Gedichte und Gedanken
278 Antworten30'548 AufrufeGestartet von Chance2Desire ·
Der Vorhang fällt, das Stück ist aus,
Und Herrn und Damen gehn nach Haus.
Ob ihnen auch das Stück gefallen?
Ich glaub, ich hörte Beifall schallen.
Ein hochverehrtes Publikum
Beklatschte dankbar seinen Dichter.
Jetzt aber ist das Haus so stumm,
Und sind verschwunden Lust und Lichter.
Doch horch! ein schollernd schnöder Klang
Ertönt unfern der öden Bühne; -
Vielleicht, dass eine Seite sprang
An einer alten Violine.
Verdriesslich rascheln im Parterr
Etwelche Ratten hin und her,
Und alles riecht nach ranzgem Öle.
Die letzte Lampe ächzt und zischt
Verzweiflungsvoll und sie erlischt.
Das arme Licht war meine Seele.
Und Herrn und Damen gehn nach Haus.
Ob ihnen auch das Stück gefallen?
Ich glaub, ich hörte Beifall schallen.
Ein hochverehrtes Publikum
Beklatschte dankbar seinen Dichter.
Jetzt aber ist das Haus so stumm,
Und sind verschwunden Lust und Lichter.
Doch horch! ein schollernd schnöder Klang
Ertönt unfern der öden Bühne; -
Vielleicht, dass eine Seite sprang
An einer alten Violine.
Verdriesslich rascheln im Parterr
Etwelche Ratten hin und her,
Und alles riecht nach ranzgem Öle.
Die letzte Lampe ächzt und zischt
Verzweiflungsvoll und sie erlischt.
Das arme Licht war meine Seele.
Über dem Brünnlein nicket der Zweig,
Waldvögel zwitschern und flöten,
Wild Anemon' und Schlehdorn bleich
Im Abendstrahle sich röten,
Und ein Mädchen mit blondem Haar
Beugt über der glitzernden Welle,
Schlankes Mädchen, kaum fünfzehn Jahr,
Mit dem Auge der scheuen Gazelle.
Ringelblumen blättert sie ab:
»Liebt er?« - »liebt er mich nimmer?«
Und wenn »liebt« das Orakel gab,
Um ihr Antlitz gleitet ein Schimmer:
»Liebt er nicht« - o Grimm und Graus!
Daß der Himmel den Blüten gnade!
Gras und Blumen, den ganzen Strauß,
Wirft sie zürnend in die Kaskade.
Gleitet dann in die Kräuter lind,
Ihr Auge wird ernst und sinnend;
Frommer Eltern heftiges Kind,
Nur Minne nehmend und minnend,
Kannte sie nie ein anderes Band
Als des Blutes, die schüchterne Hinde;
Und nun Einer, der nicht verwandt -
Ist das nicht eine schwere Sünde?
Mutlos seufzet sie niederwärts,
In argem Schämen und Grämen,
Will zuletzt ihr verstocktes Herz
Recht ernstlich in Frage nehmen.
Abenteuer sinnet sie aus:
Wenn das Haus nun stände in Flammen,
Und um Hülfe riefen heraus
Der Karl und die Mutter zusammen?
Plötzlich ein Perlenregen dicht
Stürzt ihr glänzend aus beiden Augen,
In die Kräuter gedrückt ihr Gesicht,
Wie das Blut der Erde zu saugen,
Ruft sie schluchzend: »Ja, ja, ja!«
Ihre kleinen Hände sich ringen,
»Retten, retten würd' ich Mama,
Und zum Karl in die Flamme springen!«
Waldvögel zwitschern und flöten,
Wild Anemon' und Schlehdorn bleich
Im Abendstrahle sich röten,
Und ein Mädchen mit blondem Haar
Beugt über der glitzernden Welle,
Schlankes Mädchen, kaum fünfzehn Jahr,
Mit dem Auge der scheuen Gazelle.
Ringelblumen blättert sie ab:
»Liebt er?« - »liebt er mich nimmer?«
Und wenn »liebt« das Orakel gab,
Um ihr Antlitz gleitet ein Schimmer:
»Liebt er nicht« - o Grimm und Graus!
