Gedichte und Gedanken
278 Antworten30'548 AufrufeGestartet von Chance2Desire ·
Sieh, das ist unsre Liebe.
Unsre Hände reichen sie hin und her,
unsre Lippen bedecken sie mehr und mehr
mit Worten und Küssen sehnsuchtsschwer,
unsre Seelen grüßen sich hin und her -
wie über ein Meer - - wie über ein Meer - -
Diese Rose vom Duft unsrer Seelen schwer:
sieh, das ist unsre Liebe.
Christian Morgenstern
Unsre Hände reichen sie hin und her,
unsre Lippen bedecken sie mehr und mehr
mit Worten und Küssen sehnsuchtsschwer,
unsre Seelen grüßen sich hin und her -
wie über ein Meer - - wie über ein Meer - -
Diese Rose vom Duft unsrer Seelen schwer:
sieh, das ist unsre Liebe.
Christian Morgenstern
Original von angel_corazon... :compi: ... = :super:
ach, ich könnte hier den ganzen thread vollposten,
Gedicht " Verborgenes Leid "
Im Walde wohnt mein Leid,
Ich darf es niemand klagen,
Zum Walde muß ich’s tragen
Zur tiefsten Einsamkeit.
Kommt je in künft’ger Zeit
Ein Mensch zu jenen Gründen,
Im Walde kann er finden
Mein scheues Herzeleid.
Sieht er im Walde weit,
Recht einsam und verschwiegen,
die tiefsten Schatten liegen,
Das ist mein finstres Leid.
Ludwig Uhland
Im Walde wohnt mein Leid,
Ich darf es niemand klagen,
Zum Walde muß ich’s tragen
Zur tiefsten Einsamkeit.
Kommt je in künft’ger Zeit
Ein Mensch zu jenen Gründen,
Im Walde kann er finden
Mein scheues Herzeleid.
Sieht er im Walde weit,
Recht einsam und verschwiegen,
die tiefsten Schatten liegen,
Das ist mein finstres Leid.
Ludwig Uhland
Du und ich
Du und ich!
Wunschlose Seligkeit
Strömt deine Nähe über mich.
Der Alltag wird zur Sonntagszeit,
Unsterblich schlingt das Leben sich
Um uns. Und Menschengöttlichkeit
Fühl' ich bei dir durch dich.
Was einst gewesen, weiß ich kaum.
Die enge Welt wird weiter Raum.
Und Holz wird Eisen, Eisen Holz
Und Stolz wird Demut, Demut Stolz.
Gar wunderbare Weisen
Singt dann bei seinen Kreisen
Mein Blut im Paradies für mich.
Es haben alle Wünsche Ruh', -
Ich weiß nicht mehr, wer bist dann du.
Ich weiß nicht mehr, wer bin dann ich.
Max Dauthendey
Du und ich!
Wunschlose Seligkeit
Strömt deine Nähe über mich.
Der Alltag wird zur Sonntagszeit,
Unsterblich schlingt das Leben sich
Um uns. Und Menschengöttlichkeit
Fühl' ich bei dir durch dich.
Was einst gewesen, weiß ich kaum.
Die enge Welt wird weiter Raum.
Und Holz wird Eisen, Eisen Holz
Und Stolz wird Demut, Demut Stolz.
Gar wunderbare Weisen
Singt dann bei seinen Kreisen
Mein Blut im Paradies für mich.
Es haben alle Wünsche Ruh', -
Ich weiß nicht mehr, wer bist dann du.
Ich weiß nicht mehr, wer bin dann ich.
Max Dauthendey
Begriffsbestimmung:
Sag nicht:
Ich liebe dich-
weil Du mich liebst.
Sag nicht:
Ich liebe dich-
weil Du mich hast.
Sag erst:
Ich liebe dich-
wenn Du mich kennst.
Heinz Kahlau
I loved you once: perhaps that love has yet
To die down thoroughly within my soul;
But let it not dismay you any longer;
I have no wish to cause you any sorrow.
I loved you wordlessly, without a hope,
By shyness tortured, or by jealousy.
I loved you with such tenderness and candor
And pray God grants you to be loved that way again.
Aleksandr Pushkin
Sag nicht:
Ich liebe dich-
weil Du mich liebst.
Sag nicht:
Ich liebe dich-
weil Du mich hast.
Sag erst:
Ich liebe dich-
wenn Du mich kennst.
Heinz Kahlau
I loved you once: perhaps that love has yet
To die down thoroughly within my soul;
But let it not dismay you any longer;
I have no wish to cause you any sorrow.
