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Gedichte und Gedanken

278 Antworten30'548 AufrufeGestartet von Chance2Desire ·

#261
Wilhelm Müller

(1794-1827)

Hier und dort

Mein Liebchen hat g'sagt:


Dein Sang mir behagt!



Ach, wenn ich doch selber



Ein Lied gleich wär',



Meinem Schätzchen zu Ehr'!






Da wollt' ich mich schreiben



Auf seidnes Papier,



Und wollte mich schicken



Per Post zu ihr.



Flugs thät' sie erbrechen



Das Briefchen so fein,



Und schaute schnurgrade



In's Herz mir hinein.



Und sähe und hörte,



Wie gut ich ihr bin,



Und wie ich ihr diene



Mit stetigem Sinn.



Und Liebchen thät' sagen:



Du thust mir behagen!



Und sagte und sänge



Und spielte nur mich,



Und trüge im Mund und im Kopf und im Herzen



Mich ewiglich.






Hätt' Gott mich gefragt,



Als die Welt er gemacht,



So hätt' ich ein Liebchen,



Das wäre fein hier,



Und wär sie wo anders,



So wär' ich bei ihr.






Dies Lied hat gesungen



Ein Wandrer vom Rhein.



Hier trinkt er das Wasser,



Dort trank er den Wein.


#262
Paul Heyse

(1830-1914)

Sie schreibt





Ach, warum von Land und Leuten



Schreibst du mir aus deiner Ferne,



Wie Gebirg und See dich freuten



Und wie golden dort die Sterne!






Liebesbriefe will ich lesen,



Immer nur das selig Eine,



Daß du mein gedenk gewesen,



Daß du mein und daß ich deine.






Ach, und tauchst an hellen Tagen



Du aus deinen Kümmernissen,



Sollst du mir es nimmer sagen,



Denn ich will dich heiter wissen.






Aber nicht dem Fremden neuen



Dank es, nicht der fernen Sonne,



Daß sie dein Gemüt zerstreuen



Und dir spenden frische Wonne.






Laß mich glauben, daß der Grüße



Zauber, die ich zu dir sende,



So das Leben dir versüße,



Wie dereinst ein Druck der Hände.






Daß mir, auch von dir geschieden,



Jene stille Macht verbliebe



Und du alle deinen Frieden



Nur gewinnst durch meine Liebe!


#263
Ricarda Huch

(1864-1947)

Liebchen, mühsam und beschwerlich

läßt sich

Stählern kritzeln auf papiernen Blättern!

Wärst du bei mir, ach wie gerne preßt' ich

Auf dein Lippenpaar lebend'ge Lettern.

Schriebe drauf mein töricht Liebeshoffen:

Rosenblätterbrief von Tau benetzt!

Und die Antwort wär' schon eingetroffen,

Eh' ich noch das Siegel aufgesetzt.

#264
Theodor Storm

Einen Brief soll ich schreiben


Meinem Schatz in der Fern;



Sie hat mich gebeten,



Sie hätt's gar zu gern.






Da lauf ich zum Krämer,



Kauf Tint' und Papier



Und schneid mir ein' Feder,



Und sitz nun dahier.






Als wir noch mitsammen



Uns lustig gemacht,



Da haben wir nimmer



Ans Schreiben gedacht.






Was hilft mir nun Feder



Und Tint' und Papier!



Du weißt, die Gedanken



Sind allzeit bei dir.


#265
Mascha Kaleko (1907-1975)

Weil du nicht da bist

Weil du nicht da bist, sitze ich und schreibe


All meine Einsamkeit auf dies Papier.



Ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe.



Die Maiennacht ruft laut. Doch nicht nach mir.






Weil du nicht bist, ist der Bäume Blühen,



Der Rosen Duft vergebliches Bemühen,



Der Nachtigallen Liebesmelodie



Nur in Musik gesetzte Ironie.






Weil du nicht da bist, flücht ich mich ins Dunkel.



Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an



Mit grellem Licht und lärmendem Gefunkel,



Dem ich nicht folgen, nicht entgehen kann.






Hier unterm Dach sitz ich beim Lampenschirm;



Den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt.