Daß der Himmel den Blüten gnade!
Gras und Blumen, den ganzen Strauß,
Wirft sie zürnend in die Kaskade.
Gleitet dann in die Kräuter lind,
Ihr Auge wird ernst und sinnend;
Frommer Eltern heftiges Kind,
Nur Minne nehmend und minnend,
Kannte sie nie ein anderes Band
Als des Blutes, die schüchterne Hinde;
Und nun Einer, der nicht verwandt -
Ist das nicht eine schwere Sünde?
Mutlos seufzet sie niederwärts,
In argem Schämen und Grämen,
Will zuletzt ihr verstocktes Herz
Recht ernstlich in Frage nehmen.
Abenteuer sinnet sie aus:
Wenn das Haus nun stände in Flammen,
Und um Hülfe riefen heraus
Der Karl und die Mutter zusammen?
Plötzlich ein Perlenregen dicht
Stürzt ihr glänzend aus beiden Augen,
In die Kräuter gedrückt ihr Gesicht,
Wie das Blut der Erde zu saugen,
Ruft sie schluchzend: »Ja, ja, ja!«
Ihre kleinen Hände sich ringen,
»Retten, retten würd' ich Mama,
Und zum Karl in die Flamme springen!«
Locke und Lied
Meine Lieder sandte ich dir,
Meines Herzens strömende Quellen,
Deine Locke sandtest du mir,
Deines Hauptes ringelnde Wellen;
Hauptes Welle und Herzens Flut,
Sie zogen einander vorüber;
Haben sie nicht im Kusse geruht?
Schoß nicht ein Leuchten darüber?
Und du klagest: verblichen sei
Die Farbe der wandernden Zeichen;
Scheiden tut weh, mein Liebchen, ei,
Die Scheidenden dürfen erbleichen;
Warst du blaß nicht, zitternd und kalt,
Als ich von dir mich gerissen?
Blicke sie an, du Milde, und bald,
Bald werden den Herrn sie nicht missen.
Auch deine Locke hat sich gestreckt,
Verdrossen, gleich schlafendem Kinde,
Doch ich hab' sie mit Küssen geweckt,
Hab' sie gestreichelt so linde,
Ihr geflüstert von unserer Treu',
Sie geschlungen um deine Kränze,
Und nun ringelt sie sich aufs neu'
Wie eine Rebe im Lenze.
Wenig Wochen, dann grünet der Stamm,
Hat Sonnenschein sich ergossen,
Und wir sitzen am rieselnden Damm,
Die Händ' in einander geschlossen,
Schaun in die Welle und schaun in das Aug'
Uns wieder und wieder und lachen,
Und Bekanntschaft mögen dann auch
Die Lock' und der Liederstrom machen.
Meine Lieder sandte ich dir,
Meines Herzens strömende Quellen,
Deine Locke sandtest du mir,
Deines Hauptes ringelnde Wellen;
Hauptes Welle und Herzens Flut,
Sie zogen einander vorüber;
Haben sie nicht im Kusse geruht?
Schoß nicht ein Leuchten darüber?
Und du klagest: verblichen sei
Die Farbe der wandernden Zeichen;
Scheiden tut weh, mein Liebchen, ei,
Die Scheidenden dürfen erbleichen;
Warst du blaß nicht, zitternd und kalt,
Als ich von dir mich gerissen?
Blicke sie an, du Milde, und bald,
Bald werden den Herrn sie nicht missen.
Auch deine Locke hat sich gestreckt,
Verdrossen, gleich schlafendem Kinde,
Doch ich hab' sie mit Küssen geweckt,
Hab' sie gestreichelt so linde,
Ihr geflüstert von unserer Treu',
Sie geschlungen um deine Kränze,
Und nun ringelt sie sich aufs neu'
Wie eine Rebe im Lenze.
Wenig Wochen, dann grünet der Stamm,
Hat Sonnenschein sich ergossen,
Und wir sitzen am rieselnden Damm,
Die Händ' in einander geschlossen,
Schaun in die Welle und schaun in das Aug'
Uns wieder und wieder und lachen,
Und Bekanntschaft mögen dann auch
Die Lock' und der Liederstrom machen.
