fehlst.
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Fremdvertraut
Fremdvertraut
Wer er ist
Keine Ahnung
Nur
Er ist weder der Denker
Noch der Psychopath
Der er zu sein scheint
In einzelnen Momenten
Er ist mehr
Ich verstehe
Ihn nicht im Geringsten
Ich möchte wissen
Weshalb er ist
Wie er ist
Ja, und wie er überhaupt ist
Ihn verstehen können
Vielleicht liebe ich ihn ja
Den Schwätzer
Aber gehört zu Liebe nicht mehr
Als nur wissen zu wollen
Wie er tickt…
Quelle: Briseis
Hannibal
“Übermorgen ist das Referat fällig”, sagt er und schaut mich an. „Gott, ich würde so gerne wissen, wieso Hannibal vor Roms Toren umgedreht ist. Was wohl in seinem Kopf vorgegangen ist?“ Versonnen sieht er jetzt aus dem Fenster. Die Sonne taucht Teile seines Gesichts in Goldgelb und glitzernde Lichtpunkte sind in seinen Augen. Ein Moment für die Ewigkeit. Er bringt mich dazu, ehrlich zu sagen: „Ich weiß es nicht und es ist unmöglich 2000 Jahre später herauszufinden. Ich liebe dich. Und nicht mal da weiß ich, weshalb.“ Als ich zu sprechen angefangen habe, hat er sich wieder mir zugewandt. Jetzt ist er einen Moment lang überrumpelt erstarrt. Dann fasst er sich. Lächelt. „Lass uns noch mal ins Museum gehen“, sagt er und nimmt meine Hand. „Hannibal ist leichter zu verstehen.“
~~~~~~~~~~
Angst vor Nähe
Schweigend gehst du
Wieder einmal
Ich soll dein Gesicht nicht sehen
Du bist verletzt
Und es tut mir unendlich leid
Obwohl ich nichts dafür kann
Deine Liebe tut weh
Ich verstehe ja, dass du
Allen misstraust
Aber so kann es nicht ewig
Weitergehen
Du hast Angst vor Nähe
Und du hast Angst vorm Alleinsein
Ich liebe dich
Bitte dreh dich um
Vielleicht
Vielleicht wirst du mir erlauben
Dich zu lieben
Irgendwo
Irgendwann.
Quelle: Briseis
“Übermorgen ist das Referat fällig”, sagt er und schaut mich an. „Gott, ich würde so gerne wissen, wieso Hannibal vor Roms Toren umgedreht ist. Was wohl in seinem Kopf vorgegangen ist?“ Versonnen sieht er jetzt aus dem Fenster. Die Sonne taucht Teile seines Gesichts in Goldgelb und glitzernde Lichtpunkte sind in seinen Augen. Ein Moment für die Ewigkeit. Er bringt mich dazu, ehrlich zu sagen: „Ich weiß es nicht und es ist unmöglich 2000 Jahre später herauszufinden. Ich liebe dich. Und nicht mal da weiß ich, weshalb.“ Als ich zu sprechen angefangen habe, hat er sich wieder mir zugewandt. Jetzt ist er einen Moment lang überrumpelt erstarrt. Dann fasst er sich. Lächelt. „Lass uns noch mal ins Museum gehen“, sagt er und nimmt meine Hand. „Hannibal ist leichter zu verstehen.“
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Angst vor Nähe
Schweigend gehst du
Wieder einmal
Ich soll dein Gesicht nicht sehen
Du bist verletzt
Und es tut mir unendlich leid
Obwohl ich nichts dafür kann
Deine Liebe tut weh
Ich verstehe ja, dass du
Allen misstraust
Aber so kann es nicht ewig
Weitergehen
Du hast Angst vor Nähe
Und du hast Angst vorm Alleinsein
Ich liebe dich
Bitte dreh dich um
Vielleicht
Vielleicht wirst du mir erlauben
Dich zu lieben
Irgendwo
Irgendwann.
Quelle: Briseis
Hey Briseis,
erstmal entschuldigung, das ich mich jetzt solange nicht gemeldet habe, ich hatte einfach zuviel um die Ohren. Du weißt schon, so der Altag halt, Berufsschule, Freunde, Eltern usw. alle wollen immer was.
Dann muss ich dich wieder mal loben, du hast seit meiner letzten Anwesenheit wieder ne Menge geschrieben. Danke für die Übersetzung von "Nizza", das ist wirklich super, klasse.
Dann deine Anekdote "König", ist ne tole erklärung, kannste deinem Lehrer sagen. Ich wüßte auch nicht wie ich es hätte anders formulieren sollen.
"Angst vor Nähe" ein geht einem auch ein bisschen an die Niren.
Mit am besten fande ich "Hannibal", da ist nehmlich wirklich was wahres dran. Für alles gibt es eine logische Erklärung, sogar für Kriege, Leiden und andere Nöte, aber für so etwas einfaches wie die Liebe gibt es keine Gebrauchsanweisung. Und sollte es sie doch geben, dann wäre das etwas wirklich tolles.
Gruß Morhuhn
erstmal entschuldigung, das ich mich jetzt solange nicht gemeldet habe, ich hatte einfach zuviel um die Ohren. Du weißt schon, so der Altag halt, Berufsschule, Freunde, Eltern usw. alle wollen immer was.
Dann muss ich dich wieder mal loben, du hast seit meiner letzten Anwesenheit wieder ne Menge geschrieben. Danke für die Übersetzung von "Nizza", das ist wirklich super, klasse.
Dann deine Anekdote "König", ist ne tole erklärung, kannste deinem Lehrer sagen. Ich wüßte auch nicht wie ich es hätte anders formulieren sollen.
"Angst vor Nähe" ein geht einem auch ein bisschen an die Niren.
Mit am besten fande ich "Hannibal", da ist nehmlich wirklich was wahres dran. Für alles gibt es eine logische Erklärung, sogar für Kriege, Leiden und andere Nöte, aber für so etwas einfaches wie die Liebe gibt es keine Gebrauchsanweisung. Und sollte es sie doch geben, dann wäre das etwas wirklich tolles.
Gruß Morhuhn
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