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Nach 22 Jahren will sie gehen ...

210 Antworten14'659 AufrufeGestartet von tiefe_trauer ·

#41
@ dropje, da hast du natürlich auch recht, jemand der vollkommen unbeleckt ist, hat auch ne Macke, hab ich übrigens in der nachbarschaft, zwei über fünfzigjährige Männer, die immer noch bei ihrer mutter wohnen. So was will ich auch nicht haben. Was ich aber meinte ist, das es einfach viel schwieriger ist, denn die "päckchen", die man so mit sich rumträgt, kann der andere ja gar nicht kennen. Die Knöpfe, bei denen es schmerzt, weil der andere unbeabsichtigt drauf drückt und bei denen der andere dann gar nicht weiß, warum das so ist, die machen das Leben in einer neuen Beziehung eben so schwer.

@ gunilla-lee, ist für Frauen vielleicht auch schwieriger als für Manner, habe ich zumindest den Eindruck. Da sitzt man dann ggf. mit Kindern und wie will man da jemand neues kennenlernen. Und wenn man dann mal jemanden kennenlernt, dann muss man auf die kinder rücksicht nehmen und ich habe dann festgestellt, dass sie einen entweder verkuppeln wollen und zwar auf eine art und weise die richtig peinlich ist oder sie lehnen den typ total ab und benehmen sich solchermaßen unmöglich, dass es aus diesem grund nichts gibt. ich würde mir wirklich wünschen noch mal 20 zu sein und unbelastet eine Beziehung (natürlich mit dem Wissen von jetzt) anfangen zu können.

#42
Hi gunilla-lee, das Warten hat sich für mich gelohnt. Ich denke du bringst es auf den Punkt:

Ich glaube, wir müssen lernen, das, was wir Gutes um uns herum haben und erleben, nicht als selbstverständlich hin zu nehmen. Jeden Tag, zu jeder Stunde kann sich das Leben verändern und wir sollten im hier und jetzt sein.
Das was uns gutes widerfährt sollten wir bewußt schätzen und dem anderen v.a. auch mitteilen, dass wir uns freuen und dankbar sind. Auch die kleinen Liebesbeweise sind wichtig. Hier war ich auch viel zu nachlässig. Woher kommt es nur, dass man es prinzipiell alles weiss, aber an der Umsetzung scheitert?

Es sind die kleinen Dinge, die eine Beziehung lebendig erhalten und sie sind in der Umsetzung so, so schwer.
Ich denke es funktioniert ähnlich wie mit Freunden, mit denen man telefoniert und sagt: "Wir müssten uns mal wieder treffen" und dann dauert es Monate oder Jahre, bis wirklich ein Termin ausgemacht wird. Hier hilft nur Verbindlichkeit und ganz konkrete Abmachungen. Uns solche Abmachungen müssen wir wohl mit uns selber treffen. z.B. uns jeden Abend fragen, haben wir unseren Partner heute gelobt oder ihm etwas gutes getan. Raus aus der Routine und dem Alltagstrott, hin zum aktiven Management der Partnerschaft - klingt blöd, aber ich denke ihr wisst was ich meine. Jeder Urlaub wir mit großem Engagement geplant und vorbereitet. Sollten wir nicht unsere Partnerschaft auch genau so leidenschaftlich planen. Wenn wir immer auf den richtigen Moment und irgendwelche Eingebungen warten, warten wir oft vergebens. Mir ging es jedenfalls so.

Aber..... t t , wir sind in den besten Jahren (hö,hö),und wir sind nicht die Einzigen, die "gescheitert" sind. Gerade um die 40 kommt es zu vielen, vielen Trennungen.
Wieso kommt es eigentlich ausgerechnet um die 40 zu so vielen Trennungen. Ich kann das nur bestätigen. In unserem Bekanntenkreis sind überall die Beziehungen am scheitern oder bereits gescheitert. Ich denke viele Beziehungen sind über die Jahre festgefahren und die Probleme wurden nicht gelöst, die Streits immer regelmäßiger, die Liebe immer geringer, der Respekt und die Achtung immer kleiner, der Frust immer größer. Dann die Frage "soll es das in meinen Leben schon gewesen sein?". Antwort: "Es kann doch fast nur noch besser werden, vor allem emotional". Und schon ist die Trennung vom fremdgewordenen Partner sehr nah.