November singt in mir sein graues Lied.



»Weil du nicht da bist« flüstert es im Zimmer.






»Weil du nicht da bist« rufen Wand und Schränke,



Verstaubte Noten über dem Klavier.



Und wenn ich endlich nicht mehr an dich denke,



Die Dinge um mich reden nur von dir.






Weil du nicht da bist, blättre ich in Briefen



Und weck vergilbte Träume, die schon schliefen.



Mein Lachen, Liebster, ist dir nachgereist.



Weil du nicht da bist, ist mein Herz verwaist.


Besser kann man es nicht ausdrücken ... :(

#266
Detlev von Liliencron

(1844-1909)

Briefwechsel

Im Garten, heute Morgen,


Als ich deinen Brief erbrach,



Fand ich drin verborgen



Ein Rosenblatt.



Ein Rosenblatt, deinen Locken entsunken.



Als ich es trunken



Mit den Lippen berührte,



Kam ein Windhauch und entführte



Den holden Gast.



Nun segelt es lustig zu dir zurück.



Gleich einer Krone trägt es mein Glück



Auf tiefrotem Samt - und verblaßt.


#267
Die ganze Nacht hab ich geschlafen mit dir,

nahe dem Meer, auf der Insel.

Wild und lieblich warst du im Wechsel

von Lust und Schlaf,

im Wechsel von Feuer und Wasser.

Vielleicht vereinten sich

spät, sehr spät unsere Träume,

hoch droben oder tief drunten,

in der Höhe wie Zweige,

vom selben Winde bewegt,

in der Tiefe wie rote Wurzeln,

einander berührend.

Vielleicht trennte sich

dein Traum von dem meinen

und suchte mich

auf dem dunklen Meer

wie einstens,

als es dich noch nicht gab,

als ich, ohne dich zu gewahren,

dicht an dir vorüberfuhr,

und deine Augen suchten,

was ich nunmehr

- Brot, Wein, Liebe und Zorn -

mit vollen Händen dir gebe,

denn du bist der Becher,

wartend auf die Gaben meines Lebens.

Ich hab mit dir geschlafen

die ganze Nacht, während

die dunkle Erde sich drehte

mit Lebenden und mit Toten,

und beim Erwachen, jählings,

inmitten der Dunkelheit

umfaßte mein Arm deine Hüfte.

Weder die Nacht noch der Traum

konnten uns beide trennen.

Ich hab mit dir geschlafen,

und beim Erwachen gab dein Mund,

eben dem Traum entkommen,

mir den Geschmack von Erde,

von Meereswasser, von Algen,

vom Grund deines eignen Lebens,

und ich erhielt deinen Kuß,

benetzt von der Morgenröte,

als käme er mir vom Meer,

das hier uns umspült.

Pablo Neruda

#268
unvollständig...aber ich liebe diese ballade von Rilke:

könnte länger werden:

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Ich möchte dir ein Liebes schenken,

das dich mir zur Vertrauten macht:

aus meinem Tag ein Deingedenken

und einen Traum aus meiner Nacht.

Mir ist, daß wir uns selig fänden

und daß du dann wie ein Geschmeid

mir löstest aus den müden Händen

die niebegehrte Zärtlichkeit.

Du meine Hohe, weise

mich weiter auf deiner Bahn;

komm und tu mir leise

Wunder um Wunder an.

Ich habe viel gelitten,

vieles starb und brach, -

jetzt geh ich mit blinden Schritten

deinem Leben nach.

Sehr alte Schmerzen rücken

zurück in ein Verzeihn,

mir baun sich goldne Brücken

zu deinem Gütigsein.

Ob auch die Stunden uns wieder entfernen:

wir sind immer beisammen im Traum

wie unter einem aufblühenden Baum.

Wir werden die Worte, die laut sind, verlernen

und von uns reden wie Sterne von Sternen, -

alle lauten Worte verlernen:

wie unter einem aufblühenden Baum.

Ich möchte Purpurstreifen spannen

und möchte füllen bis zum Rand

mit Balsamöl aus Onyxkannen

die Blumenlampen, die entbrannt

im Mittag flammen, und verbrennen

bis wir uns mit dem Namen nennen,

der Sterne ruft und Tage bricht;

die Täler taun, die Winde fallen

den Dingen in den Schooß und allen

ist bang nach deinem Angesicht.

