Gedichte und Gedanken
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Rose Ausländer (1901-1988)
Des Geliebten Nächte zu entzünden,
will ich augenspendend süß erblinden.
Des Geliebten Atem zu umkosen,
wandelt sich mein Blut in tausend Rosen.
Des Geliebten Liebe zu erhalten,
möcht' ich mich in tausend Frauen spalten,
daß er tausendfach nur mich begehre,
alle liebend nur mir angehöre!
* seufz *
Des Geliebten Nächte zu entzünden,
will ich augenspendend süß erblinden.
Des Geliebten Atem zu umkosen,
wandelt sich mein Blut in tausend Rosen.
Des Geliebten Liebe zu erhalten,
möcht' ich mich in tausend Frauen spalten,
daß er tausendfach nur mich begehre,
alle liebend nur mir angehöre!
* seufz *
Else Lasker-Schüler (1869-1945)
Heimlich zur Nacht
Ich habe dich gewählt
Unter allen Sternen.
Und bin wach - eine lauschende Blume
Im summenden Laub.
Unsere Lippen wollen Honig bereiten,
Unsere schimmernden Nächte sind aufgeblüht.
An dem seligen Glanz deines Leibes
Zündet mein Herz seine Himmel an -
Alle meine Träume hängen an deinem Golde,
Ich habe dich gewählt unter allen Sternen.
Heimlich zur Nacht
Ich habe dich gewählt
Unter allen Sternen.
Und bin wach - eine lauschende Blume
Im summenden Laub.
Unsere Lippen wollen Honig bereiten,
Unsere schimmernden Nächte sind aufgeblüht.
An dem seligen Glanz deines Leibes
Zündet mein Herz seine Himmel an -
Alle meine Träume hängen an deinem Golde,
Ich habe dich gewählt unter allen Sternen.
Sandor Petöfi (1823-1849)
Ich liebe dich
Ich liebe dich, mein holder Engel,
Unendlich tief und heiß.
Ich frag mich nur betrübt: wie geb ich
Dir dafür den Beweis?
Du glaubst vielleicht nicht meinen Worten;
Hältst sie für leeren Schein?
Wie könnte ich den letzten Zweifel,
Der in dir nagt, zerstreun?
Wär ich ein reicher Mann, ich würfe
Für jedes liebe Wort
Den schönsten meiner Edelsteine
Sogleich mit Freuden fort.
Wär ich ein König, meine Krone
Legte ich ab sogar
Für einen Kranz, den deine Hände
Mir winden um das Haar.
Wär ich ein Regenbogen, gäb ich
All meine Farben dran,
Um einen Gürtel dir zu färben,
Den legte ich dir an.
Wär ich die Sonne, Mond und Sterne
Beachtete ich nicht.
Ich stieg herab, mich nur zu freuen
An deinem Angesicht.
Ich liebe dich
Ich liebe dich, mein holder Engel,
Unendlich tief und heiß.
Ich frag mich nur betrübt: wie geb ich
Dir dafür den Beweis?
Du glaubst vielleicht nicht meinen Worten;
Hältst sie für leeren Schein?
Wie könnte ich den letzten Zweifel,
Der in dir nagt, zerstreun?
Wär ich ein reicher Mann, ich würfe
Für jedes liebe Wort
Den schönsten meiner Edelsteine
Sogleich mit Freuden fort.
Wär ich ein König, meine Krone
Legte ich ab sogar
Für einen Kranz, den deine Hände
Mir winden um das Haar.
Wär ich ein Regenbogen, gäb ich
All meine Farben dran,
Um einen Gürtel dir zu färben,
Den legte ich dir an.
Wär ich die Sonne, Mond und Sterne
Beachtete ich nicht.
Ich stieg herab, mich nur zu freuen
An deinem Angesicht.
Paul Heyse (1830-1914)
Siesta
Lieb, o lieb war die Nacht
Mitten am hellen Tag,
Als wir die Läden geschlossen,
Als durch die schützenden Sprossen
Goldige Dämmerung brach.