Hi sophiechen, das mit den Päckchen befürchte ich auch. Die vielen Verletzungen, die letztlich in den meisten gescheiterten Beziehungen vorgekommen sind hinterlassen ihre Spuren. Wer ist schon in der Lage, alles zu verarbeiten und die nächste Beziehung wieder unvoreingenommen zu beginnen. Ich glaube auch, dass es eher schwieriger denn leichter wird den richtigen Partner zu finden. Was helfen kann, ist sich wirklich bewußt zu machen, auf welche Eigenschaften man Wert legt und so lange zu suchen, bis man einen Partner findet, der mit den eigenen Vorstellungen sehr weitgehend übereinstimmt. Aber das kostet Zeit. Und wenn es dann nicht funkt?? Oh, ist das alles schwierig.

Mit dem Therapeuten unterhalten wir uns nur über die Kinder. Das Thema Partnerschaft ist für meine Frau erledigt. Ich bin dabei dies zu akzeptieren und mein Leben in meine Hände zu nehmen, so schwer es mir auch fällt. Dann bin ich wieder derjenige, der über mein Leben bestimmt und nicht mehr mein Partner, bzw. besser Expartner. So, jetzt hab ich es das erste Mal gesagt.

Ich glaube meiner Frau machen einfach auch Schuldgefühle zu schaffen und die Ungewissheit und die vielen neuen Dinge, die auf uns zukommen. Und 22 Jahre lassen sich nicht einfach so ausknipsen.

Hi dropje, ich glaube mittlerweile auch, dass ich nicht zu viel in die Emotionen meiner Frau hineininterpretieren sollte. Lieber akzeptieren und selbst wieder auf die Füße kommen. Vielleicht beeindruckt dies mehr als sich zum Spielball der Launen des Ex zu machen. Und wenn nicht, hilft es wenigstens schneller aus dem Tief zu kommen.

Denn wer mit sich selbst ganz gut zurecht kommt, der müsste eigentlich auch eine Beziehung finden können, bei der er glücklich wird.
Das denke ich auch, wichtig ist es schon zu Beginn einer neuen Beziehung autentisch zu sein. Wenn es dann klappt, haben wir die besten Voraussetzungen.

Und du kommst vielleicht besser mit dir zurecht als deine Ex, oder, tt?
Das will ich doch hoffen, dass ich besser mit mir zurecht komme als meine Ex. Sonst müsste ich mich ja von mir trennen und das habe ich nicht vor ;-)

Ich arbeite bereits seit 2 Jahren wieder und verdiene auch ganz ordentlich. Nur ist es nicht mein Traumjob und teilweise auch belastend. Ich habe also im Moment nicht allzu viel, um meinen Accu aufzuladen.

Hi gunilla-lee, da ist absolut was dran an deiner Altersthese. Wichtig ist nur, dass die Altlasten nicht zu groß sind bzw. wir es schaffen, zu verzeihen, auch uns selber. Die Gelassenheit ist sicher ein ganz wichtiger Pluspunkt, bei mir kann ich diese beobachten, geht es aber allen so?? Oder suchen doch vielen immer noch Ihren Traumprinzen bzw. Traumprinzessin?

Ich werde jedenfalls jemanden mit seeeeehhhhhr viel Gelassenheit suchen.

Oh Sophiechen, auch wir Männer haben unser Päckchen zu tragen. Mir macht es auch keinen Spass 2 Haushalte zu finanzieren und dadurch meine Altersvorsorge den Bach runter gehen zu sehen. Und die Kinder sind ja nicht nur eine Last, sondern auch eine Freude. Ich würde jederzeit tauschen, wenn meine Ex mir dies anbieten würde.

Das die Kinder eine Belastung für ein neue Beziehung darstellen können, gebe ich zu. Ich denke, das einzige was hilft, ist die Kinder ernst zu nehmen aber Ihnen auch klar zu machen, dass wir auch Bedürfnisse haben, die unsere Kinder ernst nehmen sollen. Aber ob´s klappt ...

Liebes Grüßle und gute Nacht

tt

Unknow2
#43
Original von tiefe_trauerDas will ich doch hoffen, dass ich besser mit mir zurecht komme als meine Ex. Sonst müsste ich mich ja von mir trennen und das habe ich nicht vor ;-)
:D

#44
Hi tt

gibt´s schon was neues?