I loved you wordlessly, without a hope,
By shyness tortured, or by jealousy.
I loved you with such tenderness and candor
And pray God grants you to be loved that way again.
Aleksandr Pushkin
Seliger Tod
Ludwig Uhland
Gestorben war ich
Vor Liebeswonne:
Begraben lag ich
In ihren Armen;
Erwecket ward ich
Von ihren Küssen;
Den Himmel sah ich
In ihren Augen.
Ludwig Uhland
Gestorben war ich
Vor Liebeswonne:
Begraben lag ich
In ihren Armen;
Erwecket ward ich
Von ihren Küssen;
Den Himmel sah ich
In ihren Augen.
Mein süßes Lieb, wenn du im Grab
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
--------------------------------------------------------------------------------
Mein süßes Lieb, wenn du im Grab,
Im dunkeln Grab wirst liegen,
Dann will ich steigen zu dir hinab,
Und will mich an dich schmiegen.
Ich küsse, umschlinge und presse dich wild,
Du Stille, du Kalte, du Bleiche!
Ich jauchze, ich zittre, ich weine mild,
Ich werde selber zur Leiche.
Die Toten stehn auf, die Mitternacht ruft,
Sie tanzen im luftigen Schwarme;
Wir beide bleiben in der Gruft,
Ich liege in deinem Arme.
Die Toten stehn auf, der Tag des Gerichts
Ruft sie zu Qual und Vergnügen;
Wir beide bekümmern uns um nichts,
Und bleiben umschlungen liegen.
Text by Heinrich Heine (1797-1856)
--------------------------------------------------------------------------------
Mein süßes Lieb, wenn du im Grab,
Im dunkeln Grab wirst liegen,
Dann will ich steigen zu dir hinab,
Und will mich an dich schmiegen.
Ich küsse, umschlinge und presse dich wild,
Du Stille, du Kalte, du Bleiche!
Ich jauchze, ich zittre, ich weine mild,
Ich werde selber zur Leiche.
Die Toten stehn auf, die Mitternacht ruft,
Sie tanzen im luftigen Schwarme;
Wir beide bleiben in der Gruft,
Ich liege in deinem Arme.
Die Toten stehn auf, der Tag des Gerichts
Ruft sie zu Qual und Vergnügen;
Wir beide bekümmern uns um nichts,
Und bleiben umschlungen liegen.
In einem kühlen Grunde, da geht ein Mühlenrad,
mein Liebchen ist verschwunden, das dort gewohnet hat.
Sie hat mir Treu' versprochen, gab mir ein'n Ring dabei;
sie hat die Treu gebrochen, das Ringlein sprang entzwei.
Ich möcht' als Spielmann reisen weit in die Welt hinaus,
und singen meine Weisen und geh'n von Haus zu Haus.
Ich möcht' als Reiter fliegen wohl in die blut'ge Schlacht,
um stille Feuer liegen im Feld bei dunkler Nacht.
Hör' ich das Mühlrad gehen, ich weiß nicht, was ich will,
ich möcht' am liebsten sterben, da wär's auf einmal still.
Text: J. v. Eichendorff
mein Liebchen ist verschwunden, das dort gewohnet hat.
Sie hat mir Treu' versprochen, gab mir ein'n Ring dabei;
sie hat die Treu gebrochen, das Ringlein sprang entzwei.
Ich möcht' als Spielmann reisen weit in die Welt hinaus,
und singen meine Weisen und geh'n von Haus zu Haus.
Ich möcht' als Reiter fliegen wohl in die blut'ge Schlacht,
um stille Feuer liegen im Feld bei dunkler Nacht.
Hör' ich das Mühlrad gehen, ich weiß nicht, was ich will,
ich möcht' am liebsten sterben, da wär's auf einmal still.
Text: J. v. Eichendorff
Fern halt Musik, doch hier ist stille Nacht,
Mit Schlummerduft anhauchen mich die Pflanzen;
Ich habe immer, immer dein gedacht,
Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.
Es hört nicht auf, es rast ohn Unterlaß;
Die Kerzen brennen und die Geigen schreien,
Es teilen und es schließen sich die Reihen,
Und alle glühen, aber du bist blaß.
Und du mußt tanzen, fremde Arme schmiegen
Sich an dein Herz; o leide nicht Gewalt!
Ich sehe dein weißes Kleid vorüberfliegen
Und deine leichte, zärtliche Gestalt.