Kühl, o kühl war der Saal,
Drinnen die Welt uns verging,
Da wir in seligem Schmachten
Wandelten, flüsterten, lachten,
Bis uns der Schlummer umfing.
Süß, o süß war der Traum,
Herz am Herzen geträumt!
Über uns schwebend im Kreise
Flattert’ ein Schmetterling leise,
Dunkel die Schwingen umsäumt.
Siesta
Lieb, o lieb war die Nacht
Mitten am hellen Tag,
Als wir die Läden geschlossen,
Als durch die schützenden Sprossen
Goldige Dämmerung brach.
Kühl, o kühl war der Saal,
Drinnen die Welt uns verging,
Da wir in seligem Schmachten
Wandelten, flüsterten, lachten,
Bis uns der Schlummer umfing.
Süß, o süß war der Traum,
Herz am Herzen geträumt!
Über uns schwebend im Kreise
Flattert’ ein Schmetterling leise,
Dunkel die Schwingen umsäumt.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
O glücklich, wer ein Herz gefunden!
O glücklich, wer ein Herz gefunden,
Das nur in Liebe denkt und sinnt
Und mit der Liebe treu verbunden
Sein schönres Leben erst beginnt!
Wo liebend sich zwei Herzen einen,
Nur eins zu sein in Freud und Leid,
Da muß des Himmels Sonne scheinen
Und heiter lächeln jede Zeit.
Die Liebe, nur die Lieb ist Leben:
Kannst du dein Herz der Liebe weihn,
So hat dir Gott genug gegeben,
Heil dir! Die ganze Welt ist dein!
O glücklich, wer ein Herz gefunden!
O glücklich, wer ein Herz gefunden,
Das nur in Liebe denkt und sinnt
Und mit der Liebe treu verbunden
Sein schönres Leben erst beginnt!
Wo liebend sich zwei Herzen einen,
Nur eins zu sein in Freud und Leid,
Da muß des Himmels Sonne scheinen
Und heiter lächeln jede Zeit.
Die Liebe, nur die Lieb ist Leben:
Kannst du dein Herz der Liebe weihn,
So hat dir Gott genug gegeben,
Heil dir! Die ganze Welt ist dein!
Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie's den Wissenden erbaut.
Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?
Solche Fragen zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn:
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?
Johann Wolfgang von Goethe
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie's den Wissenden erbaut.
Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?
Solche Fragen zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn:
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?
Johann Wolfgang von Goethe
Maiensegen
Nun ruht in weißen Schleiern
die See, umspielt vom West,
und Himmel und Erde feiern
das große Liebesfest.
Da strömt in rinnendem Regen
hernieder Kuß auf Kuß,
der rings zu Frucht und Segen,
zur Blüte werden muß.
So ruht in weißen Schleiern
mein Herz in deiner Brust,
und unsere Seelen feiern
die ewige Hochzeitslust.
Da strömt wie rinnender Regen
dein Kuß auf meinen Leib,
daß er zum Maiensegen
werde deinem Weib . . .
Ein Duften reifer Tage
um unsere Stirnen weht,
da wieder die singende Sage
durch flimmernde Fluren geht:
- daß kein Leid mehr bliebe,
wenn über der grünen Welt
die junge Frühlingsliebe
die flatternde Fahne hält!
Clara Müller-Jahnke (1860-1905)
Nun ruht in weißen Schleiern
die See, umspielt vom West,
und Himmel und Erde feiern
das große Liebesfest.
Da strömt in rinnendem Regen
hernieder Kuß auf Kuß,
der rings zu Frucht und Segen,
zur Blüte werden muß.
So ruht in weißen Schleiern
mein Herz in deiner Brust,
und unsere Seelen feiern
die ewige Hochzeitslust.
Da strömt wie rinnender Regen
dein Kuß auf meinen Leib,
daß er zum Maiensegen
werde deinem Weib . . .