Irgendwie machen mich diese Gedichte wehmütig !
* sucht nach neuem hobby *
* sucht nach neuem hobby *
MEIN LIEBESLIED
Wie ein heimlicher Brunnen
Murmelt mein Blut ,
Immer von dir, immer von mir.
Unter dem taumelnden Mond
Tanzen meine nackten , suchenden Träume ,
Nachtwandelnde Kinder ,
Leise über düstere Hecken.
O, deine Lippen sind sonnig...
Diese Rauschedüfte deiner Lippen...
Und aus blauen Dolden silberumringt
Lächelst du ... du, du.
Immer das schlängelnde Geriesel
Auf meiner Haut
Über die Schulter hinweg -
Ich lausche...
Wie ein heimlicher Brunnen
Murmelt mein Blut.
Else Lasker-Schüler
(1869-1945)
Wie ein heimlicher Brunnen
Murmelt mein Blut ,
Immer von dir, immer von mir.
Unter dem taumelnden Mond
Tanzen meine nackten , suchenden Träume ,
Nachtwandelnde Kinder ,
Leise über düstere Hecken.
O, deine Lippen sind sonnig...
Diese Rauschedüfte deiner Lippen...
Und aus blauen Dolden silberumringt
Lächelst du ... du, du.
Immer das schlängelnde Geriesel
Auf meiner Haut
Über die Schulter hinweg -
Ich lausche...
Wie ein heimlicher Brunnen
Murmelt mein Blut.
Else Lasker-Schüler
(1869-1945)
Zwei
Falter von da und dort
taumeln zusammen,
kreisen und wehen fort
fliegende Flammen.
Aber da lösen sich zwei
aus dem Gewimmel,
wirbeln trunken und frei
hoch in den Himmel.
Steigen in seligem Drehn
immer aufs neue,
bis sie im Duft vergehn
endloser Bläue.
Manfred Hausmann (1898-1986)
Falter von da und dort
taumeln zusammen,
kreisen und wehen fort
fliegende Flammen.
Aber da lösen sich zwei
aus dem Gewimmel,
wirbeln trunken und frei
hoch in den Himmel.
Steigen in seligem Drehn
immer aufs neue,
bis sie im Duft vergehn
endloser Bläue.
Manfred Hausmann (1898-1986)
Rote Nelke blüht im Garten,
Läßt verliebte Düfte glühen,
Will nicht schlafen, will nicht warten
Einen Trieb nur hat die Nelke:
Rascher, heißer, wilder blühen!
Eine Flamme seh ich prangen,
Wind in ihre Röte rennen,
Und sie zittert vor Verlangen,
Einen Trieb nur hat die Flamme:
Rascher, rascher zu verbrennen!
Du in meinem Blute innen,
Liebe du, was soll dein Träumen?
Willst ja nicht in Tropfen rinnen,
Willst in Strömen, willst in Fluten
Dich vergeuden, dich verschäumen!
Läßt verliebte Düfte glühen,
Will nicht schlafen, will nicht warten
Einen Trieb nur hat die Nelke:
Rascher, heißer, wilder blühen!
Eine Flamme seh ich prangen,
Wind in ihre Röte rennen,
Und sie zittert vor Verlangen,
Einen Trieb nur hat die Flamme:
Rascher, rascher zu verbrennen!
Du in meinem Blute innen,
Liebe du, was soll dein Träumen?
Willst ja nicht in Tropfen rinnen,
Willst in Strömen, willst in Fluten
Dich vergeuden, dich verschäumen!
Einem Schmetterlinge gleicht die Liebe;
Wie er flatternd über Blumen schwebt,
So entflieht sie oft auf leichten Schwingen,
Und nur selten kehrt sie uns zurück.
Um gewaltsam ihre Flucht zu hemmen,
Strebt das kranke Herz mit leisem Weh;
Möcht' ihr gern die raschen Flügel binden,
Gern sie bannen in der Treue Kreis.
Aber wie des Schmetterlinges Farben
Selbst in zarten Händen untergehn,
So vernichten Fesseln auch die Reize,
Die der Liebe freie Regung schmücken.
Darum öffne ihrem kurzen Glücke
Willig und geniessend Geist und Herz;
Aber will es wankelmüthig weichen
Trauere dann - doch halt es nicht zurück!