Noch mal auf die Kinder zurück zu kommen: Klar, du hast das schon richtig erkannt, dass Kinder eine Last und eine Freude sein können. Nur meinst du nicht auch, dass es die Frauen, bei denen die Kinder dann auch leben, schwerer haben, einen neuen Partner zu finden als die Männer, die dann alleine sind? Schließlich können die Männer doch dann z. B. abends machen was sie wollen, wo die Frau dann zu Hause sein muss und über den Schlaf der zu wachen.

Ich wollte mal damit sagen, deine Frau schneidet sich doch eigentlich ins eigene Fleisch, wenn sie dich verlässt, ohne schon wieder "jemanden an der Angel zu haben". Oder wie siehst du das?

pappi

#45
Hi pappi,

Nö, wirklich neues gibt es nicht. Vielleicht ist es die Ruhe vor dem Sturm.

Unterm Strich hat es meine Frau auch nicht viel schwerer. Jedes 2. Wochenende habe ich vermutlich die Kinder und sie kann ab Freitag abend losziehen. Während der Woche muss sie halt aufs fortgehen verzichten oder sich einen Babysitter organisieren bzw. die Kinder übernachten bei einer Freundin.

Ich bin beruflich sehr eingespannt, so dass ich während der Woche sicher auch nicht oft wegkomme.

Ob sie heute schon jemanden an der Angel hat, der auch für eine feste Partnerschaft in Frage kommt, weiss ich nicht. Da sie sich aber wieder selbst finden will wie sie sagt, wird sie wahrscheinlich nicht gleich von einer Beziehung in die nächste wechseln. Sonst sind ihre lang erstreben Freiheiten ja gleich wieder futsch. Aber genaues weiss man nicht, jedenfalls im Moment noch nicht

Liebe Grüsse tt

#46
Gunilla-Lee hat einfach recht:

Ich glaube, wir müssen lernen, das, was wir Gutes um uns herum haben und erleben, nicht als selbstverständlich hin zu nehmen. Jeden Tag, zu jeder Stunde kann sich das Leben verändern und wir sollten im hier und jetzt sein. Also, was ich meine - nicht erst zum Hochzeitstag oder Geb. bzw. Weihnachten dem anderen ne Freude machen. Sondern, wann immer es geht! Wie war das denn, als wir frisch verliebt waren? Wir haben telefoniert, Zettelchen geschrieben, in der Disco dem Rosenverkäufer ein Blümchen abgekauft (sch...egal, wie teuer sie war) - kurzum dem Partner gezeigt wie wichtig er uns ist, nichts war zu aufwendig und teuier für den anderen. Und das alles zu einem Zeitpunkt, als man den anderen doch noch gar nicht kannte. Ja, und wenn man dann "eine Einheit " ist, dann hört man mit diesen Liebesbeweisen auf - gerade dann, wenn man den anderen doch ganz genau kennt, wenn man den anderen auch wirklich meint und nicht mehr nur seinem eigenen Gefühl, der Verliebtheit Nahrung gibt.
Und das meinen andere Forumsmitglieder dazu:

http://www.liebeskummer.ch/thread.php?threadid=6685&sid=

http://www.liebeskummer.ch/thread.php?threadid=6684&sid=

Da kann beim nächsten Male nichts mehr schief gehen! :nono:

#47
Hall t t,

heute versuche ich mich mal darin, zu deuten, warum deine Frau, trotz gewollter Trennung geweint hat und es ihr nicht so leicht fällt. Sophiechen hat sich ja auch schon darin versucht.

Ja, ich glaube auch, dass es mehrere Gründe sein können. Wie du weißt, habe ich mich ja auch von meinem Mann getrennen und vorher, und auch in der Zeit danach viel geweint. Es gab folgende Gründe:

1.Angst vor der ungewissen Zukunft (wie komme ich finanziell klar, wie meister ich handwerkliche Dinge, wie fühlt sich das Alleinesein an, ...)

2. Abschied von einer Lebensphase, die ja nicht nur schlecht war. Ein Kapitel meines Lebens war zu Ende. Ein Abschnitt, in dem ich die meiste Zeit jung gewesen bin. Es war also auch ein Abschied vom jung sein - jetzt war ich endgültig erwachsen und auf mich gestellt. Keiner mehr da, auf den ich im Notfall zurückgreifen konnte (ganz subjektiv betrachtet).

3.Und damit auch die Angst davor, ob mich denn noch einer mit Falten, Orangenhaut und "Schwimmreifen" haben will (klingt blöd, ich weiss. Aber die Angst war und ist eben da).