Ein Duften reifer Tage
um unsere Stirnen weht,
da wieder die singende Sage
durch flimmernde Fluren geht:
- daß kein Leid mehr bliebe,
wenn über der grünen Welt
die junge Frühlingsliebe
die flatternde Fahne hält!
Clara Müller-Jahnke (1860-1905)
Die erste Liebe
Die erste Liebe füllt das Herz mit Sehnen
Nach einem unbekannten Geisterlande,
Die Seele gaukelt an dem Lebensrande,
Und süße Wehmut letzet sich in Tränen.
Da wacht es auf, das Vorgefühl des Schönen,
Du schaust die Göttin in dem Lichtgewande,
Geschlungen sind des Glaubens leise Bande,
Und Tage rieseln hin auf Liebestönen.
Du siehst nur sie allein im Widerscheine,
Die Holde, der du ganz dich hingegeben,
Nur sie durchwebt deines Daseins Räume.
Sie lächelt dir herab vom Goldgesäume,
Wenn stille Lichter an den Himmel schweben,
Der Erde jubelst du: Sie ist die Meine!
Die erste Liebe füllt das Herz mit Sehnen
Nach einem unbekannten Geisterlande,
Die Seele gaukelt an dem Lebensrande,
Und süße Wehmut letzet sich in Tränen.
Da wacht es auf, das Vorgefühl des Schönen,
Du schaust die Göttin in dem Lichtgewande,
Geschlungen sind des Glaubens leise Bande,
Und Tage rieseln hin auf Liebestönen.
Du siehst nur sie allein im Widerscheine,
Die Holde, der du ganz dich hingegeben,
Nur sie durchwebt deines Daseins Räume.
Sie lächelt dir herab vom Goldgesäume,
Wenn stille Lichter an den Himmel schweben,
Der Erde jubelst du: Sie ist die Meine!
Nähe der Geliebten
Ich denke dein im Morgenlicht des Maien,
Im Sonnenglanz;
Ich denke dein, wenn mich die Sterne freuen
Am Himmelskranz.
Ich sorg' um dich, wenn in des Berges Wettern
Der Donner lauscht;
Du schwebst mir vor, wenn in den dunkeln Blättern
Der Zephir rauscht.
Ich höre dich, wenn bei des Abends Gluten
Die Lerche schwirrt;
Ich denke dein, wenn durch des Deiches Fluten
Der Nachen irrt.
Wir sind vereint, uns raubt der Tod vergebens
Der Liebe Lust;
O, laß mich ruhn, du Sonne meines Lebens,
An deiner Brust!
Theodor Körner (1791-1813)
Ich denke dein im Morgenlicht des Maien,
Im Sonnenglanz;
Ich denke dein, wenn mich die Sterne freuen
Am Himmelskranz.
Ich sorg' um dich, wenn in des Berges Wettern
Der Donner lauscht;
Du schwebst mir vor, wenn in den dunkeln Blättern
Der Zephir rauscht.
Ich höre dich, wenn bei des Abends Gluten
Die Lerche schwirrt;
Ich denke dein, wenn durch des Deiches Fluten
Der Nachen irrt.
Wir sind vereint, uns raubt der Tod vergebens
Der Liebe Lust;
O, laß mich ruhn, du Sonne meines Lebens,
An deiner Brust!
Theodor Körner (1791-1813)
Liebesglück
Geh' ich von meinem Liebchen
Nach Haus' in stiller Nacht
Und denk, wie ich so selig
Den Abend zugebracht,
Wie ich bei ihr gesessen
So traulich und so nah,
Und wie ihr schönes Auge
So freundlich zu mir sah:
Dann wogt in meinem Herzen
Unendlich süße Lust,
Die Welt' möcht' ich umarmen
Und drücken an die Brust
Und möchte laut es rufen
Hin in die stille Nacht,
Wie wonnig meine Liebe,
Wie reich sie mich gemacht.
Doch manchmal in dem Jubel,
Da fällt mir bange ein,
Der Glücklichen auf Erden,
Nicht viele sollen's sein;
Dann bete ich verstohlen
Zum Sternenhimmel hin:
O werde mir nicht böse,
Daß ich so glücklich bin!