Mein Leben ist wie leise See:

Wohnt in den Uferhäusern das Weh,

wagt sich nicht aus den Höfen.

Nur manchmal zittert ein Nahn und Fliehn:

Aufgestörte Wünsche ziehn

darüber wie silberne Möwen.

Und dann ist alles wieder still ...

Und weißt du was mein Leben will,

hast du es schon verstanden?

Wie eine Welle im Morgenmeer

will es, rauschend und muschelschwer,

an deiner Seele landen.

Leise ruft der Buchenwald.

Winkt mit seinen jungen Zweigen

weit hinaus ins Wiesenschweigen.

Kommt mein blonder Liebling bald

mir die tiefen Wege zeigen,

wo die Lichter wie Elfen reigen?

Kommt mein blonder Liebling bald?

Grüßend wird meine Seele sich neigen.

Meine Seele ist maieneigen

wie der rufende Buchenwald.

Für die wir uns die Träume gaben

war eine Nacht so sanft und lind,

drin alle Brunnen Feen haben

und auch die träumerischen Knaben

vergessen Schätze zu ergraben

weil alle Dinge kostbar sind

Da hörte ich dich noch von ferne

und deine liebliche Stimme schien

als wohntest du im ersten Sterne

Ich stand in meiner Taltaverne

und suchte ihn.

ICH geh dir nach, wie aus der dumpfen Zelle

ein Halbgeheilter schreitet: in der Helle

mit hellen Händen winkt ihm der Jasmin.

Ein Atemholen hebt ihn von der Schwelle, -

er tastet vorwärts: Welle schlägt um Welle

der großbewegte Frühling über ihn.

Ich geh dir nach in tiefem Dirvertrauen.

Ich weiß deine Gestalt durch diese Auen

vor meinen ausgestreckten Händen gehn.

Ich geh dir nach, wie aus des Fiebers Grauen

erschreckte Kinder gehn zu lichten Frauen,

die sie besänftigen und Furcht verstehn.

Ich geh dir nach. Wohin dein Herz mich führe

frag ich nicht nach. Ich folge dir und spüre

wie alle Blumen deines Kleides Saum..

Ich geh dir nach auch durch die letzte Türe,

ich folge dir auch aus dem letzten Traum .

Leise hör ich dich rufen

in jedem Flüstern und Wehn.

Auf lauter weißen Stufen,

die meine Wünsche sich schufen,

hör ich dein Zu-mir-gehn.

Jetzt weißt du von dem Gefährten,

und daß er dich liebt ... das macht:

es blühen in seinen Gärten

die lang vom Licht gekehrten

Blüten, blühn über Nacht ...

DAS Land ist licht und dunkel ist die Laube,

und du sprichst leise und ein Wunder naht.

Und jedes deiner Worte stellt mein Glaube

als Betbild auf an meinen stillen Pfad.

Ich liebe dich. Du liegst im Gartenstuhle,

und deine Hände schlafen weiß im Schooß.

Mein Leben ruht wie eine Silberspule

in ihrer Macht. Lös meinen Faden los.

Zwei weiße Nonnenhände mühen

Nie sich um einen lichten Preis

Zwei weiße Nonnenhände blühen

Ohne dass es der Frühling weiß

Zwei weiße Nonnenhände halten

Nicht mehr das Leben, das sie umspinnt

Müssen sich fest zuammenfalten

Weil sie beide so einsam sind

DEINE Stube mit den kühlen

Rosen in den vielen Vasen,

drinnen wir in tiefen Stühlen

lehnten, leise Lieder lasen -

und mein Auge sehnte zag:

ist die einsame Kapelle,

welche Zuflucht mir bedeutet;