Wie er flatternd über Blumen schwebt,
So entflieht sie oft auf leichten Schwingen,
Und nur selten kehrt sie uns zurück.
Um gewaltsam ihre Flucht zu hemmen,
Strebt das kranke Herz mit leisem Weh;
Möcht' ihr gern die raschen Flügel binden,
Gern sie bannen in der Treue Kreis.
Aber wie des Schmetterlinges Farben
Selbst in zarten Händen untergehn,
So vernichten Fesseln auch die Reize,
Die der Liebe freie Regung schmücken.
Darum öffne ihrem kurzen Glücke
Willig und geniessend Geist und Herz;
Aber will es wankelmüthig weichen
Trauere dann - doch halt es nicht zurück!
Zum Lieben sind wir nie zu alt
Zum Lieben sind wir nie zu alt!
Wohl dem, der drob nicht streitet.
Und, so lang er durchs Dasein wallt,
Von Liebe ist geleitet!
Ob jünger, älter um manch Jahr!
Wird Lieb' um das sich kümmern?!
Was tut's , ob hier und dort ein Haar
Am Scheitel grau mag schimmern?!
Frägt Liebeslust, frägt Liebesleid,
Ob Kümmernisse haben
In's Antlitz mit dem Pflug der Zeit
Manch Furche schon gegraben?!
Ohn' Liebe leben wäre arg!
Drum altert nicht die Liebe!
Und so lang Kraft noch webt im Mark,
Besel'gen ihre Triebe!
Es liebt der Mensch, so lang er leibt
Und gleicht darin der Linde,
Die immer junge Triebe treibt
Trotz - tausendjähr'ger Rinde!
Zum Lieben sind wir nie zu alt!
Wohl dem, der drob nicht streitet.
Und, so lang er durchs Dasein wallt,
Von Liebe ist geleitet!
Ob jünger, älter um manch Jahr!
Wird Lieb' um das sich kümmern?!
Was tut's , ob hier und dort ein Haar
Am Scheitel grau mag schimmern?!
Frägt Liebeslust, frägt Liebesleid,
Ob Kümmernisse haben
In's Antlitz mit dem Pflug der Zeit
Manch Furche schon gegraben?!
Ohn' Liebe leben wäre arg!
Drum altert nicht die Liebe!
Und so lang Kraft noch webt im Mark,
Besel'gen ihre Triebe!
Es liebt der Mensch, so lang er leibt
Und gleicht darin der Linde,
Die immer junge Triebe treibt
Trotz - tausendjähr'ger Rinde!
Der Kuß
Dein Kuß allein will mir nicht genügen!
Ein Kuß nicht mein Begehren stillt!
Trankst Du ihn je in vollen Zügen
Und empfandst noch nicht, was aus ihm quillt?
Ein Kuß - ein Blitz unter Sturmes Toben -
Ein süß Gewittern der Sinnenflut
Im tiefsten Mark, das nach unten, nach oben
Das Sein im Zickzack durchrast mit Glut.
Gewitter, das nicht sich löset in Regen ...
In den Wolken bleibt und wühlend drin schwebt ...
Und wetterleuchtend auf allen Wegen
Mit peinvollen Schauern uns durchbebt ...
Dein Kuß allein will mir nicht genügen!
Ein Kuß nicht mein Begehren stillt!
Trankst Du ihn je in vollen Zügen
Und empfandst noch nicht, was aus ihm quillt?
Ein Kuß - ein Blitz unter Sturmes Toben -
Ein süß Gewittern der Sinnenflut
Im tiefsten Mark, das nach unten, nach oben
Das Sein im Zickzack durchrast mit Glut.
Gewitter, das nicht sich löset in Regen ...
In den Wolken bleibt und wühlend drin schwebt ...
Und wetterleuchtend auf allen Wegen
Mit peinvollen Schauern uns durchbebt ...
Ich wünsch' den Kuß und - küß Dich nicht!
Deinem Kuß möcht' dar ich bringen
Mehr ... viel mehr als nur den Mund ...
Ließe tief in mich ihn dringen
Wie den Sonnenstrahl der Grund ...