Franz von Kobell
Geh' ich von meinem Liebchen
Nach Haus' in stiller Nacht
Und denk, wie ich so selig
Den Abend zugebracht,
Wie ich bei ihr gesessen
So traulich und so nah,
Und wie ihr schönes Auge
So freundlich zu mir sah:
Dann wogt in meinem Herzen
Unendlich süße Lust,
Die Welt' möcht' ich umarmen
Und drücken an die Brust
Und möchte laut es rufen
Hin in die stille Nacht,
Wie wonnig meine Liebe,
Wie reich sie mich gemacht.
Doch manchmal in dem Jubel,
Da fällt mir bange ein,
Der Glücklichen auf Erden,
Nicht viele sollen's sein;
Dann bete ich verstohlen
Zum Sternenhimmel hin:
O werde mir nicht böse,
Daß ich so glücklich bin!
Franz von Kobell
Stille Sicherheit.
Horch, wie still es wird im dunkeln Hain,
Mädchen, wir sind sicher und allein.
Still versäuselt hier am Wiesenhang
Schon der Abendglocke müder Klang.
Auf den Blumen, die sich dir verneigt,
Schlief das letzte Lüftchen ein und schweigt.
Sagen darf ich dir, wir sind allein,
Daß mein Herz ist ewig, ewig dein!
Nikolaus Lenau (1802-1850)
Horch, wie still es wird im dunkeln Hain,
Mädchen, wir sind sicher und allein.
Still versäuselt hier am Wiesenhang
Schon der Abendglocke müder Klang.
Auf den Blumen, die sich dir verneigt,
Schlief das letzte Lüftchen ein und schweigt.
Sagen darf ich dir, wir sind allein,
Daß mein Herz ist ewig, ewig dein!
Nikolaus Lenau (1802-1850)
Im geheimsten Wald
Wir sprachen bald und schwiegen bald,
Beseligt ich und du,
Und du, geheimster Quell im Wald,
Du sahst und hörtest zu.
Und was die Liebe Liebes dort,
Was ich gefragt, was du,
Es floß als wie die Welle fort,
Und wie die Welle zu.
Und wie die Welle kam und floß
Und schwand und wallte zu,
Der ganzen Welt, die uns umschloß,
Vergaßen ich und du.
Doch weiß ich wohl, so selig lauscht
Uns nimmer deine Ruh,
O Wald, so leis du uns gerauscht,
So leise deck' uns zu!
Johann Georg Fischer (1816-1890)
Wir sprachen bald und schwiegen bald,
Beseligt ich und du,
Und du, geheimster Quell im Wald,
Du sahst und hörtest zu.
Und was die Liebe Liebes dort,
Was ich gefragt, was du,
Es floß als wie die Welle fort,
Und wie die Welle zu.
Und wie die Welle kam und floß
Und schwand und wallte zu,
Der ganzen Welt, die uns umschloß,
Vergaßen ich und du.
Doch weiß ich wohl, so selig lauscht
Uns nimmer deine Ruh,
O Wald, so leis du uns gerauscht,
So leise deck' uns zu!
Johann Georg Fischer (1816-1890)
Mit deinen blauen Augen
Siehst du mich lieblich an,
Da wird mir so träumend zu Sinne,
Daß ich nicht sprechen kann.
An deine blauen Augen
Gedenk ich allerwärts;
Ein Meer von blauen Gedanken
Ergießt sich über mein Herz.
Heinrich Heine (1797-1856)
Siehst du mich lieblich an,
Da wird mir so träumend zu Sinne,
Daß ich nicht sprechen kann.
An deine blauen Augen
Gedenk ich allerwärts;
Ein Meer von blauen Gedanken
Ergießt sich über mein Herz.
Heinrich Heine (1797-1856)
Glück der Liebe
Einem Schmetterlinge gleicht die Liebe;
Wie er flatternd über Blumen schwebt,
So entflieht sie oft auf leichten Schwingen,
Und nur selten kehrt sie uns zurück.