warten will ich an der Schwelle,

bis mir deine Stimme läutet

meine Lebensfeiertag

Der Regen greift mit seinen kühlen

Fingern uns die Fenster blind

Wir lehnen in den tiefen Stühlen

Und lauschen wie aus müden Mühlen

Die leise Dämmerstunde rinnt

Und dann spricht Lou. Und es verneigen

Sich unsre Seelen. Auch der Strauß

Am Fenster grüßt aus hohen Zweigen

Und wir sind alle heimteigen

In diesem leisen weißen Haus

Wir lächeln leis im Abendwind

Wenn sich die Blumen schwanend küssen

Und wenn die Vögel müde sind

Weil wir nicht mit der Sonne müssen

Die breit auf flachen Abendflüssen

Aus unsern Wiesentalen rinnt

Wir bleiben und wir sehn die Nacht

Aufwachsen weit und Wunder werden

Sehn Berge Bilder und Gebärden

Viel größer als wir je gedacht

Sehn was die Blüten nicht ertrügen

Was Vögel erst nach langen Rügen

Erreichen würden stellt sich nah

Und was am Morgen schon erstarrt

In Stille ist und Gegenwart

Wir kannten es, als es geschah

Du wie heilig sind die Abendhaine

Sonne hat dein Blondhaar sich geraubt

Meine Seele betet und die deine

Tut die Wunder die sie von ihr glaubt

Ein ganze weißes Dorf geht fern verloren

Bleicher breitet sich der Ruß und glatt

Und wir warten an den letzten Toren

Auf ein Winken aus der Sternenstadt

Unsere Liebe hat keine Gewalten

So will uns unsere Liebe sehn

Dass wir uns bei den Händen halten

Und durch Gesichte und Gestalten

Ihrem Garten entgegengehn

Keine Tore dürfen wir sprängen

Auf dem weiten Wandern ins Glück

Aber wenn wir uns in Gartengängen

Reife Ranken den Weg verhängen

Drängen wir sie zärtlich zurück

Suchen kommt mich in Abendgeländen

Eine Stunde die segnen kann

Und mit hellen heiligen Händen

Rührt sie leise mein Leben an

Und sie greift in gebenden Gnaden

In seine Tiefen wie in ein Spind,

Öffnet alle unsichtbaren Laden,

Drinnen Gewebe mit träumenden Faden

Perlen gelandet an andern Gestaden,

Kronen kommender Reiche sind

Ich fühle mich oft mitten im Alltagsgrau

Wenn mein Wesen dürstet:

Alltagsabend und Sonntagsfrühn

Hat mich dennoch gefürstet

Ich weiß oft mitten im Alltagsgrau

Ich darf mit meinem Beschwören

Deine Stille nicht stören

Du bist so leise, liebe Frau

Du wirst mein Schweigen hören

SEI du mir Omen und Orakel

und führ mein Leben an zum Fest,

wenn meine Seele, matt vom Makel

Die Flügel wieder fallen lässt

Gib mir das Niebeseßne wieder:

das Glück der Tat, das Recht zu Ruhn, -

mit einem Wiegen deiner Glieder

Mit einem Blick für meine Lieder

Mit einem Grüßen kannst du´s tun

Das Leben ist gut und licht.

Das Leben hat goldene Gassen

Fester wollen wirs fassen

Wir fürchten das Leben nicht

Wir heben Stille und Sturm

Die bauen und bilden uns beide

Dich kleidet die Stille wie Seide

Mich - machen die Stürme zum Turm

Ich denke an Frauen aus lichten Legenden

Sie erschauern in scheuem Schmerz

Und in hellen heiligen Händen

Bringen sie weinend ihr weißes Herz

Schreiten einsam durch weite Gelände

Wilde Wege, lebenwärts

Und in heischende heiße Hände

Legen sie leise ihr weißes Herz

Du lächelst leise und das große

Auge grüßt die Dämmerung

Die hände schimmern dir im Schoße

Und deine Hände sind so jung

Sie sind nicht müde, wenn sie rasten

Ein Lauschen nur ist ihre Ruh

Sie warten wie auf Orgeltasten

Einer neuen Hymne zu

Leg du auf meine Lebensgeige

Die Hände an des Schicksals Statt

Dass ich vergesse was für feige

Töne jede Saite hat

Lehr mich ein Lied. Ein Lied das zage

Wie Glückserinnerung beginnt

Ein Lied für meine Feiertage

Die ohne alle Hymne sind.