Wie der Grund das glüh`nde Weben,
Das in seinen Schoß sich gießt ...
Dem aus diesem Kusse Leben,
Blühen segensreich entsprießt ...
Dieser Beiden Liebestaten,
Daß sich eins dem andern leiht,
Jede Blume darf's verraten,
Jeder Traube Süßigkeit; -
... Unser Kuß, er gilt als Sünde
Und Dein Mund, der küßt, er - spricht ...
Drum - wie sich dies Herz auch winde -
Wünsch' ich ihn und - küß Dich nicht.
Deinem Kuß möcht' dar ich bringen
Mehr ... viel mehr als nur den Mund ...
Ließe tief in mich ihn dringen
Wie den Sonnenstrahl der Grund ...
Wie der Grund das glüh`nde Weben,
Das in seinen Schoß sich gießt ...
Dem aus diesem Kusse Leben,
Blühen segensreich entsprießt ...
Dieser Beiden Liebestaten,
Daß sich eins dem andern leiht,
Jede Blume darf's verraten,
Jeder Traube Süßigkeit; -
... Unser Kuß, er gilt als Sünde
Und Dein Mund, der küßt, er - spricht ...
Drum - wie sich dies Herz auch winde -
Wünsch' ich ihn und - küß Dich nicht.
Wille und Liebe
Gut. Baue der Liebe Ufer
Und dämme ihr Fluten ein!
Ein tücht'ger Geselle der - Wille!
Der zwängt sie in Ufer von Stein!
Weis' ihren Lauf er regelt
Mit Meister Verstand um die Wett',
Daß nicht sie zerstöre die Fluren
Und roll' in der Pflichten Bett -
Daß zwischen den Gardedamen,
Den Weiden sie schlängle voll Ruh,
Nur Blätter mit sich tragend,
Die die alte Weide wirft zu -
Daß sie in der Tiefe nur dulde
Den Krebs, der rückwärts geht
Und auf dem Spiegel Quappen
Und Fischlaich, der sich bäht.
Für Liebe, die solch ein Bächlein,
So schleichend, so seicht, so sanft,
Baut freilich Verstand mit dem Willen
Leicht einen Uferranft;
Doch gleicht sie dem wilden Strome,
Der tosend stürzet daher,
Den übermächtige Urkraft,
Hoch schwellt zum gewaltigen Meer!
Die reißt fort, was ihr im Weg steht -
Der wehrt keine Brücke, kein Damm:
Es stürzen am Ufer die Häuser! -
Sie entwurzelt den ältesten Stamm! -
Erschrick nicht, zaghaftes Mädchen
Vor diesem entsetzlichen Bild;
Dir wird das niemals geschehen;
Wie könntest Du lieben so wild?!
Gut. Baue der Liebe Ufer
Und dämme ihr Fluten ein!
Ein tücht'ger Geselle der - Wille!
Der zwängt sie in Ufer von Stein!
Weis' ihren Lauf er regelt
Mit Meister Verstand um die Wett',
Daß nicht sie zerstöre die Fluren
Und roll' in der Pflichten Bett -
Daß zwischen den Gardedamen,
Den Weiden sie schlängle voll Ruh,
Nur Blätter mit sich tragend,
Die die alte Weide wirft zu -
Daß sie in der Tiefe nur dulde
Den Krebs, der rückwärts geht
Und auf dem Spiegel Quappen
Und Fischlaich, der sich bäht.
Für Liebe, die solch ein Bächlein,
So schleichend, so seicht, so sanft,
Baut freilich Verstand mit dem Willen
Leicht einen Uferranft;
Doch gleicht sie dem wilden Strome,
Der tosend stürzet daher,
Den übermächtige Urkraft,
Hoch schwellt zum gewaltigen Meer!
Die reißt fort, was ihr im Weg steht -
Der wehrt keine Brücke, kein Damm:
Es stürzen am Ufer die Häuser! -
Sie entwurzelt den ältesten Stamm! -
Erschrick nicht, zaghaftes Mädchen
Vor diesem entsetzlichen Bild;
Dir wird das niemals geschehen;
Wie könntest Du lieben so wild?!