4.Da war auch Kummer,dass ich es nicht geschafft habe, eine glücklich oder auch nur zufriedene Ehe zu führen. Ich hatte versagt! (Ich beschreibe hier nur die Ängste und Gefühle - egal wie sinnig oder unsinnig sie sind). Ich wäre gerne eine GUTE Ehefrau geworden und habe es nicht geschafft. Ich habe um uns und auch um mich geweint, um ungenutzte Chancen und Möglichkeiten, um gelebtes und auch um ungelebtes Leben.

Das Ganze war ein einziges Wirrwarr, aber Liebe zu meinem Mann war nicht mehr dabei!

Ich denke, diese Ängste und Sorgen unterscheiden sich nicht von den Gedanken der Männer!

ABER....da war kein Gefühl von Liebe zu meinem Mann mehr.

Ich kann die Stelle nicht mehr finden, in der du von Achtsamkeit und Kontakthalten zu Freunden geschrieben hast - du weist sicher, was ich meine.

Dazu möchte ich noch schnell anmerken: es ist ja nur allzu verständlich, wenn wir uns auch an dieser Stelle nicht sonderlich bemühen. Wir sitzen in unserer vermeintlich heilen Welt, haben unsere Arbeit, die Familie - sind sozial also eingebunden, und vermissen nichts. Warum sollen wir über unseren "Tellerrand" schauen und nun noch zustzliche Kontakt erhalten und pflegen, wir sind ja "voll" mit anderen Dingen und "ausgelastet". Also verschieben wir Anrufe, Briefe etc. auf morgen ...übermorgen...nächsten Monat ... ... ...Und plötzlich und unerwartet sind uns alle Freunde und vertraute Menschenabhanden gekommen. Vielleicht kann man sich für den neuen "Lebensplan" vornehmen, bestimmte Dinge regelmäßig zu tun.

- Bestimmte Menschen regelmäßig anzurufen (auch wenn's gerade nicht paßt)

- Geburtstagskarten zu schreiben (mit WIRKLICH persönlichen Zeilen)

- 1 oder 2x im Jahr Freunde zum Kaffeeeklatsch, Spieleabend, Abendessen...

einzuladen (ohne dass ein Geb. ansteht)

Kurzum, Kontakte ganz bewußt einzuplanen und auch zu pflegen, Rituale daraus zu machen und auch an ihnen festhalten, wenn wir wieder neu gebunden sein sollten oder meinen, wir haben gar keine Zeit dazu.

So,das war's für heute - schlaft alle gut Gunilla

#48
Lieber tiefe Trauer,

auch mich hat Deine Geschichte tief berührt und macht mich unendlich traurig.

Aber: Es gibt viele, viele positive Ansätze, finde ich. Du hast eigentlich erkannt, was schief gelaufen ist und weißt genau, wo die Fehler liegen/lagen. Das ist doch schon richtig viel wert, wie ich finde (Du könntest ja auch schreiben, diese böse Frau hat mich nach so vielen Jahren verlassen..).

Meinst Du, es würde etwas bringen, wenn Du ihr GENAU das alles sagst, vielleicht auch schreibst? Ich meine, nach soviel Selbsterkenntnis/Selbstkritik würde ich jedenfalls von vorne anfangen zu überlegen. Dies geht natürlich nur, wenn sie auch wirklich will (vielleicht ja auch erst in ein paar Monaten).

Aber ich würde sie dies alles wissen lassen. Damit sie einfach sieht, daß Du Dir Gedanken machst/gemacht hast.

Denn wie heißt ein Sprichwort: Selbsterkenntnis ist der erste Weg.....

Ich würde es zumindest versuchen, Du kannst ja nichts mehr verlieren, oder?

Ich wünsche Dir jedenfalls viel, viel Kraft und freue mich, von Dir zu lesen.

Liebe Grüsse

#49
Hi gunilla-lee,

vielen Dank für deine ausführliche Darstellung der Gründe, warum meiner Frau die Trennung so schwer fällt. Ich denke du hast mit deinen Thesen absolut recht. Heute gehe ich davon aus, dass sie keine Liebe mehr zu mir empfindet. Ihr ganzes Verhalten deutet darauf hin. Sie treibt die Trennung aktiv voran und sagt mir ganz direkt, dass sie mich schon seit 2 Jahren nicht mehr liebt und diese Jahre gebraucht hat, um sich bewußt emotional von mir zu lösen. Seit ein paar Wochen macht sie mit mir keine gemeinsamen Unternehmungen mehr und ist an jedem Tag, an dem ich auf die Kinder aufpasse von morgens bis spät abends unterwegs. Sie gibt mir das Gefühl als sieht sie es nur noch als notwendiges Übel, mit mir zusammen in einem Haus zu wohnen.

