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Gedichte und Gedanken

278 Antworten30'548 AufrufeGestartet von Chance2Desire ·

#141
Wenn eine Liebe dir der Tod

aus den Augen fortgerückt ,

such es nicht im Morgenrot ,

nicht im Stern, der abends blickt.

Such es nirgends früh und spät ,

als im Herzen immerfort ,

was man so geliebet ,

geht nimmermehr aus diesem Ort.

Justinus Kerner (1786 - 1862)

#142
Liebe und Geborgenheit ,


Vertrauen und Anerkennung



ist das ,



was wir alle suchen



und uns von unseren



Mitmenschen erhoffen.



Wie oft aber



verweigern



wir dies



dem anderen.


Kristiane Allert-Wybranietz,

#143
Wäre ich eine Kerze,


ich würde dir den dunklen Pfad erleuchten.



Wäre ich eine Türe,



sie stünde dir immer offen.



Wäre ich ein Schwert,



du wärest meine Scheide.



Wäre ich dein Büstenhalter,



du hättest es nicht so schwer.



Wäre ich ein Scheich,



ich würde den Harem deinetwegen auflösen.



Wäre ich der Winter,



ich möchte in denen Armen dahinschmelzen.



Wäre ich ein Nichts,



du wärest mein Alles.


Manfred Schröder

#144
Verratene Liebe

Da nachts wir uns küßten, o Mädchen,

Hat keiner uns zugeschaut.

Die Sterne, die standen am Himmel,

Wir haben den Sternen getraut.

Es ist ein Stern gefallen,

Der hat dem Meer uns verklagt,

Da hat das Meer es dem Ruder,

Das Ruder dem Schiffer gesagt.

Da sang der selbige Schiffer

Es seiner Liebsten vor.

Nun singen's auf Straßen und Märkten

Die Knaben und Mädchen im Chor.

Hans Christian Andersen

#145
Kaum sah ich dich , so fühlt' ich Flammen sprühen

Aus fremdem Auge schien mir's traut entgegen ,

Und heimlich Rot sah deine Wang' ich hegen

Gleich Rosen , wachgeküßt vom Tag , dem frühen.

Kaum hob dein Sang an , fühlt' ich Tränen glühen

Und mir dein Lied so tief das Herz erregen ,

Als tönt' ihm aus der Höhe Engelsegen ,

Als sollt' ihm alle Seligkeit erblühen.

O laß mich, Teure, dir im Aug' erkennen ,

Ob Liebe ihre Macht an dir erprobet !

Und muß ich, wenn Geschick und Welt uns trennen ,

Dich fliehn, von Gluten hoffnungslos durchtobet ;

Wer dich auch Braut hienieden möge nennen ,

Im Himmel hat dich Gott mir anverlobet.

Polnisches Liebeslied

(Adam Mickiewicz)

#146
Die Uhr zeigt heute keine Zeit

Ich bin so glücklich von deinen Küssen ,


Daß alle Dinge es spüren müssen.



Mein Herz in wogender Brust mir liegt ,



Wie sich ein Kahn im Schilfe wiegt .



Und fällt auch Regen heut ohne Ende ,



Es regnet Blumen in meine Hände.



Die Stund', die so durchs Zimmer geht ,



Auf keiner Uhr als Ziffer steht ;



Die Uhr zeigt heute keine Zeit ,



Sie deutet hinaus in die Ewigkeit.


#147
Friedrich von Hagedorn

Die Wunder der Liebe

Der Liebe Macht ist allgemein,

Ihr dient ein jeder Stand auf Erden.

Es kann durch sie ein König klein,

Ein Schäfer groß und edel werden.

Tyrannen raubt sie Stolz und Wuth,

Den Helden Lust und Kraft zum Streiten;

Der Feigheit gibt sie starken Muth,

Der Falschheit wahre Zärtlichkeiten.

Der Einfalt schenkt sie den Verstand,

Den sie der Klugheit oft entwendet.

Ein Grillenfänger wird galant,

Wenn sie an ihm den Sieg vollendet.

Des strengen Alters Eigensinn

Verwandelt sie in Scherz und Lachen,

Und diese holde Lehrerin

Kann auch die Jugend altklug machen.

Ein Spanier vergißt den Rang,

Unedlen Schönen liebzukosen:

Ein junger Franzmann den Gesang,

Den Wahn, das Selbstlob der Franzosen.

Wenn jenen Reiz und Schönheit körnt,

Entsaget er dem Hochmuthstriebe:

Und dieser seufzet und erlernt,

Die Freiheit prahle, nicht die Liebe.

