Gedichte und Gedanken
278 Antworten30'548 AufrufeGestartet von Chance2Desire ·
Sieh mich nicht an -
Sieh mich nicht an mit diesen Augen,
Sie dringen mir bis an das Mark,
Sieh mich nicht an mit diesen Augen,
Du siehst es doch, ich bin nicht stark.
Umschling mich nicht mit diesen Blicken,
Sie sind viel stärker als dein Arm,
Umschling mich nicht mit diesen Blicken,
Sie ziehn mich an dein Herz so warm.
Sprich nicht zu mir mit diesen Lippen,
Wie Wein so süss, so heiss, so rot,
Sprich nicht zu mir mit diesen Lippen,
Ich küss' dich dann, und wär's mein Tod.
Und wär's mein Tod, ich muss dich lieben,
Was hast du mir nur angetan?
Wohin hat mich dein Wunsch getrieben,
Du siegreicher, du starker Mann?
Sieh mich nicht an mit diesen Augen,
Sie dringen mir bis an das Mark,
Sieh mich nicht an mit diesen Augen,
Du siehst es doch, ich bin nicht stark.
Umschling mich nicht mit diesen Blicken,
Sie sind viel stärker als dein Arm,
Umschling mich nicht mit diesen Blicken,
Sie ziehn mich an dein Herz so warm.
Sprich nicht zu mir mit diesen Lippen,
Wie Wein so süss, so heiss, so rot,
Sprich nicht zu mir mit diesen Lippen,
Ich küss' dich dann, und wär's mein Tod.
Und wär's mein Tod, ich muss dich lieben,
Was hast du mir nur angetan?
Wohin hat mich dein Wunsch getrieben,
Du siegreicher, du starker Mann?
Geständnis
Fein bist du und jung, und die Lippen sind rot,
Und du fragst mich, warum ich dich liebe?
Ich tat nur, was dringend Natur mir gebot,
Und folgte dem köstlichen Triebe.
Und kommst du geschritten, und schaust du mich an,
So beb' ich vor Lust und Verlangen,
Und gehst du, du junger, du kraftschöner Mann,
So wein' ich vor Sehnen und Bangen.
So wandl' ich in steter, sich mehrender Pein,
Von Lieb' und von Reue getrieben -
Dein darf ich nicht werden und bin ja schon dein
Und finde so süss, dich zu lieben.
Fein bist du und jung, und die Lippen sind rot,
Und du fragst mich, warum ich dich liebe?
Ich tat nur, was dringend Natur mir gebot,
Und folgte dem köstlichen Triebe.
Und kommst du geschritten, und schaust du mich an,
So beb' ich vor Lust und Verlangen,
Und gehst du, du junger, du kraftschöner Mann,
So wein' ich vor Sehnen und Bangen.
So wandl' ich in steter, sich mehrender Pein,
Von Lieb' und von Reue getrieben -
Dein darf ich nicht werden und bin ja schon dein
Und finde so süss, dich zu lieben.
Abschied
Hast mit heissem Kuss
Meinen Leib umfangen,
Doch der Seele bist
Du vorbeigegangen.
Und ich suchte wohl,
Suchte Deine Seele,
Dass zur Stunde sie
Meiner sich vermähle.
Doch du bargst sie mir
Unter dichten Schleiern,
Und du wolltest nicht
Diese Stunde feiern.
Sieh, nun ist es aus,
Meine Glut verglommen,
Meiner Liebe Tod
Ist so schnell gekommen.
Und nun muss ich gehn,
Von dir gehn und weinen,
Darf mich nie und nie
Dir in Liebe einen.
Kann dir nie und nie
Meinen Leib mehr geben, -
Meine Seele wird
Suchend weiterschweben ...
Hast mit heissem Kuss
Meinen Leib umfangen,
Doch der Seele bist
Du vorbeigegangen.
Und ich suchte wohl,
Suchte Deine Seele,
Dass zur Stunde sie
Meiner sich vermähle.
Doch du bargst sie mir
Unter dichten Schleiern,
Und du wolltest nicht
Diese Stunde feiern.