Wie ich von Dir träume
Guten Morgen! Dein war, Lieb, die Nacht!
Ich hab' im Traum mit Dir sie verbracht.
Noch hab' ich keinen Tag gesehn
Wie diesen Traum, so himmlisch, so schön!
Ach, daß eine Stunde schlagen mir möchte,
Die solche Wonne wirklich mir brächte!
Der Lenz hat über den Thalesgrund
Einen Teppich gebreitet aus Blumen bunt
Und sandte nach uns den Sonnenschein,
Sandt' aus mit Sang die Vögelein,
Das Heer der zirpenden Cicaden
Unsere Liebe zur Flur zu laden.
Wir zogen Hand in Hand hinaus
Ins offne große Gotteshaus;
Und als die Vögel ich gewahrt,
In holder Freiheit traut gepaart,
Die Blumen sah den Kelch erschließen
Dem Blüthenstaub, sich drein zu gießen:
Da zog es zu Dir mich auf den Grund -
Und nahe rückte Mund an Mund
Und immer näher ... wie war das süß!
Geschah's, weil das Denken mich verließ? ...
Der Gürtel war entzwei mir gerissen
Und mir kam der Mut: Dich zu küssen ... zu küssen!
Guten Morgen! Dein war, Lieb, die Nacht!
Ich hab' im Traum mit Dir sie verbracht.
Noch hab' ich keinen Tag gesehn
Wie diesen Traum, so himmlisch, so schön!
Ach, daß eine Stunde schlagen mir möchte,
Die solche Wonne wirklich mir brächte!
Der Lenz hat über den Thalesgrund
Einen Teppich gebreitet aus Blumen bunt
Und sandte nach uns den Sonnenschein,
Sandt' aus mit Sang die Vögelein,
Das Heer der zirpenden Cicaden
Unsere Liebe zur Flur zu laden.
Wir zogen Hand in Hand hinaus
Ins offne große Gotteshaus;
Und als die Vögel ich gewahrt,
In holder Freiheit traut gepaart,
Die Blumen sah den Kelch erschließen
Dem Blüthenstaub, sich drein zu gießen:
Da zog es zu Dir mich auf den Grund -
Und nahe rückte Mund an Mund
Und immer näher ... wie war das süß!
Geschah's, weil das Denken mich verließ? ...
Der Gürtel war entzwei mir gerissen
Und mir kam der Mut: Dich zu küssen ... zu küssen!
Der Liebe Kurzlebigkeit
Wie sehn' ich mir den Lenz herbei
Auf Berge, in die Täler!
Die Liebe stiehlt die Küsse frei,
Ist Maiengrün ihr Hehler!
Dann werden Arm in Arm wir gehn
Hin in die grünen Auen,
Wo stille Gänseblümchen stehn,
Die stumm auf Küsse schauen! -
Wir küssen leise dann und laut
Dort bei den grünen Saaten,
Die Lerche, die es hört und schaut,
Die wird uns nicht verraten!
Dein Haupt mir in den Schoß dann fällt,
Am Raine dort, am grünen,
Es läßt das blaue Himmelszelt
Herunter die Gardinen ...
Wie sehn' ich mir den Lenz herbei
Auf Berge, in die Täler!
Die Liebe stiehlt die Küsse frei,
Ist Maiengrün ihr Hehler!
Dann werden Arm in Arm wir gehn
Hin in die grünen Auen,
Wo stille Gänseblümchen stehn,
Die stumm auf Küsse schauen! -
Wir küssen leise dann und laut
Dort bei den grünen Saaten,
Die Lerche, die es hört und schaut,
Die wird uns nicht verraten!
Dein Haupt mir in den Schoß dann fällt,
Am Raine dort, am grünen,
Es läßt das blaue Himmelszelt
Herunter die Gardinen ...
