Zum Inhalt springen

"Der Schwätzer" und andere Gedichte

24 Antworten4'562 AufrufeGestartet von Briseis ·

#21
Hi,

Also ich hab ehrlich noch nie drüber nachgedacht, meine Gedichte in einem Buch zu veröffentlichen. Ich hab sie mehr für mich selbst aufgeschrieben, und jetzt halt auch mal einige aus der Sammlung hier ins Forum gestellt. Im Moment reicht mir das Internet vollkommen aus. Ich glaube, ich würde auch gar nicht wollen, dass diese teils sehr persönlichen Gedichte am Ende noch meine Eltern oder so lesen. Aber du kannst ja gerne mal berichten, wie es mit deinem Buch so weitergeht. Wie und wo lässt du es drucken?

Ich weiß ja nicht, wie schlecht dein Englisch tatsächlich ist, aber ich stell einfach mal kurz eine Übersetzung von "Nice - Nizza" rein ... =)

Nizza

Wir gingen gerade duch Nizza, als sie das sagte. Direkt am Meer.

Also liebst du ihn jetzt oder was, sagte sie aus heiterem Himmel.

Nein, sagte mein Kopf automatisch. Natürlich nicht. Das geht sie überhaupt nichts an, ich werde es niemandem erzählen.

Ich konnte ihrem Gesicht ansehen, dass sie ein 'Natürlich nicht, wie kommst du darauf?' erwartete.

Ja, sagte ich.

Warum geht er dann fort?, fragte sie.

Weil er mich auch liebt, antwortete ich.

Und sie sah mich an, völlig verwirrt von dieser Aussage.

~~~~~~~~~~

Geliebter Kumpel

Hallo Kumpel!

Guck noch mal rüber zu mir

Über den ganzen Raum

Es fühlt sich an wie der Himmel

Und das Meer wenn du lächelst

Und jedes Mal

Möchte ich sagen: Ich glaube

Ich lieb dich

Ich kann nicht ich darf nicht

Ich hab nicht den Mut

Weniger wegen meines Stolzes

Sondern weil ich Angst habe

Das Vertrauen zwischen uns

Könnte zerstört werden

Sie könnte kaputt gehen

Die Freundschaft

Bloß weil ich glaube

Ich lieb dich.

~~~~~~~~~~

Alex / E-Mail aus Belgrad

„Dear Filippa“, hast du geschrieben

Die allerersten an mich gerichteten Worte.

Und: „…thought that since I too like these subjects,

Would contact you.”

Und ich lese

All die alten E-Mails noch einmal.

Es kommt mir vor

Als wäre es gestern gewesen.

Tränen tropfen auf die Tastatur.

„Hast du mainen site gesehen?“

Weiter unten.

„Dear Alex.“

Du schreibst, du interessierst dich

Für Politik, Unterrichten, Theater

Den Debattierclub, den du leitest

Die Schülerzeitung, deren Chefredakteur

Du bist; die Literaturseite.

Du hättest jeden damit beeindruckt

Aber vielleicht war ich die einzige

Die dir zugehört hat

Du hättest so viel erreichen können

Ich hab von Anfang an an dich geglaubt.

Wenn auch nur im Kleinen –

Du schlägst die Wellen.

Politik und Kirche sind gefährlich

Das hat man schon Jesus spüren lassen

Dein Kreuz war die staubige Straße

Am hellen, grauen Nachmittag.

Für die, die dich lieben konnten

Warst du nicht mehr da

Und es fiel dir schwer

Liebe zu zeigen für einzelne

Dann war mit einem Schuss alles vorbei

Und die Welt stand still

Für einen Moment.

„Hey, …Alex? Alex…?“

Leise flüsternd und tränenerstickt.

Jesus of Belgrade.

„Walk in our streets again.“

They made you die in the dust.

They made you immortal.

Through that.

Quelle: Briseis

Zitat "Walk in our streets again" aus dem Gospel "Mary's Child"

#22
Heute mal kein Gedicht... dafür eine selbst erlebte Anekdote, über die es sich lohnt nachzudenken (von wegen in der Schule lernt man nur unnützes Zeug!).

König

Eines Tages fragte uns unser Deutschlehrer, der auch Darstellendes Spiel unterrichtet: "Wie stellt man auf der Bühne einen König dar?"