Sieh, nun ist es aus,
Meine Glut verglommen,
Meiner Liebe Tod
Ist so schnell gekommen.
Und nun muss ich gehn,
Von dir gehn und weinen,
Darf mich nie und nie
Dir in Liebe einen.
Kann dir nie und nie
Meinen Leib mehr geben, -
Meine Seele wird
Suchend weiterschweben ...
Neue Sehnsucht
Wie ward so still mein Herz!
Wie schlummern meine Wünsche nun
So traumlos tief
Sie ruhn,
Mit müdem Flügel heimgekehrt.
Schwer drückt der Schlaf sie nieder
In stumme Nacht,
Dass jähe Angst mich fasst -
O wären sie doch wieder zum Licht erwacht!Zu lange währt der Friede,
Der sie birgt in seinem Schoss,
Und ist ihr Los,
Zu sterben den stillen Tod der Müden,
Zu vergehn,
Noch ehe sie die starke Tat gesehn -
Dann muss ich weinen auf ihr frühes Grab!
Es hat der Friede sie getötet,
Ich habe um ihren Tod gebetet,
Da ich sie in den Schlaf gesungen hab' -
Nun bangt mir vor der Nacht -
O wären sie doch wieder zum Licht erwacht!
Wie ward so still mein Herz!
Wie schlummern meine Wünsche nun
So traumlos tief
Sie ruhn,
Mit müdem Flügel heimgekehrt.
Schwer drückt der Schlaf sie nieder
In stumme Nacht,
Dass jähe Angst mich fasst -
O wären sie doch wieder zum Licht erwacht!Zu lange währt der Friede,
Der sie birgt in seinem Schoss,
Und ist ihr Los,
Zu sterben den stillen Tod der Müden,
Zu vergehn,
Noch ehe sie die starke Tat gesehn -
Dann muss ich weinen auf ihr frühes Grab!
Es hat der Friede sie getötet,
Ich habe um ihren Tod gebetet,
Da ich sie in den Schlaf gesungen hab' -
Nun bangt mir vor der Nacht -
O wären sie doch wieder zum Licht erwacht!
Die Sehnsucht peitscht
Die Sehnsucht peitscht mit scharfem Dorn,
Sie reitet mich wild
Und gibt mir den Sporn,
Und ob mein Herz streitet,
Sie macht mir die Hände zu Hufen aus Horn
Und rennt mit mir durch die Wände.
Die Sehnsucht, sie ist wie Salz im Meer,
Die Zunge wird mir bitten,
Und Durst klebt schwer
In Gaumen und Brust.
Und wie der Schaum auf Wellen lebt,
So mir die Sehnsucht am Munde schwebt.
Wie Wellen, die sich erdrücken müssen,
Erdrücken sich meine verlassenen Lippen
In Sehnsucht nach deinen Küssen.
Die Sehnsucht peitscht mit scharfem Dorn,
Sie reitet mich wild
Und gibt mir den Sporn,
Und ob mein Herz streitet,
Sie macht mir die Hände zu Hufen aus Horn
Und rennt mit mir durch die Wände.
Die Sehnsucht, sie ist wie Salz im Meer,
Die Zunge wird mir bitten,
Und Durst klebt schwer
In Gaumen und Brust.
Und wie der Schaum auf Wellen lebt,
So mir die Sehnsucht am Munde schwebt.
Wie Wellen, die sich erdrücken müssen,
Erdrücken sich meine verlassenen Lippen
In Sehnsucht nach deinen Küssen.
Zwei ungeborne Seelen
sitzen im Geisterbaum,
sie schmiegen sich aneinander
im tiefsten Lebenstraum.
Wer bist du, so fragt sacht
ihr heimlichstes Gelüst:
ein Lächeln, das nicht gelacht
und: ein Kuß , der nicht geküßt.
sitzen im Geisterbaum,
sie schmiegen sich aneinander
im tiefsten Lebenstraum.
Wer bist du, so fragt sacht
ihr heimlichstes Gelüst:
ein Lächeln, das nicht gelacht
und: ein Kuß , der nicht geküßt.