Um gewaltsam ihre Flucht zu hemmen,
Strebt das kranke Herz mit leisem Weh;
Möcht' ihr gern die raschen Flügel binden,
Gern sie bannen in der Treue Kreis.
Aber wie des Schmetterlinges Farben
Selbst in zarten Händen untergehn,
So vernichten Fesseln auch die Reize,
Die der Liebe freie Regung schmücken.
Darum öffne ihrem kurzen Glücke
Willig und geniessend Geist und Herz;
Aber will es wankelmüthig weichen
Trauere dann - doch halt es nicht zurück!
Charlotte von Ahlefeld
Einem Schmetterlinge gleicht die Liebe;
Wie er flatternd über Blumen schwebt,
So entflieht sie oft auf leichten Schwingen,
Und nur selten kehrt sie uns zurück.
Um gewaltsam ihre Flucht zu hemmen,
Strebt das kranke Herz mit leisem Weh;
Möcht' ihr gern die raschen Flügel binden,
Gern sie bannen in der Treue Kreis.
Aber wie des Schmetterlinges Farben
Selbst in zarten Händen untergehn,
So vernichten Fesseln auch die Reize,
Die der Liebe freie Regung schmücken.
Darum öffne ihrem kurzen Glücke
Willig und geniessend Geist und Herz;
Aber will es wankelmüthig weichen
Trauere dann - doch halt es nicht zurück!
Charlotte von Ahlefeld
Einfall
Er trägt an allen Tagen
Sein schwarzes Hofmannskleid;
Und ist es abgetragen,
So ist es ihm nicht leid;
Ich mach ihm gern ein neues,
Ich näh und überstreu es
Mit glänzendem Geschmeid.
Er trägt an allen Tagen
Sein schwarzes Hofmannskleid;
Ich seh es mit Behagen,
Die andern sehn's mit Neid.
Ihr neidet nicht das Kleid,
Ihr traget schweren Neid,
Weil ihr so schön nicht seid
Wie er, mein Lustgeschmeid.
Er trägt an allen Tagen
Sein schwarzes Hofgewand.
Er bringt - ich darf nicht klagen -
Mir jeden Tag ein Pfand,
Ein Pfand von seiner Liebe;
Wenn er nur länger bliebe!
Das wehret ihm sein Stand.
Er trägt an allen Tagen
Sein schwarzes Hofgewand.
Und kommt - ich will nicht klagen -
So oft der Abend schwand.
Legt's ab, so wie er naht;
Und wenn er geht, dann hat
Ein neues er von meiner Hand.
Er trägt an allen Tagen
Die schwarze Hofmannstracht.
Ich will es ihm nicht sagen,
Was ich mir ausgedacht:
Wenn er das Kleid legt nieder,
So geb ich's ihm nicht wieder,
Dann bleibt er Tag und Nacht.
Aus dem Schi-King (1200-700 v. Chr.)
Nachdichtung von Albert Ehrenstein
Er trägt an allen Tagen
Sein schwarzes Hofmannskleid;
Und ist es abgetragen,
So ist es ihm nicht leid;
Ich mach ihm gern ein neues,
Ich näh und überstreu es
Mit glänzendem Geschmeid.
Er trägt an allen Tagen
Sein schwarzes Hofmannskleid;
Ich seh es mit Behagen,
Die andern sehn's mit Neid.
Ihr neidet nicht das Kleid,
Ihr traget schweren Neid,
Weil ihr so schön nicht seid
Wie er, mein Lustgeschmeid.
Er trägt an allen Tagen
Sein schwarzes Hofgewand.
Er bringt - ich darf nicht klagen -
Mir jeden Tag ein Pfand,
Ein Pfand von seiner Liebe;
Wenn er nur länger bliebe!
Das wehret ihm sein Stand.
Er trägt an allen Tagen
Sein schwarzes Hofgewand.
Und kommt - ich will nicht klagen -
So oft der Abend schwand.