Und süßer strömend quillt der Duft der Nacht
Und träumerischer aus dem Kelch der Pflanzen.
Ich habe immer, immer dein gedacht,
Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.
T.Storm
Mit Schlummerduft anhauchen mich die Pflanzen;
Ich habe immer, immer dein gedacht,
Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.
Es hört nicht auf, es rast ohn Unterlaß;
Die Kerzen brennen und die Geigen schreien,
Es teilen und es schließen sich die Reihen,
Und alle glühen, aber du bist blaß.
Und du mußt tanzen, fremde Arme schmiegen
Sich an dein Herz; o leide nicht Gewalt!
Ich sehe dein weißes Kleid vorüberfliegen
Und deine leichte, zärtliche Gestalt.
Und süßer strömend quillt der Duft der Nacht
Und träumerischer aus dem Kelch der Pflanzen.
Ich habe immer, immer dein gedacht,
Ich möchte schlafen, aber du mußt tanzen.
T.Storm
Östliches Taglied
Ist dieses Bette nicht wie eine Küste,
ein Küstenstreifen nur, darauf wir liegen?
Nichts ist gewiss als deine hohen Brüste,
die mein Gefühl in Schwindeln überstiegen.
Denn diese Nacht, in der so vieles schrie,
in der sich Tiere rufen und zerreißen,
ist sie uns nicht entsetzlich fremd? Und wie:
was draußen langsam anhebt, Tag geheißen,
ist das uns denn verständlicher als sie?
Man müsste so sich ineinanderlegen
wie Blütenblätter um die Staubgefäße:
so sehr ist überall das Ungemäße
und häuft sich an und stürzt sich uns entgegen.
Doch während wir uns aneinanderdrücken,
um nicht zu sehen, wie es ringsum naht,
kann es aus dir, kann es aus mir sich zücken:
denn unsre Seelen leben von Verrat.
Rainer Maria Rilke, Mai/Juni 1906, Paris
Ist dieses Bette nicht wie eine Küste,
ein Küstenstreifen nur, darauf wir liegen?
Nichts ist gewiss als deine hohen Brüste,
die mein Gefühl in Schwindeln überstiegen.
Denn diese Nacht, in der so vieles schrie,
in der sich Tiere rufen und zerreißen,
ist sie uns nicht entsetzlich fremd? Und wie:
was draußen langsam anhebt, Tag geheißen,
ist das uns denn verständlicher als sie?
Man müsste so sich ineinanderlegen
wie Blütenblätter um die Staubgefäße:
so sehr ist überall das Ungemäße
und häuft sich an und stürzt sich uns entgegen.
Doch während wir uns aneinanderdrücken,
um nicht zu sehen, wie es ringsum naht,
kann es aus dir, kann es aus mir sich zücken:
denn unsre Seelen leben von Verrat.
Rainer Maria Rilke, Mai/Juni 1906, Paris
Auch wenn es die meisten sicher schon fast auswendig kennen:
Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
Hermann Hesse
Gänsehaut..., ich habe dies von Hesse selbst gesprochen auf einer CD..., da kriegt man erst recht eine Gänsehaut. Falls es jemanden interessiert, die Kassette/CD heißt "Über das Glück".
Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
Hermann Hesse
Gänsehaut..., ich habe dies von Hesse selbst gesprochen auf einer CD..., da kriegt man erst recht eine Gänsehaut. Falls es jemanden interessiert, die Kassette/CD heißt "Über das Glück".
Liebesgedicht von Friedrich Rückert
Ich liebe dich, weil ich dich lieben muß...
Ich liebe dich, weil ich dich lieben muß;
Ich liebe dich, weil ich nicht anders kann;
Ich liebe dich nach einem Himmelsschluß;
Ich liebe dich durch einen Zauberbann.
Dich liebe ich, wie die Rose ihren Strauch;
Dich liebe ich, wie die Sonne ihren Schein;
Dich liebe ich, weil du bist mein Lebenshauch;
Dich liebe ich, weil dich lieben ist mein Sein.
Ich liebe dich, weil ich dich lieben muß...
Ich liebe dich, weil ich dich lieben muß;
Ich liebe dich, weil ich nicht anders kann;
Ich liebe dich nach einem Himmelsschluß;
Ich liebe dich durch einen Zauberbann.
Dich liebe ich, wie die Rose ihren Strauch;
Dich liebe ich, wie die Sonne ihren Schein;
Dich liebe ich, weil du bist mein Lebenshauch;
Dich liebe ich, weil dich lieben ist mein Sein.