Heinz Kahlau - Verletzt
Die Wärme, die so dicht um meine Schultern lag,
hast du mit einer harten Geste weggezogen.
Jetzt ist mir kalt am heißen Sommertag.
Der allzu scheue Vogel Zärtlichkeit,
von deiner bösen Stimme ist er aufgeflogen
bis zu den Toten. Zittert dort und schreit.
Du hast ihn um sein schönes Nest betrogen,
das er sich selten aus vier Händen baut.
Du warst zu schweigsam, und du warst zu laut.
Die Wärme, die so dicht um meine Schultern lag,
hast du mit einer harten Geste weggezogen.
Jetzt ist mir kalt am heißen Sommertag.
Der allzu scheue Vogel Zärtlichkeit,
von deiner bösen Stimme ist er aufgeflogen
bis zu den Toten. Zittert dort und schreit.
Du hast ihn um sein schönes Nest betrogen,
das er sich selten aus vier Händen baut.
Du warst zu schweigsam, und du warst zu laut.
Ich liebe dich
Ich liebe dich heißt auch:
komm, schlaf mit mir.
Es kann auch heißen:
lass uns Kinder haben.
Ich liebe dich. Ich bin sehr gern bei dir.
Lass uns zusammen sein bis zum Begraben.
Ich liebe dich heißt auch:
Sei zu mir gut,
mach mir das Leben leicht,
das ich nicht zwinge.
Wenn ich allein wär´, fehlte mir der Mut.
Ich liebe dich, mach, dass es mir gelinge.
Ich liebe dich heißt auch:
Es macht mich stolz,
dass du mich mehr als andere begehrst.
Und dass du mir, nur mir
und keinem sonst,
in allem, was du bist, allein gehörst.
Ich liebe dich kann heißen:
Sei doch so, wie ich den andren,
den ich suche, sehne.
Erfüll mir meine Träume,
mach mich froh, dass ich bestätigt
durch mein Leben gehe.
Ich liebe dich heißt auch:
Ich will so sein, wie du mich brauchst -
ich will dein Schatten werden.
So nützlich ist dir keiner, ich allein
kann alles für dich tun
auf dieser Erden.
Ich liebe dich heißt immer:
Ich will dich für etwas haben,
das mir Glück verspricht.
Manchmal entsteht daraus:
Wir lieben uns.
Erst dieser Satz hat wirkliches Gewicht.
Ich liebe dich heißt auch:
komm, schlaf mit mir.
Es kann auch heißen:
lass uns Kinder haben.
Ich liebe dich. Ich bin sehr gern bei dir.
Lass uns zusammen sein bis zum Begraben.
Ich liebe dich heißt auch:
Sei zu mir gut,
mach mir das Leben leicht,
das ich nicht zwinge.
Wenn ich allein wär´, fehlte mir der Mut.
Ich liebe dich, mach, dass es mir gelinge.
Ich liebe dich heißt auch:
Es macht mich stolz,
dass du mich mehr als andere begehrst.
Und dass du mir, nur mir
und keinem sonst,
in allem, was du bist, allein gehörst.
Ich liebe dich kann heißen:
Sei doch so, wie ich den andren,
den ich suche, sehne.
Erfüll mir meine Träume,
mach mich froh, dass ich bestätigt
durch mein Leben gehe.
Ich liebe dich heißt auch:
Ich will so sein, wie du mich brauchst -
ich will dein Schatten werden.
So nützlich ist dir keiner, ich allein
kann alles für dich tun
auf dieser Erden.
Ich liebe dich heißt immer:
Ich will dich für etwas haben,
das mir Glück verspricht.
Manchmal entsteht daraus:
Wir lieben uns.
Erst dieser Satz hat wirkliches Gewicht.
Fall ab, Herz
Fall ab, Herz vom Baum der Zeit,
fallt, ihr Blätter, aus den erkalteten Ästen,
die einst die Sonne umarmt',
fallt, wie Tränen fallen aus dem geweiteten Aug!