Sie gibt der deutschen Männlichkeit

Die sanfte Schmeichelei beim Küssen,

Den Heiligen die Lüsternheit,

Und auch den Juden ein Gewissen.

Sie fand, so oft sie sich nur wies,

Verehrer in den besten Kennern.

Nur sie entwarf ein Paradies

Den ihr geweihten Muselmännern.

Ja! deine siegende Gewalt,

O Liebe! wird umsonst bestritten.

Dir unterwirft sich Jung und Alt

An Höfen und in Schäferhütten.

Doch meine Schöne hofft allein

Den Reizungen zu widerstehen.

O laß sie mir nur günstig sein!

Wie wirst du dich gerächet sehen!

#148
TRENNUNG :heulen:

Denkst Du noch jenes Abends still vor Sehnen,

Wo wir zum letzten mal im Park beisammen?

Kühl standen rings des Abendrotes Flammen,

Ich scherzte wild - du lächeltest durch Tränen.

So spielt der Wahnsinn lieblich mit den Schmerzen

An jäher Schlüfte Rand, die nach ihm trachten;

Er mag der lauernden Gefahr nicht achten,

Er hat den Tod ja schon im öden Herzen.

Ob Du die Mutter auch belogst, betrübtest,

Was andre Leute drüber deuten, sagen, -

Sonst scheu - heut mocht'st Du nichts nach allem fragen,

Mir einzig zeigen nur, wie Du mich liebtest.

Und aus dem Hause heimlich so entwichen,

Gabst Du ins Feld mir schweigend das Geleite,

Vor uns das Tal, das hoffnungsreiche, weite,

Und hinter uns kam grau die Nacht geschlichen.

Du gehst nun fort, sprach sie, ich bleib alleine;

Ach! dürft' ich alles lassen, still und heiter

Mit Dir so ziehn hinab und immer weiter -

Ich sah Dich an - es spielten bleiche Scheine

So wunderbar um Locken Dir und Glieder;

So ruhig, fremd warst Du mir nie erschienen,

Es war, als sagten die versteinten Mienen,

Was Du verschwiegst: Wir sehn uns niemals wieder!

Stumm war ich, als Du endlich stehn geblieben;

Doch da Du weinend lagst an meinem Herzen,

Als sucht'st Du Rettung vor den eignen Schmerzen,

Da fühlt ich Mut, Dich ewig treu zu lieben.

Ich schwang aufs Roß mich, Deinem Arm entwunden

Sah noch einmal Dein weißes Tuch mir winken,

Schloß Garten, - all' die Zauberei versinken -

Wandt' mich noch um - und du warst auch verschwunden.

#149
Joseph von Eichendorff (1788-1857)

ECHTE LIEBE

Lau in der Liebe mag ich nimmer sein, -

Kalt oder brennend wie ein lohes Feuer!

O, Lust und Leiden sind nur farblos, klein,

Wo Liebe nicht ergriffen hat das Steuer!

Wer noch bei Sinnen, ist kein rechter Freier;

Wirf von dir ohne Zagen all was dein,

Der stirbt vor Liebe nicht, ein halbgetreuer,

Wer von der Liebe mehr verlangt, als Pein.

Gleichwie ein Schiff, wenn sich die Wetter schwärzen,

An jähen Klippen treibt bei finstrer Nacht,

Auf weitem Meer der Wind' und Wogen Spiel,

So auf dem wüsten Mere meiner Schmerzen

Such' ich, auf neue Leiden nur bedacht,

Im Hoffnungslosen meines Glückes Ziel.

#150
DER VERZWEIFELTE LIEBHABER

Studieren will nichts bringen ,


Mein Rock hält keinen Stich ,



Meine Zitter will nicht klingen ,



Mein Schatz , der mag mich nicht .( wem sagt er das
:evil: )





Ich wollt', im Grün spazierte



Die allerschönste Frau,



Ich wär' ein Drach' und führte



Sie mit mir fort durch's Blau.






Ich wollt', ich jagt' gerüstet



Und legt' die Lanze aus,



Und jagte all' Philister



Zur schönen Welt hinaus.






Ich wollt', ich säß' jetzunder



Im Himmel still und weit,



Und früg' nach all' dem Plunder



Nichts vor Zufriedenheit.