Legt's ab, so wie er naht;
Und wenn er geht, dann hat
Ein neues er von meiner Hand.
Er trägt an allen Tagen
Die schwarze Hofmannstracht.
Ich will es ihm nicht sagen,
Was ich mir ausgedacht:
Wenn er das Kleid legt nieder,
So geb ich's ihm nicht wieder,
Dann bleibt er Tag und Nacht.
Aus dem Schi-King (1200-700 v. Chr.)
Nachdichtung von Albert Ehrenstein
Wie schön sind deine Schritte
in den Sandalen,
du Edelgeborene.
Deiner Hüften Rund ist
wie Geschmeide,
gefertigt von Künstlerhand.
Dein Schoß ist
ein rundes Becken,
Würzwein mangle ihm nicht.
Dein Leib ist ein Weizenhügel,
mit Lilien umstellt.
Deine Brüste sind
wie zwei Kitzlein,
Wie die Zwillinge
einer Gazelle.
Dein Hals ist ein Turm
aus Elfenbein.
Deine Augen sind
wie die Teiche zu Heschbon
beim Tor von Bat-Rabbim.
Deine Nase ist
wie der Libanonturm,
der gegen Damaskus schaut.
Dein Haupt gleicht
oben dem Karmel;
wie Purpur sind deine Haare;
ein König liegt
in den Ringeln gefangen.
Wie schön bist du und wie reizend,
du Liebe voller Wonnen!
Wie eine Palme ist dein Wuchs;
deine Brüste sind wie Trauben.
aus dem Hohen Lied Salomos
in den Sandalen,
du Edelgeborene.
Deiner Hüften Rund ist
wie Geschmeide,
gefertigt von Künstlerhand.
Dein Schoß ist
ein rundes Becken,
Würzwein mangle ihm nicht.
Dein Leib ist ein Weizenhügel,
mit Lilien umstellt.
Deine Brüste sind
wie zwei Kitzlein,
Wie die Zwillinge
einer Gazelle.
Dein Hals ist ein Turm
aus Elfenbein.
Deine Augen sind
wie die Teiche zu Heschbon
beim Tor von Bat-Rabbim.
Deine Nase ist
wie der Libanonturm,
der gegen Damaskus schaut.
Dein Haupt gleicht
oben dem Karmel;
wie Purpur sind deine Haare;
ein König liegt
in den Ringeln gefangen.
Wie schön bist du und wie reizend,
du Liebe voller Wonnen!
Wie eine Palme ist dein Wuchs;
deine Brüste sind wie Trauben.
aus dem Hohen Lied Salomos
Ich mußte denken unverwandt,
wie ich einst zwischen schwarzen Pinien
den tiefen Frühling sinnen fand,
als ich vor deiner Schönheit stand,
und durch der Scheitel dunkle Linien
dein Antlitz träumte wie ein Land.
Es schlich von deiner Lippen Saum
ein Lächeln auf verlornem Pfade -
ganz leis. Die andern merktens kaum.
So weht ein Blatt vom Blütenbaum:
nur Einer schaut die Frühlingsgnade,
und der sie schaut, ist wie im Traum.
Rainer Maria Rilke
wie ich einst zwischen schwarzen Pinien
den tiefen Frühling sinnen fand,
als ich vor deiner Schönheit stand,
und durch der Scheitel dunkle Linien
dein Antlitz träumte wie ein Land.
Es schlich von deiner Lippen Saum
ein Lächeln auf verlornem Pfade -
ganz leis. Die andern merktens kaum.
So weht ein Blatt vom Blütenbaum:
nur Einer schaut die Frühlingsgnade,
und der sie schaut, ist wie im Traum.
Rainer Maria Rilke
So schön bist du!
Ein Lieblingstraum, aus goldnen Nächten
Vortretend, schlank, in ernster Ruh,
Den Zauberschleier in der Rechten -
So schön bist du!
Mein Blick erstaunt und muß sich senken,
Mein Herz schließt alle Tore zu,
Dem Wunder heimlich nachzudenken-
So schön bist du!