Fliegt noch die Locke taglang im Wind
um des Landgotts gebräunte Stirn,
unter dem Hemd preßt die Faust
schon die klaffende Wunde.
Drum sei hart, wenn der zarte Rücken der Wolken
sich dir einmal noch beugt,
nimm es für nichts, wenn der Hymettos die Waben
noch einmal dir füllt.
Denn wenig gilt dem Landmann ein Halm in der Dürre,
wenig ein Sommer vor unserem großen Geschlecht.
Und was bezeugt schon dein Herz?
Zwischen gestern und morgen schwingt es,
lautlos und fremd,
und was es schlägt,
ist schon sein Fall aus der Zeit.
Fall ab, Herz vom Baum der Zeit,
fallt, ihr Blätter, aus den erkalteten Ästen,
die einst die Sonne umarmt',
fallt, wie Tränen fallen aus dem geweiteten Aug!
Fliegt noch die Locke taglang im Wind
um des Landgotts gebräunte Stirn,
unter dem Hemd preßt die Faust
schon die klaffende Wunde.
Drum sei hart, wenn der zarte Rücken der Wolken
sich dir einmal noch beugt,
nimm es für nichts, wenn der Hymettos die Waben
noch einmal dir füllt.
Denn wenig gilt dem Landmann ein Halm in der Dürre,
wenig ein Sommer vor unserem großen Geschlecht.
Und was bezeugt schon dein Herz?
Zwischen gestern und morgen schwingt es,
lautlos und fremd,
und was es schlägt,
ist schon sein Fall aus der Zeit.
Take this kiss upon the brow!
And, in parting from you now,
Thus much let me avow:
You are not wrong who deem
That my days have been a dream;
Yet if hope has flown away
In a night, or in a day,
In a vision, or in none,
Is it therefore the less gone?
All that we see or seem
Is but a dream within a dream.
I stand amid the roar
Of a surf-tormented shore,
And I hold within my hand
Grains of the golden sand--
How few! yet how they creep
Through my fingers to the deep,
While I weep--while I weep!
O God! can I not grasp
Them with a tighter clasp?
O God! can I not save
One from the pitiless wave?
Is all that we see or seem
But a dream within a dream?
And, in parting from you now,
Thus much let me avow:
You are not wrong who deem
That my days have been a dream;
Yet if hope has flown away
In a night, or in a day,
In a vision, or in none,
Is it therefore the less gone?
All that we see or seem
Is but a dream within a dream.
I stand amid the roar
Of a surf-tormented shore,
And I hold within my hand
Grains of the golden sand--
How few! yet how they creep
Through my fingers to the deep,
While I weep--while I weep!
O God! can I not grasp
Them with a tighter clasp?
O God! can I not save
One from the pitiless wave?
Is all that we see or seem
But a dream within a dream?
Believe Me, If All Those Endearing Young Charms
Believe me, if all those endearing young charms,
Which I gaze on so fondly today,
Were to change by tomorrow, and fleet in my arms,
Like fairy-gifts fading away,
Thou wouldst still be adored, as this moment thou art,
Let thy loveliness fade as it will,
And around the dear ruin each wish of my heart
Would entwine itself verdantly still.
It is not while beauty and youth are thine own,
And thy cheeks unprofaned by a tear
That the fervor and faith of a soul can be known,
To which time will but make thee more dear;
No, the heart that has truly loved never forgets,
But as truly loves on to the close,
As the sunflower turns on her god, when he sets,
The same look which she turned when he rose.
Believe me, if all those endearing young charms,
Which I gaze on so fondly today,
Were to change by tomorrow, and fleet in my arms,
Like fairy-gifts fading away,
Thou wouldst still be adored, as this moment thou art,
Let thy loveliness fade as it will,
And around the dear ruin each wish of my heart
Would entwine itself verdantly still.
It is not while beauty and youth are thine own,
And thy cheeks unprofaned by a tear
That the fervor and faith of a soul can be known,
To which time will but make thee more dear;
No, the heart that has truly loved never forgets,
But as truly loves on to the close,
As the sunflower turns on her god, when he sets,
The same look which she turned when he rose.