Nur nicht
Das Leben
wäre
vielleicht einfacher
wenn ich dich
gar nicht getroffen hätte
Weniger Trauer
jedes Mal
wenn wir uns trennen müssen
weniger Angst
vor der nächsten
und übernächsten Trennung
Und auch nicht soviel
von dieser machtlosen Sehnsucht
wenn du nicht da bist
die nur das Unmögliche will
und das sofort
im nächsten Augenblick
und die dann
weil es nicht sein kann
betroffen ist
und schwer atmet
Das Leben
wäre vielleicht
einacher
wenn ich dich
nicht getroffen hätte
Es wäre nur nicht
mein Leben
Das Leben
wäre
vielleicht einfacher
wenn ich dich
gar nicht getroffen hätte
Weniger Trauer
jedes Mal
wenn wir uns trennen müssen
weniger Angst
vor der nächsten
und übernächsten Trennung
Und auch nicht soviel
von dieser machtlosen Sehnsucht
wenn du nicht da bist
die nur das Unmögliche will
und das sofort
im nächsten Augenblick
und die dann
weil es nicht sein kann
betroffen ist
und schwer atmet
Das Leben
wäre vielleicht
einacher
wenn ich dich
nicht getroffen hätte
Es wäre nur nicht
mein Leben
Send' mir Rosen
Send' mir Rosen, send' mir Grüße!
Frische Rosen, Worte süße,
Daß ich an den Mund sie drücke
Und mein Krankenlager schmücke!
Daß mich in der holden Gabe
Deines Herzens Grüßen labe!
Laß mich glauben: in den Rosen
Deine Lippen mit mir kosen!
Wenn ich bald die Stengel fasse,
Bald den Händen sie entlasse,
Laß mich glauben, daß ich Deine
Hand fühl' drücken heiß die meine!
Wenn ich mich am Dorne ritze,
Meinen, 's war an deinem Witze!
Send' mir Rosen, send' mir Grüße,
Daß ins Herz mir Balsam fließe!
Laß im Gruß mich Liebe lesen
Und ich werde schnell genesen!
Send' mir Rosen, send' mir Grüße!
Frische Rosen, Worte süße,
Daß ich an den Mund sie drücke
Und mein Krankenlager schmücke!
Daß mich in der holden Gabe
Deines Herzens Grüßen labe!
Laß mich glauben: in den Rosen
Deine Lippen mit mir kosen!
Wenn ich bald die Stengel fasse,
Bald den Händen sie entlasse,
Laß mich glauben, daß ich Deine
Hand fühl' drücken heiß die meine!
Wenn ich mich am Dorne ritze,
Meinen, 's war an deinem Witze!
Send' mir Rosen, send' mir Grüße,
Daß ins Herz mir Balsam fließe!
Laß im Gruß mich Liebe lesen
Und ich werde schnell genesen!
»Lebwohl und sei heiter«
Du ziehst von mir weiter
Zur Anderen hin:
»Lebwohl und schlag heiter
Dir mich aus dem Sinn!«
Reiß aus die Nelke
Und wirf sie fort
Und sprich: nicht welke
Am öden Ort!
Und schieß nach der Taube
Und triff sie ins Herz
Und sag' ihr: nicht glaube
An Deinen Schmerz!
Und ... zieh von mir weiter
Zur Anderen dort -
Und sprich: »sei heiter
Und - leb' nun fort!«
Du ziehst von mir weiter
Zur Anderen hin:
»Lebwohl und schlag heiter
Dir mich aus dem Sinn!«
Reiß aus die Nelke
Und wirf sie fort
Und sprich: nicht welke
Am öden Ort!
Und schieß nach der Taube
Und triff sie ins Herz
Und sag' ihr: nicht glaube
An Deinen Schmerz!
Und ... zieh von mir weiter
Zur Anderen dort -
Und sprich: »sei heiter
Und - leb' nun fort!«
Auf meinen Lippen brennt dein Kuß,
er brennt wie Feuer und Sünde,
er brennt wie himmlischer Hochgenuß
und macht mich zum schwachen Kinde.
Viel wilde Rosen erblühn und glühn
und glühn und verwelken am Hage -
und der Wald ist duftig, der Wald ist grün
am leuchtenden Julitage .....
Vom Meer herauf die Sonne grüßt,
Tautropfen am Riedgras beben: - -
wir haben uns kaum Willkommen geküßt
und sollen uns Abschied geben!
Und gehen sollst du, geliebter Mann,
mit all' dem zitternden Bangen,
mit der ungelöschten Glut hindann -
und durften uns kaum umfangen.