An den unsterblich Geliebten
Meere sind zwischen uns und Länder und Tage.
Aber ich weiß,
Du wartest auf mich
Jetzt und immer.
Wissend und gut.
Meere sind zwischen uns und Länder und Tage.
Ich sehne mich nach dir,
Nach deinen sanften Händen,
Nach deiner frommen Schönheit,
Nach deiner klugen Güte.
O ich sehne mich nach dir.
Alles, was ich habe, will ich dir schenken,
Alles was ich denke, will ich dir denken,
Ich will dich lieben in allen Dingen,
Meine schönsten Worte will ich dir singen,
All meine Schmerzen und Sünden will ich dir weinen.
Meiner Seligkeit Sonnen werden dir scheinen.
Was ich bin, will ich dir sein.
Meine Träume sind voll deiner Zärtlichkeit.
Mein Blut singt süß deine Unendlichkeit.
Weiße Seele
Unsterblich Geliebter.
Du blühst sehr wunderbar
Im Gestirn meiner Liebe,
Im Schauer meiner Ängste,
Im Lachen meines Glücks.
Du blühst sehr wunderbar
Im Gestirn meiner Liebe.
Francisca Stoecklin (1894-1931)
Meere sind zwischen uns und Länder und Tage.
Aber ich weiß,
Du wartest auf mich
Jetzt und immer.
Wissend und gut.
Meere sind zwischen uns und Länder und Tage.
Ich sehne mich nach dir,
Nach deinen sanften Händen,
Nach deiner frommen Schönheit,
Nach deiner klugen Güte.
O ich sehne mich nach dir.
Alles, was ich habe, will ich dir schenken,
Alles was ich denke, will ich dir denken,
Ich will dich lieben in allen Dingen,
Meine schönsten Worte will ich dir singen,
All meine Schmerzen und Sünden will ich dir weinen.
Meiner Seligkeit Sonnen werden dir scheinen.
Was ich bin, will ich dir sein.
Meine Träume sind voll deiner Zärtlichkeit.
Mein Blut singt süß deine Unendlichkeit.
Weiße Seele
Unsterblich Geliebter.
Du blühst sehr wunderbar
Im Gestirn meiner Liebe,
Im Schauer meiner Ängste,
Im Lachen meines Glücks.
Du blühst sehr wunderbar
Im Gestirn meiner Liebe.
Francisca Stoecklin (1894-1931)
Vorbei
Und wenn du wieder zu mir trätest
und weinend um Verzeihung bätest,
es wird doch nimmer, wie es war:
das Glück ist tot, das wir genossen,
die Blüte, die sich uns erschlossen,
ist nun verwelkt, für immerdar.
Mir würde stets vor Augen stehen,
wie ich so maßlos dich gesehen
im Zorn, dem jeder Grund gebrach -
und bei dem Kuß von deinem Munde
gedächt ich doch der bösen Stunde,
als er so bittre Worte sprach.
In jener Stunde sank für immer
der fromme Glaube mir in Trümmer,
daß du mein Bild im Herzen trugst,
daß ich dein tiefstes Sein besessen
vergeben kann ich - nicht vergessen:
die Wunde brennt, die du mir schlugst.
Nein, geh: ich hab es überwunden,
den Frieden hab ich jetzt gefunden,
den deine Liebe mir nicht gab.
Geh hin, vor deinen Gott zu treten -
und wenn ich sterbe, magst du beten
und weinen über meinem Grab.
Und wenn du wieder zu mir trätest
und weinend um Verzeihung bätest,
es wird doch nimmer, wie es war:
das Glück ist tot, das wir genossen,
die Blüte, die sich uns erschlossen,
ist nun verwelkt, für immerdar.
Mir würde stets vor Augen stehen,
wie ich so maßlos dich gesehen
im Zorn, dem jeder Grund gebrach -
und bei dem Kuß von deinem Munde
gedächt ich doch der bösen Stunde,
als er so bittre Worte sprach.
In jener Stunde sank für immer
der fromme Glaube mir in Trümmer,
daß du mein Bild im Herzen trugst,
daß ich dein tiefstes Sein besessen
vergeben kann ich - nicht vergessen:
die Wunde brennt, die du mir schlugst.
Nein, geh: ich hab es überwunden,
den Frieden hab ich jetzt gefunden,
den deine Liebe mir nicht gab.
Geh hin, vor deinen Gott zu treten -
und wenn ich sterbe, magst du beten
und weinen über meinem Grab.
Abendphantasie
Süßes Bild,
Schwebst mir vor mit leisem Sehnen!