While on my lonely couch I lie,
I seldom feel myself alone,
For fancy fills my dreaming eye
With scenes and pleasures of its own.
Then I may cherish at my breast
An infant's form beloved and fair,
May smile and soothe it into rest
With all a Mother's fondest care.
How sweet to feel its helpless form
Depending thus on me alone!
And while I hold it safe and warm
What bliss to think it is my own!
And glances then may meet my eyes
That daylight never showed to me;
What raptures in my bosom rise,
Those earnest looks of love to see,
To feel my hand so kindly prest,
To know myself beloved at last,
To think my heart has found a rest,
My life of solitude is past!
But then to wake and find it flown,
The dream of happiness destroyed,
To find myself unloved, alone,
What tongue can speak the dreary void?
A heart whence warm affections flow,
Creator, thou hast given to me,
And am I only thus to know
How sweet the joys of love would be?
I seldom feel myself alone,
For fancy fills my dreaming eye
With scenes and pleasures of its own.
Then I may cherish at my breast
An infant's form beloved and fair,
May smile and soothe it into rest
With all a Mother's fondest care.
How sweet to feel its helpless form
Depending thus on me alone!
And while I hold it safe and warm
What bliss to think it is my own!
And glances then may meet my eyes
That daylight never showed to me;
What raptures in my bosom rise,
Those earnest looks of love to see,
To feel my hand so kindly prest,
To know myself beloved at last,
To think my heart has found a rest,
My life of solitude is past!
But then to wake and find it flown,
The dream of happiness destroyed,
To find myself unloved, alone,
What tongue can speak the dreary void?
A heart whence warm affections flow,
Creator, thou hast given to me,
And am I only thus to know
How sweet the joys of love would be?
Wir träumten voneinander
Und sind davon erwacht.
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.
Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich Eines
Im andern ganz verlor.
Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen, rein und rund,
Zerfließen in Eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.
(Friedrich Hebbel)
Und sind davon erwacht.
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.
Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich Eines
Im andern ganz verlor.
Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen, rein und rund,
Zerfließen in Eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.
(Friedrich Hebbel)
Du bist wie eine Blume
so hold und schön und rein;
ich schau' dich an, und Wehmut
schleicht mir ins Herz hinein.
Mir ist, als ob ich die Hände
aufs Haupt dir legen sollt',
betend, daß Gott dich erhalte
so rein und schön und hold.
so hold und schön und rein;
ich schau' dich an, und Wehmut
schleicht mir ins Herz hinein.
Mir ist, als ob ich die Hände
aufs Haupt dir legen sollt',
betend, daß Gott dich erhalte
so rein und schön und hold.
Alleingelassen bei Erinnerungen
Jetzt sitzt der weiße Schlaf vor allen Wintertüren,
Die Fenster sind gleich blassen Eierschalen,
Dahinter leben Straßen voll Gespenster
Und Stimmen, die uns ferne Menschen malen.
Man kann die Welt nicht sehen und nur spüren.
Wie Blinde ahnt man dunkel das Geschehen,
Alleingelassen bei Erinnerungen,
Die an den Türen wie die Bettler stehen,
Die bei den Ofenflammen warm sich rühren,
Erregt mit nimmersatten Hungerzungen.
Sie können uns an magern Händen führen
Und haben in der Asche noch nicht ausgesungen.
Jetzt sitzt der weiße Schlaf vor allen Wintertüren,
Die Fenster sind gleich blassen Eierschalen,
Dahinter leben Straßen voll Gespenster
Und Stimmen, die uns ferne Menschen malen.
Man kann die Welt nicht sehen und nur spüren.
Wie Blinde ahnt man dunkel das Geschehen,
Alleingelassen bei Erinnerungen,
Die an den Türen wie die Bettler stehen,
Die bei den Ofenflammen warm sich rühren,
Erregt mit nimmersatten Hungerzungen.
Sie können uns an magern Händen führen
Und haben in der Asche noch nicht ausgesungen.