Diese Zitate treffen die Gefühle meiner Frau wohl am besten:

Ich habe um uns und auch um mich geweint, um ungenutzte Chancen und Möglichkeiten, um gelebtes und auch um ungelebtes Leben.

Das Ganze war ein einziges Wirrwarr, aber Liebe zu meinem Mann war nicht mehr dabei!
Ich habe mich damit abgefunden, dass es endgülig aus ist und damit wohl den ersten, schwierigsten und wichtigsten Schritt der Verarbeitung abgeschlossen. Nun kann ich mich auf mich konzentrieren und vergeude keine Energie mehr auf eine vergebliche Hoffnung. Sie hat sich leider nach 22 Jahren ohne menschlichen Anstand und Würde aus der Beziehung verabschiedet. Darüber bin ich sehr enttäuscht. Auf der anderen Seite hat es mir ihr Verhalten doch recht einfach gemacht die Endgültigkeit zu kapieren. Der Schmerz ist natürlich trotzdem sehr schwer zu ertragen.

Hi Sweetheart,

danke für deine Anteilnahme und deine lieben Worte. Das tut gut. Auch ich bin froh, dass ich meine Gefühle wieder spüre, wahrscheinlich mehr denn je. Im Nachhinein bin ich viel schlauer. Nur habe ich dazu den Zugang zu meinen Gefühlen gebraucht und den hatte ich erst als ich den Schmerz gespürt habe. Traurig aber wahr. Ich habe viel über mich und unsere Beziehung gelernt in den letzten Wochen. Aus vielen kleinen verstreuten Mosaiksteinen ist ein trauriges Bild geworden.

So schwer es mir fällt, ich akzeptiere ihre Entscheidung. Aus ihrer Sicht bin ich noch derselbe Mensch wie die letzten 22 Jahre. Und sie hat sogar recht. Die Erkenntnisse bringen mich erst zukünftig in die Lage, ein anderer Mensch zu werden. Ob ich es wirklich schaffe, weiß ich heute selber nicht. Ich weiß nur, dass ich aus dem tiefen Schmerz Kraft schöpfen und daran wachsen möchte. Wenn mir dies gelingt, hat alles einen tieferen Sinn für mich gehabt und ich kann meinem weiteren Leben mit Freude entgegensehen.

LG

tt

#50
Hi tiefe Trauer,

wie unterschiedlich doch unsere beiden Geschichten sind.

Und trotzdem haben sie mit viel Schmerz, Tränen und Selbsterkenntnis zu tun. Ich frage mich manchmal, warum wir Menschen uns dies immer wieder antun? Haben wir dazu ein so großes Gehirn bekommen? Um anderen weh zu tun? Oder sind wir einfach nur unfähig, mit unseren Gefühlen zum rechten Zeitpunkt umzugehen?

Wieso brauchen wir immer solche Situationen, um zu wissen, wie wir NIE wieder handeln werden? Warum fühlen wir uns immer so sicher in festen Beziehungen und hören auf, um sie zu kämpfen?

Ich habe auch einen Mann nach 9,5 Jahren verlassen. Und er fragte mich bei unserer Trennung: Warum hast Du früher nichts gesagt? Und es war genau dasselbe wie bei Dir: Ich habe OFT etwas gesagt, aber er hat es nicht ernst genommen.

Jetzt hat er eine neue Freundin und hört genau hin, was sie sagt. Er macht sich plötzlich Gedanken, die er sich bei uns nie (oder nur vereinzelt) gemacht hat. Heute ist er mein bester männlicher Freund und ich freue mich, mit welcher Ernsthaftigkeit er seine jetzige Beziehung betrachtet.

Das ist wahrscheinlich genau das, was Du meinst. Nur in der nächsten Beziehung macht man DIESE Fehler nicht mehr. Das wäre dann also das Positive, was sich daraus ziehen ließe, stimmts?

Ich wünsche Dir, daß Du irgendwann mal eine "normale" Beziehung (auf freundschaftlicher Ebene) zu Deiner Ex aufbauen kannst. Ich schätze aber, das dauert noch ein bißchen, da sie sich ja wohl erst selber finden muß. Tja, auch das gehört anscheinend zu unserem Leben...