Klagst mit wehmuthsvollen Thränen,
Tief in Trauerflor verhüllt.
Wonnezeit!
Ach! Umstrahlt von Frühlingsmilde,
Froh in Tempe's Lichtgefilde,
Lebt' ich dir, o Zärtlichkeit.
Tränen fließt!
Trauernd, wie die kleine Quelle
Rieselnd, perlend, Well' an Welle
Über Blumen sich ergießt.
Alles schweigt!
Kaum, daß in des Westes Flüstern,
Unterm Schattendach des düstern
Tannenhains, der Halm sich beugt.
Holder Traum!
Fliehe nicht auf Rosenflügeln;
Weile an des Baches Spiegeln,
Suche nicht des Aethers Raum.
Es entschwand! ...
So entfloh vor Psyche's Kusse
Amor, da mit holdem Gruße
Sie: Geliebter ihn genannt.
Süßes Bild,
Schwebst mir vor mit leisem Sehnen!
Klagst mit wehmuthsvollen Thränen,
Tief in Trauerflor verhüllt.
Wonnezeit!
Ach! Umstrahlt von Frühlingsmilde,
Froh in Tempe's Lichtgefilde,
Lebt' ich dir, o Zärtlichkeit.
Tränen fließt!
Trauernd, wie die kleine Quelle
Rieselnd, perlend, Well' an Welle
Über Blumen sich ergießt.
Alles schweigt!
Kaum, daß in des Westes Flüstern,
Unterm Schattendach des düstern
Tannenhains, der Halm sich beugt.
Holder Traum!
Fliehe nicht auf Rosenflügeln;
Weile an des Baches Spiegeln,
Suche nicht des Aethers Raum.
Es entschwand! ...
So entfloh vor Psyche's Kusse
Amor, da mit holdem Gruße
Sie: Geliebter ihn genannt.
Einst
Ein Wort nur,
aber ein Wort so groß
wie die Liebe,
die immer schon da war, die
plötzlich und unerwartet
vor uns steht
in ihrer ernsten,
namenlosen Schönheit
und die uns,
auch wenn sie wieder geht,
niemals mehr allein sein lässt.
Die uns erlösen wird,
einst.
Manfred Ach
Ein Wort nur,
aber ein Wort so groß
wie die Liebe,
die immer schon da war, die
plötzlich und unerwartet
vor uns steht
in ihrer ernsten,
namenlosen Schönheit
und die uns,
auch wenn sie wieder geht,
niemals mehr allein sein lässt.
Die uns erlösen wird,
einst.
Manfred Ach
Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832)
SIE KANN NICHT ENDEN
Wenn ich nun gleich das weiße Blatt dir schickte,
Anstatt daß ichs mit Lettern erst beschreibe,
Ausfülltest du's vielleicht zum Zeitvertreibe
Und sendetests an mich, die Hochbeglückte.
Wenn ich den blauen Umschlag dann erblickte,
Neugierig schnell, wie es geziemt dem Weibe
Riss' ich ihn auf, daß nichts verborgen bleibe;
Da läs ich, was mich mündlich sonst entzückte:
Lieb Kind! Mein artig Herz! Mein einzig Wesen!
Wie du so freundlich meine Sehnsucht stilltest
Mit süßem Wort und mich so ganz verwöhntest.
Sogar dein Lispeln glaubt ich auch zu lesen,
Womit du liebend meine Seele fülltest
Und mich auf ewig vor mir selbst verschöntest.
(1749-1832)
SIE KANN NICHT ENDEN
Wenn ich nun gleich das weiße Blatt dir schickte,
Anstatt daß ichs mit Lettern erst beschreibe,
Ausfülltest du's vielleicht zum Zeitvertreibe
Und sendetests an mich, die Hochbeglückte.
Wenn ich den blauen Umschlag dann erblickte,
Neugierig schnell, wie es geziemt dem Weibe
Riss' ich ihn auf, daß nichts verborgen bleibe;
Da läs ich, was mich mündlich sonst entzückte:
Lieb Kind! Mein artig Herz! Mein einzig Wesen!
Wie du so freundlich meine Sehnsucht stilltest
Mit süßem Wort und mich so ganz verwöhntest.
Sogar dein Lispeln glaubt ich auch zu lesen,
Womit du liebend meine Seele fülltest
Und mich auf ewig vor mir selbst verschöntest.
Christian Morgenstern (1871-1914)
Unter der linken Brust
band ich dein Brieflein fest,
da mag es wohnen nun
bis morgen früh.