Meine Mitschüler redeten durcheinander und zählten auf: überlegener Blick, auf einem hohen Thron sitzend, selbstbewusste, vielleicht arrogante Pose, Zepter in der Hand, groß und gerade Körperhaltung mit erhobenem Gesicht...

"Falsch", sagte unser Lehrer. "Einen König kann man nicht darstellen. Er wird nur dargestellt durch andere Menschen, die sich vor ihm verbeugen."

Quelle: Briseis

#23
Glück

Den ganzen Tag lang

Freue ich mich immer darauf

Dich zu sehen.

Und wenn du bei mir bist

Werde ich von Glück

Überschwemmt.

Was auch immer geschieht

Ich werde mich nie verlassen fühlen

Wenn du nur da bist.

Und ich bin immer

In einem gewissen Maße allein

Nur weil du fehlst.

~~~~~~~~~~

Fremdvertraut

Fremdvertraut

Wer er ist

Keine Ahnung

Nur

Er ist weder der Denker

Noch der Psychopath

Der er zu sein scheint

In einzelnen Momenten

Er ist mehr

Ich verstehe

Ihn nicht im Geringsten

Ich möchte wissen

Weshalb er ist

Wie er ist

Ja, und wie er überhaupt ist

Ihn verstehen können

Vielleicht liebe ich ihn ja

Den Schwätzer

Aber gehört zu Liebe nicht mehr

Als nur wissen zu wollen

Wie er tickt…

Quelle: Briseis

#24
Hannibal

“Übermorgen ist das Referat fällig”, sagt er und schaut mich an. „Gott, ich würde so gerne wissen, wieso Hannibal vor Roms Toren umgedreht ist. Was wohl in seinem Kopf vorgegangen ist?“ Versonnen sieht er jetzt aus dem Fenster. Die Sonne taucht Teile seines Gesichts in Goldgelb und glitzernde Lichtpunkte sind in seinen Augen. Ein Moment für die Ewigkeit. Er bringt mich dazu, ehrlich zu sagen: „Ich weiß es nicht und es ist unmöglich 2000 Jahre später herauszufinden. Ich liebe dich. Und nicht mal da weiß ich, weshalb.“ Als ich zu sprechen angefangen habe, hat er sich wieder mir zugewandt. Jetzt ist er einen Moment lang überrumpelt erstarrt. Dann fasst er sich. Lächelt. „Lass uns noch mal ins Museum gehen“, sagt er und nimmt meine Hand. „Hannibal ist leichter zu verstehen.“

~~~~~~~~~~

Angst vor Nähe

Schweigend gehst du

Wieder einmal

Ich soll dein Gesicht nicht sehen

Du bist verletzt

Und es tut mir unendlich leid

Obwohl ich nichts dafür kann

Deine Liebe tut weh

Ich verstehe ja, dass du

Allen misstraust

Aber so kann es nicht ewig

Weitergehen

Du hast Angst vor Nähe

Und du hast Angst vorm Alleinsein

Ich liebe dich

Bitte dreh dich um

Vielleicht

Vielleicht wirst du mir erlauben

Dich zu lieben

Irgendwo

Irgendwann.

Quelle: Briseis

#25
Hey Briseis,

erstmal entschuldigung, das ich mich jetzt solange nicht gemeldet habe, ich hatte einfach zuviel um die Ohren. Du weißt schon, so der Altag halt, Berufsschule, Freunde, Eltern usw. alle wollen immer was.

Dann muss ich dich wieder mal loben, du hast seit meiner letzten Anwesenheit wieder ne Menge geschrieben. Danke für die Übersetzung von "Nizza", das ist wirklich super, klasse.

Dann deine Anekdote "König", ist ne tole erklärung, kannste deinem Lehrer sagen. Ich wüßte auch nicht wie ich es hätte anders formulieren sollen.

"Angst vor Nähe" ein geht einem auch ein bisschen an die Niren.

Mit am besten fande ich "Hannibal", da ist nehmlich wirklich was wahres dran. Für alles gibt es eine logische Erklärung, sogar für Kriege, Leiden und andere Nöte, aber für so etwas einfaches wie die Liebe gibt es keine Gebrauchsanweisung. Und sollte es sie doch geben, dann wäre das etwas wirklich tolles.

Gruß Morhuhn

Seite 2 von 2 · 25 Beiträge in diesem Thema