Ich bin davon überzeugt, daß Du an dieser Tragödie wachsen wirst. Leider müssen wir wohl manchmal durch ein großes Tal der Tränen....Ich hoffe, daß Du für diesen Weg genug Freunde/Bekannte hast, die Dich begleiten und Dir die notwendige Kraft geben!!

Liebe Grüsse :trost:

Sweetheart

#51
Hi

weißt du, tt, irgendwie kommen mir deine Probleme ein wenig vor, wie die von meinem beinahe-Schwager. Meine Schwester hat sich nach über 12 Jahren von ihm getrennt (waren nicht verheiratet). Er hatte auch sehr stark daran zu knaubeln, hat ihr aber gesagt, als sie ausgezogen ist, sie könne wieder kommen. Er vertritt (oder vertrat) den Standpunkt, dass meiene Schwester mit ihren zwei Kindern vielleicht nur erst mal einige Zeit für sich bräuchte. Aber das Ganze ist nun auch schon wieder fast ein Jahr her und sie sind noch nicht wieder zusammen gekommen.

Andererseits habe ich auch in meinem Bekanntenkreis jemanden, die einige Jahre (weiß nicht genau, wie viele) verheiratet waren, sich dann geschieden hatten und nun doch wieder verheiratet sind - miteinander!

Du siehst also, so lange man lebt kann man noch hoffen. Aber wie ich so rausgelesen habe aus deinen letzten Beiträgen, hast du mit deiner Beziehung abgeschlossen, oder?

Wie auch immer, das Leben geht weiter und ich finde es gut, dass du scheinbar ausreichend Arbeit hast, um dich abzulenken.

Halt die Ohren steif!

pappi

#52
Hi liebe tiefe Trauer,

war schön ödes philosphisches Zeug von mir gestern/heute Nacht (konnte mal wieder nicht schlafen, wie so oft), es hat Dich bestimmt nicht wirklich aufgebaut, sorry.

Du siehst,wir schieben uns die sorries nur so hin und her : :) )

Aber ich hatte das Gefühl, all diese komischen Fragen stellen zu müssen, weil mir Deine Selbsterkenntnis so bekannt vorkommt.

Es gibt auch im Moment nichts, was ich Dir als Trost geben kann. Vielleicht nur soviel: Schreib einfach, wenn Dir wieder die Seele brennt, egal, was es ist. In diesen Phasen des Lebens gibt es auch nichts Banales, weil man das Wichtigste nicht mehr hat.

Wie kommst Du klar? Außer der Arbeit natürlich, die meistens gut ablenkt. Bist Du viel allein oder hast Du wenigstens liebe Menschen,die bei Dir sind?

Erzähl doch einfach mal ein bißchen, vielleicht hilft es ja.

Liebe Grüsse

Sweetheart, die Dich auch hier drückt :trost:

#53
Hi Sweetheart,

wie unterschiedlich doch unsere beiden Geschichten sind. Und trotzdem haben sie mit viel Schmerz, Tränen und Selbsterkenntnis zu tun.
Und die Selbsterkenntnis ist dass, was die Geschichten so wertvoll macht. So beschissen ich mich momentan auch fühle, ich habe nie in so kurzer Zeit so viel über mich gelernt wie in den vergangenen Tagen und Wochen. Diese Erkenntnisse geben mir die Kraft die schwere Zeit zu überstehen und den festen Glauben, dass mir diese Erkenntnisse helfen letztlich gestärkt aus dem Tal herauszukommen.

Wieso brauchen wir immer solche Situationen, um zu wissen, wie wir NIE wieder handeln werden? Warum fühlen wir uns immer so sicher in festen Beziehungen und hören auf, um sie zu kämpfen? Ich habe auch einen Mann nach 9,5 Jahren verlassen. Und er fragte mich bei unserer Trennung: Warum hast Du früher nichts gesagt? Und es war genau dasselbe wie bei Dir: Ich habe OFT etwas gesagt, aber er hat es nicht ernst genommen.
Ich habe zwar die Worte vernommen, aber nicht die Bedeutung dahinter verstanden. Die habe ich erst heute, Jahre später verstanden und auch nur nachdem ich einige Bücher gelesen habe. Meine Frau hat aus meiner Sicht nur gefordert und gefordert. Dahinter verbarg sich aber ihr Wunsch geliebt zu werden und die Erfüllung der Forderung war der Liebesbeweis. So sind eben die Frauen-sie sind von der Venus und wir vom Mars. Daher die Probleme.