Wenn eng mit Zeit und Stundenschlagen

Der Alltag ärmlich uns umspinnt

Geschieht mir oft ich muss dich fragen

Glaubst du dass wir das selber sind?

Wir gehen gewiss in stillen Wiesen

Aus denen Zeit und Stunde wich

Und unsre Stirnen sind gleich Friesen

Mit Knaben die auf Flöten bliesen

So friedlich still und feierlich

Wir wissen nicht vom Sinn der Tage

Und unsre kühlen Hände sind

Zwei Zweigen ähnlich die sich zage

Entgegenwachsen durch den Wind

Im Alltag tasten unsre Träume

Uns mühsam nach und sind in Mühn

Wenn wir schon schön wie junge Bäume

Dem Sommerlos entgegenblühn

ICH bin so still, du Traute,

und immer schweigen wir.

Du bist eine schlanke Laute,

der Frühling spielt auf dir.

Drum bin ich so still, du Ziere,

weil oft mir Angst geschieht,

daß ich einen Laut verliere

aus deinem lieben Lied.

SO milde wie Erinnerung

duften im Zimmer die Mimosen.

Doch unser Glaube steht in Rosen,

und unser großes Glück ist jung.

Sind wir denn schon vom Glück umglänzt?

Nein, uns gehört erst dieses Rufen,

dies Stillestehn auf weißen Stufen,

an die der tiefe Tempel grenzt.

Das Warten an dem Rand des Heut.

Bis uns der Gott der reifen Keime

aus seinem hohen Säulenheime

die Rosen, rot, entgegenstreut.

Nur fort von allen vielen

Welche das Leben spielen

Das war mein blindes Zielen

War ohne Sinn und Saum

Jetzt weiß ich: dir entgegen

Trieb ich auf tausend Wegen

Am Tage und im Traum

Und du bist das Erlösen

Nach welchem ich in bösen

Bangen Fiebern schrie

Im Dich-Erkennen sanken

Meine reisigen reifsten Gedanken

Wie Kinder in die Knie.

Der Sturm will herein

Ihm ist Bang in all den Bäumen

Und ich bin allein

Und traurig von Träumen,

die ich durchlitt

und sehne mich längst

nicht sinnen und säumen

wie einen Hengst

ihn zähmen und zäumen

zu berauschendem Ritt

und des Sturmes Schritt

soll in leichtem befreiendem Wagen

weit an die Wipfel der Wälder schlagen

über Wasser und Wall über Nachten und Tagen

über Hüttenhocken und Kirchenragen

über Tiefen und Türme tragen

und du komm hoch! Meinem jubelnden Jagen

raub ich dich mit

Der Abend ist mein Buch. Ihm prangen

Die Decken purpurn in Damast

Ich löse seine goldnen Spangen

Mit kühlen Händen ohne Hast

Und lese seine erste Seite

Beglückt durch den vertrauten Ton

Und lese leiser seine Zweite

Und seine Dritte träum ich schon

#269
Du weißt: mein müder Wille

Lag vor dir auf den Knien

Und flehte“ Sei die Stille“

Und du erhörtest ihn.

Du sahst in heißem Hauchen

Ward Kranz und Kraft ihm alt

Und er muss Kühle brauchen:

Da warst du wie der Wald

Und hattest tausend Tiefen

Und wurdest wild und weit

Und viele Stimmen riefen

Aus deiner Seltsamkeit

du warst so kinderweiß in deiner Seide

ich aber wollte dich zu meiner Königin;

und ging hinaus zum wilden wuchs der Weide

und sagte ihr, dass ich der Herbststurm bin.:

Da gab sie gerne ihre Gerten bin.

Ich feierte ein fest der flagellanten

und als die narben in den nächten brannten

lies ich dir leise von den roten ruten

den purpur um die weißen schultern bluten

#270
@Velena : :super: :super: :super: !!!

#271
schön ;) schade das sie nicht von dir sind :schmatz:

#272
wunderschönes Gedicht Velens

#273
When you walk


through a storm



hold your head up high



And don't be afraid of the dark



At the end of a storm there's a golden sky



And the sweet silver song of a lark






Walk on through the wind,



Walk on through the rain,



Tho' your dreams be tossed and blown.