Wie lange währt es, so schwillt der Wein,
Im Felde die Sicheln klingen;
all', was da blühte im Sonnenschein,
wird reifen und Früchte bringen.
Die Luft wird kühl, und das Laub verdorrt,
Schnee liegt auf Hängen und Hagen .....
wir aber werden von Ort zu Ort
die zehrenden Gluten tragen.
er brennt wie Feuer und Sünde,
er brennt wie himmlischer Hochgenuß
und macht mich zum schwachen Kinde.
Viel wilde Rosen erblühn und glühn
und glühn und verwelken am Hage -
und der Wald ist duftig, der Wald ist grün
am leuchtenden Julitage .....
Vom Meer herauf die Sonne grüßt,
Tautropfen am Riedgras beben: - -
wir haben uns kaum Willkommen geküßt
und sollen uns Abschied geben!
Und gehen sollst du, geliebter Mann,
mit all' dem zitternden Bangen,
mit der ungelöschten Glut hindann -
und durften uns kaum umfangen.
Wie lange währt es, so schwillt der Wein,
Im Felde die Sicheln klingen;
all', was da blühte im Sonnenschein,
wird reifen und Früchte bringen.
Die Luft wird kühl, und das Laub verdorrt,
Schnee liegt auf Hängen und Hagen .....
wir aber werden von Ort zu Ort
die zehrenden Gluten tragen.
Sehnsucht
So still und heiss ist die Sommernacht,
Da bin ich jäh aus dem Schlaf erwacht,
Am Fenster duften die Linden -
Die Sehnsucht sitzt auf des Bettes Rand
Und winkt und winkt mit verstohlener Hand,
Und ich kann keinen Schlaf mehr finden.
Von fernher das Meer herüberrauscht,
Es zittert mein banges Herz und lauscht,
Kann nimmer den Morgen erwarten -
Weich geht der Nachtwind und seufzt und klagt,
Und ich folge hinaus, hinaus in die Nacht,
In den sommerduftenden Garten ...
So still und heiss ist die Sommernacht,
Da bin ich jäh aus dem Schlaf erwacht,
Am Fenster duften die Linden -
Die Sehnsucht sitzt auf des Bettes Rand
Und winkt und winkt mit verstohlener Hand,
Und ich kann keinen Schlaf mehr finden.
Von fernher das Meer herüberrauscht,
Es zittert mein banges Herz und lauscht,
Kann nimmer den Morgen erwarten -
Weich geht der Nachtwind und seufzt und klagt,
Und ich folge hinaus, hinaus in die Nacht,
In den sommerduftenden Garten ...
Je t'aime
»Je t'aime« - in den Baum geschrieben
Hat seine Hand mit keckem Scherz;
Kennt er denn nicht das Wörtchen »lieben«?
Doch süss erschrocken steht ihr Herz.
»Je t'aime« - in das Mark gezwungen
Hat er's dem Baum im tiefen Wald;
»Ich liebe dich!« hat sie gesungen,
Dass es im Walde wiederhallt.
»Je t'aime« - kann sie doch nicht singen,
Denn gar zu fremd ist ihr das Wort;
»Ich liebe dich!« so wird es klingen
In ihrem Herzen fort und fort.
»Je t'aime« - wo ist der Freund geblieben?
Das fremde Glück entwich so bald!
Er kannte nicht das Wörtchen »lieben«,
Und weinend geht sie durch den Wald .
»Je t'aime« - in den Baum geschrieben
Hat seine Hand mit keckem Scherz;
Kennt er denn nicht das Wörtchen »lieben«?
Doch süss erschrocken steht ihr Herz.
»Je t'aime« - in das Mark gezwungen
Hat er's dem Baum im tiefen Wald;
»Ich liebe dich!« hat sie gesungen,
Dass es im Walde wiederhallt.
»Je t'aime« - kann sie doch nicht singen,
Denn gar zu fremd ist ihr das Wort;
»Ich liebe dich!« so wird es klingen
In ihrem Herzen fort und fort.
»Je t'aime« - wo ist der Freund geblieben?
Das fremde Glück entwich so bald!
Er kannte nicht das Wörtchen »lieben«,
Und weinend geht sie durch den Wald .
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