Der Mond, der ohne Wärme lacht
Drüben über dem Fluß in der Nacht
Schwimmen die Berge im mondigen Nebel.
Im Fluß, im dunkeln, da funkeln sacht
Die hellen Wellen in grellen Kreisen.
Im Himmel steht, großes Feuer entfacht –
Der Mond, der ohne Wärme lacht,
Wie einer, den Liebe längst umgebracht.
Nun lebt er noch als Geist bedacht.
Drüben über dem Fluß in der Nacht
Schwimmen die Berge im mondigen Nebel.
Im Fluß, im dunkeln, da funkeln sacht
Die hellen Wellen in grellen Kreisen.
Im Himmel steht, großes Feuer entfacht –
Der Mond, der ohne Wärme lacht,
Wie einer, den Liebe längst umgebracht.
Nun lebt er noch als Geist bedacht.
Alle handeln wie die Herzen müssen
Meine Ohren horchen in die Nacht,
Wie der Regen seinen Tanzschritt macht.
Ruhe, eine der uralten Ammen,
Singt ihr Lied mit Dunkelheit zusammen,
Und der Regen tanzt auf flinken Füßen.
Alle handeln wie die Herzen müssen,
Alle wandeln frisch und unverfroren.
Nur die Liebe wird mit Angst geboren,
Nur der Sehnsucht ruhen nie die Ohren.
Meine Ohren horchen in die Nacht,
Wie der Regen seinen Tanzschritt macht.
Ruhe, eine der uralten Ammen,
Singt ihr Lied mit Dunkelheit zusammen,
Und der Regen tanzt auf flinken Füßen.
Alle handeln wie die Herzen müssen,
Alle wandeln frisch und unverfroren.
Nur die Liebe wird mit Angst geboren,
Nur der Sehnsucht ruhen nie die Ohren.
Die Liebe kennt das Wörtlein „sterben“ kaum
Nachtwinde umschauern die Fenster
Und dicken Mauern des Hauses.
Waldgipfel kauern drunten im Düstern.
Im Loch der Nacht lauern
Wie eines Raubtiers Nüstern – Todesgedanken.
Es ist, als ob die uralten Wände wanken.
Ein Käuzchen lockt mit Geschrei
Den Schauder der Sterbestunde herbei.
Sein Hilferuf gellt wie von einem, der sich die Stirn zerschellt.
Waldblätter rasseln und Regen fällt,
Und still ist auf einmal wieder die Welt,
Als ob jemand die Atemzüge dir zählt.
Zu meiner Seite aus tiefen Kissen
Spricht die Liebste im Traum.
Ihr Traumwort hat allen Spuk mir zerrissen –
Die Liebe kennt das Wörtlein „sterben“ kaum.
Nachtwinde umschauern die Fenster
Und dicken Mauern des Hauses.
Waldgipfel kauern drunten im Düstern.
Im Loch der Nacht lauern
Wie eines Raubtiers Nüstern – Todesgedanken.
Es ist, als ob die uralten Wände wanken.
Ein Käuzchen lockt mit Geschrei
Den Schauder der Sterbestunde herbei.
Sein Hilferuf gellt wie von einem, der sich die Stirn zerschellt.
Waldblätter rasseln und Regen fällt,
Und still ist auf einmal wieder die Welt,
Als ob jemand die Atemzüge dir zählt.
Zu meiner Seite aus tiefen Kissen
Spricht die Liebste im Traum.
Ihr Traumwort hat allen Spuk mir zerrissen –
Die Liebe kennt das Wörtlein „sterben“ kaum.
Eine traurige Geschichte
Ein Hering liebt eine Auster
Im kühlen Meeresgrund;
Es war sein Dichten und Trachten
Ein Kuss von ihrem Mund.
Die Auster, die war spröde,
Sie blieb in ihrem Haus;
ob der Hering sang und seufzte,
Sie schaute nicht heraus.
Nur eines Tages erschloss sie
Ihr duftig Schalenpaar;
Sie wollt im Meeresspiegel
Beschaun ihr Antlitz klar.