Hermann Hesse
* seufz *
Ein Lieblingstraum, aus goldnen Nächten
Vortretend, schlank, in ernster Ruh,
Den Zauberschleier in der Rechten -
So schön bist du!
Mein Blick erstaunt und muß sich senken,
Mein Herz schließt alle Tore zu,
Dem Wunder heimlich nachzudenken-
So schön bist du!
Hermann Hesse
* seufz *
Gioconda Belli
Erfinden wir unsere eigene Sprache,
Geliebter,
und uns werden die Augen groß:
Dinge sehen wir dann, die niemand sah,
Wege zwischen den Wolken,
Lieder in den Weizenfeldern.
Unter die Röcke sehen wir
dann dem Wind,
wie seine Lippen das Wasser küssen.
Wir gehen dann ungezwungen,
ohne Schuhe und nackt,
wie unsichtbare Geister.
Worte und Lachen malen wir dann
auf die Mauern in der Welt,
während aus unseren Körpern
die Liebe strömt,
sprudelnd,
gluckernd,
plätschernd wie aus Brunnen.
Erfinden wir unsere eigene Sprache,
Geliebter,
und uns werden die Augen groß:
Dinge sehen wir dann, die niemand sah,
Wege zwischen den Wolken,
Lieder in den Weizenfeldern.
Unter die Röcke sehen wir
dann dem Wind,
wie seine Lippen das Wasser küssen.
Wir gehen dann ungezwungen,
ohne Schuhe und nackt,
wie unsichtbare Geister.
Worte und Lachen malen wir dann
auf die Mauern in der Welt,
während aus unseren Körpern
die Liebe strömt,
sprudelnd,
gluckernd,
plätschernd wie aus Brunnen.
Gioconda Belli
Bitte
Kleide mich in Liebe
denn ich bin nackt,
bin unbewohnte Stadt,
benommen von Lärm
taub von Trillern,
trockenes Blatt im März.
Umhülle mich mit Freude,
ich wurde nicht geboren
um traurig zu sein,
die Traurigkeit ist mir zu weit
wie ein fremdes Kleid.
Ich will wieder brennen,
den salzigen Geschmack
der Tränen vergessen,
die Löcher in den Lilien,
die tote Taube auf dem Balkon.
Noch einmal mich wiegen
im wehenden Wind
schäumende Welle
Meer über den Klippen
meiner Kindheit
Sterne in den Händen
lachende Lampe auf dem Weg
zum Spiegel
in dem ich mich wieder schaue
heilen Leibes
beschützt
an die Hand genommen
vom Licht
von grüner Wiese und Vulkanen
das Haar voller Spatzen.
Schmetterlinge sprießen
aus meinen Fingern
Luft nistet in den Zähnen
und kehrt zurück zur Ordnung
des Universums bewohnt
von Zentauren.
Kleide mich in Liebe
denn ich bin nackt.
Bitte
Kleide mich in Liebe
denn ich bin nackt,
bin unbewohnte Stadt,
benommen von Lärm
taub von Trillern,
trockenes Blatt im März.
Umhülle mich mit Freude,
ich wurde nicht geboren
um traurig zu sein,
die Traurigkeit ist mir zu weit
wie ein fremdes Kleid.
Ich will wieder brennen,
den salzigen Geschmack
der Tränen vergessen,
die Löcher in den Lilien,
die tote Taube auf dem Balkon.
Noch einmal mich wiegen
im wehenden Wind
schäumende Welle
Meer über den Klippen
meiner Kindheit
Sterne in den Händen
lachende Lampe auf dem Weg
zum Spiegel
in dem ich mich wieder schaue
heilen Leibes
beschützt
an die Hand genommen
vom Licht
von grüner Wiese und Vulkanen
das Haar voller Spatzen.
Schmetterlinge sprießen
aus meinen Fingern
Luft nistet in den Zähnen
und kehrt zurück zur Ordnung
des Universums bewohnt
von Zentauren.
Kleide mich in Liebe
denn ich bin nackt.
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