#151
Ivan Goll

Ich liebe

Aus beiden Augen strahlt meine goldene Liebe

In beiden Händen zittert die furchtsame Liebe

In meinen Schläfen klopft die gefangene Liebe

Mein Lied ist Liebe

Mein Schweigen ist Liebe

Mein Tanz ist Liebe

Meine Krankheit ist Liebe

Der Frühling ist Liebe

November ist Liebe

Ich lebe aus Liebe

Ich sterbe vor Liebe

#152
Ivan Goll

(aus: Poèmes de Jalousie 1926)

Dein Lächeln ist

auf meine Wangen tätowiert

Geformt nach deinen Küssen

ist mein Mund

Die Säure deiner Tränen

befleckte meine Hände

Deine unvergänglichen Briefe

weiten meine Taschen

So bin ich geschützt

gegen fremde Blicke

Und fürchtest doch

daß andre Frauen mich ansehn?

:verliebt: :verliebt: :verliebt:

#153
Ivan Goll

(aus: Poèmes D'amour 1925)

Nun kann ich nie mehr einsam sein noch arm: Es wohnt der Schmerz in mir , der König Schmerz.

Schmerz ist der Freund , der mich besucht.

Schmerz ist der Fremde , der mich höhnt.

Schmerz ist mein Lachen , mein Gebet.

Schmerz ist mein Schritt.

Schmerz ist mein Schlaf.

Ich esse Schmerz.

Ich rauche Schmerz.

Ich singe Schmerz,

Ich liebe Schmerz,


den du mir gabst!


#154
Wolfgang Borchert

Liebesgedicht

Du warst die Blume Makellos

und ich war wild und wach.

Als deine Iris überfloß,

da gabst du gebend nach.

Ich war die Blume Schmerzenlos

in deinem lichten Duft.

Wir schenkten uns aus Grenzenlos,

aus Erde, Leid und Gruft.

Da wuchs die Blume Morgenrot

an unserer Nächte Saum.

Wir litten eine süße Not

um einen süßen Traum.

#155
NUR SO

Komm nur zu mir,


wenn du bereit bist,



unser Zusammensein zu feiern,



jeden Augenblick voll auszukosten,



jede Stunde so intensiv zu erleben,



als sei sie unsere letzte.






Nur so lockt man das Leben



hinter dem Ofen hervor,



wo es sich vor den



Angsthasen, Langweilern



und ewigen Neinsagern versteckt hält


von Hans Kruppa

#156
ÜBERLEGUNGEN

Wer so lachen kann wie du,


sollte eine Sprache erfinden,



die alle Welt versteht.






Wer so weinen kann wie du,



sollte allabendlich im Fernsehen



die Nachrichten verlesen.






Wer so schweigen kann wie du,



sollte den Mund



nur noch zum Küssen öffnen.






Wer so leiden kann wie du,



sollte Mutter Erde um Verzeihung bitten



für die Zerstörungswut der Menschenkinder.






Wer so lieben kann wie du,



sollte immer dort sein,



wo die Angst am größten ist.


#157
@ Chancieee

Irgendwie .... mag ich Dir sehr gut leiden! :]

:schmatz: Grüessli und einen wunderbaren Tag

Sternenzauber

#158
Eine Hand ,


die dich hält ,



wenn du glaubst ,



du fällst



in das schwarze Loch



der Wirklichkeit.






Eine Umarmung ,



die dich tröstet ,



wenn du glaubst ,



du kannst nicht mehr.






Einfach spüren,



man ist nicht allein ...



... das ist Freundschaft .
Silke Vossenkaul

#159
Mein Herz, mein Herz ist traurig,

Doch lustig leuchtet der Mai

Ich stehe, gelehnt an der Linde,

Hoch auf der alten Bastei.

Da drunten fließt der blaue

Stadtgraben in stiller Ruh

Ein Knabe fährt im Kahne,

Und angelt und pfeift dazu.

Jenseits erheben sich freundlich,

In winziger, bunter Gestalt,

Lusthäuser, und Gärten, und Menschen,

Und Ochsen, und Wiesen, und Wald.

Die Mägde bleichen Wäsche,

Und springen im Gras herum

Das Mühlrad stäubt Diamanten,

Ich höre sein fernes Gesumm.

Am alten grauen Turme

Ein Schilderhäuschen steht

Ein rotgeröckter Bursche

#160
Hast du die Lippen mir wundgeküsst,

So küsse sie wieder heil,

Und wenn du bis Abend nicht fertig bist,

So hat es auch keine Eil.

Du hast ja noch die ganze Nacht,

Du Herzallerliebste mein!

Man kann in solch einer ganzen Nacht

Viel küssen und selig sein.

:verliebt: :verliebt: :verliebt:

* schmacht *

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