Schnell kam der Hering geschwommen,
Streckt seinen Kopf herein
Und dacht, an einem Kusse
In Ehren sich zu freun.
0 Hering, armer Hering,
Wie schwer bist du blamiert!
Sie schloss in Wut die Schalen,
Da war er guillotiniert.
Jetzt schwamm sein toter Leichnam
Wehmütig im grünen Meer
Und dacht: "In meinem Leben
Lieb ich keine Auster mehr!"
Josef Victor von Scheffel (1826-1886)
Ein Hering liebt eine Auster
Im kühlen Meeresgrund;
Es war sein Dichten und Trachten
Ein Kuss von ihrem Mund.
Die Auster, die war spröde,
Sie blieb in ihrem Haus;
ob der Hering sang und seufzte,
Sie schaute nicht heraus.
Nur eines Tages erschloss sie
Ihr duftig Schalenpaar;
Sie wollt im Meeresspiegel
Beschaun ihr Antlitz klar.
Schnell kam der Hering geschwommen,
Streckt seinen Kopf herein
Und dacht, an einem Kusse
In Ehren sich zu freun.
0 Hering, armer Hering,
Wie schwer bist du blamiert!
Sie schloss in Wut die Schalen,
Da war er guillotiniert.
Jetzt schwamm sein toter Leichnam
Wehmütig im grünen Meer
Und dacht: "In meinem Leben
Lieb ich keine Auster mehr!"
Josef Victor von Scheffel (1826-1886)
Ihr lebet in der Zeit
und kennt doch keine Zeit
So wisst Ihr Menschen nicht
von und in was
Ihr seid.
Diß wisst Ihr
daß ihr seid
in einer Zeit gebohren.
Und daß ihr werdet auch
in einer Zeit verlohren.
Was aber war die Zeit
die euch in sich gebracht?
Und was wird diese sein
die euch
zu nichts mehr macht?
Die Zeit ist was
und nichts.
Der Mensch in gleichem Falle.
Doch was dasselbe was
und nichts sei zweifeln alle.
Die Zeit die stirbt in sich
und zeucht sich auch aus sich.
Diß kommt
aus mir und dir
von dem du bist und ich.
Der Mensch ist in der Zeit;
sie ist in ihm ingleichen.
Doch aber muß der Mensch
wenn sie noch bleibet
weichen.
Die Zeit ist was ihr seid
und ihr seid was die Zeit
Nur daß ihr wenger noch
als was die Zeit ist
seid.
Ach daß doch jene Zeit
die ohne Zeit ist
kähme
Und uns aus dieser Zeit
in ihre Zeiten nähme.
Und aus uns selbsten uns
daß wir gleich köndten sein
Wie der itzt
jener Zeit
die keine Zeit geht ein.
Paul Fleming (1609-1640)
und kennt doch keine Zeit
So wisst Ihr Menschen nicht
von und in was
Ihr seid.
Diß wisst Ihr
daß ihr seid
in einer Zeit gebohren.
Und daß ihr werdet auch
in einer Zeit verlohren.
Was aber war die Zeit
die euch in sich gebracht?
Und was wird diese sein
die euch
zu nichts mehr macht?
Die Zeit ist was
und nichts.
Der Mensch in gleichem Falle.
Doch was dasselbe was
und nichts sei zweifeln alle.
Die Zeit die stirbt in sich
und zeucht sich auch aus sich.
Diß kommt
aus mir und dir
von dem du bist und ich.
Der Mensch ist in der Zeit;
sie ist in ihm ingleichen.
Doch aber muß der Mensch
wenn sie noch bleibet
weichen.
Die Zeit ist was ihr seid
und ihr seid was die Zeit
Nur daß ihr wenger noch
als was die Zeit ist
seid.
Ach daß doch jene Zeit
die ohne Zeit ist
kähme
Und uns aus dieser Zeit
in ihre Zeiten nähme.
Und aus uns selbsten uns
daß wir gleich köndten sein
Wie der itzt
jener Zeit
die keine Zeit geht ein.
Paul Fleming (1609-1640)
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