Walk on , walk on



with hope in your heart



And you'll never walk alone,



You'll never walk alone






Walk on , walk on



with hope in your heart



And you'll never walk alone,



You'll never ever walk alone.


Quelle : Auszug aus " You`ll never walk alone " von Gary & The Peacemakers

#274
Des Geliebten Nächte zu entzünden,


will ich augenspendend süß erblinden.






Des Geliebten Atem zu umkosen,



wandelt sich mein Blut in tausend Rosen.






Des Geliebten Liebe zu erhalten,



möcht' ich mich in tausend Frauen spalten,






daß er tausendfach nur mich begehre,



alle liebend nur mir angehöre!


#275
[I]Oh wie lieblich ist das Mädchen,


Wie so schön und voller Anmut !






Sag' mir an, du wackrer Seemann,



Der du lebst auf deinem Schiffe,



Ob das Schiff und seine Segel,



Ob die Sterne wohl so schön sind !






Sag' mir an, du stolzer Ritter,



Der du gehst im blanken Harnisch,



Ob das Roß und ob die Rüstung,



Ob die Schlachten wohl so schön sind !






Sag' mir an, du Hirtenknabe,



Der du deine Herde weidest,



Ob die Lämmer, ob die Matten,



Ob die Berge wohl so schön sind !


#276
Juli

Nun ist es Sommer den ganzen Tag,


Den ganzen Tag man nur küssen mag,



Und alle die Rosen, die müssen



Satt duften zu unseren Füßen.






Nun bleibt es Sommer den ganzen Tag,



Den ganzen Tag ich im Himmel lag,



Dort tat man sich paarweise küssen



Und satt lag die Erde zu Füßen.






Nun ist es Sommer Nacht und Tag,



Und Nacht und Tag man nur küssen mag;



Von allen heißen Genüssen



Ist Anfang und Ende das Küssen.


#277
Quelle :

Deutsches Sprichwörter - Lexikon


Ein Hausschatz für das deutsche Volk



(in 5 Bänden)



Karl Friedrich Wilhelm Wander



(Neudruck der Ausgabe Leipzig 1873)



Scientia Verlag Aalen 1963


Auf Liebe und Wetter ist kein Verlass.

Der Liebe und dem Tode kann niemand entgehen.

Die in der Liebe ertrunken sind,


die sind mit offenen Augen blind.


Die Lieb' ist frei von Eitelkeit,

sie wohnt unter dem Kittel wie unter Seidenkleid.

Die Liebe aus der Ferne bleibt am längsten warm.

Die Liebe decket Fehler und Gebrechen.

Die Liebe des Eifersüchtigen ist das Leben eines Kranken.

Die Liebe ist ein lebendiger Tod und ein sterbendes Leben.

Die Liebe kennt keine Furcht.

Die Liebe macht auch kluge Leute zu Narren.

Je grösser die Liebe, je weniger Worte.

#278
Ich wünsche Dir Zeit!

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.

Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:

Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,

und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,

nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.

Ich wünsche dir Zeit - nicht zum Hasten und Rennen,

sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit - nicht nur so zum Vertreiben.

Ich wünsche, sie möge dir übrigbleiben

als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,

anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,

und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.

Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben,

Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,

jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.

Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.

Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

von Elli Michler

#279
Ich habe dich so lieb

Ich habe dich so lieb!

Ich würde dir ohne Bedenken

Eine Kachel aus meinem Ofen

Schenken.

Ich habe dir nichts getan.

Nun ist mir traurig zu Mut.

An den Hängen der Eisenbahn

Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei - verjährt -

Doch nimmer vergessen.

Ich reise.

Alles, was lange währt,

Ist leise.

Die Zeit entstellt

Alle Lebewesen.

Ein Hund bellt.

Er kann nicht lesen.

Er kann nicht schreiben.

Wir können nicht bleiben.

Ich lache.

Die Löcher sind die Hauptsache

An einem Sieb.

Ich hab dich so lieb.

von Joachim Ringelnatz

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