Schön, dass du dich so gut mit deinem Mann verstehst und er seine Erkenntnisse heute umsetzen kann. Ja, dies ist auch mein Ziel und auch die freundschaftliche Beziehung zu meiner Ex.

Ich habe gestern übrigens seit längerem das erste Mal wieder länger geschlafen und hatte auch keinen Schweißausbrüche. Bin 2 Stunden gejoggt und habe anschließend 1,5 Stunden gebadet. Gut tut mir auch ein Saunabesuch im Thermalbad. Kann ich dir beides bei Schlaflosigkeit nur empfehlen.

Momentan lebe ich in einem ziemlichen Wechselbad der Gefühle. Habe mich aber innerlich mit der Situation abgefunden bin aber zutiefst enttäuscht vom Verhalten meiner Ex. Vor allem, dass ich ihr mehr oder weniger hilflos ausgeliefert bin. Die Arbeit fällt mir momentan auch schwer. Kann mich einfach nicht richtig konzentrieren. Scheiß Gedanken schwirren immer im Kopf rum.

Hi Pappi,

danke für deine aufbauenden Worte. Ich habe für mich entschieden, die Hoffnung aufzugeben und mich damit von meiner Ex unabhängig zu machen. Ich will raus aus der Position des Passiven, Leidenden rein in die es Aktiven, Dynamischen. Wird sicher ein paar Wochen dauern, aber ich habe wenigstens ein klares Ziel vor Augen und befreie mich von der Lethargie.

Die Ablenkung durch Arbeit funktioniert nicht ganz so gut wie ich es mir wünschen würde. Irgendwie fehlt doch einiges an Energie, um richtig loszulegen. Aber erzwingen lässt sich nichts. Kommt von ganz allein wieder, wenn die Zeit reif ist.

Ganz liebe Grüße

tt

#54
Hi tt,

ich finde es gut, dass du für dich was unternimmst. Dass es auf Arbeit bei dir im Moment etwas schwerer geht, kann ich gut nachvollziehen. Ging mir genau so. Der Vorteil war, dass ich recht verständnisvolle Kolleginnen habe (sind alles Frauen bis auf einen Mann), die haben mich in der Zeit arbeitsmäßig etwas in Ruhe gelassen und mich an sonsten versucht, wieder aufzubauen.

Weißt du, bei mir kam , nachdem ich mich wochenlang um die Beziehung bemüht hatte, an einem Tag plötzlich der Klick und ich konnte sagen "hat keinen Sinn mehr - was soll´s - pack dein Leben wieder an ohne sie - das geht bestimmt" Mir ging´s dann gefühlsmäßig wieder ganz gut und dann habe ich ihr ja auch so mehr oder weniger gesagt, dass ich die Trennung akzeptiere. Aber dann kam Sie ja nach einigen Tagen wieder an - und jetzt versuchen wir´s halt nochmal miteinander.

Du hast dich ja mit der Trennung schon abgefunden, aber dir fehlt noch der Klick, dein Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen. Aber das kommt noch, glaube mir...

Gute Nacht

pappi

#55
Hi pappi,

ich denke auch, dass es für mich so das beste für mich ist. Bei uns ist schon viel zu lang der Wurm drin. Heute habe ich von einem befreundeten Ehepaar erfahren, dass sie schon vor ca. 3/4 Jahr gesagt hat, "dies ist das letzte Mal, dass wir uns alle gemeinsam treffen". Dies zeigt wie langfristig alles von ihr geplant war und wie entschlossen und kühl sie agiert.

Da sieht es bei dir doch hoffnungsvoller aus. Deine Freundin ist in sich gegangen und hat hoffentlich die richtigen Schlüsse gezogen. Leicht wird es deswegen trotzdem nicht, denn auch ihr habt beide mit euren "Altlasten" zu kämpfen. Von daher ist es um so wichtiger positive Elemente in die Beziehung zu bringen. Dann lassen sich auch Rückschläge wesentlich leichter verkraften und verzeihen.

Guats Nächtle

tt

#56
...

#57
Hallo t t,

ich habe mir heute das, von dir empfohlene Buch "die 5 Sprachen..." bestellt. Morgen abend hab ich keine Verpflichtungen, werde mich in die Badewanne legen und schmökern. Bin schon sehr gespannt........