Unter der linken Brust
ist mir so wohl, so weh
und beide Hände noch
preß ich darauf.
Unter der linken Brust
drückt sich ein Engel ab,
drückt sich dein Engel rot
in weißen Schnee.
Und unterm weißen Schnee
liegt mein rotrotes Herz,
küßt durch den weißen Schnee
dein Siegel rot.
Unter der linken Brust
band ich dein Brieflein fest
mit meinem blonden Haar
wie als wärst du's!
Unter der linken Brust
band ich dein Brieflein fest,
da mag es wohnen nun
bis morgen früh.
Unter der linken Brust
ist mir so wohl, so weh
und beide Hände noch
preß ich darauf.
Unter der linken Brust
drückt sich ein Engel ab,
drückt sich dein Engel rot
in weißen Schnee.
Und unterm weißen Schnee
liegt mein rotrotes Herz,
küßt durch den weißen Schnee
dein Siegel rot.
Unter der linken Brust
band ich dein Brieflein fest
mit meinem blonden Haar
wie als wärst du's!
Mascha Kaleko (1907-1975)
Weil du nicht da bist
Weil du nicht da bist, sitze ich und schreibe
All meine Einsamkeit auf dies Papier.
Ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe.
Die Maiennacht ruft laut. Doch nicht nach mir.
Weil du nicht bist, ist der Bäume Blühen,
Der Rosen Duft vergebliches Bemühen,
Der Nachtigallen Liebesmelodie
Nur in Musik gesetzte Ironie.
Weil du nicht da bist, flücht ich mich ins Dunkel.
Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an
Mit grellem Licht und lärmendem Gefunkel,
Dem ich nicht folgen, nicht entgehen kann.
Hier unterm Dach sitz ich beim Lampenschirm;
Den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt.
November singt in mir sein graues Lied.
»Weil du nicht da bist« flüstert es im Zimmer.
»Weil du nicht da bist« rufen Wand und Schränke,
Verstaubte Noten über dem Klavier.
Und wenn ich endlich nicht mehr an dich denke,
Die Dinge um mich reden nur von dir.
Weil du nicht da bist, blättre ich in Briefen
Und weck vergilbte Träume, die schon schliefen.
Mein Lachen, Liebster, ist dir nachgereist.
Weil du nicht da bist, ist mein Herz verwaist.
Weil du nicht da bist
Weil du nicht da bist, sitze ich und schreibe
All meine Einsamkeit auf dies Papier.
Ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe.
Die Maiennacht ruft laut. Doch nicht nach mir.
Weil du nicht bist, ist der Bäume Blühen,
Der Rosen Duft vergebliches Bemühen,
Der Nachtigallen Liebesmelodie
Nur in Musik gesetzte Ironie.
Weil du nicht da bist, flücht ich mich ins Dunkel.
Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an
Mit grellem Licht und lärmendem Gefunkel,
Dem ich nicht folgen, nicht entgehen kann.
Hier unterm Dach sitz ich beim Lampenschirm;
Den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt.
November singt in mir sein graues Lied.
»Weil du nicht da bist« flüstert es im Zimmer.
»Weil du nicht da bist« rufen Wand und Schränke,
Verstaubte Noten über dem Klavier.
Und wenn ich endlich nicht mehr an dich denke,
Die Dinge um mich reden nur von dir.
Weil du nicht da bist, blättre ich in Briefen
Und weck vergilbte Träume, die schon schliefen.
Mein Lachen, Liebster, ist dir nachgereist.
Weil du nicht da bist, ist mein Herz verwaist.
chance, hast du ne bibliothek ueberfallen??? ;-))
jedenfalls vielen dank fuer "vorbei" von clara mueller.
wenn ich es koennte, wuerde ich wohl genau so ein gedicht schreiben.
"vergeben kann ich - nicht vergessen"
ja... den frieden hab ich jedoch noch nicht gefunden, aber solche gedichte werden ihren teil dazu beitragen.
nochmals danke... und geh' mal frueher ins bett, kind! ;-)))
jedenfalls vielen dank fuer "vorbei" von clara mueller.
wenn ich es koennte, wuerde ich wohl genau so ein gedicht schreiben.
"vergeben kann ich - nicht vergessen"
ja... den frieden hab ich jedoch noch nicht gefunden, aber solche gedichte werden ihren teil dazu beitragen.
nochmals danke... und geh' mal frueher ins bett, kind! ;-)))
Seite 6 von 14 · 279 Beiträge in diesem Thema