#58
Lieber tiefe Trauer,

jetzt bin ich in Deinem Threath und versuche, Dich ein wenig aufzumuntern ;)

So sind eben die Frauen-sie sind von der Venus und wir vom Mars. Daher die Probleme.
Aber wir haben alle einen Mund bekommen, um über UNS zu reden. Aber genau das ist das SCHWERSTE, in einer Beziehung über Dinge MITEINANDER zu sprechen, die UNS angehen (negativ, positiv geht immer). Und das wiederum ist unabhängig vom Geschlecht!!! Mit Sicherheit tun sich da Männer viel schwerer, aber auch wir Frauen können dies nicht wirklich.

Ich habe gestern übrigens seit längerem das erste Mal wieder länger geschlafen und hatte auch keinen Schweißausbrüche. Bin 2 Stunden gejoggt und habe anschließend 1,5 Stunden gebadet. Gut tut mir auch ein Saunabesuch im Thermalbad. Kann ich dir beides bei Schlaflosigkeit nur empfehlen.
Das klingt doch super!!! :super: Sieht so aus, als ginge es ganz langsam den Berg rauf, oder?

Es wird ein schwerer Weg, das mit Sicherheit, aber es ist ein kleiner Anfang. In solchen Situationen geht es leider nur Schritt für Schritt.

Scheiß Gedanken schwirren immer im Kopf rum.
Kann ich sehr gut nachvollziehen, man möchte sie am liebsten einfach ausschalten. Ach Mensch,wir sehr ich Dich doch verstehe!!!!

Aber deshalb sind wir alle hier: Um uns alles von der Seele zu schreiben und mit Interesse die Kommentare der anderen lieben Menschen zu lesen. Ich finde, das hilft ziemlich (geht mir jedenfalls so).

Auch das Gefühl zu haben, sich hier um andere "kümmern" zu können, ist schön, hilft und lenkt ab.

So, mein lieber tiefe Trauer, ich wünsche Dir ein störungsfreie Nacht, Du brauchst die Kraft für einen neuen schönen Wintertag :trost:

Liebe Grüsse

Sweetheart

#59
Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für eure lieben Worte der Ermunterung und des Mitgefühls. Da es schon spät ist, möchte ich nur noch schnell etwas spannendes loswerden.

Ich hatte ein phänomenales Erlebnis. Ich glaube ich habe mich gestern ein Stück wie eine Frau gefühlt. Klingt komisch, aber hört es euch an.

Ein Arbeitskollege hat mich angesprochen, was den los sei, ich sei in letzter Zeit so komisch. Da erzählte ich ihm beim Mittagessen davon, dass meine Frau sich von mir trennen möchte. Und was hat dieser Holzklotz gemacht? Er hat sich die Handwerkermütze aufgesetzt und mich vollgeschwallt wie aus seiner Sicht eine Scheidung abläuft, dass ich das Haus verkaufen muss, dass ich erst nach einer einjährigenTrennung geschieden werden kann usw. usw.. Meine Verletztheit und meine Gefühle haben ihn überhaupt nicht interessiert. Ich wurde in dem Gespräch innerlich immer agressiver (bin ihm aber nicht an die Gurgel). Nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, kam mir dann die Erleuchtung. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich die Frauen wirklich!!!!! verstehen, wenn sie sich über die Männer beklagen. Sie wollen über ihre Gefühle sprechen bzw. erwarten Mitgefühlt und der Tölpel von Mann attackiert sie mit lauter praktischen Lösungsvorschlägen. Sie wird immer wütender, fühlt sich unverstanden und schimpft, dass der Mann nicht zuhört. Habe ich mir aber gestern verkniffen ;-) War echt eine hochinteressante Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte und die mich um Meilen nach vorn gebracht hat.

Bin ich nun ein Frauenversteher??

Mich würde eure Meinung zu meiner Erfahrung interessieren.

Liebe Grüße

tt

#60
**lach** :) ) Also ein Frauenversteher bist Du deshalb noch lange nicht. Ist eh ein komisches Wort. :) )

Aber was Dir da widerfahren ist, ist ein typisches Mann-Frau-Problem, wissenschaftlich belegt, Frauen wollen ihre Probleme einfach mal loswerden, der Partner soll ihnen zuhören, sie trösten, aber was macht der? Lauter kluge Lösungsvorschläge, die die Frau in dem Moment gar nicht hören will. 8o

War auch ein Thema in unserer Beratung, inzwischen fragt mein Mann in solchen Situationen immer ganz vorsichtig: brauchst Du Rat oder willst Du's nur loswerden?

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